{"id":4722,"date":"2016-12-16T15:31:16","date_gmt":"2016-12-16T14:31:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zeit.de\/freitext\/?p=4722"},"modified":"2017-01-24T11:42:24","modified_gmt":"2017-01-24T10:42:24","slug":"donald-trump-new-york-cotten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/2016\/12\/16\/donald-trump-new-york-cotten\/","title":{"rendered":"Der Zufallsgenerator"},"content":{"rendered":"<p><strong>K\u00f6nnte Trumps skandal\u00f6se Unberechenbarkeit nicht auch eine Art Hoffnung darstellen? Unsere Autorin ist nach New York gereist, um Amerika verstehen zu lernen.<\/strong><\/p>\n<p><figure id=\"attachment_4743\" aria-describedby=\"caption-attachment-4743\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-4743\" src=\"http:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/freitext\/wp-content\/blogs.dir\/84\/files\/2016\/12\/freitext-new-york-1024x576.jpg\" alt=\"\u00a9 Timothy A. Clary\/AFP\/Getty Images\" width=\"640\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/freitext-new-york-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/freitext-new-york-620x349.jpg 620w, https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/freitext-new-york-768x432.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-4743\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Timothy A. Clary\/AFP\/Getty Images<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Beim Anflug auf New York hatte ich mehrere Aufgaben im Kopf. Eine von ihnen war, herauszufinden, was es mit dem Trump-Problem wirklich auf sich hat. Klar, das ist ein \u00fcbles Tier, ungusti\u00f6s, die geradezu k\u00f6rperliche Ekelreaktion, von der viele sprechen, leuchtet sofort ein, und wenn ich daraus eine Meinung bilden wollte, wie es dem Menschen nat\u00fcrlich liegt \u2013 instinktiv empfundenen Ekel mit moralischen Gr\u00fcnden unterf\u00fctternd \u2013 w\u00e4re sie schon fertig. <!--more-->Jedoch braucht man keine Meinung \u00fcber Politiker als Personen. Man braucht zun\u00e4chst Information. Trumps Handlungsspielraum, seine Absichten und seine Sachzw\u00e4nge zu begreifen, hei\u00dft aber nicht weniger als das zutiefst lokal gepr\u00e4gte, h\u00e4ufig irrational-historische, jedenfalls massiv komplexe System der US-amerikanischen Politik nachzuvollziehen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-4723\" src=\"http:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/freitext\/wp-content\/blogs.dir\/84\/files\/2016\/12\/Bild1-min-1024x768.jpg\" alt=\"bild1-min\" width=\"380\" height=\"285\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/Bild1-min-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/Bild1-min-620x465.jpg 620w, https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/Bild1-min-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 380px) 100vw, 380px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4724 aligncenter\" src=\"http:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/freitext\/wp-content\/blogs.dir\/84\/files\/2016\/12\/Bild1a-1024x768.jpg\" alt=\"dav\" width=\"380\" height=\"285\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/Bild1a-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/Bild1a-620x465.jpg 620w, https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/Bild1a-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 380px) 100vw, 380px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unterm Strich wird vermutlich herauskommen, dass dieser Pr\u00e4sident in jedem Bundesstaat, ja in jedem Kaff etwas anderes bedeutet. Die Amerikaner sind bei aller Ideologie so realistisch, dass ihre Meinungen h\u00e4ufig von der Realisierung oder Verhinderung eines bestimmten Projektes abh\u00e4ngen, in das sie verwickelt sind. Dass nicht gerade die Sympathler dieser Welt in die Politik gehen, ist dabei wahrscheinlich jedem klar, der nicht selbst so ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-4745\" src=\"http:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/freitext\/wp-content\/blogs.dir\/84\/files\/2016\/12\/IMG_20161207_115646-min-1024x768.jpg\" alt=\"img_20161207_115646-min\" width=\"200\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/IMG_20161207_115646-min-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/IMG_20161207_115646-min-620x465.jpg 620w, https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/IMG_20161207_115646-min-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Regierten m\u00fcssen diese Figuren nicht lieben, sie begutachten in erster Linie die Qualit\u00e4t der Kr\u00fcmel, die vom Tisch der globalen Geldpolitik in die jeweilige Region fallen. Umso mehr, wenn alles, was nach Sozialstaat riecht, der Mehrheit der Amerikaner gar nicht einmal in den Sinn kommt \u2013 Verbesserung der Lage ist f\u00fcr sie synonym mit dem Anlocken von Investoren. Hat man Gl\u00fcck, sind sie gro\u00dfz\u00fcgig, bauen Br\u00fccken und Stra\u00dfen, von denen die Bev\u00f6lkerung auch etwas hat. Arbeitspl\u00e4tze sind das gro\u00dfe Thema. Dass \u00e4hnlich wie in Deutschland die L\u00f6hne oft so schlecht sind, dass zwei arbeitende Personen keine Familie ern\u00e4hren k\u00f6nnen, wird dabei von allen Beteiligten ignoriert oder mit einem Seufzen, Achselzucken als unver\u00e4nderbar hingenommen. Hat man einen Job, geht es noch irgendwie; man bekommt Kredite und solange man nicht krank wird oder ein wesentliches Ger\u00e4t kaputtgeht, lebt man von Tag zu Tag weiter. Vielleicht ist auch unausgesprochenerweise wesentlich, dass man dann keine Zeit hat, um \u00fcber die Misere nachzudenken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-4725\" src=\"http:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/freitext\/wp-content\/blogs.dir\/84\/files\/2016\/12\/Bild2-min-1024x768.jpg\" alt=\"bild2-min\" width=\"380\" height=\"285\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/Bild2-min-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/Bild2-min-620x465.jpg 620w, https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/Bild2-min-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 380px) 100vw, 380px\" \/><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-4726\" src=\"http:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/freitext\/wp-content\/blogs.dir\/84\/files\/2016\/12\/Bild2a-min-1024x768.jpg\" alt=\"bild2a-min\" width=\"380\" height=\"285\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/Bild2a-min-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/Bild2a-min-620x465.jpg 620w, https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/Bild2a-min-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 380px) 100vw, 380px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei wem ist also dieser Wischmop verschuldet und was wird er f\u00fcr wen tun und lassen m\u00fcssen? Die Spekulationen betreffen nicht nur, wem er was versprochen hat, sondern vor allem, welche von den Versprechen er unter Druck ist, zu erf\u00fcllen. Druckmachen ist also der Einfall Nummer eins bei den Widerstandsgruppen \u2013 ich vermisse geniale T\u00fcfteleien. Wenn man anf\u00e4ngt, wie ein Feinspitz zu denken, kommt aber immer derselbe Gedanke: Trumps skandal\u00f6se Unberechenbarkeit k\u00f6nnte ja auch eine Art Hoffnung darstellen. Ein erfrischender Zufallsgenerator an der Staatsspitze, ganz gem\u00e4\u00df dem altchinesischen Ideal des Regenten, der nichts zu tun braucht, weil sein System von selbst funktioniert, nicht wahr?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-4746\" src=\"http:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/freitext\/wp-content\/blogs.dir\/84\/files\/2016\/12\/IMG_20161207_154743-min-768x1024.jpg\" alt=\"img_20161207_154743-min\" width=\"200\" height=\"267\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/IMG_20161207_154743-min-768x1024.jpg 768w, https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/IMG_20161207_154743-min-600x800.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir haben ja in \u00d6sterreich im halben Jahr zwischen Wahl und Wahlwiederholung festgestellt, dass wir gar keinen Pr\u00e4sidenten brauchen. Ich wei\u00df es auch nicht und gr\u00fc\u00dfe beschwingt an der Grenze die ersten Vertreter des mir schon bekannten Heers \u00fcberwiegend schwarzer Sicherheitsangestellter, deren herzlich das schirche Leben schupfende Grundresignation f\u00fcr mich mehr als alles andere das Gesicht der USA darstellt. Manche erwidern die Freundlichkeit, nicht wenige \u2013 vorwiegend wei\u00dfe Sheriff-Typen und ein ganz toxischer junger hispanischer Grenzbeamter \u2013 bleiben streng. Ihre Humorlosigkeit dr\u00fcckt sich mit Vorliebe darin aus, so zu tun, als k\u00f6nnten sie, egal was man fragt oder sagt, nur aus dem Repertoire ihrer Floskeln antworten. Ich dr\u00fccke die Augen fest zusammen und versuche, mich nicht auch zu Hass und H\u00e4rte provozieren zu lassen. Ich will wie ein kleiner Majakowski&#8217;scher Nieselregen durch das Land gehen, wie der japanische Fuchsregenschauer, eine durchziehende Erkenntnismaschine, mit offenen Augen und auf der Suche nach den richtigen Fragen. Von Jamaica Station bis Lexington Avenue blicke ich von Gesicht zu Gesicht, versuche meine \u00fcberm\u00fcdete Art von Neugier zu d\u00e4mpfen. Als wir die Subway verlassen, ist es dunkel und es sch\u00fcttet, aus vollen, scheinbar unendlichen Wolken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-4729\" src=\"http:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/freitext\/wp-content\/blogs.dir\/84\/files\/2016\/12\/Bild3-min-1024x768.jpg\" alt=\"bild3-min\" width=\"380\" height=\"285\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/Bild3-min-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/Bild3-min-620x465.jpg 620w, https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/Bild3-min-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 380px) 100vw, 380px\" \/><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-4730\" src=\"http:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/freitext\/wp-content\/blogs.dir\/84\/files\/2016\/12\/Bild3a-min-1024x768.jpg\" alt=\"bild3a-min\" width=\"380\" height=\"285\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/Bild3a-min-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/Bild3a-min-620x465.jpg 620w, https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/Bild3a-min-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 380px) 100vw, 380px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Manche sprechen davon, dass jetzt die beruhigende Illusion wegf\u00e4llt, die von dem gut aussehenden, gebildeten, eleganten Pr\u00e4sidenten Obama ausging. Das sei vielleicht nicht angenehm, aber kathartisch und notwendig, um die Selbstwahrnehmung der USA wieder n\u00e4her an ihre reale Situation zu bringen. \u00c4u\u00dferst konkret sind aber leider die Bef\u00fcrchtungen, stelle ich fest, so naheliegend wie grimmig. Alles, was man an einem Staat als gut und n\u00fctzlich erachtet, kann abgeschafft werden, nach dem ungarischen Modell, indem man, wie es bei uns so kneipig hei\u00dft, den Geldhahn abdreht. Konkret erledigen das Trumps Milliard\u00e4re. Nicht dass man von Str\u00f6men sprechen kann, es sind ohnehin schon karge Infusionstropfen. Gestrichen werden kann alles, was noch funktioniert. Alle Einrichtungen und F\u00f6rderungen, aus denen eine gute Regierung besteht, nicht nur seit der Demokratie, und deren Wert von der Bev\u00f6lkerung oft erst bemerkt wird, wenn sie fehlen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-4733\" src=\"http:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/freitext\/wp-content\/blogs.dir\/84\/files\/2016\/12\/Bild4-min1-1024x768.jpg\" alt=\"bild4-min1\" width=\"380\" height=\"285\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/Bild4-min1-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/Bild4-min1-620x465.jpg 620w, https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/Bild4-min1-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 380px) 100vw, 380px\" \/><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-4734\" src=\"http:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/freitext\/wp-content\/blogs.dir\/84\/files\/2016\/12\/Bild4a-min-1024x768.jpg\" alt=\"bild4a-min\" width=\"380\" height=\"285\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/Bild4a-min-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/Bild4a-min-620x465.jpg 620w, https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/Bild4a-min-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 380px) 100vw, 380px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Einige New Yorker Buchhandlungen, in denen ich einst Gl\u00fcck empfand wie ein Matrose auf Landgang, sind mittlerweile geschlossen. In das Caf\u00e9, wo mir damals alles passierte, gehe ich gar nicht, bin nicht in der Stimmung, sich der Nacht und den Leuten hinzugeben. Die Mieten New Yorks sind nach wie vor jenseits aller Vernunft. Ein WG-Zimmer um 1.000 Dollar gilt noch in Brooklyn als Schn\u00e4ppchen. \u00d6konomische Irrationalit\u00e4t ist hier Konsens, die Liebe zu New York monetarisiert, ein schichtenverbindendes Sentiment. Weil im Deli kein Platz zum Essen ist, schieben wir uns frierend ein mediokres Sandwich um 9 Dollar rein, im Central Park, hinter einem \u00fcbermannshohen Zaun, mit Blick auf die gotischen Wolkenkratzer der West Side jenseits eines gro\u00dfen Teichs, auf dem Mandarinenten kreisen. Traurig werfen wir den unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigen M\u00fcllberg von der kleinen Mahlzeit in den M\u00fclleimer.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Ich kann Amerika nicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-4735\" src=\"http:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/freitext\/wp-content\/blogs.dir\/84\/files\/2016\/12\/Bild5-min-1024x768.jpg\" alt=\"bild5-min\" width=\"380\" height=\"285\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/Bild5-min-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/Bild5-min-620x465.jpg 620w, https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/Bild5-min-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 380px) 100vw, 380px\" \/><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-4736\" src=\"http:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/freitext\/wp-content\/blogs.dir\/84\/files\/2016\/12\/Bild5a-min-1024x768.jpg\" alt=\"bild5a-min\" width=\"380\" height=\"285\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/Bild5a-min-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/Bild5a-min-620x465.jpg 620w, https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/Bild5a-min-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 380px) 100vw, 380px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als wir an diesem glatten, schwarzen Turm vorbeikommen, dessen Bewachung die Stadt 35 Millionen Dollar kostet, stehen zwei einzelne DemonstrantInnen davor, eine Frau (&#8222;TRUMP \/ INCOMPETENT \/ IMMORAL&#8220;) auf der einen Stra\u00dfenseite, ein Mann (&#8222;SANTA TAKE TRUMP TO THE NORTH POLE&#8220;) auf der anderen. Ratlose \u00c4sthetiken. &#8222;Die ersten paar Wochen sind wir demonstrieren gegangen, aber nach und nach flaute die Motivation ab&#8220;, erkl\u00e4rt mir ein Student der Columbia-Universit\u00e4t. &#8222;Die Studenten sind alle mit ihren Karrieren besch\u00e4ftigt, ihre Stundenpl\u00e4ne sind sehr dicht.&#8220; In solchen Gespr\u00e4chen \u00e4u\u00dfert immer einer, dass die Not die Untergrund- und <em>Grassroots<\/em>-Organisationen erbl\u00fchen lassen wird. Das Statement erfreut wenig. Es ist nur der letzte Strohhalm von <em>positive thinking<\/em>, und eben dieses <em>positive thinking<\/em> geht allen schon sehr auf die Nerven angesichts der desastr\u00f6sen Wirklichkeit. Die Notwendigkeit, sich in pragmatischerem Geist als fr\u00fcher zu verb\u00fcnden, bleibt. Die Blase platzt, in der es zu gen\u00fcgen schien, sich \u00fcber Popkulturreferenzen und die richtige Haltung zu identifizieren, jetzt sind Taten gefragt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-4737\" src=\"http:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/freitext\/wp-content\/blogs.dir\/84\/files\/2016\/12\/Bild6-min-1024x768.jpg\" alt=\"bild6-min\" width=\"380\" height=\"285\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/Bild6-min-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/Bild6-min-620x465.jpg 620w, https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/Bild6-min-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 380px) 100vw, 380px\" \/><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-4738\" src=\"http:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/freitext\/wp-content\/blogs.dir\/84\/files\/2016\/12\/Bild6a-min-1024x768.jpg\" alt=\"bild6a-min\" width=\"380\" height=\"285\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/Bild6a-min-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/Bild6a-min-620x465.jpg 620w, https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/Bild6a-min-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 380px) 100vw, 380px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>&#8222;To connect motivated individuals seeking an outlet with the hard-working groups that need their participation and support&#8220;<\/em> (Individuen, die eine Anwendungsm\u00f6glichkeit ihrer Motivation suchen, mit den hart arbeitenden Gruppen verbinden, die ihre Mitarbeit und Unterst\u00fctzung brauchen), bringt die <a href=\"http:\/\/forwardunionfair.org\/\">Forward Union<\/a> ihr Ziel auf den Punkt. Die K\u00fcnstlerin Katie Holten hat mir von ihr erz\u00e4hlt, sowie von mehreren, teils speziell von Frauen organisierten Demos und Kunstaktionen wie NASTY WOMEN, die in den n\u00e4chsten Wochen beunruhigte Individuen zusammenschlie\u00dfen sollen. Besonders f\u00fcr isoliertere K\u00fcnstlerInnen in l\u00e4ndlichen Situationen seien solche Aktionen oft eine Art <em>lifeline<\/em>, erl\u00e4utert sie, und mir wird wieder bewusst, wie riesig und wie l\u00e4ndlich die Vereinigten Staaten zum Gro\u00dfteil sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-4744\" src=\"http:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/freitext\/wp-content\/blogs.dir\/84\/files\/2016\/12\/IMG_20161207_104605-min-768x1024.jpg\" alt=\"img_20161207_104605-min\" width=\"200\" height=\"267\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/IMG_20161207_104605-min-768x1024.jpg 768w, https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/IMG_20161207_104605-min-600x800.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Reminiszenzen an die ersten Frauenrechtlerinnen berauschen einen Augenblick meine Vorstellung, vielleicht weil Katie Holten wie eine wirkt, die mit Holz umgehen kann und in keiner Lebenslage die Ruhe verliert, auch wenn sie erz\u00e4hlt, dass sie wochenlang kaum schlafen konnte. Erst im zweiten Moment f\u00e4llt mir der Bezug zu Trumps Frauenverachterei ein. Katie korrigiert in \u00e4hnlichem Geist mein Stammeln: <em>&#8222;We try not to say Anti-Trump. It&#8217;s Pro-Love<\/em><em>&#8222;,<\/em> sagt sie. Diese Ausrichtung beruhigt viele meiner inneren Bedenken, sich so viel mit einem zu besch\u00e4ftigen, der ohnehin zu sehr im Mittelpunkt steht. Jedoch erz\u00e4hlt Holten auch, was mich \u00fcberrascht, dass nach der Wahl von Trump wie auch in Gro\u00dfbritannien nach dem Brexit die Hassp\u00f6beleien auf der Stra\u00dfe schlagartig zunahmen, als w\u00e4re das jetzt erlaubt. W\u00e4re das auch in \u00d6sterreich der Fall gewesen? War es, ist es schon so? Schlummert in jeder Gesellschaft ein grausiger Polyp des schlechten Benehmens, das nur durch die von der Regierung hochgehaltenen Werte von Toleranz und Frieden zur\u00fcckgehalten wird? Ich mag es nicht glauben. Ich muss wieder Bachtin lesen, um auf den Karneval der verkehrten Welt, auf die Explosionen verdr\u00e4ngter D\u00e4monen gefasst zu sein \u2026 was helfen mir B\u00fccher?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-4739\" src=\"http:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/freitext\/wp-content\/blogs.dir\/84\/files\/2016\/12\/Bild7-min-1024x768.jpg\" alt=\"bild7-min\" width=\"360\" height=\"270\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/Bild7-min-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/Bild7-min-620x465.jpg 620w, https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/Bild7-min-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 360px) 100vw, 360px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Museum of Art and Design der Hewitt-Schwestern finden wir eine Ausstellung von Aktionen und Erfindungen, um das \u00dcberleben in den vom abflie\u00dfenden Kapitalismus verw\u00fcsteten US etwas machbarer zu machen. Gartenbau- und Energiekollektive, Wasserstationen und Informationstafeln f\u00fcr Grenzg\u00e4nger, ein Pflug aus Fahrr\u00e4dern mit iPad-Halterung. Ich versuche mir die notwendigen Arbeitsschritte vorzustellen, um die Annehmlichkeiten einer brauchbaren sozialstaatlichen Infrastruktur im DIY-Modus aufzubauen. Es w\u00e4re schwierig, weil ich die Leute nicht mag und finde, typische US-Amerikanerin, dass sie sich alle deppert anstellen. Alle m\u00fcssen aber leben k\u00f6nnen, die Deppen, die Arschl\u00f6cher, die Nervens\u00e4gen, die Langsamen und die NeurotikerInnen \u2026 Nur eine Struktur kann das leisten \u2013 und Menschen mit Prinzipien. Ich neige den Kopf in Respekt vor den HeldInnen, die in all diesen St\u00e4dten in ihrer jeweiligen Nachbarschaft die Arbeit des Staates \u00fcbernehmen \u2013 \u00fcberdurchschnittlich oft sind es Frauen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-4747\" src=\"http:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/freitext\/wp-content\/blogs.dir\/84\/files\/2016\/12\/IMG_20161209_161704-min-1024x768.jpg\" alt=\"img_20161209_161704-min\" width=\"200\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/IMG_20161209_161704-min-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/IMG_20161209_161704-min-620x465.jpg 620w, https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2016\/12\/IMG_20161209_161704-min-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine Statistik im Stiegenhaus ist das eigentliche Spektakel der Ausstellung. Sie rechnet vor, dass US-Amerikaner sich mit den existierenden Geh\u00e4ltern nicht einmal eine Einzimmerwohnung leisten k\u00f6nnen. F\u00fcr eine Wohnung mit zwei Schlafzimmern muss man zu den oberen Besserverdienern geh\u00f6ren. Das hei\u00dft, die meisten US-AmerikanerInnen sind entweder obdachlos oder m\u00fcssen sich verschulden, um nur das allt\u00e4gliche Leben zu meistern. Das sind nicht Dritte-Welt-Zust\u00e4nde, das ist die neuartige Groteske, dass ein Lebensstandard als Anspruch und auch infrastrukturell gefordert wird, der mit dem herrschenden Lohnniveau mit Arbeit nicht erreicht werden kann. Es passt so wenig zum US-amerikanischen Selbstbild, dass es einfach verdr\u00e4ngt wird.<\/p>\n<p><em><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Jedes Land zeigt seinen Geist im Design. Der M\u00fclleimer sind drei. Ein etwas genialisch angehauchtes Designkonzept hat diese \u00d6ffnungen wie die Blende eines Fotoapparats skaliert, die kleinste f\u00fcr die Flaschen, mittlere f\u00fcr Papier, normal f\u00fcr den Rest. Sp\u00e4ter, auf der Suche nach Orientierung, sehen wir dann auch eines dieser ber\u00fchmten Schilder, an deren stolze und irgendwie einsame Tristesse ich mich dann wieder erinnere: Diese und jene Investmentfirma, ist da angeschrieben, wo man nach Destinationen suchen w\u00fcrde, finanziert den S\u00e4uberungsdienst f\u00fcr die folgende Stra\u00dfenmeile. Das Schild muss schon einen guten Teil der Spende verschlungen haben.<\/em><\/p>\n<p><em><br \/>\n<a href=\"http:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/fly-over-usa\/\">Alle Folgen von &#8222;Fly-over USA&#8220;: Ist das schon das neue Amerika? Die Schriftstellerin Ann Cotten bereist das Land nach der Wahl von Donald Trump. <\/a><\/em><em>Die Fotos im Text stammen von der Autorin.<\/em><\/p>\n<p>_________________<\/p>\n<p><strong><em>Sie m\u00f6chten keinen Freitext verpassen? Es gibt es einen Newsletter. <a href=\"http:\/\/bit.ly\/1xjyvzZ\" target=\"_blank\">Hier k\u00f6nnen Sie ihn abonnieren.<\/a><\/em><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00f6nnte Trumps skandal\u00f6se Unberechenbarkeit nicht auch eine Art Hoffnung darstellen? Unsere Autorin ist nach New York gereist, um Amerika verstehen zu lernen. 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