{"id":2709,"date":"2015-10-28T09:00:15","date_gmt":"2015-10-28T08:00:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zeit.de\/freitext\/?p=2709"},"modified":"2015-10-28T12:24:07","modified_gmt":"2015-10-28T11:24:07","slug":"fluechtlinge-europa-melilla","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/2015\/10\/28\/fluechtlinge-europa-melilla\/","title":{"rendered":"An der Festung Europa"},"content":{"rendered":"<p><strong>Hinter meterhohen Eisengittern liegt das Fl\u00fcchtlingslager in der spanischen Mittelmeer-Exklave Melilla. Eine Reise zu einem Grenzzaun<\/strong><\/p>\n<p>Irgendwo hinter den Alpen stehe ich in einer vierk\u00f6pfigen Warteschlange in einem Flugzeug vor der Toilette. Die Frau, die sich hinter mich stellt, sieht mich eine Weile aufmerksam an und sagte dann: &#8222;Irgendwoher kenne ich Sie!&#8220;<\/p>\n<p>Ich sage, dass ich mindestens drei Doppelg\u00e4nger habe, und hoffe inst\u00e4ndig, dass wir uns nicht kennen, denn ich fliege nach Afrika und auf dem Weg dorthin m\u00f6chte ich niemanden kennen. Ich reise zu einem Grenzzaun. Ich m\u00f6chte an einem Langgedicht arbeiten. Ich bin dann asozial und maulfaul, deshalb reise ich allein.<!--more--><\/p>\n<p>&#8222;Sind Sie auch mit W\u00f6rlitz unterwegs?&#8220;<\/p>\n<p>Ich frage, was das sei.<\/p>\n<p>&#8222;Die Reisegruppe!&#8220;<\/p>\n<p>Ich verneine und frage, wo sie denn hinfahre.<\/p>\n<p>&#8222;Nach \u2026&#8220;<\/p>\n<p>Sie sieht mich Hilfe suchend an.<\/p>\n<p>&#8222;Wo liegt das denn?&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;In Spanien. Andalusien, glaube ich. Und Sie?&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Ich steige in M\u00e1laga um und fliege weiter \u00fcbers Mittelmeer, nach Melilla.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Ah, bei den Seychellen, sch\u00f6n!&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Marokko&#8220;, sage ich.<\/p>\n<p>&#8222;Marokko&#8220;, sagt sie, &#8222;auch sch\u00f6n!&#8220;<\/p>\n<p>Neben mir sitzt ein vielleicht 20-J\u00e4hriger, der einen Fantasyroman liest, daneben seine Mutter, die seit drei Stunden Kreuzwortr\u00e4tsel l\u00f6st, unterbrochen von einem Kaffee, einer Cola und einer T\u00fcte Chips.<\/p>\n<p>In M\u00e1laga steige ich in eine Zwei-Propeller-Maschine der Fluggesellschaft Air Nostrum, in der knapp 100 Sitze verankert sind. Berufspendler sitzen herum, die in ihren Feierabend fliegen, ersch\u00f6pft sehen sie aus und gelangweilt. Sie kennen das, 45 Minuten Flug, andere fahren jeden Morgen von Neuss nach D\u00fcsseldorf. Sie kennen sich, nicken einander zu, man setzt sich, wo Platz ist. Manche haben nur eine Aktentasche dabei, die meisten nichts. Das Taxi f\u00e4hrt zum Hotel. Kurz hinter dem Flughafen lese ich an einer Wand: &#8222;<em>Welcome to fortress europe<\/em>&#8222;. Danke.<\/p>\n<p>An einem der n\u00e4chsten Tage stehe ich sehr fr\u00fch auf und gehe zur Grenze. Ich werde sie ablaufen, einmal diesen Fleck Spanien umrunden. Ich verlasse die Stadt und gehe \u00fcber eine staubige Fl\u00e4che. Dutzende Milit\u00e4rfahrzeuge in der Ferne, ich h\u00f6re Maschinengewehrfeuer. Gruppen von Soldaten kommen mir entgegengejoggt. Ich biege in eine Stra\u00dfe, rechts ein Truppen\u00fcbungsplatz, auf dem Granaten abgefeuert werden, links bellen Hunde. Ich gehe durch einen Pinienwald und fotografiere aus sicherer Entfernung den Grenzzaun. In Marokko steht ein altes, geducktes, wei\u00df gestrichenes Haus, vor dem sich ein Mann vor einem gelben Eimer w\u00e4scht.<\/p>\n<p>Ich gehe n\u00e4her an den Zaun heran. Er besteht aus drei Z\u00e4unen, unterschiedlich hoch, der \u00e4u\u00dferste ist sechs Meter hoch, feinmaschig und oben Richtung Marokko gebogen. Alle 20 Meter eine Kamera, alle 20 Meter ein Flutscheinwerfer. Eine asphaltierte Stra\u00dfe davor. Auf der Stra\u00dfe h\u00e4lt ein Jeep der Armee. Zwei Soldaten steigen aus. Niemand ist sonst hier. Sie werden mich gesehen haben, wie ich fotografiert habe, denke ich. Sie haben mich noch nicht entdeckt, ich gehe hinter einen Strauch, stecke die Kamera ein, setze den Sonnenhut auf und nehme die Wasserflasche in die Hand. Tourist, ich bin Tourist, ich laufe hier nur rum, klar. Ich gehe wieder los und sofort rufen sie. Ich bleibe stehen. Zwei Soldaten, ein \u00e4lterer und ein j\u00fcngerer, laufen auf mich zu. Der \u00c4ltere geht vor, gr\u00fc\u00dft milit\u00e4risch und redet drauf los. Der J\u00fcngere bleibt im Abstand von f\u00fcnf Metern seitlich des Anderen stehen und richtet sein MG auf mich. Mir zittern die Beine. Konzentriere dich, du hast nichts gemacht, die k\u00f6nnen dir nichts, keine Angst zeigen, alles normal. Ich unterbreche den Mann und frage mit der festesten mir zur Verf\u00fcgung stehenden Stimme: &#8222;<em>Do you speak English<\/em>?&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;<em>A little! You made photos!<\/em>&#8222;<\/p>\n<p>&#8222;<em>Yes, I do!<\/em>&#8222;<\/p>\n<p>Ich sage, ich sei durch den Wald spaziert, und dass das mein erster Tag in Melilla sei und ich mir alles ansehen wolle. Er spricht sehr schnell in sein Funkger\u00e4t. Er steckt es wieder in die Halterung und sagt, ich habe Milit\u00e4ranlagen fotografiert und m\u00fcsse jetzt mitkommen. Ich sehe den J\u00fcngeren an, der v\u00f6llig bewegungs- und ausdruckslos das MG auf mich h\u00e4lt. Vor dem Milit\u00e4rjeep h\u00e4lt ein Jeep der Guardia Civil. Zwei M\u00e4nner steigen aus, sehen zu uns her\u00fcber und warten. Meine Beine zittern. Ich sage, dass ich den Wald fotografiert habe, die B\u00e4ume, weil ich diese B\u00e4ume besonders mag und es sie in der Stadt, in der ich lebe, nicht gebe und ich die Fotos meinen Kindern zeigen m\u00f6chte, und dass ich aus Deutschland komme, und auch da sei es verboten, Milit\u00e4ranlagen zu fotografieren, das wisse ich. Er sieht genervt aus, der J\u00fcngere bewegt sich nicht. Dann holt er wieder das Funkger\u00e4t heraus und spricht schnell hinein. Ich verstehe die spanischen Vokabeln f\u00fcr &#8222;Deutschland&#8220; und &#8222;englisch&#8220;. Er nickt, salutiert wieder und die beiden gehen. Die M\u00e4nner der Guardia Civil steigen ein. Es ist neun Uhr morgens, ich setze mich auf den Boden, nehme einen Schluck Wasser und sage: &#8222;<em>Fuck!<\/em>&#8222;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-2713 size-medium\" src=\"http:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/freitext\/wp-content\/blogs.dir\/84\/files\/2015\/10\/SAM_4230-620x465.jpg\" alt=\"Melilla: An der Festung Europa - Freitext\" width=\"620\" height=\"465\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2015\/10\/SAM_4230-620x465.jpg 620w, https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2015\/10\/SAM_4230-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/p>\n<p>Ich laufe weiter am Zaun entlang, der lange Schatten auf die marokkanische Seite wirft. Zwischen dem Zaun und der Stadt stehen kaum Geb\u00e4ude. Staubige Fl\u00e4chen, vereinzelt Agaven, Kakteen, zerrupfte Palmen, wenige B\u00fcsche, in denen Plastikt\u00fcten h\u00e4ngen. An dem Grenz\u00fcbergang nach Farkhana stehen Autos mit arabischen Kennzeichen Schlange. Zumeist sind es zerschrammte, verbeulte Mercedes, an denen der Lack abgeplatzt ist, die woanders nicht mal verschenkt werden k\u00f6nnten. In jedem Auto ein junger Mann, der Rest ist vollgeladen mit dem Wohlstandsm\u00fcll aus Melilla. Die Wagen stehen dicht an dicht. Immer wieder sto\u00dfen sie gegeneinander, Bremslichter gehen zu Bruch, eine Frontscheibe splittert. Die Fahrer winken sich kurz zu, passiert eben, alles in Ordnung. Einige M\u00e4nner sind zust\u00e4ndig daf\u00fcr, etwas Ordnung in das Chaos zu bringen. Dr\u00e4ngelt jemand vor, \u00fcberholt jemand, weil ein Auto zu qualmen beginnt und geschoben werden muss, stellen sie sich ihm in den Weg, dirigieren die Autos, die zuvor kamen, an ihm vorbei. Es wird gebr\u00fcllt, geschimpft, geflucht. Kommt es doch zu Handgemengen, schreitet der spanische Polizist ein, der f\u00fcr diesen Abschnitt des Staus zust\u00e4ndig zu sein scheint, und da spanische Polizisten in Melilla Gott und Vaterland und W\u00e4chter der Grenze zugleich sind, gen\u00fcgt ein gez\u00fcckter Schlagstock und die Streitenden gehen rasch auseinander. Sicher bekommen die M\u00e4nner pro Fahrt einen Lohn, und je \u00f6fter sie fahren, desto h\u00f6her ist der Tagesverdienst.<\/p>\n<p>Der Boden seitlich der Stra\u00dfe ist voller M\u00fcll: leere Obstkisten, Plastik, Glasflaschen. Junge M\u00e4nner tragen R\u00fcckb\u00e4nke, Autoreifen, vier, f\u00fcnf gestapelte Sto\u00dfstangen \u00fcber die Grenze. Zur\u00fcck kommen einige mit Eimern voller Obst. So geht es hin und her. Ich stehe eine Weile auf einem Betonklotz und sehe dann, wie einer der M\u00e4nner, die f\u00fcr die Ordnung zust\u00e4ndig sind, von einem Auto angefahren wird und zur Seite fliegt. Bevor das Auto gegen den Betonklotz knallt, springe ich nach hinten weg und falle hin. Ein alter Mann hilft mir hoch, l\u00e4chelt, und ich sehe sein desastr\u00f6ses Gebiss. Das Auto setzt schon wieder zur\u00fcck. Der Mann, der angefahren wurde, steht wieder. Der Alte zieht mich mit und wir setzen uns auf einen Autoreifenstapel neben einen anderen alten Mann. Hinter uns, auf einer freien Fl\u00e4che, werden die Autos gepackt. Zwischen Motorblock und Motorhaube kommen Bretter oder S\u00e4cke. Ich bin seit f\u00fcnf Stunden unterwegs, ich habe einen heftigen Sonnenbrand im Nacken, es sind 30 Grad. Die beiden Alten, die den Eindruck machen, als w\u00fcrden sie hier jeden Tag sitzen, reden kein Wort. Kurz nachdem die Sonne am h\u00f6chsten stand, h\u00f6ren wir den Muezzin in dem anderen Land.<\/p>\n<p>Ich bin ersch\u00f6pft von den Eindr\u00fccken, unf\u00e4hig, aufzustehen, zu m\u00fcde, um etwas zu trinken. Ich h\u00e4tte etwas \u00fcber Singv\u00f6gel schreiben k\u00f6nnen, ein Buch \u00fcber irgendeine F\u00e4higkeit, das Einmaleins der Lyrik, 100 tolle Schreibaufgaben, was Abstraktes, Zusammengeklatschtes. Zusammenklatschen geht immer, da muss man nur die bescheuerte Postmoderne anzapfen und fertig ist die Bude. Nein, ich wollte hierher. Ich hatte angefangen, \u00fcber Melilla zu schreiben, nachdem ich vor ein paar Jahren in einer 80 Meter langen Schlange in einem Supermarkt stand und in der Zeitung dar\u00fcber las. Es war mir nicht neu, aber ich bekam dort eine kalte Wut auf das, was ich las, und begann das zu verachten, woran ich gerade schrieb. Jetzt reicht&#8217;s, dachte ich. Niemand hat mich gezwungen. Ich habe es mir ausgesucht. Es war mir klar, dass es anstrengend werden w\u00fcrde. Ich blieb zwei Stunden lang sitzen. In diesen beiden Stunden sah ich eine einzige Frau. Sie trug einen Bikini und fuhr in einem roten Land Rover nach Melilla. Weiter, dachte ich, und stand wieder auf. Sitzen kannst du auch in Berlin.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-2714\" src=\"http:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/freitext\/wp-content\/blogs.dir\/84\/files\/2015\/10\/SAM_4254-620x465.jpg\" alt=\"SAM_4254\" width=\"620\" height=\"465\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2015\/10\/SAM_4254-620x465.jpg 620w, https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2015\/10\/SAM_4254-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/p>\n<p>200 Meter weiter liegt das Auffanglager, umz\u00e4unt von meterhohen Eisengittern. Dort leben die, die es \u00fcber den Zaun geschafft haben und nicht gleich durch eine der T\u00fcren im Zaun dem marokkanischen Milit\u00e4r \u00fcbergeben wurden, was zwar illegal ist, aber darum schert sich niemand. Ein Flugzeug, das kurz zuvor das Rollfeld des Flughafens verlassen hat, fliegt in 50 Meter H\u00f6he \u00fcber das Lager. Auf der anderen Stra\u00dfenseite, zwischen Lager und Zaun, ein Golfplatz, darauf drei M\u00e4nner in wei\u00dfen Hosen, orangefarbenen Poloshirts und Schirmm\u00fctzen, die neben einem Caddy stehen. Hinter dem n\u00e4chsten H\u00fcgel der muslimische Friedhof von Melilla, h\u00fcgelab bis zum Zaun. In Marokko ebenso ein Friedhof.<\/p>\n<p>Ich rede kaum. Niemand kann Englisch, abgesehen von diesem einen Soldaten, dem ich nicht mehr begegnen m\u00f6chte. Die Leute sind sehr freundlich und neugierig. Ein Tourist, da! Er steht in der Apotheke und m\u00f6chte Blasenpflaster und erkl\u00e4rt es mit den F\u00fc\u00dfen und beiden H\u00e4nden, und die ganze Apotheke wei\u00df nun Bescheid. In dem Caf\u00e9, in das ich jeden Tag gehe und einen Kaffee trinke, kommt der Mann hinter dem Tresen hervor, gibt mir die Hand und sagt: &#8222;<em>My amigo anglaise!<\/em>&#8220; Ich rede nicht. Ich laufe am Zaun entlang, und dieser Zaun ist das schrecklichste, brutalste und perfideste Bauwerk, das ich bisher gesehen habe. Der macht mich aggressiv. Ich rede mit mir selbst, keine ganzen S\u00e4tze, es kommt einfach aus meinem Mund, ich sage: &#8222;<em>Fuck!<\/em>&#8222;, &#8222;Meine Fresse!&#8220;, &#8222;Verpiss dich, Sonne!&#8220;. Alle f\u00fcnf Minuten f\u00e4hrt ein Jeep der Guardia Civil an mir vorbei. Ich bin mit einer Erk\u00e4ltung losgeflogen und w\u00e4hrend der beiden Landungen hatte ich heftige Schmerzen in der Stirn. Ich setze mich neben die Stra\u00dfe, trinke eine Wasserflasche aus, nehme ein Taschentuch und schn\u00e4uze die Nase. Blut ist im Taschentuch. &#8222;<em>Fuck!<\/em>&#8222;, sage ich wieder und denke dann: Passt doch bestens zu dieser Gegend.<\/p>\n<p>Ich gehe weiter, meine F\u00fc\u00dfe schmerzen. Zwei der Blasen bluten. Es ist nicht mehr weit bis zum Meer. Ich werde im Wasser laufen. Salzwasser, glaube ich, hilft. In Marokko ist Schulschluss. Ich sehe Gruppen von Kindern mit Schultaschen \u00fcber eine verkarstete, staubige Fl\u00e4che laufen. Vorbei am Flughafen, vorbei an B\u00e4umen, aus denen es laut zwitschert. Ein Reiher fliegt auf, ich erschrecke, bleibe stehen und sehe ihm nach. Ich sage leise: &#8222;Hei\u00dfa, du sch\u00f6ner Vogel!&#8220; Hinter dem Zaun sind Zelte der marokkanischen Armee aufgebaut, dahinter ein weiterer Zaun. Die Guardia Civil f\u00e4hrt wieder vor\u00fcber.<\/p>\n<p>An dem Grenz\u00fcbergang nach Beni Ensar ist f\u00fcr Fu\u00dfg\u00e4nger eine schmale \u00d6ffnung gelassen worden. Eink\u00e4ufe f\u00fcr den Eigengebrauch k\u00f6nnen mitgenommen werden. Einige transportieren gr\u00f6\u00dfere Mengen Milch oder Windeln, Paletten mit Fanta-Dosen. Sie werden abgewiesen. F\u00fcr diese Transporte gibt es 100 Meter weiter einen separaten \u00dcbergang. Die \u00d6ffnung wird von vier spanischen Polizisten \u00fcberwacht. Wird der Andrang zu gro\u00df und eins der Gitter droht zu kippen, schlagen die beiden wahllos mit ihren Schlagst\u00f6cken auf die Leute ein. Ein Mann beschwert sich lautstark. Einer der Polizisten schl\u00e4gt ihm mit der Faust ins Gesicht. Der Mann geht weiter nach hinten. Niemand reagiert darauf. Es ist normal. Ich kaufe bei einem der auf dem Boden sitzenden H\u00e4ndler ein paar Birnen und setze mich gegen\u00fcber von dem Grenz\u00fcbergang auf einen Betonklotz, esse die Birnen und sehe mir das alles an. Es ist wie Fernsehen, weit weg. Ich sage: &#8222;Ist das alles abgefuckt!&#8220;<\/p>\n<p>Ich laufe weiter zum Strand, vorbei an Lagerhallen, in denen die G\u00fcter zwischengelagert werden, die am n\u00e4chsten Tag von Tagel\u00f6hnern zu Fu\u00df \u00fcber die Grenze gebracht werden. In der Ferne werden Schiffe gebaut. Patrouillenboote fahren auf dem Wasser. Ich ziehe die Schuhe aus, die Socken, mache die Pflaster ab. Die Blasen sehen mies aus. Ich gehe ins Wasser und bleibe dort eine Weile stehen. Das Salz wird helfen, ganz sicher. Ich sehe auf die Horizontlinie und h\u00f6re, wie die Wellen anschlagen. Eine nach der anderen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hinter meterhohen Eisengittern liegt das Fl\u00fcchtlingslager in der spanischen Mittelmeer-Exklave Melilla. 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