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Der Presserat zur ZEIT-Berichterstattung über multiresistente Keime

 

Als die ZEIT und ZEIT ONLINE im vergangenen November eine mehrteilige Serie über die Gefahren von Antibiotika resistenter Keime starteten und dabei einen Schwerpunkt auf die Risiken der Landwirtschaft (Die Rache aus dem Stall,  ZEIT Nr. 48/2014) setzten, war die Empörung des Deutschen Bauernverbandes groß. Der Hauptvorwurf lautete: Die ZEIT habe durch eine falsche und überdramatisierende Schilderung der Gefahren, die insbesondere durch die Folgen der Massentierhaltung entstehen, die Bauern verunglimpft.

Um dieser Empörung Nachdruck zu verleihen, wandte sich der Bauernverband auch an den Deutschen Presserat, um in einem 20-seitigen Schriftsatz, formuliert von einer Berliner Anwaltskanzlei, die moralische Kontrollinstanz der deutschen Presselandschaft aufzufordern, die ZEIT in zahllosen Punkten für ihre unfaire Berichterstattung zu rügen.

Der Presserat hat nun diesen Vorgang behandelt und der ZEIT in einem einzigen Punkt einen Hinweis erteilt. Es geht dabei um die tatsächlich missverständliche Darstellung einer medizinischen Behandlung eines Nierenarztes, der ein Antibiotika nach dem anderen, allesamt leider wirkungslos geblieben, natürlich nicht im Körper der sterbenskranken Patientin, sondern im Labor getestet hatte. Dies wurde in der ZEIT eine Woche nach Erscheinen des betreffenden Textes durch einen Leserbrief des Arztes klargestellt, doch dies war nach Ansicht des Presserates nicht ausreichend, die Klarstellung hätte in redaktioneller Form erfolgen müssen – und der Presserat hat recht, dies war ein Fehler.

Auf ZEIT ONLINE wurde diese Klarstellung inzwischen nachgeholt. Ein Hinweis ist neben Rüge und Missbilligung die mildeste Form der Kritik des Presserates. In allen anderen Punkten hat der Presserat die Beschwerden des Bauernverbandes zurückgewiesen: „Darüber hinaus erkennt der Beschwerdeausschuss in der vorliegenden Berichterstattung keine weiteren Verstöße gegen den Pressekodex.“

Nun hat vergangene Woche das dem Bauernverband nahestehende Nachrichtenportal Agrar Heute über diesen Vorgang berichtet und dabei den Eindruck vermittelt, der Presserat habe die ZEIT insgesamt für die Schilderung der ernsten Gefahren kritisiert, die durch die Massentierhaltung entstehen. Das ist keine große Sache und doch schade, da es zeigt, wie schwer sich manche Landwirtschaftsprofis bei diesem dramatischen Thema im Umgang mit der Wahrheit tun.