{"id":4612,"date":"2016-12-02T10:49:01","date_gmt":"2016-12-02T09:49:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zeit.de\/freitext\/?p=4612"},"modified":"2016-12-02T12:02:10","modified_gmt":"2016-12-02T11:02:10","slug":"deutschland-nationalismus-zaimoglu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/2016\/12\/02\/deutschland-nationalismus-zaimoglu\/","title":{"rendered":"Hoch lebe die nationale Randale"},"content":{"rendered":"<p><strong>Auf Stippvisite in Ost und West. Was trifft man? Nichts als deutschen Fra\u00df und deutsche Fressen. Dazu ein bisschen Hurra-Idiotie und reichlich gef\u00fchlsechte Bosheit.<\/strong><\/p>\n<p><figure id=\"attachment_4654\" aria-describedby=\"caption-attachment-4654\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-4654\" src=\"http:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/freitext\/wp-content\/blogs.dir\/84\/files\/2016\/12\/freitext-nationalismus-1024x576.jpg\" alt=\"Demonstration von Pegida-Anh\u00e4ngern in Dresden \u00a9 Sean Gallup\/Getty Images\" width=\"640\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/freitext-nationalismus-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/freitext-nationalismus-620x349.jpg 620w, https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/freitext-nationalismus-768x432.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-4654\" class=\"wp-caption-text\">Demonstration von Pegida-Anh\u00e4ngern in Dresden \u00a9 Sean Gallup\/Getty Images<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Ich reise in die w\u00fcste Peripherie, zu den Verheerten mit dem morgendlichen Schnapsatem, zu den Kerlen, die rechts t\u00e4uschen und rechts treffen. Zu den Zonenkatjas in KIK-Klamotten und Plastikgaloschen, zu ihren pr\u00e4chtig ostdeutschelnden T\u00f6chtern, die im Westen bl\u00fchen und gedeihen, und aber sagen: Der Mensch aus dem Westen, der kennt uns nicht. Ich reise nach Dresden, der Stadt der tapferen Sachsen, der erzgebirgischen Volkskunst, in die Stadt mit der Elbbr\u00fccke, die Blasewitz und Loschwitz verbindet. <!--more-->Kaum sitz ich im Taxi, donnert der Fahrer los: Nix gegen Juden. Wer vergast wird, kriegt Entsch\u00e4digung, das ist nicht falsch. Aber diese Bunker, sehense, dort dr\u00fcben, der Schandkasten, sieht das mistige Ding aus wien Gotteshaus, nee, tut es nicht, baut der Moslem so einen Tempel, gibts was auf die M\u00fctze, nur dem Juden l\u00e4sst mans durchgehen, will ja nix sagen, aber die Leute haben so was von die Schnauze voll, nix gegen Juden, aber das da, das geh\u00f6rt abgerissen, das machen die absichtlich, Augenpest ist das, na wurscht, das macht nen runden Zehner.<\/p>\n<p>Ich reiche ihm den Schein und bitte um eine Quittung, er schreibt wie ein auf von der linken auf die rechte Hand trainiertes Kind. Ist das die Schrift eines v\u00f6lkisch gesinnten Mannes? Sind die krummen Buchstaben Ausdruck des Aufmuckertums? Sp\u00e4ter darf ich in der Zeitung die Abbitte eines Edeljournalisten lesen: Liebe Arbeiterklasse, ich habe dich verkannt, ich gelobe Besserung. Wie will er sich bessern? Geht nur noch ins deutsche Wirtshaus, s\u00e4uft das h\u00e4rteste deutsche Bier, lobt er nur noch deutsche Gedichte und Gesichter, deutsche Fressen und deutschen Fra\u00df? Und also sitz auch ich bald in der Eckkneipe, ich w\u00fchl mich wohl unter m\u00fcffelnden dicken Mackern in Steppwesten, die mich anglotzen, als w\u00fcrde mir eine fette Forelle aus dem Mund h\u00e4ngen, und als sie aber sehen, dass ich das Essen wie ein Schwein grunzend reinschaufele, sind sie beruhigt. Wor\u00fcber sprechen sie? \u00dcber Kanakenweiber. Hab ich sie bezahlt? Nein. Wissen sie, dass ich hergefahren bin, um ihresgleichen zu besichtigen? Nein.<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_4656\" aria-describedby=\"caption-attachment-4656\" style=\"width: 380px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4656\" src=\"http:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/freitext\/wp-content\/blogs.dir\/84\/files\/2016\/12\/fax1-566x800.jpg\" alt=\"Faksimile des Faxes von Feridun Zaimoglu, Seite 1\" width=\"380\" height=\"537\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/fax1-566x800.jpg 566w, https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/fax1-768x1086.jpg 768w, https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/fax1-724x1024.jpg 724w, https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/fax1.jpg 1240w\" sizes=\"auto, (max-width: 380px) 100vw, 380px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-4656\" class=\"wp-caption-text\">Faksimile des Faxes von Feridun Zaimoglu, Seite 1<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p><strong>Bolschewisten in Regenjacken<\/strong><\/p>\n<p>Ich schaufele das Mastfutter und lausche dem Kr\u00f6tenk\u00f6nig am dudelnden Spielautomaten, er spricht in donnernden, brausenden Worten: Das Weib war angemalt, Lippen, Wangen, alles im Nuttenrot, nur die Augenschwarz, die lief in Schuhen mit so ne hohen Abs\u00e4tze, aber n Tuch hatte sie um, als h\u00e4tt sie sich in ne Gardine eingewickelt, ich bekomm so n Hals, ich geh zu ihr hin und sag: Was tust du hier in meiner Stra\u00dfe, willst du mich verarschen oder was, geh in deine Heimat und lass mich in Frieden, solche wie du stinken mir Dresden kaputt, Islamisten pule ich mir morgens aus der Nase, Islamisten kacke ich ins Klo, glaub ja nicht, dass du hier bei uns machen kannst, was du willst, hau ab nach Arabien, wo du herkommst. Da hat sie gestaunt, da hat sie Schiss bekommen, ich hab ihr gesagt, ich sag: Mich kriegst du nicht klein, M\u00e4dchen, so ne T\u00fcrkentussis wie du wollen uns erobern, wir machen euch platt, wirst schon sehen, und jetzt verpiss dich. Da hat sie gestaunt, da hat sie pl\u00f6tzlich angefangen, rumzupl\u00e4rren, von wegen Nazi, von wegen ich zeig dich an, das war mir dann zuviel Geschrei, ich hab sie einfach stehen lassen, die alte Fotze.<\/p>\n<p>Ich tupfe mir die So\u00dfenspritzer mit der Serviette vom Gesicht, der Kr\u00f6tenk\u00f6nig stutzt: Wer sich das Maul nicht mit dem Hemds\u00e4rmel abwischt, ist eine Schwuchtel. Er fragt, woher ich komme. Ich sage, ich komme aus Kiel. Er fragt, wie ich hei\u00dfe. Ich sage, ich hei\u00dfe Friedrich, wie der Preu\u00dfenk\u00f6nig. Er will wissen, ob ich gesch\u00e4ftlich unterwegs bin. Ich sage, jawohl. Er fragt, was das f\u00fcr Gesch\u00e4fte seien. Ich sage, Bundeswehr. Totenstille. Er sagt, wie ein Soldat s\u00e4he ich nicht aus, also tippe er auf Bonze vom Amt. Ich sage, jawohl, im geheimen Auftrag f\u00fcr die Frau Ministerin. Er glotzt. Die M\u00e4nner glotzen. Dann sagt der Mann: Ist nicht mein Bier, gutes Gelingen. Geheimauftrag zieht immer, fast immer, Stasi macht es m\u00f6glich. Der b\u00f6lkende Arbeiter will keinen \u00c4rger. Er mault \u00fcber die madigen Verh\u00e4ltnisse, so lange, bis der Meister ihm bedeutet, das Maul zu halten. Es ist egal, ob mich der Kr\u00f6tenk\u00f6nig f\u00fcr ein undeutsches Element h\u00e4lt. Ich habe knappe Angaben gemacht. Ich k\u00f6nnte ihm \u00c4rger machen. Ich sehe mit meinem langen Mantel und der Spie\u00dferumh\u00e4ngetasche aus wie ein B\u00fcrokrat. Lieber mal weiter saufen und \u00fcber die Landnahme durch Mamelucken reden. Arabien wird zerbombt, Araber r\u00fccken ab ins Niemandsland. Wir aber, wir in Deutschland, wir kennen die Bolschewisten in Regenjacken, und wir kennen die rechtsbraunen Maulbrunzer, wir m\u00f6gen sie nicht.<\/p>\n<p>Ich reise nach Duisburg, die Stadt, die ich liebe, weil hier Rhein und Ruhr zusammenflie\u00dfen, ich treffe mich am Eisenbahnhebeturm in Homburg mit dem Jungen vom Stadtrand: stolzer Abschaum, ab Mitte Hals abw\u00e4rts t\u00e4towiert: Kolibri, Papagei. Sittiche. Er nennt sich Fashionkiller, weil es auf seinem T-Shirt steht. Er t\u00e4uscht Tiefe durch Stra\u00dfenweisheit vor, er schimpft auf Volksverr\u00e4ter, die Romane von Ausl\u00e4ndern lesen, weil sie sich das Deutsche austreiben wollen. Du Pimpf bist nicht Antifashion, noch Killer, denke ich, was kannst du? L\u00fcmmellatein. Existenzbeweis durch Liederlichkeit, das kannst du. Er friert im d\u00fcnnen Hemdchen, ins Lokal will er nicht wegen Rauchverbot, also fahren wir mit dem Bus zum deutschen Rand, zur Westzone der Bekloppten. F\u00fcnfter Stock, Plattenbau, Drecksbude mit Schmutzecken, alles stinkt, L\u00fcften ist was f\u00fcr Schwule, der wahre Mann ranzt. Er greift zur Pulle, legt los, Thema: Emanzen, Flintenweiber, Pornoschnallen mit knisternden Nylonstr\u00fcmpfen, Frauen, die nach dem ersten Wurf den Macker abschie\u00dfen. Die Stadtmitte geh\u00f6rt ihnen, an den R\u00e4ndern mehrt sich die Brut, welche Brut? Was sind das f\u00fcr Leute? Weiberangreifer, das fremde Pack.<\/p>\n<p><strong>Die Verirrten und Verheerten<\/strong><\/p>\n<p>Bis vor Kurzem lief es so: Wegen der Frauenrechte kriegt der deutsche Mann keinen Stich mehr im Land. Er spart auf ne Thai, f\u00e4hrt hin, w\u00e4hlt was aus dem Angebot, holt sie her. Oder, er hat Geld, f\u00e4hrt hin zu den Quasirussen, den geilen Ukrainern, w\u00e4hlt was aus dem Katalog, macht die Natascha zur Ehefrau. Ist klar, dass die Weiber bald mitkriegen, dass sie Rechte haben, deutsch oder nichtdeutsch, schei\u00dfegal. Die drehen auf, schie\u00dfen den Macker ab, aber erst, wenn sie den guten teuren Pass bekommen haben. Soweit alles klar. Nun haben wir hier die Schwemme, Kanaken mit offenem Hosenstall. H\u00e4ngen rum im Hauptbahnhof, in den Einkaufszentren. Machen unsere Frauen an. Ein Weib ist von Natur aus ein Agent, ein Volkszersetzer.<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_4657\" aria-describedby=\"caption-attachment-4657\" style=\"width: 380px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4657\" src=\"http:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/freitext\/wp-content\/blogs.dir\/84\/files\/2016\/12\/fax2-566x800.jpg\" alt=\"Faksimile des Faxes von Feridun Zaimoglu, S.2\" width=\"380\" height=\"537\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/fax2-566x800.jpg 566w, https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/fax2-768x1086.jpg 768w, https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/fax2-724x1024.jpg 724w, https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/fax2.jpg 1240w\" sizes=\"auto, (max-width: 380px) 100vw, 380px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-4657\" class=\"wp-caption-text\">Faksimile des Faxes von Feridun Zaimoglu, S.2<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Erst beim dritten Anlauf schafft es Fashionkiller, das Wort auszusprechen. Dann bricht er mitten im Satz ab, und will wissen, ob ich fremde Gene habe. Ich sage: Bin so deutsch wie Hitler. Er wird nachdenklich, er wei\u00df nicht, ob ich ihn verarsche. Ich grinse nicht, ich glotze ihn mit schlaffem Gesicht an. Das kennt er, er stellt sich auch tot, wenn ihm was nicht passt, also gibt er erst einmal Ruhe. Nach einer Viertelstunde sagt er: Bist du wirklich deutsch? Ich sage: Hugenotten, von denen stamm\u2019 ich ab. Er sagt: Was ist das f\u00fcrn Zeug? Ich sage: Deutscher Stamm in Frankreich. Fashionkiller s\u00e4uft die zweite Pulle leer, erkl\u00e4rt mir die Welt mit knappen rechtsradikalen S\u00e4tzen: Die Kanaken haben kein Schamgef\u00fchl, sie sind die Herren in unserem Land, Volk wird erwachen. Volk wird heimf\u00fchren die Verirrten und Verheerten, ein Banner, ein Lenker, es wird geschehen.<\/p>\n<p>Armer Kadaver, glaubt, dass Schinkenfressen der Unterschied zwischen Abendland und Moslems ausmacht. Armer Sp\u00e4tz\u00fcnder, der erst als antideutscher Autonomer die Islam-Zerbombung forderte: Am Arsch die Vernunft, am Arsch die Fremdenliebe, hoch lebe die nationale Randale. Fashionkiller verschwei\u00dfte sich mit der wahren Idee: ein bisschen Steineschmei\u00dferei, ein bisschen Hurraidiotie, ein bisschen gef\u00fchlsechte Bosheit. Fakten sind was f\u00fcr Hirnis. Enthemmung jetzt! Er ist ein Junge mit stumpfer Schnauze, er wird weich, wenn er kifft. Als Gehilfe und Handlanger h\u00e4lt er sich \u00fcbers Wasser. Er tr\u00e4umt von der Verw\u00fcstung der anderen: Jeder, der mehr verdient, ist privilegiert; jeder fremde Mann ist eine fremde Marke: abschaffen, ausschaffen, ausl\u00f6schen. Ich stehe auf und gehe weg. Schlage die Zeitung auf, sto\u00dfe auf einen weiteren B\u00fc\u00dfer, der den Su\u00dferhass des Abschaums verharmlost. Selbsthass des Kolumnisten, intimes Theater, Hodenstolz und Goudamief.<\/p>\n<p><strong>Rassenstolz und Bergpredigt<\/strong><\/p>\n<p>Ich reise nach vielen Treffen mit Frauen und M\u00e4nnern der Unterschicht heim nach Kiel, in meine herrliche Stadt, auf dem Parkplatz am Tripnitzhafen steige ich in das Auto der v\u00f6lkisch-frommen Linda, wir brausen davon, es wird keine Liebesgeschichte, denn sie sch\u00e4umt und schaudert, und schl\u00e4gt mit der harten Faust aufs Lenkrad, als das Z\u00fcndrad aus dem Feuerzeug fliegt. Ich gebe ihr Feuer, sie raucht mit rasselnden Lungen, in Wik steigen wir aus, Parkplatz vor der T\u00fcr, sie kann ihr Gl\u00fcck nicht fassen. Ihre Bude ist ein gro\u00dfer Andachtsraum, \u00fcberall Holzkruzifixe, \u00fcberall Karten mit Jesusspr\u00fcchen. Diesmal l\u00e4uft es anders, ich soll auspacken. Ich sage: Der Heiland ist Gottes Liebling.<\/p>\n<p>Sie f\u00e4llt mir ins Wort, ich soll nicht salbadern. Ich sage: Was willst du h\u00f6ren? Linda h\u00e4lt es nicht mehr aus auf dem Stuhl, sie predigt im Stehen: Christsein ohne Kirche, das will Gott heute, die wahre Gemeinde, das sind die Millionen von gl\u00fchenden Gl\u00e4ubigen, das sind wir, wir gehen nicht in diese Sautempel, in denen der Herr gesch\u00e4ndet wird, f\u00fcr die bekehrten Neger ist der Heilige Geist doch nur eine Holzmaske, ein bemalter Fetisch, wir sind Christi Missionare, sie sind dem Wort untertan, was soll der ganze Schwindel? N\u00e4chstenliebe! Wer ist mir der N\u00e4chste? Mein deutscher Nachbar. Dem helfe ich, dem steh ich bei, ich f\u00fctter nicht die Zigeunerclans durch, ich reich nicht den Syrern die Hand, ich f\u00fcll nicht anderer V\u00f6lker Bettelschalen. Nicht mit mir! Nicht in meinem Land! Wird Zeit, dass man den Ketzern die H\u00f6lle hei\u00df macht!<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_4658\" aria-describedby=\"caption-attachment-4658\" style=\"width: 380px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4658\" src=\"http:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/freitext\/wp-content\/blogs.dir\/84\/files\/2016\/12\/fax3-566x800.jpg\" alt=\"Faksimile des Faxes von Feridun Zaimoglu, S.3\" width=\"380\" height=\"537\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/fax3-566x800.jpg 566w, https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/fax3-768x1086.jpg 768w, https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/fax3-724x1024.jpg 724w, https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/fax3.jpg 1240w\" sizes=\"auto, (max-width: 380px) 100vw, 380px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-4658\" class=\"wp-caption-text\">Faksimile des Faxes von Feridun Zaimoglu, S.3<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Linda Evangelikal m\u00fcsste es doch wissen: Haben die P\u00e4pste nicht zur Ketzerverbrennung aufgerufen? W\u00e4re sie nicht in fr\u00fcheren Zeiten auf dem Scheiterhaufen gelandet? Linda Evangelikal schw\u00e4rmt von dem Blutschwall aus den Wundmalen Christi, von den rostigen Zimmermannsn\u00e4geln, die aus den Holzgalgen gezogen wurden. War der Mann, der das Himmelreich versprach, nicht ein Jude? Sie spricht von der Heiligkeit des Heilands, von seiner J\u00fcdischkeit h\u00e4lt sie nix, sagt sie: Die meisten Ausl\u00e4nder kommen in die H\u00f6lle, du bist davon nicht ausgenommen, Rest und Abfall fegt der Teufel in den H\u00f6llenpfuhl, Rassenstolz und Bergpredigt sind vereinbar, der Herr verdammt das Weltb\u00fcrgertum und liebt die Herrenrasse, Gott ist ein strenger Weltenrichter, er s\u00e4ubert, er tilgt, er reinigt, Vermischung ist Rassenschande, schau nach im Alten Testament, da durchbohrt der Krieger des Propheten Jud und Nichtj\u00fcdin, die es gerade treiben, er st\u00f6\u00dft die Lanze durch die s\u00fcndigen Leiber, Vergeltung ist versprochen.<\/p>\n<p>Gutes Schauspiel, leider meint sie es ernst, wie alle rechten Irren ist ihr Traumziel die Kl\u00e4ranlage. Angaben zur Person: Hauptschulabschluss, Fehlgeburt, ungelernte Aushilfskraft, nach ein paar Dramen mit Vorstadtprolls Wiedergeburt durch echte Taufe. Ausl\u00e4nderfreies Leben. Ihr Vorsatz: Ich tret\u2019 nie wieder in die Schei\u00dfe. Ihre Freunde und Bekannten: Lupenreine Deutsche ohne Fremdzusatz. Das Gespr\u00e4ch ist zu Ende, wir geben einander nicht die Hand.<\/p>\n<p>Habe ich was dazugelernt? N\u00f6. Ich komme von ganze unten, ich kenne Jargon und H\u00e4sslichkeit. Die bessere Welt ist die wahre Welt. Die wahre Welt ist eine Welt, in der weniger gelogen wird. Die Leute unten l\u00fcgen genauso viel wie die Leute oben. Punkt.<\/p>\n<p>_________________<\/p>\n<p><strong><em>Sie m\u00f6chten keinen Freitext verpassen? Es gibt einen Newsletter. <a href=\"http:\/\/bit.ly\/1xjyvzZ\" target=\"_blank\">Hier k\u00f6nnen Sie ihn abonnieren.<\/a><\/em><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf Stippvisite in Ost und West. Was trifft man? Nichts als deutschen Fra\u00df und deutsche Fressen. Dazu ein bisschen Hurra-Idiotie und reichlich gef\u00fchlsechte Bosheit. 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