{"id":4141,"date":"2012-06-16T02:31:58","date_gmt":"2012-06-16T00:31:58","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/gruenegeschaefte\/?p=4141"},"modified":"2012-06-18T17:08:44","modified_gmt":"2012-06-18T15:08:44","slug":"was-olpipelines-und-biogemuse-verbindet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/gruenegeschaefte\/2012\/06\/16\/was-olpipelines-und-biogemuse-verbindet\/","title":{"rendered":"Was \u00d6lpipelines und Biogem\u00fcse verbindet"},"content":{"rendered":"<p>Das st\u00e4dtische G\u00e4rtnern ist ja schon seit einigen Jahren Thema. Aber in einer so originellen Form wie in Rio de Janeiro d\u00fcrfte es eher selten zu bewundern sein. Am Stadtrand der brasilianischen Sieben-Millionen-Einwohner-Stadt (das ist nur der Kernbereich von Rio) bewirtschaften 16 Familien Fl\u00e4chen, die der staatliche \u00d6lkonzern Petrobras sonst m\u00fchsam von B\u00fcschen und B\u00e4umen freihalten m\u00fcsste. Da, wo im Untergrund Wasserrohre und \u00d6lpipelines verlegt sind, bauen die Familien als Biolandbau-Kooperative Salat und Gem\u00fcse an.<\/p>\n<p>Eine Nichtregierungsorganisation hatte diese Idee, die beiden Seiten hilft. Petrobras muss die Rohre nicht mehr vor Tiefwurzlern sch\u00fctzen. Und die Bauernfamilien verdienen sich einen bescheidenen Lebensunterhalt. Auf etwa die H\u00f6he eines Mindestlohns, also 640 Real (knapp 250 Euro), kommt die Chefin der Kooperative Univerde, Alzeni da Silva Fausto. Petrobras hat mit der Kooperative einen ordentlichen Vertrag gemacht. Er garantiert den Familien die Nutzungsrechte f\u00fcr das Land, die sie sogar vererben d\u00fcrfen, wenn sie sich an die Regeln halten. Sie d\u00fcrfen also nur Pflanzen anbauen, deren Wurzeln nicht mehr als 30 Zentimeter in die Tiefe reichen, und Tiere d\u00fcrfen auf diesem Land auch nicht gehalten werden. Daf\u00fcr hat Petrobras den Bauern Brunnen zur Verf\u00fcgung gestellt; die Bauern selbst bezahlen nur den Strom f\u00fcr die Pumpen.<\/p>\n<p>In der Kooperative haben die Frauen das Sagen. Vier von f\u00fcnf F\u00fchrungspositionen bei Univerde sind in der Hand der Frauen. Mit einem klapprigen Kombi, &#8222;der mal f\u00e4hrt und mal nicht&#8220;, bringen sie im Monat rund eine Tonne Gem\u00fcse auf die M\u00e4rkte der Umgebung, einmal die Woche auch in der Innenstadt von Rio. Dieser Markt ist allerdings den Mitarbeitern von Petrobras vorbehalten. Au\u00dferdem beliefern die Stadtg\u00e4rtner Schulkantinen. Dabei hilft ihnen ein Gesetz, das vorschreibt, dass \u00f6ffentliche Institutionen wie Schulen, Krankenh\u00e4user oder Kinderg\u00e4rten 30 Prozent ihrer Waren von Kleinbauern beziehen m\u00fcssen. F\u00fcr Univerde ist das ein Segen, weil sie anderenfalls wohl kaum den Zuschlag daf\u00fcr bekommen h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Ob sie keine Angst haben, dass ihre m\u00fchsam gezogenen Bio-Salt- oder ihre Kohlk\u00f6pfe wom\u00f6glich im \u00d6l versinken k\u00f6nnten? Nein, sagt Alzeni da Silva Fausto, in den Pipelines gebe es eine automatische \u00dcberwachung. Und in den genau sieben Jahren, in denen das Pilotprojekt nun existiert, hat es offenbar noch nie Probleme mit den Pipelines gegeben. Seit sie ihr Land bearbeitet, f\u00fchlt sich nicht nur Alzeni da Silva viel ges\u00fcnder. Eine ihrer Mitstreiterinnen berichtet von Depressionen, die sich durch die Arbeit, die Vermarktung des Gem\u00fcses und das daraus gewonnene Selbstbewusstsein stark gebessert haben. Doch dass das harte Arbeit ist, daran l\u00e4sst die Chefin der Kooperative auch keinen Zweifel. Sie arbeite sieben Tage die Woche auf ihrer Parzelle: &#8222;Die Landwirtschaft gibt keine Pause.&#8220;<\/p>\n<p>Am anderen Ende der Stadt wird derweil auf der Vorkonferenz des dritten Weltgipfels Rio + 20 \u00fcber das Konzept einer umweltvertr\u00e4glichen Wirtschaftsweise (Green Economy) verhandelt. Was das sein k\u00f6nnte, zeigen die Bio-B\u00e4uerinnen von Univerde und ausgerechnet der staatliche \u00d6lkonzern Petrobras mit ihrer bemerkenswerten Kooperation. Alle mal hersehen!<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_4146\" aria-describedby=\"caption-attachment-4146\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/gruenegeschaefte\/files\/2012\/06\/IMG_3869.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-4146 \" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/gruenegeschaefte\/files\/2012\/06\/IMG_3869-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/gruenegeschaefte\/files\/2012\/06\/IMG_3869-300x225.jpg 300w, https:\/\/blog.zeit.de\/gruenegeschaefte\/files\/2012\/06\/IMG_3869-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-4146\" class=\"wp-caption-text\">Warnschild<\/figcaption><\/figure><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das st\u00e4dtische G\u00e4rtnern ist ja schon seit einigen Jahren Thema. 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