{"id":4546,"date":"2016-11-13T06:00:24","date_gmt":"2016-11-13T05:00:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zeit.de\/freitext\/?p=4546"},"modified":"2016-11-10T14:37:57","modified_gmt":"2016-11-10T13:37:57","slug":"fc-koeln-fussball-halbangst-merkel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/2016\/11\/13\/fc-koeln-fussball-halbangst-merkel\/","title":{"rendered":"Die Halbangst im Nacken"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die K\u00f6lner Fans taumeln gl\u00fcckselig durch die Saison. Bis jetzt. Die ersten Niederlagen bringen den Schmerz zur\u00fcck. Was hilft: Das Leid teilen. Wie im echten Leben.<\/strong><\/p>\n<p><figure id=\"attachment_4563\" aria-describedby=\"caption-attachment-4563\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-4563\" src=\"http:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/freitext\/wp-content\/blogs.dir\/84\/files\/2016\/11\/fussball-1024x576.jpg\" alt=\"\u00a9 PATRIK STOLLARZ\/AFP\/Getty Images\" width=\"640\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/11\/fussball-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/11\/fussball-620x349.jpg 620w, https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/11\/fussball-768x432.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-4563\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 PATRIK STOLLARZ\/AFP\/Getty Images<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>\u00dcbrigens, das ist keine Einbildung, das ist wirklich wahr: Das Stadion ist der Ort der Poesie und zwar der Poesie der Katharsis. Man braucht nur ein bisschen Geduld, bevor die innere Reinigung abgeschossen ist. Zum Beispiel neulich im Berliner Olympiastadion. Das Spiel ist eigentlich schon vorbei und, obwohl die Niederlage schon feststeht, ereignet sich trotzdem noch ein kleiner Gl\u00fccksmoment. Wir sind im Block F3 und warten noch ein paar Minuten bis die meisten drau\u00dfen sind, nur die blauwei\u00dfe, d\u00fcstere Wand der Berliner Fans, die den ganzen Nachmittag \u00fcber in Wellen ihren dumpfen, tierhaften Siegesgesang her\u00fcberschwappen lie\u00dfen, ist auch noch da. <!--more--><\/p>\n<p>Dort lassen sich die Spieler von Hertha feiern, in dem sie sich an den Rand der Tartanbahn setzen und irgendwelche kryptischen Dialoge mit ihren Fans anstimmen. Das m\u00fcssen wir jetzt ertragen, obwohl es schwer f\u00e4llt. Einige von uns und zwar die wirklich Aufopferungsvollen, die, die eine lange Leidensgeschichte hinter sich haben und die eigentlich nichts mehr ersch\u00fcttern kann, erheben noch einmal ihre Stimme, mit der ganzen Wut und Kraft, zu der sie in der Lage sind. Das Licht senkt sich wie eine gro\u00dfe nasse Dunstglucke \u00fcber uns und saugt die Zuversicht aus unseren Augen, und dann erklingt auf einmal: &#8222;Berlin, Berlin. Wir schei\u00dfen auf Berlin.&#8220;<\/p>\n<p>Geschlagen in der eigenen Stadt, in der wir leben, von der Mannschaft, vor der wir uns aber nicht vertreten f\u00fchlen. Die Fans, die den letzten Schlachtruf in den kalten Berliner Nachthimmel aussto\u00dfen, sind wahrscheinlich die Einzigen, die wirklich aus K\u00f6ln hierher gekommen sind. Die anderen leben ja mehr oder weniger gezwungen hier. Diesmal hat im Block F3 in Reihe 22 auch niemand ein Fl\u00fcchtlingsplakat dabei wie letztes Jahr. Damals war die Fl\u00fcchtlingseuphorie noch nicht ganz abgeklungen und im Block der Ausw\u00e4rtsfans hielten ein paar FC-Anh\u00e4nger ein selbstgemaltes und an zwei St\u00f6cken befestigtes &#8222;<em>Refugee-Welcome<\/em>&#8222;-Bettlaken hoch. Diesmal gibt es nur eine Choreografie mit roten und wei\u00dfen T\u00fcchern oder L\u00e4ppchen, die man \u00fcber den Kopf h\u00e4lt, damit man in der Hauptstadt nicht erkannt wird.<\/p>\n<p>&#8222;Unsere Werte, auf die wir uns jetzt berufen, verdanken sich einem gro\u00dfen Betrug&#8220;, sagt die indische Philosophin <a href=\"http:\/\/www.berliner-zeitung.de\/endlich-auf-deutsch--der-postkoloniale-klassiker--can-the-subaltern-speak---das-schweigen-der-machtlosen-15566140\">Gayatri Chakravorty Spivak<\/a>. Denn das Prinzip des Fl\u00fcchtlings ist &#8222;ein Ergebnis unserer kolonialistischen Politik&#8220; unseres &#8222;vergessen geglaubten Imperialismus&#8220;. Verh\u00e4lt es sich an diesem Tag in der Hauptstadt vielleicht \u00e4hnlich? Und ist deswegen diese Niederlage f\u00fcr uns als Lokalpatrioten, als Peripherie-Berauschte, die wir ja als FC-Fans immer sind, so schmerzlich? Kommt uns etwas zu Bewusstein, das wir die ganze Zeit verdr\u00e4ngt haben? Ein Hertha-Fan, der sich in unseren Block geschmuggelt hat, gie\u00dft einem FC-Fan in Zivil versehentlich sein Bier auf den R\u00fccken, aber jemand hat ein Taschentuch zur Hand, und wir starren danach weiter entgeistert auf die eigene Mannschaft und wie die Spieler mit ihren strahlend roten Rewe-Leibchen \u00fcber den Rasen zur\u00fcck zum Erm\u00fcdungsbecken trotten. (Von dem wir nat\u00fcrlich wissen, dass es nur in unserer Fantasie exisiert, denn die Spieler m\u00fcssen ja gleich weiter zum Bus und zum Flughafen. Sie haben gar keine Zeit, m\u00fcde zu sein.)<\/p>\n<p><strong>Das Ungl\u00fcck verdammen<\/strong><\/p>\n<p>Damals, vor einem Jahr, als wir am liebsten in unserem haltlosen humanit\u00e4ren Engagment den Gei\u00dfbock, das K\u00f6lner Wappentier, geschlachtet h\u00e4tten, um den Ank\u00f6mmlingen eine warme Mahlzeit bieten zu k\u00f6nnen, f\u00fchlte sich die Niederlage nicht so bitter an. Das Spiel war schon eine Viertelstunde alt, als der harte Kern der Unterst\u00fctzer anr\u00fcckte. Sie waren auf der Autobahn von der Polizei aufgehalten worden. Aber dann kamen sie. Mit ihren zusammengerollten Fahnenstangen wirkten sie wie Einbrecher, die sich ins Stadion schlichen. Aber als sie dann loslegten, sich der Einpeitscher mit dem R\u00fccken zum Geschehen aufbaute und die Fl\u00fcstert\u00fcte hervorholte, da kam uns das so vor wie die Rettung der Zivilsation. Die schmutzigen Gef\u00fchle fielen von uns ab und wir spuckten sie auf den Rasen, indem wir unsere eigenen Spieler beschimpften und zum Teufel w\u00fcnschten. Der Tag einer Niederlage kann ein ganzes Leben andauern und Niederlagen m\u00fcssen ertragen werden. Schon eine Woche sp\u00e4ter kann es die n\u00e4chste geben.<\/p>\n<p>Es ist wirklich ein furchtbarer Tag. Und er wird nur dadurch etwas aufgefangen, dass ich am Abend bei einer Geburtstagsfeier jemanden treffe, der aus D\u00fcsseldorf kommt. Ausgerechnet ein D\u00fcsseldorfer wird zum seelischen Beistand. Der D\u00fcsseldorfer erkl\u00e4rt mir, wie man ein Leben aus Niederlagen umdeuten und das ganze Ungl\u00fcck unseres Daseins aus dem Olympiastadion verdammen kann. Blo\u00df raus, blo\u00df fort von hier. Raus aus Berlin.<\/p>\n<p>Der D\u00fcsseldorfer sagt: &#8222;He, wei\u00dft du, was ich mache?&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Nein, wieso?&#8220;, frage ich.<\/p>\n<p>Wir stehen an der Schokoladenfont\u00e4ne, die das Geburtstagskind, der kurz davor steht 50 zu werden und einen \u00fcberdimensionalen, sogar ein bisschen an eine Stadionuhr erinnernden Countdown an die Wand projiziert, zur allgemeinen Bespa\u00dfung hier aufgebaut hat.<\/p>\n<p>&#8222;Ich mach einen Film \u00fcber eine Band.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Und wie hei\u00dft diese Band?&#8220;<\/p>\n<p>Der D\u00fcsseldorfer wird an diesem Abend zu meinem Therapeuten. Er erz\u00e4hlt ein paar D\u00fcsseldorfer Leidensgeschichten, die selbst die der FC-Fans um einiges \u00fcbertreffen. Die Band hat ein bisschen damit zu tun. Sie ist sozusagen der \u00dcbergang zwischen der Welt des Fu\u00dfballs und der Welt der Kultur. Sie hei\u00dft &#8222;Halbangst&#8220;. Halbangst ist ein Begriff, den der Trainer <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/1996\/20\/otto.txt.19960510.xml\">Otto Rehhagel<\/a> bei der Anh\u00f6rung vor dem DFB-Bundesgericht gepr\u00e4gt hat. Er beschrieb damit seine Angstzust\u00e4nde, als 2012 beim <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/sport\/fussball\/bundesliga\/bundesliga-relegation-duesseldorf-versinkt-im-chaos-11753013.html\">Relegationsr\u00fcckspiel zwischen Hertha BSC und Fortuna D\u00fcsseldorf<\/a> die Fortuna Fans den Innenraum des Stadions zu st\u00fcrmen versuchten. Rehhagel gab zu Protokoll, dass er wirklich Angst gehabt habe, dass man aber den Sturm der Fans in den Innenraum des Rheinstadions wohl kaum mit den Ereignissen des Zweiten Weltkriegs vergleichen k\u00f6nne. &#8222;Da hat er n\u00e4mlich wirklich Angst gehabt&#8220;, sagt der D\u00fcsseldorfer, w\u00e4hrend er ein Ananasst\u00fcckchen in den Schokoladenspringbrunnen taucht, und dann lachen wir, obwohl es eigentlich etwas unpassend ist, \u00fcber die Toten des Krieges zu lachen, aber wir lachen nat\u00fcrlich \u00fcber Rehhagel und Hertha BSC. Wie Rehhagel in seinem Gr\u00f6\u00dfenwahn glaubte, nachdem er mit <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/sport\/fussball\/em-2016\/article155911776\/Wie-Otto-zu-Koenig-Rehakles-wurde.html\">Griechenland Europameister<\/a> geworden war, nun k\u00f6nne er auch die Hertha und Berlin retten, aber das hat nicht funkioniert.<\/p>\n<p><strong>Humanit\u00e4re Empathie<\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Halbangst&#8220;, sagt der D\u00fcsseldorfer, &#8222;ist das nicht ein tolles Wort?&#8220; Und dieser Typ, der sich mit seiner Arroganz immer auf so geschickte Weise sch\u00fctzend vor seine Mannschaft gestellt hat, hat es erfunden. Halbangst. Also nur halb soviel Angst. Nur halb soviel Euphorie und doppelt soviel Leid. So gehen die D\u00fcsseldorfer, die tats\u00e4chlich die Meister des Masochismus und der Selbstzerfleischung sind, mit Niederlagen und Abstiegen um. Die Videos, mit der die Band promotet wird, hat der D\u00fcsseldorfer gedreht, was er in aller Bescheidenheit anmerkt. Sie zeigen eine <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=4P7rU8MbfeE\">Unterst\u00fctzergruppe von Fortuna D\u00fcsseldorf in Rentner-Kost\u00fcmen<\/a>, die das Elend ihres Vereins in grellen Todessehnsuchtsbildern gemeinschaftlich verarbeiten. Halbangst ist eben nur halb soviel Leid, die andere H\u00e4lfte, die eingesparte H\u00e4fte der Angst, kann man nutzen, um sich \u00fcber sich selbst lustig zu machen.<\/p>\n<p>&#8222;Ihr steht ja immer noch gut da, oder?&#8220;, sagt er schlie\u00dflich und verweist auf den <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2016\/42\/1-fc-koeln-meistertitel-joerg-schmadtke-wolfgang-niedecken\">einstelligen Tabellenplatz, den der 1. FC K\u00f6ln <\/a>noch immer innehat. Und so hilft mir der D\u00fcsseldorfer wieder runterzukommen. Er hilft mir das &#8222;Wir&#8220; abzusch\u00fctteln und wieder &#8222;Ich&#8220; zu werden. Jedenfalls f\u00fcr den Moment.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag ist der Prozess der inneren Reinigung schon fast abgeschlossen. Ich sitze in einem h\u00e4sslichen Cafe und lese <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2016\/45\/hillary-clinton-donald-trump-positionierung-us-wahl\">Slavoj Zizek<\/a>. Ich brauche noch ein bisschen Trost, wenn auch auf einer anderen, vielleicht h\u00f6heren Ebene und Zizek erscheint jetzt wie ein nicht klein zu kriegender Hooligan der Philosophie, als er mir erkl\u00e4rt, warum wir &#8222;die Verbindung zwischen Fl\u00fcchtlingen und humanit\u00e4rer Empathie kappen&#8220; sollten. Und zwar deswegen, erkl\u00e4rt er und man h\u00e4tte es vielleicht auf diesen schmerzhaften Moment im Stadion \u00fcbertragen k\u00f6nnen, der Moment, als der kollektive Rausch in sich zerfiel, weil wir erkennen m\u00fcssen, &#8222;dass die meisten Fl\u00fcchtlinge eben nicht so sind wie wir \u2013 nicht weil sie Fremde sind, sondern weil wir selbst nicht so sind wie wir.&#8220; Weil wir selbst nicht so sind wie wir.<\/p>\n<p>Ich denke noch dar\u00fcber nach, als eine Frau in das fast leere Caf\u00e9 hereinkommt, in dem gerade eiernd ein Reggea-Song l\u00e4uft und fast beil\u00e4ufig erkl\u00e4rt, sie sei \u00fcberfallen worden. Man hatte ihr alles weggenommen, Geld, Tasche, Autoschl\u00fcssel. Weil wir selbst nicht so sind wie wir. Und weil wir uns selbst auch nicht so gut verstehen. Und uns auch nicht verstehen wollen. Und hei\u00dft das nicht auch, dass wir vor uns selbst mehr Angst haben m\u00fcssen als vor allen anderen? Und dann spielen wir auch noch in der falschen Stadt gegen den richtigen Verein und verlieren. Wir stellen der Frau ein Glas Wasser raus vor die T\u00fcr des Caf\u00e9s, wo sie auf den Polizeieinsatzwagen wartet. \u00dcbrigens wirkt sie merkw\u00fcrdig unauthentisch und mysteri\u00f6s, und es w\u00fcrde mich nicht wundern, wenn ihre \u00dcberfallgeschichte erfunden ist, einfach weil sie an diesem Tag ein bisschen Aufmerksamkeit und Drama braucht.<\/p>\n<p><strong>Leere und Entfremdung<\/strong><\/p>\n<p>Am Schluss, als die meisten die Geburtstagsfeier schon wieder verlassen haben und der Schokoladenwasserfall schon fast versiegt ist, gibt mir der D\u00fcsseldorfer noch einen letzten Tipp. Es g\u00e4be in der zweiten Etage, \u00fcber dem Raum, in dem wir feiern, noch einen anderen Raum. Einen spirituellen Raum. Den k\u00f6nne er uns auch empfehlen. Die Feier findet in einer ehemaligen Kirche statt und die zweite Etage, das alte mit einer &#8222;schwimmenden&#8220; Decke abgetrennte Kirchenschiff, ist jetzt zu einem Raum umgewandelt worden, in dem nichts ist. Es ist ein gro\u00dfer leerer Raum, ein wirklich wundersch\u00f6ner Raum, irgendein rostroter Goldstaub liegt ausgestreut in der Mitte, wahrscheinlich das Ergebnis einer Kunstaktion, und es gelingt mir, dort wieder ganz zu mir zu kommen und endg\u00fcltig ich zu werden, obwohl ich ja tief in meinem Inneren, als FC-Fan, immer &#8222;wir&#8220; bleiben werde.<\/p>\n<p>Der D\u00fcsseldorfer kommt dann auch noch dazu. Wir nicken uns kurz zu. Wir sind uns einig, in der gro\u00dfen Leere, dieser Entfremdung. Alles Leid, aller Schmerz und alle Vermessenheit f\u00e4llt von uns ab, auch von uns, die wir FC-Fans sind, und Demut und Bescheidenheit kehren in unsere Herzen zur\u00fcck. Ich denke an Rudnevs, wie er beinahe das 2:2 erzielt h\u00e4tte, wie unserem Japaner Osako in der ersten Halbzeit fast jeder Ball verspringt, wie <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/news\/2015-05\/05\/fussball-medien-werder-holt-ujah-als-selke-nachfolger-05120014\">Ujah <\/a>uns verraten hat, jetzt hat man ihn zur Strafe nach China versetzt, und wie sich unser neuer <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/news\/2016-10\/30\/fussball-spieler-des-tages-anthony-modeste-1-fc-koeln-30201203\">franz\u00f6sischer St\u00fcrmer<\/a> immer die Augengl\u00e4ser aufsetzt, wenn er ein Tor erzielt hat.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen das Ziel sehen, die Zukunft, das, was uns noch bevorsteht. In unserer Halbangst ist es eine Mischung aus Vorfreude, Selbstf\u00fcrsorge und Untergangssehnsucht. Das Geburtstagskind ist mittlerweile schon 50 geworden und mehr als das halbe Leben ist jetzt vorbei. Aber so ist es eben. Und nicht immer muss man daf\u00fcr ins Stadion gehen oder in eine in zwei H\u00e4lften geteilte Kirche und mit einem D\u00fcsseldorfer sprechen. Manchmal geht das alles auch ohne Therapie. Manchmal wird das Ergebnis des einen Spieltages einfach durch das Ergebnis des n\u00e4chten Spieltages negiert, ausgel\u00f6scht oder neutralisiert.<\/p>\n<p>Denn schon bald steht ja wieder ein Spiel gegen einen unmittelbaren Konkurrenten an, der auch ein Auge auf die wenigen internationalen Startpl\u00e4tze geworfen hat. Dieses Spiel schaue ich mir allerdings in einem anderen Stadtteil an und zwar in einer Kneipe namens Spenerstube, nicht unweit der Justizvollzuganstalt Moabit, wo die Untersuchungsh\u00e4ftlinge einsitzen. Als ich in der 75. Minute, es steht immer noch <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/news\/2016-11\/05\/fussball-frankfurt-feiert-fuenftensaisonsieg---10-gegen-koeln-05202603\">0:1<\/a>, die Kellnerin frage, ob man nicht vielleicht die T\u00fcr zumachen k\u00f6nne, es sei so kalt, sagt sie, sie ist nat\u00fcrlich geb\u00fcrtige Berlinerin: &#8222;H\u00f6rt, h\u00f6rt. Der will, dass wir die T\u00fcr zumachen. Ihm ist kalt.&#8220; Sie stellt mir ein Glas Berliner Kindl vor die Nase, geht zur\u00fcck hinter ihren Spenerstuben-Tresen und ignoriert mich. Sie denkt gar nicht daran, mir zu helfen. Sie l\u00e4sst die T\u00fcr offen stehen, bis in die Nachspielzeit hinein. Der kalte Berliner Winter bei\u00dft sich langsam und erbarmunglos zu meinen F\u00fc\u00dfen vor und Simon Zoller versagen mal wieder die Nerven.<\/p>\n<p>_________________<\/p>\n<p><strong><em>Sie m\u00f6chten keinen Freitext verpassen? 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