{"id":3726,"date":"2016-05-29T06:00:59","date_gmt":"2016-05-29T04:00:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zeit.de\/freitext\/?p=3726"},"modified":"2016-05-28T12:24:10","modified_gmt":"2016-05-28T10:24:10","slug":"scharfschuetze-monolog-martinowitsch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/2016\/05\/29\/scharfschuetze-monolog-martinowitsch\/","title":{"rendered":"Der Harnisch der Gerechtigkeit"},"content":{"rendered":"<p><strong>Sein Leben bestand daraus, auf den t\u00f6dlichen Schuss zu warten. In welchem Krieg er sich befand, war gleichg\u00fcltig geworden. Der fiktive Monolog eines Scharfsch\u00fctzen<\/strong><\/p>\n<p><figure id=\"attachment_3734\" aria-describedby=\"caption-attachment-3734\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-3734\" src=\"http:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/freitext\/wp-content\/blogs.dir\/84\/files\/2016\/05\/freitext-scharfschuetze-1024x682.jpg\" alt=\"\u00a9 Yannis Behrakis\/Reuters\" width=\"640\" height=\"426\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/05\/freitext-scharfschuetze-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/05\/freitext-scharfschuetze-620x413.jpg 620w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3734\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Yannis Behrakis\/Reuters<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Im Saal steht, vor einer Reihe mit R\u00fcstungen, ein Tisch. Daran sitzt ein Mann in Tarnfleck mit Rucksack. Der Mann schaut sich eine Weile aufmerksam im Raum um, dann holt er eine Flasche Wodka und zwei geschliffene Gl\u00e4ser aus dem Rucksack.<!--more--><\/p>\n<p><em>Mann<\/em> (nach oben gewandt, zur Decke): Interessant, wie Du Dich hier eingerichtet hast. Ich hatte Teufel erwartet, Engel, Petrus. Das hier sieht mir eher nach Walhall aus. Oder habe ich mir das nur zusammengesponnen?<\/p>\n<p>Er versinkt in Gedanken. Er \u00f6ffnet die Flasche, schenkt ein Glas ein, den Blick auf die reglosen Gestalten der geharnischten Ritter im Saal gerichtet.<\/p>\n<p><em>Mann<\/em>: Die haben was von ungepulten Krabben. Kernig, hart. Gepanzert! Gewappnet! Aber unter dem Panzer sitzt das Fleisch. Zartes, rosiges Fleisch. Nicht mal kauen musst du das. Deshalb weinen Soldaten auch so oft. Beim Menschen ist das Fleisch fest. Da geht ohne Z\u00e4hne gar nichts. Bei der Krabbe knackst du den Panzer, schon flie\u00dft sie dir entgegen. Aus ihrer R\u00fcstung. Auf der Institutskaja dr\u00e4ngelten sich die Zivilisten in schusssicheren Polizeiwesten. BShT-16. Sicherheitsklasse\u00a02. So was hier (deutet mit dem Kinn zu den Rittern). Kernig! Hart! Gepanzert! Durch die ohne Westen sind die Projektile aus den Dragunows sauber durch und dann in einen Baum. Und durch den Baum auch sauber durch. Das Herz ist schon ausgeknipst, aber die Leiche steht noch aufrecht, klimpert mit den Augendeckeln, rafft nicht, was passiert ist. Die mit Schutzwesten bekamen eine durch den Kopf und schlugen noch einen doppelten Salto r\u00fcckw\u00e4rts hinterher. Die Dragunow schafft es aus dreihundert Metern in die Weste. Und macht drinnen alles zu Brei. Salto mortale. Zum Schreien!<\/p>\n<p>(Der Mann lacht). Er greift wieder zur Flasche, schenkt sich nach. Er fragt, zur Decke gewandt.<\/p>\n<p><em>Mann<\/em>: Dir auch? Trink! Mal was anderes als Manna! Ich bin Bes, der Teufel! Sie nennen mich Bes. Auf unsere Bekanntschaft!<\/p>\n<p>Der Mann trinkt.<\/p>\n<p><em>Mann<\/em>: Was soll ich erz\u00e4hlen? Wie ich Scharfsch\u00fctze geworden bin? Ist das nicht vertraulich? Damals dachte ich: ist eben eine Spezialisierung bei der Truppe. Scharfsch\u00fctze Infanterie. Unser Ausbilder, ja, klar. Der war schon besonders. Nach der Grundausbildung war er pl\u00f6tzlich da zum Appell und nahm sich zwanzig Mann aus der Kompanie mit, ich war auch dabei. Er sah uns scharf in die Augen. Pr\u00fcfte unseren Blick. Zeigte uns einen Kreis, aus f\u00fcnf Meter Entfernung. Millimeterkleine Markierungen sollten wir da erkennen. Die sie erkannt hatten, wurden einzeln zu einem Tisch gef\u00fchrt. Steine lagen darauf, eine Schachtel &#8222;Stol\u00edtschnyje&#8220;, eine Schachtel &#8222;Belom\u00f3r&#8220;, eine Kalaschnikow-Banane, Patronen, Glas. Du hast eine Sekunde, dann ziehen sie eine Segeltuchplane dr\u00fcber. Ich war dran. Los, sag an, was wo liegt. Konzentrationstest. Ich hab es gesagt. Was wo liegt. Ohne Vertun. Da ist Kabul, unser Ausbilder, zu mir gekommen und hat mir pers\u00f6nlich die Hand gedr\u00fcckt.<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_3732\" aria-describedby=\"caption-attachment-3732\" style=\"width: 620px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-3732\" src=\"http:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/freitext\/wp-content\/blogs.dir\/84\/files\/2016\/05\/peterwolf-620x414.jpg\" alt=\"Peter Wolf in der Rolle des Scharfsch\u00fctzen im Museum der Tr\u00e4ume Ambras in Innsbruck (Foto: Helmut Wimmer)\" width=\"620\" height=\"414\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/05\/peterwolf-620x414.jpg 620w, https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/05\/peterwolf-1024x683.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3732\" class=\"wp-caption-text\">Peter Wolf in der Rolle des Scharfsch\u00fctzen im Museum der Tr\u00e4ume Ambras in Innsbruck (Foto: Helmut Wimmer)<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Dann fing das Training an. Ist ja bekannt, Sowjetarmee, 80er Jahre. Keiner glaubt so richtig an Krieg. Afghanistan ist irgendwo weit weg. Aber Kabul hat uns ordentlich gedrillt. Zum Schie\u00dfen wurden jedem neun Patronen zugeteilt. Kabul brauchte keine Patronen f\u00fcr uns. Er brachte uns in Zweiergruppen zu einer Baustelle, lie\u00df uns tagelang durch PSO-1-Zielfernrohre die Wege der Bauarbeiter verfolgen. Wer wohin ging. Wie schnell. Und wir sollten es voraussagen. Der mit der roten Jacke kommt gleich von links. Und der, der grad in den Gang verschwunden ist, taucht im sechsten Stock wieder auf, an der Treppe. Er hat uns auf den Krieg vorbereitet. Und gesagt, ihn h\u00e4tte niemand vorbereitet. Ihm sei er einfach passiert. Seitdem komme ich nicht mehr raus. Aus dieser Art Konzentration. Rein ins Einkaufszentrum, rauf auf die Rolltreppe. Und beobachten: Wege. Tempo. Korrekturen. Kabul war zufrieden mit mir.<\/p>\n<p>Zur Schlusspr\u00fcfung steckte er f\u00fcnf L\u00f6ffel aus dem Feldbesteck in die Erde. F\u00fcr ein &#8222;Ausgezeichnet&#8220; musste man drei davon aus vierhundert Metern erwischen. Zwei Patronen zum Einschie\u00dfen. Ich hatte f\u00fcnf von f\u00fcnf. Die Abweichung hatte ich schon nach den anderen berechnet. Weiter?<\/p>\n<p>Der Mann schenkt sich Wodka nach, st\u00f6\u00dft mit dem anderen Glas an und trinkt.<\/p>\n<p><em>Mann<\/em>: Also weiter. Was war weiter? Entlassung. Die Neunziger. Chaos. Ich hab Autos verschoben. Worauf kommt es denn an bei der Schieberei? Sich keinen &#8222;Opel&#8220; andrehen lassen, der aus zwei &#8222;Opels&#8220; zusammengeschustert ist. Auch da hat mir die kabulsche Schule geholfen. Er nannte so was &#8222;St\u00f6rung im Gel\u00e4nde&#8220;. Winzige Abweichungen, die es nicht geben d\u00fcrfte. Dasselbe in Gr\u00fcn. Wenn du die Karosserie musterst und N\u00e4hte und Klebstellen entdeckst, die da nicht sein sollten. Anzeichen werkfremder Einflussnahme. Ein Scharfsch\u00fctze bleibt Scharfsch\u00fctze, auch auf dem Markt. Ich war der Beste, das Gesch\u00e4ft brummte. Dann Hochzeit, klar. Wie hie\u00df sie gleich? Mascha, oder so. Eine gute Ehefrau, ruhig. Schiebereien \u00fcber die Datscha, Zweithaus am Andreassteig. Frauen hab ich immer dorthin gebracht. Alles war gut. Aber irgendwie ohne Sinn. Midlifecrisis, was? Wenn du das Mannziel, f\u00fcr das du zehn Schuss hast, mit dem ersten ausgeschaltet hast. Und weiter? So war das bei mir: Frau, Datscha, Geliebte. Und weiter? Aber Dein ist die Macht, oder?<\/p>\n<p>Der Mann zwinkert seinem unsichtbaren Gegen\u00fcber oben verschmitzt zu.<\/p>\n<p><em>Mann<\/em>: Du hast mir Lesja geschenkt. Und gleich war alles wieder wie beim ersten Schie\u00dfen. Wenn du dich vor lauter Alltagsinformations\u00fcberschuss nicht auf die Zielscheibe konzentrieren kannst. Du dir die Ohren mit Watte zupfropfen musst, um dich vom Nebens\u00e4chlichen abzukoppeln. Um das Ziel zu sehen. Lesja tauchte auf. Und die ganze Welt war Ger\u00e4usch. Ich lie\u00df mich scheiden, gab meiner Frau alles, was sie wollte. Die Autoschiebereien habe ich aufgegeben\u00a0\u2013 sie standen meiner Liebe zu Lesja im Weg. Sie war j\u00fcnger als ich. Zwanzig Jahre j\u00fcnger. So kultiviert. War sie. Journalistin. War sie. Ja, genau so! So war sie!<\/p>\n<p>Der Mann z\u00fcckt ein Mobiltelefon und zeigt ein Foto der jungen Frau.<\/p>\n<p><em>Mann<\/em> (nach oben): So hast Du sie geschaffen, oder? Mit Absicht? Was hast Du mir dann vorzuwerfen? Hm? Naja, ich habe sie geliebt, ohne Wenn und Aber. Und sie\u00a0\u2026 Als ich noch verheiratet war, als es das reine Vergn\u00fcgen war, war es gut. Aber als ich die Schieberei aufgab und ihr mein ganzes Leben zu F\u00fc\u00dfen legte\u00a0\u2026 Da lachte sie mich aus. Sie hat gelacht, verstehst Du? Und, wei\u00dft Du, ich bin gut gepanzert. Aber innen drin\u00a0\u2026 Je fester der Panzer, desto zarter das Fleisch. Deshalb weinen Soldaten auch so oft. Und dann ging es los. Nicht sofort, aber es ging los. Mir ist die St\u00f6rung im Gel\u00e4nde nat\u00fcrlich sofort aufgefallen. N\u00e4chtliche Anrufe. Ihr ewiges Gesimse. Und dann\u00a0\u2013 Stille im Schussfeld. Wie erkennt ein Scharfsch\u00fctze, dass seine Position aufgekl\u00e4rt ist? An der Stille im Schussfeld. Vor einer Stunde tobte noch das Leben, war das Ziel st\u00e4ndig in Bewegung. Und pl\u00f6tzlich\u00a0\u2013 alles tot. Keine Menschenseele. Klar, wer f\u00e4ngt sich schon gern eine 7,62 ein? Und jetzt auch hier: Stille. Kein einziger Anruf, solange ich in der N\u00e4he war. Und kaum bin ich weg, ist kein Durchkommen mehr. Wir haben uns zusammengesetzt, geredet. Sie hat es zugegeben. Nikita hie\u00df er. Mein Feind. Einer vom Stadttheater. Vom Theater, verdammt! Ein Schauspieler! Den Hamlet hatte der gespielt! Ja! Und zu dem ist sie hin, also, ins Wohnheim, nicht mal ein Mietshaus, ins Wohnheim ist sie, ins Wohnheim! Weg war sie. Ich hab nat\u00fcrlich keine Miene verzogen, als sie gegangen ist. Ich habe meinen Panzer. Aber danach. Als sie weg war. Da hat sich an ihrer Stelle so eine Leere breitgemacht. Wie in einer Wohnung, wo einer stirbt und das Zimmer leer steht. Die Hausschuhe stehen so da, das Buch ist noch aufgeschlagen, aber der Mensch ist weg. Und diese Leere\u00a0\u2026 Ging nicht. Auch nicht damit (deutet mit dem Kinn auf den Wodka). Ging gar nicht\u00a0\u2026 Leere\u00a0\u2026<\/p>\n<p>Der Mann schenkt sich Wodka ein und trinkt.<\/p>\n<p>Ich habe diesen Nikita ausfindig gemacht. Ihn verfolgt. \u00dcberlegt. Und dann den Arm sinken lassen. Wie man sich richtig erschie\u00dft, hat mir schon in der Grundausbildung so ein Aas gezeigt. Du musst Wasser in den Lauf kippen. Dass die Kugel nicht muckt. Dass du ein sauberes Finish hast und nicht das Hirn \u00fcber die ganze Tapete verteilst. Das Wasser legt sich wie ein Film um die Kugel. Sauber rein, sauber raus. Genau der Projektildurchmesser. Eine Knarre war schnell besorgt, ist in Kiew kein Problem. Den Termin gesetzt. Ich musste mich noch von den Kumpels verabschieden. Da klingelt es. In der T\u00fcr steht Kabul. Und seine drei besten M\u00e4nner. Er sagt: Pack deinen Kram, es geht los. Was ist denn, frage ich? Krieg, sagt er. Der Krieg, auf den ich euch vorbereitet habe. Der ist. Liest du, fragt er, keine Nachrichten? Hast du keinen Fernseher? Was sollte ich in dieser Zeit mit einem Fernseher? Da hat er mir erz\u00e4hlt. Von den Schl\u00e4gern. Von den &#8222;Berkut&#8220;-Einheiten. Von den Panzern in der Innenstadt. Dass es keine Regierung mehr gibt. Und dass ausgerechnet die, die f\u00fcr Ordnung sorgen sollten, auf die Leute schie\u00dfen. Sie dr\u00fcckten mir ein Paddel in die Hand. Keine Ahnung, wo sie die Ger\u00e4te herhatten, vielleicht ein Milit\u00e4rdepot geknackt. Ich bekam ein Paddel, f\u00fcnf Bananen dazu, plus Laserentfernungsmesser. Und einen Platz in einer von hunderten Selbstschutzbrigaden. Und pl\u00f6tzlich war alles im Lot. Und diese Ruhe. Und die Leere wieder ausgef\u00fcllt. Wozu sich erschie\u00dfen? Wenn hier Krieg war. In der Nacht machte Kabul auf dem Weg zu unseren Stellungen noch einen Abstecher ins H\u00f6hlenkloster. Da betr\u00f6pfelte uns ein angetrunkener Kirchenmann mit seiner Kerze. Ein Singsang aus dem Paulus-Brief an die Epheser \u00fcber die R\u00fcstung des Glaubens: &#8222;So stehet also, eure Lende geg\u00fcrtet mit Wahrheit, angetan mit dem Harnisch der Gerechtigkeit, die F\u00fc\u00dfe geschuht mit der Bereitschaft zum Evangelium des Friedens, bei allem aber aufnehmend den Schild des Glaubens, mit welchem ihr alle feurigen Geschosse des B\u00f6sen ausl\u00f6schen k\u00f6nnt; und nehmet an euch den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes&#8220;.<\/p>\n<p>Und dann? Wir sitzen auf den D\u00e4chern. Kalt. Februar. Stumpfsinniges Herumhocken, von wegen Krieg. Eher: Bes, schau mal durchs Fernrohr, was f\u00fcr ein Arsch da links rausguckt, wie bewaffnet? Oder: Z\u00e4hl mal, wie viel Mann hinter dem Geb\u00e4ude stehen! So vergeht ein Tag, viele Tage. Dann kommt derjenige, welcher. Drei Dutzend Tote in einer Stunde, hunderte Verwundete. Reifen brennen. Panzer gl\u00fchen. Pl\u00f6tzlich sehe ich ihn: meinen Feind. In der Menge. Der Hamlet. Mit Sperrholzschild. Kniesch\u00fctzer aus Schaumstoff. Bauhelm. Zieht in den Krieg! Der Schauspieler! Na bitte, so einfach geht das. Wir haben dieselbe Munition wie der &#8222;Berkut&#8220;. Dragunows, hier wie da. Auf der &#8222;Berkut&#8220;-Seite war so ein Freak, wir hatten ihn den Blinzler getauft. Weil er jedes Mannziel ins linke Auge schoss. Musste zeigen, was er draufhatte. Ich also die Stellung gewechselt. Bin r\u00fcber zu den &#8222;Berkut&#8220;-Leuten. Maskiert. Schnell einen Feuerplan mit O-Punkten skizziert. Die Standorte der Spezialeinheiten markiert, als w\u00e4r ich einer von ihnen, damit Schussfeld und H\u00fclse nachher keine Fragen aufwerfen. Entfernung: 400. Abweichung ber\u00fccksichtigt, negativen Winkel des Standorts Mannziel. Korrektur f\u00fcr L\u00e4ngswind einkalkuliert, 001 f\u00fcr Seitw\u00e4rtsbewegung des Ziels, Abzug. Auf Strich drei der Seitenkorrektur sein linkes Auge. Abgedr\u00fcckt. Aus.<\/p>\n<p>Der Mann verstummt, schenkt sich Wodka ein. Zur Decke gewandt, f\u00e4hrt er fort.<\/p>\n<p><em>Mann<\/em>: Wie es dann weiterging, wei\u00dft Du ja. Lesja ist, als alles vorbei war, in die Zone gefahren. Auf der Suche nach dem Tod, klar. Ich bin auch da hin, in den Osten. Wer fragt denn danach, auf welcher Seite ich gek\u00e4mpft habe? Wer denn? Ich habe sie gefunden\u00a0\u2026 Wut ist bei der Arbeit am Mannziel tabu. Besonders bei gro\u00dfen Distanzen. Wut vergr\u00f6\u00dfert die halbmondf\u00f6rmigen Schatten im Blickfeld in der Horizontalen, und Mannziele sind eher lang als breit\u00a0\u2026 Runterzukommen war schwieriger als abzudr\u00fccken.<\/p>\n<p>Logisch, dass ich danach \u00fcberall war. Wo es knallte. In Ilowajsk. Am Flughafen von Donezk. Sie nennen mich Bes. Teufel. Fragt die Soldaten, die sagen es euch. Aber der Tod hat mich nicht geholt. Und da musste ich wieder an den bescheuerten Kirchenmann denken. Keiner von den Jungs, die er damals mit dem Epheserbrief beschworen hat, ist gefallen. Keiner. Da habe ich es kapiert. Weiter wei\u00dft Du selber. Wasser in den Lauf. Finger an den Abzug. Und, wenn du soweit bist, abdr\u00fccken.<\/p>\n<p>Komm, hol mich endlich. Ich wei\u00df, wie es weitergeht. Soldaten kommen nicht ins Paradies. Hm? Was? Oder ist das Rumsitzen und Erinnern in Endlosschleife hier schon die H\u00f6lle?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><em>Aus dem Russischen von Thomas Weiler<\/em><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>\u201eDer Harnisch der Gerechtigkeit\u201c von Viktor Martinowitsch wird aufgef\u00fchrt im<\/em><\/p>\n<p><em>Museum der Tr\u00e4ume Ambras\u00a0in Innsbruck.<\/em><\/p>\n<p><em>Weitere Vorstellungen: Fr 3. Juni, Sa 11. Juni, Fr 17. Juni, Sa 25. Juni, Sa 2. Juli, Fr 8. Juli 2016<\/em><\/p>\n<p><em>Jeweils Einlass ab 18.15 Uhr, Vorstellungsbeginn 19 Uhr, Ende 21.30 Uhr<\/em><\/p>\n<p><em><a href=\"http:\/\/www.schlossambras-innsbruck.at\/museumdertraeume\/\">http:\/\/www.schlossambras-innsbruck.at\/museumdertraeume\/<\/a><\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sein Leben bestand daraus, auf den t\u00f6dlichen Schuss zu warten. In welchem Krieg er sich befand, war gleichg\u00fcltig geworden. 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