{"id":5354,"date":"2017-04-19T11:08:35","date_gmt":"2017-04-19T09:08:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zeit.de\/freitext\/?p=5354"},"modified":"2017-06-30T10:32:44","modified_gmt":"2017-06-30T08:32:44","slug":"weltverbesserung-zukunft-belohnung-braslavsky","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/2017\/04\/19\/weltverbesserung-zukunft-belohnung-braslavsky\/","title":{"rendered":"Kriege und Walfang lohnen sich eben"},"content":{"rendered":"<p><strong>Nat\u00fcrlich wissen wir, wie wir den Planeten vor dem Untergang bewahren k\u00f6nnen. \u00c4ndern wird sich nichts, solange wir unser korrumpiertes Belohnungssystem nicht abschaffen.<\/strong><\/p>\n<p><figure id=\"attachment_5361\" aria-describedby=\"caption-attachment-5361\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-5361\" src=\"http:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/freitext\/wp-content\/blogs.dir\/84\/files\/2017\/04\/freitext-erde-1024x576.jpeg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2017\/04\/freitext-erde-1024x576.jpeg 1024w, https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2017\/04\/freitext-erde-620x349.jpeg 620w, https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2017\/04\/freitext-erde-768x432.jpeg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-5361\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Unsplash\/Nasa<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Stell dir vor, du wachst eines Morgens auf und erkennst deine Wohnung nicht mehr wieder. Das hei\u00dft, du wei\u00dft, dass du am selben Ort bist, aber nicht mehr zur selben Zeit. Wir schreiben das Jahr 2200. Der Kapitalismus ist Geschichte, das Regelwerk des <a href=\"https:\/\/www.thevenusproject.com\">Venus-Projekts<\/a> bestimmt jetzt den Lauf der Welt. Du bist allein. Du wei\u00dft, nichts in den R\u00e4umlichkeiten geh\u00f6rt dir. Du wei\u00dft auch, nichts darin geh\u00f6rt sonst irgendjemandem. Es geh\u00f6rt niemandem, denn &#8222;Besitz ist Last&#8220;, hei\u00dft eine Regel.<!--more--><\/p>\n<p>Erst vor einigen Tagen bist du hier abgestiegen, es war die einzig verf\u00fcgbare Wohnung. Der Blick aus dem Fenster macht dich w\u00fctend. Du wolltest diesmal Meerblick! Du h\u00e4ttest langfristiger planen m\u00fcssen, aber du hattest keine Zeit. Die japanische Gartenanlage ist zwar fantastisch, aber das kennst du schon von den letzten Malen. Ein Kaffee w\u00e4re jetzt gut. Du gehst in die K\u00fcche. Der Automat kennt dich schon, der Kaffee ist bereits in Arbeit, so wie du ihn am liebsten hast.<\/p>\n<p>Eigentlich wolltest du auch mal wieder Urlaub machen, aber das Kybernationale System hat dich auserw\u00e4hlt, &#8222;der Gro\u00dfe Kyber&#8220; hat dich und weitere Hundert aus Milliarden wieder zu zw\u00f6lf Monate langer Arbeit in interdisziplin\u00e4ren Teams &#8222;verdonnert&#8220;, zur Erarbeitung neuer Technologien, zur L\u00f6sung handfester Probleme. Zw\u00f6lf Monate lang Proposals und Pr\u00e4sentationen, Diskussionen und Implementierungen. &#8222;Der Gro\u00dfe Kyber&#8220; spricht von Ehre, Auszeichnung, er spricht von Belohnung.<\/p>\n<p>Das Kybernationale System ist stolz auf seine wissenschaftliche Methode, nach deren Logik es entscheidet und dank derer ihr jetzt ein geeinter Planet seid, denn sie bringt nicht nur die plausibelsten Ergebnisse hervor, nein, sie sei an Fairness in ihrem Urteil nicht zu \u00fcbertreffen. Denn du bist nicht etwa zuf\u00e4llig f\u00fcr diese Ehre auserw\u00e4hlt worden (Zuf\u00e4lle sind Schnee f\u00fcr Gestrige), mitnichten: DU \u2013 und jetzt kommt der Clou \u2013 HAST EINEN IQ VON 250! Du geh\u00f6rst der geistigen Elite an, bist schon die x-te Generation ergebener Pioniere, die diese neue Welt aufgebaut, ach was, die das weltumspannende Kybernationale System (<em>the one and only cybernational system<\/em>) entwickelt und unz\u00e4hlige zentrale Datenbanksysteme in die Herzen aller St\u00e4dte gepflanzt hat, damit jeder Mensch auf der Erde Zugriff auf jede Information hat.<\/p>\n<p>Ein Dorf? Ein eigener Garten? Eine Eigentumswohnung? Gro\u00dfer Kyber! Das ist alles fossil. Besitz ist Last, Zugang ist die neue Freiheit. Die Menschen auf der Erde bewegen sich in geordnetem Transit. Melden sich mit ihrem Fingerprint in Wohnungen an und ab. Bewegen sich in Magnetbahnen auf Schienen mit Schallgeschwindigkeit durch die Welt.<\/p>\n<p><strong>Die Technologie des Tomatenpflanzen-Besingens<\/strong><\/p>\n<p>Was habt ihr nicht alles erreicht! Ihr habt das Geld (fast ohne Blutvergie\u00dfen) abgeschafft und durch \u00dcberfluss ersetzt, dank vollautomatisierter und vollst\u00e4ndig durch Computer-Algorithmen gesteuerter Umgebung. Alles, was Maschinen k\u00f6nnen, k\u00f6nnen sie nun: Sie geben im gro\u00dfen Ma\u00dfstab und ohne Gegenleistung, denn sie warten sich selbst. Und ihr Energiebedarf ist dank der intelligenten Steuerung der Ressourcen mehr als gedeckt. So dass du und Milliarden weitere Menschen nun das tun, was sie schon immer am besten k\u00f6nnen: Ihr nehmt im gro\u00dfen Ma\u00dfstab. Geben und Nehmen muss f\u00fcr dich kein moralisches Reflexsystem mehr sein.<\/p>\n<p>Ja, ihr habt eine andere Art von \u00d6konomie gebaut: eine Ressourcen-basierte. Das bedeutet, nur das darf produziert werden, was sich in einen Kreislauf f\u00fcgt. Ihr habt den Globus befreit vom Bedeutungsmantel nationalpolitischer Zersplitterung und seine wahre Gestalt sichtbar gemacht, habt ihn neu eingeteilt in geologische Quadranten, benannt nach vorhandenen Ressourcen.<\/p>\n<p>Der gr\u00f6\u00dfte Teil der Weltbev\u00f6lkerung w\u00e4re zu solchen Entwicklungen nicht f\u00e4hig, was nicht hei\u00dft, dass er tatenlos herums\u00e4\u00dfe. Denn nichts tun geht im Venus-Projekt nicht. Niemand muss viel tun, denn das Meiste tun die Maschinen und Algorithmen. Aber jeder (der kein Fall f\u00fcr die F\u00fcrsorge werden will) muss sich und andere belohnen wollen durch Ideen und Vorschl\u00e4ge, jeder muss nach seinen F\u00e4higkeiten an der Entwicklung der Gesellschaft mitarbeiten wollen, jeder reicht deshalb im vorgegebenen Turnus beim zentralen Datenbanksystem Vorschl\u00e4ge f\u00fcr neue Technologien ein. Diese werden durch den &#8222;Gro\u00dfen Kyber&#8220; mittels der wissenschaftlichen Methode gepr\u00fcft und entweder (leider immer weniger) in eine neue Regel umgewandelt oder verworfen mit einem kurzen Dankesch\u00f6n f\u00fcr die Bem\u00fchungen und einem anspornenden Gru\u00df. Die letzte neue Regel, die nicht aus der Arbeit der interdisziplin\u00e4ren Teams entstand, ist bereits zwanzig Jahre alt, es handelt sich dabei um die Technologie des Tomatenpflanzen-Besingens.<\/p>\n<p>Alles, was Robots leisten k\u00f6nnen, ist im \u00dcberfluss vorhanden, und was sie leisten, hast du und die Hundert weiteren kl\u00fcgsten K\u00f6pfe ihnen &#8222;beigebracht&#8220;. Also warum sollst du jetzt wieder &#8222;gearscht&#8220; sein und, nach allem, was du f\u00fcr diese Welt geleistet hast, (verdammt noch mal!) nicht einmal einen Meerblick haben k\u00f6nnen, nicht einmal darauf hoffen k\u00f6nnen, dass eine solche Wohnung f\u00fcr Pioniere wie dich reserviert wird? Alle Wohnungen zum Wasser hin, egal wohin du f\u00e4hrst, sind auf lange Sicht ausgebucht, bewohnt von Menschen, die mehr Zeit haben als du, die der Welt noch keine einzige, vern\u00fcnftige Technologie eingebracht haben. F\u00fcr deine Arbeit in den Teams bekommst du nichts, denn sie ist bereits deine Auszeichnung. Niemand bekommt etwas f\u00fcr das, was er tut, weil das Tun und Machen f\u00fcr alle eine Belohnung ist. Denn, so steht es in der Kybernationalen Verfassung, &#8222;die Belohnung in einer Ressourcen-basierten \u00d6konomie ist die st\u00e4ndige Verbesserung der Gesellschaft fu\u0308r alle&#8220;. Und das Schlimmste daran ist: Du und deinesgleichen haben diese Regel ersonnen und mit revolution\u00e4rem Enthusiasmus umgesetzt.<\/p>\n<p>Es ist sp\u00e4t, du musst los. Die Versammlung beginnt in drei\u00dfig Minuten. Dein Shirt und deine Hose sind reif f\u00fcr die Waschanlage. Die letzten Tropfen des umwerfend schmackhaften Kaffees landen in deiner Kehle. Nach einer Dusche verl\u00e4sst du die Wohnung. Am Bekleidungsautomaten an der Ecke holst du dir ein paar saubere Klamotten und ziehst dich um. Und anstatt die Stadtbahn zu nehmen, schl\u00e4gst du dich, vorbei an der Geotherme, durch die Gem\u00fcsefelder und Obstplantagen, auf denen gerade Armeen von Robots arbeiten. Du willst nicht, dass dein Weg nachvollziehbar und logisch ist, weil du n\u00e4mlich nicht auf dem Weg zu einer Versammlung der interdisziplin\u00e4ren Teams bist, sondern zu einem geheimen Treffen mit Tausenden dieser kl\u00fcgsten K\u00f6pfe der Erde. In einem Geb\u00e4ude am anderen Ende der Stadt betrittst du oben im Dachgeschoss eine knallvolle Halle. Ihr seid euch einig, ihr wollt eine Belohnung f\u00fcr euch einf\u00fchren. Und du hast das fertige Skript dabei. Und, sollte der &#8222;Gro\u00dfe Kyber&#8220; die neue Belohnungsregel nicht akzeptieren, werdet ihr ihn und das zentrale Datenbanksystem entmachten.<\/p>\n<p><strong>Und du, Fossil am Bildschirm?<\/strong><\/p>\n<p>Du liest jetzt diesen Artikel im Schwarm dieses neuen revolution\u00e4ren Zeitgeists und fragst dich vielleicht: Wie haben sie blo\u00df das Geld abgeschafft? Warum wollen sie diese wunderbare Welt kaputt machen? Warum denken sie nur an sich? Wieso haben wir diese fantastische Idee nicht schon l\u00e4ngst umgesetzt?<\/p>\n<p>Die Bibliotheken der Welt beherbergen kilometerlange Regalreihen mit Manifesten und Traktaten, mit Ideen und Erkenntnissen dar\u00fcber, wer wir sind oder sein k\u00f6nnten. Allein in Deutschland gibt es \u00fcber 10.000 \u00f6ffentliche Bibliotheken. Google z\u00e4hlte 2010 <a href=\"http:\/\/(http:\/\/booksearch.blogspot.de\/2010\/08\/books-of-world-stand-up-and-be-counted.html\">knapp 130 Millionen gedruckte Einzeltitel<\/a> seit Beginn der modernen Geschichte. Nehmen wir an, ein Buch hat eine durchschnittliche Seitenanzahl von 300, sei ein sch\u00f6n gemachtes Hardcover und damit ungef\u00e4hr 2,5 Zentimeter dick. Dann kommen wir auf gute 3.250 Kilometer Regalreihe an Einzeltiteln mit dem Jahr 2010 (wenn wir von jedem Titel nur ein Exemplar halten). Und j\u00e4hrlich kommen allein in Deutschland ungef\u00e4hr 90.000 Neuerscheinungen (also gute zwei Kilometer) hinzu. Jedes Jahr werden in Deutschland ungef\u00e4hr <a href=\"http:\/\/(http:\/\/www.bookpedia.de\/buecher\/Anzahl_der_deutschsprachigen_B%C3%BCcher_und_Drucke\">eine Milliarde B\u00fccher gedruckt<\/a>, die nach unserer Formel ungef\u00e4hr 25.000 Kilometer an Regalreihen beanspruchen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich machen sich nicht alle Texte Gedanken um die Zukunft, aber in fast allen geht es um uns. Wir haben galaktische Datenmengen an Erkenntnissen \u00fcber die Frage angeh\u00e4uft, wie wir auf diesem Planeten leben und leben sollen, wie wir die Menschheit retten k\u00f6nnten. Niemand kann das alles lesen und verarbeiten, aber wer auch nur einen kleinen Teil davon liest, wird schnell verstehen: Wir sind uns nicht einig. Doch das scheint nicht einmal unser gr\u00f6\u00dftes Problem zu sein.<\/p>\n<p>Vergegenw\u00e4rtigen wir uns nun Folgendes: Das Regelwerk dieser Welt gestalten wir nach unseren Veranlagungen, Bed\u00fcrfnissen und Begehrlichkeiten. Es ist Ausdruck unseres Wesens. Dummerweise werden wir und unser Wesen wiederum durch die Mechanismen unserer Welt konsolidiert, soll hei\u00dfen: Wir erschaffen die Welt, und sie best\u00e4rkt uns in dem, was wir sind. Ein Teufelskreislauf, wenn man bedenkt, dass ein M\u00f6rdergen im Genpool erst dann abgeschaltet werden kann und verschwindet, wenn der Grund zum Morden in der Umgebung weggefallen ist. Eine vertrackte Situation, wenn man die Welt wirklich ver\u00e4ndern will. Wie kommen wir da heraus?<\/p>\n<p><strong>Wer hat uns diesen Mist wieder eingebrockt?<\/strong><\/p>\n<p>Vorbild und Feindbild unserer Entwicklung ist die Biologie. An ihr reiben und orientieren wir uns. Sie hat uns zu dem gemacht, was wir sind und nicht sein wollen. Und mit Erfolg. Und vor allem unter Gro\u00dfeinsatz raffinierter Belohnungssysteme. In unserem Gehirn, vom oberen Hirnstamm bis zur pr\u00e4frontalen Cortex, ist so eines gleich als zweigliedriges System installiert, ein Vorhersagesystem, das die Belohnung ausmachen kann, und ein Konsumationssystem, das uns bei Beginn der Erfahrung belohnt und Endorphine aussch\u00fcttet. Mit dieser uralten Standardsoftware arbeiten wir seit jeher auf allen Ebenen unseres Lebens (noch bevor wir \u00fcberhaupt zum Homo sapiens wurden). Damit streben wir und alles Leben auf diesem Planeten nach Liebe, Lust, Leidenschaft, Genuss, Freude, Gl\u00fcck, Anerkennung, Ruhm und Ehre, Reichtum und Vorsprung, und vor allem Sicherheit, aber auch Schadenfreude oder Mitleid.<\/p>\n<p>Das sogenannte neurologische Bestrafungssystem ist dazu vergleichsweise klein und eigentlich keines, es ist ein eher knapp kalkuliertes Vermeidungssystem. Verallgemeinert gesagt: Das Individuum ist darauf programmiert, Unannehmlichkeiten, Konflikten und Gefahren ganz nat\u00fcrlich aus dem Weg zu gehen, wir sind nicht daf\u00fcr gemacht, Kriege anzuzetteln, weil das Individuum darin keine Belohnung erkennen kann. Erst mit dem Beginn einer (medialen) Anbetung und Herausstellung von M\u00e4rtyrern sehen wir in der Selbstzerst\u00f6rung eine Belohnung, so haben wir uns umprogrammiert. Die Erz\u00e4hlung \u00fcber uns beginnt mit der Errichtung eines Apparates der Umsteuerung, sie kann ohne die Momente der Umprogrammierungen unserer Belohnungsstrategien nicht verstanden werden. So wie wir die Geschichte der Menschheit heute erz\u00e4hlen, m\u00fcssen wir davon ausgehen, dass wir die letzte Schei\u00dfe im Universum sind. Aber unsere wirkliche Geschichte mit den eigentlichen Wendepunkten ist noch nicht erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Sicher ist nur in jedem Fall, und das lehrt uns wieder die Biologie: Echte Bestrafungssysteme sind zu teuer, energie- und zeitaufwendig und dadurch kontraproduktiv f\u00fcr Entwicklungsprozesse. Und hier sind wir wieder in unserer Wirklichkeit: 2010 lagen die Inhaftierungskosten der Justizvollzugsanstalten in Deutschland bei <a href=\"https:\/\/fragdenstaat.de\/anfrage\/inhaftierungskosten-in-justizvollzugsanstalten\/\">2.821.198.260,69 \u20ac<\/a>. <a href=\"https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/37293\/umfrage\/entwicklung-der-zahl-zugelassener-rechtsanwaelte\/\">2016 z\u00e4hlen wir \u00fcber 160.000 zugelassene Rechtsanw\u00e4lte in Deutschland<\/a>. Auf die Unterhaltskosten f\u00fcr Gerichte, Geheimdienst oder Polizei will ich jetzt nicht eingehen, wir haben ja schon eine Idee davon.<\/p>\n<p>Wer sich nun trotzdem noch fragt, wie es kommt, dass es Greenpeace zum Beispiel <a href=\"https:\/\/www.greenpeace.de\/themen\/meere\/keine-gnade-fuer-wale\">immer noch nicht gelungen ist<\/a>, den Walfang abzuschaffen und damit die Ausrottung der gro\u00dfen Meeress\u00e4uger zu verhindern, obwohl der Kampf dagegen nicht erst gestern begonnen hat und die Mehrheit von uns hinter Greenpeace steht, der muss sich eingestehen: Es lohnt sich, Wale zu fangen. \u00c4hnlich hinterfragen k\u00f6nnten wir jetzt Antikriegsdemos, Antipelzbewegungen, Proregenwaldaktionen etc. pp.<\/p>\n<p>Der Mensch ist eigenn\u00fctzig (das brauchte er einst f\u00fcr sein \u00dcberleben), und er strebt nach Belohnung. Wenn er sich einen Vorteil, einen Mehrwert oder Anerkennung verschaffen kann, wird er das tun. Ganz nat\u00fcrlich. Was tun wir, nachdem wir aufgestanden sind? Wir streben nach dem, was uns gesund, gl\u00fccklich, sch\u00f6n und reich macht. Wir verhalten uns so, dass wir daran verdienen, und das ist auch gut so. Weil es effektiv und ausgesprochen \u00f6konomisch ist.<\/p>\n<p>Br\u00e4uchten wir \u00fcberhaupt Moral, Ethik oder Bestrafungsmechanismen, wenn unsere Belohnungssysteme nicht korrumpiert und instrumentalisiert, ja infiziert, sondern richtig eingestellt w\u00e4ren? Wenn unser eigenn\u00fctziges Verhalten damit auch einen Nutzen f\u00fcr andere haben k\u00f6nnte? Dann w\u00e4re unser Kampf um eine bessere Welt vielleicht keine zeitraubende &#8222;Don-Quijoteske&#8220;. K\u00f6nnte es sein (und diese Frage, klar, ist so naiv wie alt), dass die Schieflagen in unserer Welt in erster Linie mit den &#8222;Schieflagen&#8220; unserer Belohnungssysteme zu tun haben?<\/p>\n<p><strong>Brauchst du einen Trip?<\/strong><\/p>\n<p>2011 begann ich zusammen mit meinem Bruder (er ist ein Musiker) ein Projekt unter dem Titel: <a href=\"http:\/\/www.agent-zukunft.net\">Agent Zukunft<\/a>. Seitdem besch\u00e4ftige ich mich intensiver als vorher mit Manifesten, philosophischen Traktaten und Utopien. In diesem Projekt nehmen wir diese (teils sperrigen) Texte wortw\u00f6rtlich, \u00fcbersetzen sie in ihren wesentlichen Aspekten und Argumenten in Welten und machen sie damit erlebbar. Wir stellen uns den durchschnittlichen Menschen in seinem Handeln und Wirken darin vor. Und ihr ahnt wahrscheinlich schon: Die Reisen in diese Welten werden unfreiwillig komisch und leider auch immer gef\u00e4hrlich, weil bisher kein Durchschnittstyp diesem Idealbild an Mensch in den Manifesten gen\u00fcgt. Wollen oder k\u00f6nnen wir nicht einsehen, wer wir sind und wie wir wirklich funktionieren? Hindern uns Moralvorstellungen plus die gleichzeitige Auflehnung dagegen daran, realistischere Visionen zu entwickeln?<\/p>\n<p>Eine Reise hei\u00dft: in ein Manifest. <a href=\"http:\/\/www.agent-zukunft.net\/az1\">Der Trip im ersten Teil geht ins Venus-Projekt<\/a>. Daraus haben wir eine H\u00f6rcomic-Serie gebaut. H\u00f6rcomic deshalb, weil Zukunft unsichtbar ist, weil sie Tr\u00e4ume ist, und Tr\u00e4ume sind immer erst subjektiv, bevor wir daraus eine verallgemeinerte Vision verhandeln. Wir wollten diese Zuk\u00fcnfte nicht zeigen, weil wir sie niemandem diktieren m\u00f6chten. Vier Reisen gibt es schon. Die n\u00e4chste erscheint noch in diesem Jahr. Um eine ersch\u00f6pfende Darstellung aller Aspekte der Texte kann es uns nicht gehen, sondern um ein Gef\u00fchl f\u00fcr diese Welten, f\u00fcr die Welten unserer Erkenntnisse, Sehns\u00fcchte und Sehs\u00fcchte \u00fcber uns selbst oder auch der Fehlschl\u00fcsse, die wir im Umgang mit uns und unserer Geschichte ziehen.<\/p>\n<p>Diesen Schatz zu bergen, lohnt sich f\u00fcr uns in jedem Fall, denn trotz aller Idealisierungen finden wir in jedem Text kostbare Perlen. Deshalb noch mal zur\u00fcck zum <a href=\"https:\/\/www.thevenusproject.com\/\">Venus-Projekt<\/a>: Seine gro\u00dfe Leistung sehe ich im Ressourcen-basierten Denkmodell. Zirkulationen, Drehungen, regelm\u00e4\u00dfige Abfolgen oder rhythmische Wiederholungen sind nicht nur die Grundlagen jeder Poesie, sondern auch die wesentlichen vitalen Funktionen eines jeden Lebewesens auf dieser Erde und auch unseres Planeten als Makro-Organismus. K\u00f6nntest du dir vorstellen, dass wir jemals in der Lage sein werden, alle Produkte wieder in einen gesunden Kreislauf zu f\u00fcgen? Und wenn du jetzt einen n\u00e4chsten Schritt bestimmen k\u00f6nntest, um das zu erreichen, was w\u00fcrdest du tun?<\/p>\n<p>________________<\/p>\n<p><strong><em>Sie m\u00f6chten keinen Freitext verpassen? Es gibt einen Newsletter. <a href=\"http:\/\/bit.ly\/1xjyvzZ\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Hier k\u00f6nnen Sie ihn abonnieren.<\/a><\/em><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nat\u00fcrlich wissen wir, wie wir den Planeten vor dem Untergang bewahren k\u00f6nnen. \u00c4ndern wird sich nichts, solange wir unser korrumpiertes Belohnungssystem nicht abschaffen. 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