{"id":7470,"date":"2018-05-31T15:04:10","date_gmt":"2018-05-31T13:04:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zeit.de\/freitext\/?p=7470"},"modified":"2018-05-31T17:31:49","modified_gmt":"2018-05-31T15:31:49","slug":"ilona-staller-cicciolina-kiss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/2018\/05\/31\/ilona-staller-cicciolina-kiss\/","title":{"rendered":"Es ging immer um die Befreiung der Frau"},"content":{"rendered":"<p><strong>Politikerin und Sexsymbol: Ilona Staller, Cicciolina, ist im selben ungarischen Plattenbauviertel aufgewachsen wie ich. Ein Treffen mit der Ikone meiner Kindheit. <\/strong><\/p>\n<p><figure id=\"attachment_7473\" aria-describedby=\"caption-attachment-7473\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-7473\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/freitext\/wp-content\/blogs.dir\/84\/files\/2018\/05\/freitext-staller-1024x576.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2018\/05\/freitext-staller-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2018\/05\/freitext-staller-620x349.jpg 620w, https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/files\/2018\/05\/freitext-staller-768x432.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-7473\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Giuseppe Cacace\/Getty Images<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Sie ist in K\u0151b\u00e1nya, einem Viertel in Budapest, geboren, hei\u00dft Ilona Staller, und ich habe sie vor einigen Wochen in Rom inmitten netter s\u00fcdlicher H\u00e4user in einem Caf\u00e9 getroffen. Traumk\u00f6rper meiner Kindheit und Weltpolitik einer Frau von uns. Sie stellte etwas dar, das lange als Tabu galt, heute sind diese Tabus zu herrschenden Bildern in den Medien geworden. Wir sind satt, sagt meine Freundin, eine Kulturwissenschaftlerin, die mit uns am Tisch sitzt \u2013 diese Bilder regieren die Liebe. Frauen sind stets Objekte in der Politik der Pornografie.<!--more--><\/p>\n<p>Damals verliefen die Grenzen anders. Durch Ilona Staller aber bekam Intimit\u00e4t eine B\u00fchne. Es ist machbar, dachten und l\u00e4chelten wir hinter dem Eisernen Vorhang. VHS-Kassetten aus Italien, in jedem Haushalt. Genau wie die M\u00e4nner schauten auch wir Frauen zu und rieben uns die Augen, es war auf \u00fcble Weise anziehend. Doch: Eben auch ein Hauch von Befreiung war immer dabei in Cicciolinas rosa-nackter Erscheinung. Die andere Seite der Befreiung hie\u00df Sexindustrie und Sexarbeit, Liebe f\u00fcr Geld und als Konsum. Eine Frauenkarriere f\u00fcr Osteuropa: Keine Panik, die reichen Fischk\u00f6pfe aus dem Westen kommen ganz sicher, wenn du Gl\u00fcck hast, heiratet dich einer von ihnen. Dann kannst du fortgehen.<\/p>\n<p>Heute drehe sich das Ganze um, sagt mir Cicciolina gleich zu Beginn unseres Gespr\u00e4ches, und dass sie gern wieder nach Hause w\u00fcrde. Sie f\u00fchle sich wohl dort, wo sie geboren sei, w\u00fcrde am liebsten wieder nach K\u0151b\u00e1nya zur\u00fcckkehren. Rom gef\u00e4llt ihr nicht mehr, die Zeiten, die Menschen, die sie damals so leidenschaftlich geliebt haben und die sie begeistert hat, gibt es nicht mehr. Niemand lacht, niemand zeigt sich ihr gegen\u00fcber gl\u00fccklich, sie seien kalt geworden.<\/p>\n<p><strong>Sexarbeit ist Heimat<\/strong><\/p>\n<p>K\u0151b\u00e1nya \u2013 das Wort bedeutet Steinbruch. Arbeiterviertel mit Bierfabriken und einem Gef\u00e4ngnis, der gr\u00f6\u00dfte j\u00fcdische Friedhof (&#8222;<em>Kozma utca<\/em>&#8222;) Europas, nebenan in K\u00f6ztemet\u0151 (&#8222;\u00d6ffentlicher Friedhof&#8220;) auch eine Ruhest\u00e4tte f\u00fcr die Opfer des Kommunismus (die Parzelle 301) aus dem Jahr 1956. Revolutionen sind hier Vergangenheit. Wie 1968. Sex ist keine Revolution mehr, niemand regt sich auf, und &#8222;Sexarbeit&#8220; ist Alltag in der Gegend. Man denkt, der Kommunismus w\u00e4re v\u00f6llig verschwunden, aber er war nie richtig da. Er war ein Ideal in den K\u00f6pfen, aber die Realit\u00e4t waren die wirklichen K\u00f6rper.<\/p>\n<p>Cicciolina war immer schon die bekannteste Frau meiner Heimat. Anziehend und weltber\u00fchmt. Seit meiner Kindheit beobachtete ich sie, wann immer ich konnte. Ich war gerade in der Pubert\u00e4t (in den 1980er-Jahren), als sie h\u00e4ufig im Fernsehen auftrat. Sie hatte Humor und strahlte Offenheit aus, sie stellte unsere Vorstellungen auf den Kopf, und sie hatte recht. Was sie uns spiegelte, waren die wahren W\u00fcnsche der Gesellschaft. Ilona pr\u00e4sentierte ihren nackten Busen, ihren Kopf zierte ein Rosenkranz und immer hatte sie andere Kuscheltiere dabei. Sie hatte ihre eigenen Ideen und sprach voller \u00dcberzeugung und unverstellt \u00fcber sie. Sie war eine Erscheinung, etwas ganz Neues und dennoch heimisch, denn Porno und Sex sind hier zu Hause. Sexarbeit ist die Heimat. Was sie machte, war linke, radikale Politik. Den Idealen der 1968er entsprechend.<\/p>\n<p>Heute dominiert im Osten Europas eine Art staatlich verordneter Antifeminismus. Umso wichtiger ist der Widerstand dagegen. Und Cicciolina ist wieder da, sie ist pr\u00e4sent in den Medien, man will sie wieder auf der B\u00fchne sehen, im Radio ihre Stimme h\u00f6ren. Sie arbeitet jedes Wochenende, mal in Rom, mal in Budapest. Die Pornografie allerdings hat heute einen anderen Stellenwert. Niemand glaubt mehr an die Bedeutung der freien Sexualit\u00e4t. Selbst das B\u00fcrgertum hat alle Grenzen \u00fcberschritten.<\/p>\n<p><strong>Br\u00fccken zwischen Ost und West<\/strong><\/p>\n<p>Ich wollte sie unbedingt einmal pers\u00f6nlich erleben. Jetzt sitzt sie uns gegen\u00fcber, l\u00e4chelt, nett, aufmerksam. Wir lebten salamisozialistisch, totlangweilig, unterdr\u00fcckt, abgegrenzt, und dann kam pl\u00f6tzlich ihre Darstellungskunst. Bedienung der Intimit\u00e4t. Auf der B\u00fchne in der Showkugel, im Aquarium. Aber ich wollte sie nicht in ihrer Nacktheit (die heute ohnehin nichts mehr bedeutet), sondern in ihrer Existenz als Politikerin, als eine Frau, die die anderen befreien will, die \u00fcber freie Bordelle redet. Sie ist die Politikerin der Pornografie. Wie viel Freiheit hat das, was sie darstellte, gebracht? Was passierte nach der Nacktheit? Was hat sie erreicht? Wo lagen die Grenzen ihrer Freiheit, des schr\u00e4gen Ost-Feminismus einer sozialistischen Superfrau? Sie redet gern dar\u00fcber, <em>no problemo<\/em>.<\/p>\n<p>Im Fr\u00fchling 1990, als die russischen Soldaten Ungarn bei Kiskunhalas verlassen haben, war sie da. In einem auff\u00e4lligen gr\u00fcnen Kleid, aus eigenem Interesse, aber doch im Namen ihrer Partei, der Radicali Italiani, winkte sie und l\u00e4chelte die strengen Soldaten an. Die Wendezeit war die zweite Befreiung \u2013 sie sieht sie immer noch als das gr\u00f6\u00dfte Ereignis in ihrem Leben, als Beginn des freien Handelns. Als die M\u00f6glichkeit, wieder Br\u00fccken zwischen Ost und West aufzubauen. Ja, die Journalisten m\u00f6gen es nicht, wenn sie heute zu positiv \u00fcber Osteuropa spricht. Sie merke das. Mafia und Diktatur, es gibt keinen Unterschied, Italien und Berlusconi oder Ungarn und Orb\u00e1n, Sex oder Politik, sie redet kein Wort mehr dar\u00fcber, sie wei\u00df zu viel, sie kennt diese Welten. Mit Haut und Haar, nackter Haut und blonden Haaren.<\/p>\n<p>Sie sieht aber nicht ein, dass die Unterschiede zwischen Ost- und Westeuropa noch gro\u00df sein sollen. Der Westen soll freier sein? Wovon? Solche Dinge sagt sie durchaus. Wir sprechen \u00fcber die Ausbeutung der Frau, \u00fcber #metoo, \u00fcber die zahllosen Kinderpornofilme auf Handys, zu jeder Zeit sichtbare BDSM, \u00fcber Transgender, K\u00f6rper- und Geschlechtsumwandlung f\u00fcr Kids. Es gibt keine \u00c4sthetik mehr, wiederholt sie. Die Ikonen sind digitalisiert. Nat\u00fcrlichkeit, Tiere und Rosenkranz \u2013 das waren ihre Symbole. Echte Natur. Wieso nicht K\u0151b\u00e1nya? Sie will wieder in Budapest leben. Sie h\u00e4tte immer noch eine Showkugel, in der sie sich nackt pr\u00e4sentieren kann \u2013 darin ist sie frei, weil sie die Freiheit zeigen kann. Eine Zauberkugel und ein Traum.<\/p>\n<p><strong>Die M\u00e4nner haben tausendmal mehr kassiert<\/strong><\/p>\n<p>K\u0151b\u00e1nya bedeutet zehnter Bezirk. F\u00fcr die Arbeiterklasse bedeutet der Name K\u0151b\u00e1nya ein Bier. Ich bin ebenfalls dort aufgewachsen. Wie sie acht Jahre lang in die Schule gegangen, in einem Plattenbaugebiet. Kiserd\u0151, in diesem Wald hatte man die ersten sexuellen Erfahrungen, ja, die Kiserd\u0151, ich kenne sehr wohl die B\u00fcsche in dem kleinen Wald. Heute leben dort am Rande der Stadt Obdachlose und Drogens\u00fcchtige, die Prostitution floriert. In der K\u00e1d\u00e1r-Zeit war die Kiserd\u0151 gepflegt und sauber.<\/p>\n<p>Auf einmal erz\u00e4hlt Cicciolina Szenen aus ihrer Kindheit, wie sie jahrelang von dem dicken Freund ihres Stiefvaters bel\u00e4stigt worden ist, wie sie fliehen wollte von zu Hause. Weg. Egal mit wem, einfach nur weg. Ich wei\u00df, wovon sie spricht. Es gab da diesen Schwimmtrainer im zehnten Bezirk. Er streichelte, k\u00fcsste und pr\u00fcgelte uns. Es gab keinen Unterschied zwischen den Kindheiten im ungarischen Plattenbaugebiet. Es gab nur einen Ausweg \u2013 weg von hier.<\/p>\n<p>Aber was geschah, wenn man es geschafft hatte, wegzukommen? Nichts Besseres, wei\u00dft du, sagt sie, ich heiratete einen wirklich h\u00e4sslichen Italiener, landete im Jahr 1971 in Milano, und was war dort? Nichts, er hatte nichts, ich musste arbeiten, denn ich wollte, dass wir mindestens eine Toilette in der kleinen, grauen Wohnung hatten. Nacktaufnahmen habe ich schon in Budapest machen lassen, ich war sch\u00f6n, sie mochten mich bei der staatlichen Werbeagentur, MTI. Ich dachte, ich bin frei, und landete beim Pornofilm. Ich habe viel Geld verdient, aber die M\u00e4nner haben durch mich noch tausendmal mehr kassiert. Heute w\u00fcrde ich das nicht mehr dulden, ich w\u00fcrde vieles anders machen mit M\u00e4nnern.<\/p>\n<p><strong>Ein italienischer Traum<\/strong><\/p>\n<p>Gr\u00fcn sein, freie Sexualit\u00e4t leben, die Liebe zur Kunst und zum K\u00f6rper zelebrieren \u2013 die Ideen 1968er, wohin sind sie verschwunden? Statt freier Sexualit\u00e4t gibt es heute einen neoliberalen Markt der Sexarbeit, ohne Grenzen. Die Frauen kommen aus der Ukraine, Rum\u00e4nien, Bulgarien. Was ist feministisch an freier Sexualit\u00e4t? Wahrscheinlich nichts. Die jungen M\u00e4dchen landen mit 15 oder 16 schon im &#8222;Sexworking&#8220;. Ja, in Ostungarn (Ny\u00edregyh\u00e1za, \u00d3zd), genau dort gibt es die gr\u00f6\u00dfte Bereitschaft, Prostitution und Menschenhandel zu organisieren, genau dort, wo heute Viktor Orb\u00e1n und die Fidesz die meisten Anh\u00e4nger haben. Ja, ja, von von dort stammen sie alle, die jungen und h\u00fcbschen Blonden.<\/p>\n<p>Wir trinken Cappuccino, essen Kekse und wei\u00dfe Schokolade. Ilona Staller erz\u00e4hlt \u00fcber ihre vier Wohnungen in Rom, die sie vermietet. Sie lebt davon, seit Jahren wohnt sie allein und hat zehn Tiere. Sie liebe Tiere und die Natur.<\/p>\n<p>K\u0151b\u00e1nya sei ein Steinbruch. Sei aus Sand und Freiheit gebaut, wie es in den Achtzigerjahren in einem bekannten ungarischen Wendelied gesungen wurde, die Gruppe hie\u00df Bikini. Es wird hart und viel gearbeitet im Steinbruch. Sei Sex auch eine Arbeit wie alle anderen? Cicciolina sagt eindeutig ja, dann spricht sie von ihren Vergewaltigungen. Ihre Stimme bricht. Sie wei\u00df, es ist oft die pure Ausbeutung, und BDSM-Pornos sind ekelhaft, und wenn Kinder zum Sex gezwungen werden, das sei furchtbar. Wenn sie das gewusst h\u00e4tte, h\u00e4tte sie nie damit angefangen. Doch ist sie bis heute von der Legalisierung der Bordelle \u00fcberzeugt und davon, dass sie ihr Leben in der Pornoindustrie richtig gef\u00fchrt hat. Sex sei ihre Arbeit gewesen, immer tags\u00fcber, zwischen 11 und\u00a0 17 Uhr. Dabei habe sie oft daran gedacht, was sie am Abend zu Hause noch erledigen muss: einkaufen, kochen, Dinge reparieren, W\u00e4sche waschen. Sie wollte die Hausfrauen befreien und ihnen erm\u00f6glichen, anders \u00fcber Sex zu sprechen. Sie sei Pornostar und Politikerin, sie kennt beide Seiten. Ob es &#8222;P&#8220; oder &#8222;P&#8220; hei\u00dft, ist fast egal.<\/p>\n<p>P und P. Wei\u00dft du, sagt sie, es gibt viele L\u00fcgen dar\u00fcber, was guttut und wie Sexualit\u00e4t schaden kann, genauso wie Politik den Menschen schaden kann. <em>Pina<\/em> hei\u00dft \u00fcbrigens M\u00f6se im Ungarischen. Dieses P sollte eine gro\u00dfe Verantwortung haben \u2026<\/p>\n<p>1989, Cicciolina sitzt im Parlament. Federico Fellini ist begeistert von ihr, nennt sie eine Bombe, &#8222;Cicciolina ist ein italienischer Traum&#8220;. Jean Baudrillard behauptet, sie sei eine Ikone wie Michael Jackson oder Madonna \u2013 sie sei die k\u00fcnstliche Sexualit\u00e4t, eine Idealform. Gegen Pr\u00fcderie, gegen alle gewohnten Reflexe arbeitete sie jahrelang und tut es noch immer. Heute ist es die neue PC-Pr\u00fcderie der westlichen Welt, die im Osten vorbehaltlos \u00fcbernommen worden ist.<\/p>\n<p><strong>Bedienen und W\u00fcnsche erregen<\/strong><\/p>\n<p>Was hat es deine Seele gekostet, in K\u0151b\u00e1nya aufgewachsen zu sein? Alles. Ich wollte alles tun, sagt sie, um der Armut zu entkommen, und auch meine Mutter wollte, dass ich es schaffe. Wir waren sehr arm, vier Geschwister, dazu ein Stiefvater. Der Stiefvater war es auch, der Ilona gezwungen hat, den Italiener zu heiraten. Am Vorabend der Hochzeit habe der noch im Auto ihre Freundin gev\u00f6gelt. Obwohl Cicciolina seit 1971 in Italien lebt, erst in Mailand, dann in Roman, spricht sie ihre Muttersprache ohne Akzent. Auch ihr Sohn, Ludwig Koons, spricht Ungarisch. Wir reden \u00fcber ihre Mutter, die Hebamme war, eine sch\u00f6ne Frau, sie schrieb Tageb\u00fccher und M\u00e4rchen, eine perfekte Erscheinung, Eleganz, vier Kinder \u2013 geschieden und ohne Geld. Ihr hat sie nie von dem dicken Freund des Stiefvaters erz\u00e4hlt. Erst kurz bevor die Mutter starb, hat sie ihr offenbart, was passiert ist. Die Mutter habe geweint. Es war Ilonas gr\u00f6\u00dftes Geheimnis, denn man schweigt und sch\u00e4mt sich, wenn einem als Kind so etwas widerfahren ist. Meine Mutter hat immer zu mir gehalten, erz\u00e4hlt sie, auch als ihr Sohn zur Welt gekommen sei und als sie aus den USA haben fliehen m\u00fcssen, wegen der Drohungen von Jeff Koons und dessen Familie.<\/p>\n<p>Was also hat die nackte Nat\u00fcrlichkeit befreit? Die Frauen bedienen \u2013 das bleibt. Auch ich habe etliche M\u00e4nner bedient, die mich ausgenutzt haben, sagt sie, Politiker, K\u00fcnstler, Pornofilmdarsteller. Jeff Koons verdiene noch heute das meiste Geld mit Fotos von ihr, mit seinen Cicciolina-&#8222;Made in Heaven&#8220;-Bildern.<\/p>\n<p>Ilona ist nett, wenn man sie trifft, zugewandt. Cicciolina bedient gern, erregt W\u00fcnsche. Nicht weil sie bedient, ist sie anziehend, sondern weil sie von Natur aus ist wie eine Dienerin. Es ist ihre \u00dcberlebensstrategie geworden.<\/p>\n<p>\u00dcber die Zukunft redet sie auffallend positiv. Wieso? Europa ist nicht tot? Nein, nur die \u00c4sthetik der Sexualit\u00e4t hat etwas nachgelassen, sagt sie. Und dass sie eigentlich selbst l\u00e4ngst gestorben sein m\u00fcsste. 1987, als sie aufh\u00f6rte Pornofilme zu drehen, starben viele ihre Kolleginnen, an Aids, Drogen, Depressionen. F\u00fcr sie lief es anders, es gibt ein Karma, behauptet sie, man h\u00e4tte Chancen, sie habe sie genutzt.<\/p>\n<p>Ilona Staller sieht heute viele Dinge anders. Cicciolinas Vergangenheit wird sie aber nie verleugnen. Auch damals hat sie es nicht getan, als die Kollegen der Radicali Italiani sie dazu bewegen wollten. Sie wird nie schlecht \u00fcber Pornofilme reden, die sie gemacht hat. Aber was heute als Porno gilt, das hasst sie wirklich. Sie k\u00f6nnte kotzen. Die befreite Sexualit\u00e4t, die sie erreichen wollte, gibt es nicht. Die Ausbeutung der Frau hat sie nicht \u00fcberwunden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Ich danke Orsolya Bajusz, Kulturwissenschaftlerin und K\u00fcnstlerin, mit der ich Cicciolina in Rom besuchte.<\/em><\/p>\n<p>_______________<\/p>\n<p><strong><em>Sie m\u00f6chten keinen Freitext verpassen? Es gibt einen Newsletter. <a href=\"http:\/\/bit.ly\/1xjyvzZ\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Hier k\u00f6nnen Sie ihn abonnieren.<\/a><\/em><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Politikerin und Sexsymbol: Ilona Staller, Cicciolina, ist im selben ungarischen Plattenbauviertel aufgewachsen wie ich. Ein Treffen mit der Ikone meiner Kindheit. 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Reise in den Osten Europas. Bukowina \u2013 Czernowitz \u2013 Galizien \u2013 G\u00f6d\u00f6ll\u0151 \u2013 Lemberg \u2013 Siebenb\u00fcrgen- Vojwodina\\\" (Europa Verlag, 2015), \\\"D\u00fcrre Engel\\\" Roman. (Europa Verlag, 2018). Ihr literarisches Reisetagebuch \\\"Sch\u00e4biges Schmuckk\u00e4stchen\\\" wurde 2015 von der Darmst\u00e4dter Jury zum Buch des Monats Juni gew\u00e4hlt.\",\"url\":\"https:\/\/blog.zeit.de\/freitext\/author\/noemi-kiss\/\"}]}<\/script>\n<!-- \/ Yoast SEO plugin. -->","yoast_head_json":{"title":"Ilona Staller: Es ging immer um die Befreiung der Frau","description":"Ilona Staller ist in K\u0151b\u00e1nya, einem Viertel in Budapest, geboren. 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