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Google kauft zu: Siegt die Gier, oder die gute Kinderstube?

 

Wer schon etwas länger im Netz dabei ist, der erinnert sich gut an Doubleclick – die Idioten waren die ersten mit den aufdringlichen Popups und Popunders der der Jahre 2001 ff., deren Gebaren jeden Glauben in die Zukunft der Internet-Werbung erschüttern konnte und viele Programmierer zum Bauen von Popup-Filtern animiert hat. (Und dann haben sie auch noch erfolglos versucht, Postadressen mit dem Klickverhalten in Verbindung zu bringen. Ein Projekt, das sich ganz nach Google anhört – von wegen alle Informationen zugänglich und nutzbar zu machen).
Ein Alptraum aus der Frühzeit des Netzes. Google, durch relevante, unaufdringliche Textwerbung groß geworben und neuerdings sogar ein wenig an Datenschutz interessiert, hat diesen Alptraum für 3,1 Milliarden Dollar gekauft (danke der Nachfrage, kein Problem, so viel Geld verdient die Maschine in neun Monaten).

Das bedeutet vermutlich nichts Gutes. Google macht einfach alles, was erforderlich ist, um noch mehr Geld mit dem Netz zu verdienen.

Die von Doubleclick unter anderem eingesetzten Pop-Ups und Pop-Under sind aus heutiger Sicht fast schon als unaufdringliche Werbeformen zu bezeichnen, weil sie am einfachsten zu filtern sind. Doch das Unternehmen hat auch andere Methoden parat. Und gegen solche Methoden hat sich Google in der Vergangenheit eigentlich immer ausgesprochen.

[Via intern.de – Google kauft DoubleClick]

3 Kommentare


  1. Die günstige Bewertung kann es wohl nicht gewesen sein, die Google veranlasst hat, sich bei seiner zweiten großen Übernahme innerhalb von sechs Monaten nun Doubleclick einzuverleiben.

    Satte 2,3 Milliarden Euro (3,1 Milliarden Dollar) will Google für die Internet-Werbefirma ausgeben, die vor ca. zwei Jahren von Hellman & Friedman für 1,1 Mrd. Dollar mehrheitlich übernommen wurde.

    Doublecklick erzielt aktuell bei einem Jahresumsatz von 300 Millionen Dollar einen Jahresgewinn von 50 Millionen Dollar. Ergibt ein stattliches KGV von ca. 60!! Nicht eben billig. Aber darum geht es einem Unternehmen wie Google wohl auch nicht mehr. Interessanter ist vielmehr der Fakt, dass Google und Doubleclick zusammen ca. 80 Prozent der Werbung umschlagen, die ein Internet-Nutzer sieht, wenn er eine Website ansteuert (Quelle: Handelsblatt.com). Demzufolge steht hier auch noch eine Prüfung durch die Kartellbehörden aus.

    Außerdem konnte Google mit dem Zuschlag seinen schärfsten Widersachern Microsoft (im Besonderen) und Yahoo (im Allgemeinen) ein Schnäppchen schlagen, da beide auch für Doubleclick geboten hatten, bei Beträgen über 2 Milliarden Dollar aber ausgestiegen sind.

    Der Riese wird somit immer mächtiger und streckt seine Arme in mehr und mehr lukrative Bereiche der Werbewirtschaft aus, hat den alleinigen Pfad der Onlinewerbung längst verlassen. Wohin das führen kann, wird ja im Internet in einer Vielzahl von Foren und Blogs diskutiert, diverse Filmchen kursieren, die eine von Google dominierte Welt in ein paar Jahren darstellen.

    Ich selbst sehe aber das Szenario keineswegs pessimistisch. Gab es doch die selben Schreie nach Regulierung und staatlichem Einschreiten vor Jahren schon bei Microsoft, die schlimmsten Szenarien wurden skizziert vom übermächtigen Monopolisten, der alles kontrolliert. Nichts davon ist eingetreten, der Markt hat sich selbst reguliert, nun ist es Microsoft selbst, die nach mehr Kontrolle – insbesondere bzgl. Google – schreien. Aber auch das wird sich von selbst regulieren. Ich fürchte hier keinen Big Brother, aktuell nützt Google mit seinen Innovationen jedenfalls mehr, als es irgendwem schadet.

    Originalbeitrag lesen unter: http://www.kapitalmarktexperten.com/index.php/googles-nachster-coup/

    VG,
    kapitalmarktexperten.com

  2.   Gero Lorenz

    Dass Google Geld verdienen möchte ist legitim. Das dürfen sie und sollen sie.

    Was mich vielmehr stört ist die Art, wie dieses Unternehmen Geld verdient und wie es arbeitet. Während wir Deutschen uns noch über „Bundestrojaner“ von Herrn Dr. Wolfgang Schäuble brüskieren (der sich damit womöglich ohnehin nur von persönlichen Motiven nach dem Anschlag 1990 auf ihn leiten lässt), sammelt Google mit seinen verschiedensten Produkten schon viel weitreichendere Informationen:

    – welche Interessen hat eine Person?! (Werbesystem Google Adsense, Google News, personalisierte Suche)
    – welche Internetseiten werden besucht? (Google Toolbar)
    – welche Einkäufe? (Bezahlsystem Google Checkout)
    – Kreditkarteninformationen (Google Checkout, Adwords)
    – welchen Inhalt haben E-Mails? (kostenlose E-Mail mit Google Mail)
    – persönliche Texte, Tabellen und Datenbanken (Google Web Applications)
    – Werbeausgaben von Unternehmen (Google Adwords und Doubleclick)
    – Diskussionen (Google Groups)
    – u.v.m.

    Wenn also selbst Ebay persönliche Daten von deutschen Kunden in den USA speichert und sie dort den Behörden bereitstellt (http://pages.ebay.de/help/policies/privacy-policy.html) sollte nicht davon ausgegangen, dass es sich bei Google anders verhält.

    Google-Informationen sind für amerikanische Behörden geradezu unbezahlbar. Dass die zuständigen amerikanischen Aufssichtsbehörden den neuerlichen Erwerb des Werbevermarkters Doubleclick durch Google kritisch bewerten (wie zum Beispiel von Konkurrent Microsoft gefordert), sehe ich daher als eher unrealistisch.


  3. Das bedeutet vermutlich nichts Gutes. Google macht einfach alles, was erforderlich ist, um noch mehr Geld mit dem Netz zu verdienen.

    Auch wenn ich den Machenschaften von Google durchaus kritisch gegenüberstehe, einen grundsätzlichen Vorwurf kann ich Google im Hinblick auf das Engagement Geld zu verdienen zumindest nicht machen.
    Es ist eben ein weiterer Puzzlestein der zukünftigen großen Google-Welt. Wenn die Lösungen dabei besser ausschauen sollten als bisher, dann mag das wieder etwas versöhnlicher klingen.

 

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