{"id":6177,"date":"2017-09-27T10:18:46","date_gmt":"2017-09-27T08:18:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zeit.de\/freitext\/?p=6177"},"modified":"2017-09-27T12:31:42","modified_gmt":"2017-09-27T10:31:42","slug":"milch-schulmilch-velasco","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/2017\/09\/27\/milch-schulmilch-velasco\/","title":{"rendered":"Das heilige Ges\u00f6ff"},"content":{"rendered":"<p><strong>Milch gilt noch immer als Wundermittel. Systematisch werden Kinder damit vollgepumpt. Dabei schmeckt das wei\u00dfe Zeug schlimm. Und die Produktionsbedingungen sind grausam.<\/strong><\/p>\n<p><figure id=\"attachment_6184\" aria-describedby=\"caption-attachment-6184\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-6184\" src=\"http:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/freitext\/wp-content\/blogs.dir\/84\/files\/2017\/09\/freitext-schulmilch-1024x576.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2017\/09\/freitext-schulmilch-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2017\/09\/freitext-schulmilch-620x349.jpg 620w, https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2017\/09\/freitext-schulmilch-768x432.jpg 768w, https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2017\/09\/freitext-schulmilch.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-6184\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Koen van Weel\/ANP\/AFP\/Getty Images<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Ich wei\u00df nicht mehr genau, wie Kuhmilch in mein Leben kam. Ich muss sie schon konsumiert haben, bevor ich mich bewusst dazu entschied, denn ich bin nie gestillt, sondern mit Kuhmilch gro\u00dfgezogen worden. Meine Mutter geh\u00f6rte zu der Generation Frauen, die es nicht taten \u2013 nicht unbedingt, weil sie sich bewusst dagegen entschied, sondern weil es Ende der 1970er Jahre normal war, nicht zu stillen. Ich erinnere mich an den lapidaren Ton, in dem meine Mutter mir diesen Umstand schilderte, die Ratlosigkeit in ihrer Stimme, in der mitschwang, vielleicht doch etwas falsch gemacht zu haben, diesen deutschen \u00c4rzten, deren Sprache sie nicht gut beherrschte, zu sehr vertraut zu haben, aber vor allem ist mir von dieser Unterhaltung eins in Erinnerung geblieben: die lila Tablette. <!--more-->Er gab mir diese lila Tablette, h\u00f6re ich meine Mutter auf Spanisch sagen. Er, das war unser Hausarzt Dr. Wink, und die lila Tablette war das Medikament, das den Milchfluss stoppen sollte. In meiner kindlichen Vorstellung sah ich Dr. Wink, wie er vor meiner Mutter stand und diese eine lila Tablette \u00fcberreichte, gro\u00df wie ein F\u00fcnfmarkst\u00fcck, und in meiner kindlichen Phantasie ist sie aus Brause, denn so eine gro\u00dfe Tablette kann meine Mutter niemals runterschlucken.<\/p>\n<p>Meine Generation wurde mit Kuhmilch gro\u00dfgezogen. Auch ansonsten, das hei\u00dft in der Erwachsenenwelt, schien Milch als eine Art Wundermittel gegen und f\u00fcr alle\/s zu gelten, zumindest wurde uns das so suggeriert. Schon am Morgen auf dem Weg in den Kindergarten grinsten uns von Werbeplakaten riesige M\u00fcnder mit Milchb\u00e4rten an, und im Fernsehen lief ein Milchspot nach dem anderen. Strahlend wei\u00dfe Milch wurde in klare Gl\u00e4ser gegossen, Milchgischt spritzte in Zeitlupe an der Oberfl\u00e4che hoch, wurde blitzschnell von den Lippen geleckt \u2013 ein bisschen wie in schlechten Filmen, wo reiche M\u00e4nner ihr Zahnfleisch mit Koksresten einreiben \u2013, kein Tropfen durfte verschwendet werden! Frischk\u00e4se wurde zentimeterdick auf Vollkornkrusten gestrichen, krachend verschwanden sie in nah aufgenommenen M\u00fcndern wundersch\u00f6ner Frauen, um dort mit an sexueller Lust grenzender Wonne zermahlen zu werden. Auch die Kinder- und Jugendb\u00fccher waren voll von frisch abgesch\u00f6pftem Sauerrahm, klappernden Milchkannen und K\u00e4sesemmeln. Egal ob in Astrid Lindgrens <em>Madita<\/em>, Tina Casparis <em>Bille und Zottel<\/em> oder in Enid Blytons <em>F\u00fcnf Freunde<\/em>, \u00fcberall wurde Milch getrunken. Egal ob auf dem Reiterhof, auf der Felseninsel oder in Bullerb\u00fc, \u00fcberall galt Milch als Lebenselixier, als Gute-Laune-Macher, als Droge gegen M\u00fcdigkeit und schlechte Laune, vor allem f\u00fcr Kinder.<\/p>\n<p>Im echten Leben mochte ich wie die meisten Kinder keine Milch. Ich ekelte mich vor der Haut, die sich an der Oberfl\u00e4che bildete, wenn man sie warm machte. Ich verstand nicht, warum sie so schnell schlecht wurde, und ich weigerte mich, sie auszutrinken, nur damit man sie nicht wegkippen musste. Wenn meine Mutter die grauen geronnenen Milchklumpen schlie\u00dflich doch in den Abfluss sch\u00fcttete, hielt ich mir immer eine Mandarine unter die Nase. Vor allem aber hasste ich den Geschmack, den die Milch bis tief in den Rachen hinunter hinterlie\u00df, dieser Geruch, der manchmal von den Feldern rechts und links der Autobahn ins Fahrzeug meines Vaters drang, daran erinnerte er mich, oder anders formuliert: Es schmeckte, als h\u00e4tte ich Schei\u00dfe gefressen.<\/p>\n<p>Inzwischen ist allgemein bekannt, dass Tiermilch \u2013 egal von Kuh, Ziege oder Giraffe \u2013 lange nicht so gesund ist, wie man uns immer suggerieren wollte. Im Gegenteil. Milch l\u00f6st nicht nur Allergien aus, sondern ist laut Studien der Harvard University auch f\u00fcr Herzkreislauferkrankungen verantwortlich.<\/p>\n<p>Dass es auch heute immer noch Milchprogramme in Schulen gibt, die sogar von der EU gef\u00f6rdert werden \u2013 so wie den Weltschulmilchtag \u2013 scheint deswegen mehr als r\u00e4tselhaft. Millionen von Steuergeldern flie\u00dfen in die Landwirtschaft, um die Milcherzeugung zu f\u00f6rdern, alle sollen so viel Milch wie m\u00f6glich trinken, aber Obst und Gem\u00fcse werden immer teurer. Viehfutteranbau laugt den Boden aus, Wasser wird durch Kuhdung verseucht. Egal, die Milch macht&#8217;s!<\/p>\n<p><strong>Kakao im Tafelschwamm<\/strong><\/p>\n<p>In der Grundschule jedenfalls muss man von meiner Abneigung gegen Milch von Anfang an gewusst haben, denn schon damals gab es dort ein Milchprogramm. Als solches nahm ich es damals nicht wahr. Ich war ein Kind, ich wusste nicht, was Subventionen sind. Ich dachte, die Schule wolle uns etwas Gutes tun, so wie diese blonde Tennisspielerin mit der gro\u00dfen Nase, die immer T-Shirts trug, auf denen <em>Milchschnitte<\/em> stand. Gl\u00fccklicherweise war meine Mutter zu geizig f\u00fcr das Schulmilchprogramm, doch meine Freundin Natalie kam nicht so gut davon. Jeden Tag bekam die \u00c4rmste in der gro\u00dfen Pause einen Viertelliter Milch vorgesetzt, und jeden Tag liefen wir gemeinsam zu den Schultoiletten, wo Natalie ihre Milch mit einem teuflischen Grinsen im Klo versenkte. Vielleicht wurde auf diesem Grundschulklo der Grundstein f\u00fcr das titelgebende Ritual meines Romans <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/kultur\/film\/2017-08\/tigermilch-film-freundschaft-ute-wieland-rezension\"><em>Tigermilch<\/em><\/a> gelegt, bei dem meine Protagonistinnen Nini und Jameelah sich nach der Schule auf dem Klo einschlie\u00dfen und sich aus Mariacron, Maracujasaft und Ninis Schulmilch ihre hei\u00dfgeliebte Tigermilch mischen. Mir gefiel es, zwei junge M\u00e4dchen in eine sch\u00e4bige Toilette zu sperren und sie die kulturell induzierte Bedeutung von Milch dekonstruieren zu lassen. Das heilige Ges\u00f6ff und mitsamt seiner Konnotationen (&#8222;Milch ist gut f\u00fcr Kinder&#8220;, &#8222;Wenn man immer sch\u00f6n seine Milch trinkt, wird man was im Leben&#8220;) wurde entweiht und ad absurdum gef\u00fchrt, denn in Wahrheit trinken nur brave Kinder ihre Schulmilch. Nicht weil sie wissen, was gut ist, sondern weil sie das tun, was ihnen gesagt wird, so oder so \u00e4hnlich zwirbelte ich mir beim Schreiben den rebellischen Impetus meiner Tigermilchm\u00e4dchen zusammen.<\/p>\n<p>Es deckt sich zumindest mit den Erfahrungen, die ich sp\u00e4ter auf der Gesamtschule machte. Auch hier sollten wir jeden Tag programmatisch mit Milch abgef\u00fcllt werden. In der Zwanzigminutenpause holte jemand aus der Klasse beim Hausmeister den Kakaokasten. Der Kakaokasten hie\u00df Kakaokasten, weil nicht ein P\u00e4ckchen Milch drin war. Ergo: Niemand in unserer Klasse wollte pure Milch trinken, nur wenn man ordentlich Zucker und Kakaopulver unterr\u00fchrte, bekam man das Zeug runter. <em>Tiffany<\/em> stand auf den kleinen Trinkp\u00e4ckchen, so hie\u00df die gezuckerte Milch und \u00e4hnelte damit meinem Vornamen, mehr hatten wir nicht gemeinsam. \u00c4hnlich wie in der Grundschule lief das Milchprogramm sehr ungesittet ab. Die Jungs jagten das angefeuchtete Papier, in dem die Strohhalme verpackt waren, durch die Klasse. Wendy Moll, die gerade erst aus der DDR zugezogen war, hatte am meisten zu leiden. Ihr Nachname war Programm, sie weinte viel und ausgiebig, vor allem wenn sie eine schlechte Note bekam, womit sie sich den Zorn der Klasse zuzog. Leere Kakaop\u00e4ckchen wurden aufgeblasen und dicht an Wendys Ohren zerknallt, ihr Haar war nach der Pause immer voller Spuckekugeln, die die Jungs durch die Kakaostrohhalme gejagt hatten. Jemand, die unbekannt bleiben wollte, wendete die H\u00e4lfte ihres Kakaos daf\u00fcr auf, vor der Mathestunde den Tafelschwamm darin zu tr\u00e4nken. Wir fanden das gut, denn niemand von uns mochte Frau Behnke, diesen Drachen mit den wasserstoffblonden Haaren und dem pinken Lippenstift, und wir liebten Frau Behnkes Gesicht, wenn sie versuchte, mit dem tropfnassen Kakaoschwamm die Tafel zu wischen.<\/p>\n<p>Interessanterweise nahmen fast nur die deutschen Kinder am Schulmilchprogramm teil. Niemand von den spanischen, t\u00fcrkischen, griechischen oder afghanischen Schulkindern trank den <em>Tiffany<\/em>-Kakao, vielleicht aus finanziellen Gr\u00fcnden, vielleicht aber auch, weil K\u00e4se, Milch und Butter weder am Mittelmeer noch im Nahen Osten als Grundnahrungsmittel gelten. Auf die S\u00fc\u00dfigkeiten, die die deutschen Kinder mit in die Schule brachten, waren wir jedoch immer neidisch. W\u00e4hrend meine Freundin Samira an ihren Mandeln knabberte und ich an meiner Gurke, zog Nadine Hartmann sich einen Kinderschokoladeriegel nach dem anderen rein. Neidisch waren wir aber nicht nur auf die Kinderschokolade, sondern vor allem auf Nadines Benettonklamotten und die Tatsache, dass ihre Mutter sie jeden Tag mit dem Porsche von der Schule abholte.<\/p>\n<p><strong>Ersatzeuter und Transportfieber<\/strong><\/p>\n<p>Anders als in meinem Roman, in dem Nini und Jameelah sich bei sozialen Neidattacken in Sprachspiele fl\u00fcchten, das hei\u00dft aus Kinderschokolade und Kinder\u00fcberraschung, Rinderschokolade und Rinder\u00fcberraschung machen \u2013 was genau genommen auch die richtige Bezeichnung w\u00e4re \u2013, trank ich aus Angst vor Kalziummangel die Milch, die meine Mutter mir nach wie vor morgens hinstellte, inzwischen allerdings zum Gl\u00fcck mit einem ordentlichen Schuss Kaffee, der den Milchgeschmack \u00fcberdeckte. Auch meine Erz\u00e4hlerin bekommt die Schulmilch, weil sie Kalziummangel hat, was man angeblich an den wei\u00dfen Flecken auf ihren Fingern\u00e4geln sieht, und genau wie Nini litt auch ich als Teenager an den wei\u00dfen Flecken auf meinen N\u00e4geln, fand es gleichzeitig jedoch sonderbar, dass man als Mensch sein ganzes Leben Kuhmilch trinken sollte. Mein Wellensittich sollte keine Milch bekommen und auch die Nachbarskatze nicht, warum brauchten wir Menschen auch als Erwachsene noch Milch, und dazu auch noch artfremde? Heute wei\u00df ich, dass die wei\u00dfen Flecken vom N\u00e4gelkauen kamen, dass Kalziummangel trotz oder gerade durch exzessiven Milchkonsum entstehen kann und dass L\u00e4nder, in denen besonders viel Milch konsumiert wird, h\u00e4ufig sehr hohe Erkrankungswerte f\u00fcr Osteoporose vorweisen. Schon seltsam, wenn bei unserem Milchkonsum unsere Knochen doch stark wie sonst was sein m\u00fcssten!<\/p>\n<p>Vor allem aber wusste ich als Kind eins nicht: wie Milch produziert wurde. So wie die meisten Kinder stellte ich mir die Milch so vor, wie sie mir im Fernsehen und auf Werbeplakaten pr\u00e4sentiert wurde. Lila K\u00fchen, die der liebe Gott extra f\u00fcr uns Menschen auf die Weiden gesetzt hatte, lief das wei\u00dfe Zeugs einfach aus ihren Eutern heraus, und wir Menschen erleichterten sie durch unseren Milchkonsum von ihrer Last, indem die sch\u00f6nsten von uns \u2013 vollbusige Frauen im Dirndl \u2013 sie t\u00e4glich melkten. Woher die Milch tats\u00e4chlich kommt und wie sie erzeugt wird, erfuhr ich erst als Teenager. Mein Freund Tycho zeigte mir <em>Das Tierbuch<\/em>, eine im Verlag Zweitausendeins erschienene Fotodokumentationen zum Tierleid in der Landwirtschaft. Nicht nur die Bilder schockierten mich, sondern vor allem die knappen sachlichen S\u00e4tze unter den Bildern: &#8222;Junge K\u00e4lber k\u00f6nnen noch nicht gut aus Eimern trinken, deswegen bekommen sie in den ersten Wochen ihres Lebens ein Ersatzeuter&#8220; oder &#8222;Transportfieber hei\u00dft eine Krankheit, verursacht durch hunderte Kilometer Transport ohne ausreichend Wasser oder Ruhepausen.<em>&#8222;<\/em> Ich hatte nie daran gedacht, dass auch eine Kuh nur Milch gibt, wenn sie ein Kalb zu s\u00e4ugen hat, dass ein Kalb gleich nach der Geburt von seiner Mutter getrennt und in einen dunklen Stall gepfercht wird, damit wir Menschen seine Milch trinken k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>F\u00fcnf Millionen Milchk\u00fche, allein in Deutschland. Tiere, die normalerweise eine Lebenserwartung von 30 Jahren haben, werden in dreckigen St\u00e4llen zusammengepfercht, mit Psychopharmaka und anderen Medikamenten vollgepumpt und im wahrsten Sinne des Wortes zu Tode gemolken. Obendrauf belastet jede einzelne von ihnen w\u00e4hrend ihres kurzen Lebens das Klima genauso stark wie ein Personenwagen, der pro Jahr 18.000 Kilometer zur\u00fccklegt.<\/p>\n<p>Heute streichen gl\u00fccklicherweise immer mehr Menschen in Deutschland Milch von ihrem Speiseplan. Tierleid, Gesundheitsrisiken und der \u00f6kologische Fu\u00dfabdruck sind nur einige Gr\u00fcnde, andere sind sehr pragmatisch: \u00fcble Bl\u00e4hungen zum Beispiel oder dass thail\u00e4ndisches und vietnamesisches Essen einfach besser schmeckt und ges\u00fcnder ist als Hering in Sahneso\u00dfe und Kirschenmilchmichel. Welttage, die zu einem bestimmten Thema ausgerufen werden, sind immer ein Zeichen von Ratlosigkeit oder Verzweiflung. Vielleicht existiert der Weltschulmilchtag deswegen erst seit dem Jahr 2000, w\u00e4hrend es das europ\u00e4ische Schulmilchprogramm schon seit Jahrzehnten gibt. Beide haben das Gleiche im Sinn: Vordergr\u00fcndig gilt die These, dass Milch als wertvolle Quelle von Kalzium f\u00fcr Schulkinder verf\u00fcgbar sein soll. Wer vom Weltschulmilchtag und den weltweiten Schulmilchprogrammen jedoch am meisten profitiert, sind nicht die Schulkinder, sondern die Milchwirtschaft. Tetrapak und Landliebe sind offizielle Kooperationspartner. Das Programm will laut Website den &#8222;Aufbau eines zeitgem\u00e4\u00dfen, emotionalen Images von Milch und Milcherzeugnissen&#8220; f\u00f6rdern, hinter der Initiative stehen &#8222;erfahrene Agenturprofis aus den unterschiedlichsten Bereichen des Marketings, der Werbung und \u00d6ffentlichkeitsarbeit&#8220;. 250 Millionen Euro stellt die EU f\u00fcr das Programm j\u00e4hrlich zu Verf\u00fcgung. So viel Geld f\u00fcr so viel Milch, da wird mir gleich schon wieder schlecht.<\/p>\n<p>Manchmal frage ich mich, was wohl w\u00e4re, wenn wir Schulkinder statt sie mit Milch vollzupumpen, die Produktionsst\u00e4tten von Milch besichtigen lassen w\u00fcrden. Anschlie\u00dfend k\u00f6nnten sie ja selbst entscheiden, ob sie Milch weiterhin trinken wollen oder nicht. Warum so etwas nie passieren wird, liegt auf der Hand. Die Schulkinder w\u00fcrden mit eigenen Augen sehen, wie und unter welchen Bedingungen Milch produziert wird. Keines der Schulkinder w\u00fcrde den Anblick der kleinen K\u00e4lber vergessen, wie sie in Betoniglus eingepfercht noch tagelang nach ihren M\u00fcttern schreien und verzweifelt die Metallgitter ablecken. Niemand von den Schulkindern w\u00fcrde den bestialischen Gestank von G\u00fclle und Ammoniak ertragen, der in den St\u00e4llen wabert, wom\u00f6glich w\u00e4re so ein Besuch sogar gesundheitssch\u00e4digend. Niemand w\u00fcrde den Anblick der von Mastitis befallenen eitrigen Euter der K\u00fche vergessen, ihre mit Dreck \u00fcberzogenen Gesichter. Vielleicht w\u00fcrde der Landwirt ein paar Schw\u00e4nke aus seinem Leben erz\u00e4hlen, zum Beispiel, dass die Selbstmordrate unter Landwirten in den letzten Jahren drastisch gestiegen ist, weil nicht nur die Tiere unter den Produktionsbedingungen leiden, sondern auch die Menschen, wie es der Filmemacher Andreas Pichler in seiner gerade erschienenen Doku <em>Das System Milch<\/em> schildert. Niemand von diesen Schulkindern w\u00fcrde je wieder ein Glas Milch trinken, und das w\u00e4re auch gut so.<\/p>\n<p>________________<\/p>\n<p><strong><em>Sie m\u00f6chten keinen Freitext verpassen? Es gibt einen Newsletter. <a href=\"http:\/\/bit.ly\/1xjyvzZ\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Hier k\u00f6nnen Sie ihn abonnieren.<\/a><\/em><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Milch gilt noch immer als Wundermittel. 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