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Klimaschutz

Wozu Parkplätze im SUV-Format?

 

Während die UN übers große Ganze debattiert, hat Hamburg einen neuen Plan zum Klimaschutz entwickelt. Erfreulich, aber die Stadt verhält sich trotzdem widersprüchlich.

Ist es nicht müßig, über den Klimaschutz in Hamburg nachzudenken, ausgerechnet jetzt, da sich Wohl und Wehe der Welt in den großen, den alles bestimmenden Verhandlungen der UN in Paris entscheiden? Nein, irgendwo müssen die Pläne, wenn sie denn beschlossen sind, auch umgesetzt werden. Weshalb man es für eine gute Nachricht halten kann, dass Hamburg seit ein paar Tagen einen neuen Klimaplan hat. Bis zum Jahr 2030 soll der Ausstoß der Stadt an Treibhausgasen gegenüber 1990 halbiert werden.

Über den Schutz des Klimas verhandeln die Nationen nun allerdings seit einem Vierteljahrhundert. So gesehen ist die Nachricht vom neuen Hamburger Plan nicht mehr ganz so gut. Sie weist in deprimierender Deutlichkeit darauf hin, dass die Stadt bis jetzt jedenfalls eines nicht hatte: Ein langfristiges Konzept zum ökologischen Umbau, das seit Jahren einigermaßen diszipliniert befolgt würde.

Und nun, da Hamburg einen schönen neuen Klimaplan hat, was wird das Land tun? Zum Beispiel will es den Anteil der Elektrofahrzeuge im Fuhrpark der Behörden verdoppeln. Da die Stromproduktion, wenn auch langsam, weniger umweltschädlich wird, sind mehr Elektrofahrzeuge wirklich ein kleiner Fortschritt.

 

Allerdings wird der Treibhausgasausstoß des Autoverkehrs weit überwiegend von Privatfahrzeugen erzeugt, weshalb eine Frage naheliegt: Wie gut eignet sich das Beispiel der Behörden dazu, die Bürger zu eigenen Umweltschutzanstrengungen anzuregen?

Die erste Hälfte der Antwort besteht in der Feststellung, dass Hamburg einstweilen keine Elektrofahrzeuge für die Bereiche des öffentlichen Dienstes vorsieht, die leistungsfähige Autos wirklich brauchen, Polizei und Feuerwehr etwa. Angesichts der verbreiteten Begeisterung für übermotorisierte Fahrzeuge dürfte die Bereitschaft der privaten Autonutzer eher gering sein, bald in großem Stil auf Elektroautos umzusteigen.

Die zweite Hälfte der Antwort liegt in der Beobachtung, dass Hamburg neben allem Klimaschutz auch Geld aus dem Landeshaushalt investiert, um in ausgewählten Bereichen öffentliche Parkplätze auf SUV-Format zu erweitern. Mehr Platz für die klimaschädlichsten Fahrzeuge – das gehört mit zur Wirklichkeit des Jahres 2015.

Natürlich spricht das nicht gegen Elektromobilität, nicht gegen Klimaschutz und auch nicht dagegen, die kurze Spanne der Aufmerksamkeit, die das Thema dank Paris nun hat, für einen neuen Plan zu nutzen. Es zeigt nur, wie weit das Land von einer echten Politik zum Schutz des Klimas entfernt ist.

16 Kommentare

  1. Avatar  wolf_niese

    Ist wohl oder übel …

    „Wozu Parkplätze im SUV-Format?“

    … eine Art normative Kraft des Faktischen. Sonst gibt es noch Bürgerkrieg.

  2. Avatar  Alaric

    Wozu große Parkplätze?
    1. Weil auch klimafreundliche Fahrzeuge mittlerweile recht breit sind.
    2. Damit ich noch ins Auto steigen kann, wenn ein Parklegastheniker schon wieder direkt auf der Linie neben meiner Fahrertür steht.
    3. Wenn ich A attraktiver als B machen möchte, dann sollte ich A tatsächlich attraktiver machen und nicht etwa B künstlich benachteiligen. Verbote und Schickane zeigen einen Mangel an Fantasie.

  3. Avatar  Ulrich Nehls

    Extrabreite SUV-Parkplätze „in ausgewählten Bereichen“?

    Würde mich interessieren, was das für Bereiche sind. Und wer die Auswahl trifft.

    (In der Summe wird die Gesamtfläche ja nicht mehr, der Platz fehlt dann anderen. Wird es diesmal anders sein als bisher, dass der Platz für Autos stets Radfahrern und Fußgängern abgenommen wird?

  4. Avatar  SeppD

    @Alaric
    Wenn ich A attraktiver als B machen will wird das umso schwerer je attraktiver ich B mache. Das ist ja genau das Problem. Der jetzige Stand von B (konventionelle Parkplätze) wird aufgewertet (größere Parkplätze). Und dafür sollten diese zweckbestimmten Mittel nicht verwendet werden. Es spricht ja keiner davon die Parkplätze künstlich zu verkleinern.

  5. Avatar  Alaric

    @SeppD
    Etwas abstrahiert geht es um die Mobilitätskonzepte, die eine Notwendigkeit für Parkplätze überhaupt schaffen. Zum Beispiel, wenn ich Car Sharing attraktiver machen kann und zum Beispiel 10 Privatfahrzeuge durch 7 Car Sharing Fahrzeuge ersetze, dann kann ich wahrscheinlich 2 alte Parkplätze gleich für andere Zwecke verwenden und meine 7 neue, große Car Sharing Parkplätze auf die Fläche von den 8 alten verteilen. Win-win.
    Was die Verkleinerung der Plätze angeht, das geht ohne künstliche Maßnahmen – Autos werden nun mal immer größer, und die alten Plätze werden dadurch gefühlt kleiner. Von daher führt eine Entscheidung, die Parkplätze *nicht* zu vergrößern indirekt zu einer Verschlechterung der Nutzbarkeit.
    Oder wir nutzen kleine Parkplätze für autonom parkende Car Sharing Fahrzeuge, dann sind viele Probleme gelöst ;-)

  6. Avatar  Aloys Haydn

    Ich befürworte spezielel SUV-Parkplätze, SUV steht für Senioren- und Veteranen-Fahrzeuge und diese brauchen einfach mehr Platz zum Rangieren, Ein-und Aussteigen.

  7. Avatar  ZarahLeanderH

    „… Angesichts der verbreiteten Begeisterung für übermotorisierte Fahrzeuge dürfte die Bereitschaft der privaten Autonutzer eher gering sein, bald in großem Stil auf Elektroautos umzusteigen. …“

    Wieso das denn nicht? Ein Tesla Model S P90D ist wahrlich nicht untermotorisiert und kann bei Ampelstarts schon mal die Ferraris „plattmachen“.

  8. Avatar  Jan PP

    Ist eigentlich egal, ob die freie und Hansestadt Hamburg Parkplätze im Sattelschlepperformat oder nur für Smarts einrichtet. Den CO2-Ausstoß wird die Umwelthauptstadt 2013 wahrscheinlich um den gleichen Faktor überschreiten wie die Kosten der Elbchaussee zwischen erster und letzter Planung.
    Allein das Kraftwerk Moorburg stößt mehr aus, als das Ziel hergäbe

    http://www.zeit.de/hamburg/stadtleben/2015-11/newsletter-hamburg-elbvertiefung-20-11-15

    Und dann noch keinen Landstrom im Hafen (nur ein einziges Gaskraftwerkschiff)
    Dadurch lassen die großen Pötte ihre Maschinen an. (Im Hafen zwar mit schwefelarmen Schiffsdiesel, aber CO2 und Feinstaub kommt da dennoch)

    Und der Flughafen Fuhlsbüttel hat seine Einflugschneißen fast über ganz Hamburg. Zählt das auch zum Verkehr?

    Wenn man den Autoverkehr betrachtet: Hier wäre es sinnvoll, manche Fahrer einfach mal in den Allerwertesten zu treten: Gerade in HH ist es eine verbreitete Unsitte unter armen Menschen, die sich keine Start-Stop-Automatik leisten können, daß sie im Schrittempo an die Ampelln schleichen (Daß es erst grün wird, wenn der Havarist über die Kontaktschleife treibt, glaubt mir ja keiner)
    Die ganze Ziehharmonika streckt sich vor einer Ampel und dadurch kann der nachfolgende Verkehr nicht von der Kreuzung und nur 3 bis 4 Autos schaffen eine Grünphase.

    Da ist es fast unerheblich, daß z.B. auf der Langenhorner Chausse zwei Autos nebeneinander fahren können, und SUVs die ganze Breite allein belegen.

    Ach ja, noch ein Kuriosum: HH hat Wegewarte. Die verbieten teilweise das Überfahren von Einfahrten, so daß einige Garagenbesitzer auf der Straße parken müssen. Nein, das ist kein Aprilscherz:

    http://hamburg.offenesamt.de/gehwegueberfahrten-endgueltige-herstellung/

    Und wer auf den HVV ausweichen möchte, sollte dies sehr sehr vorsichtig tun: Ich habe einen Schufa-Eintrag, weil ich die Frechheit besessen habe, mir eine Wochenkarte im Internet zu bestellen (zum Selbstausdrucken, Zahlung per Bankeinzug). Ich habe lange auf den horrenden Betrag von ca. 20,-€ gespart, hatte das Geld aber auf dem Konto, dennoch steht jetzt eine Anfrage drin :)

  9. Avatar  eschwenk

    Ich verstehe ohnehin nicht, warum man bezüglich SUV nicht einfach mal konsequent die Verkehrsregeln durchsetzt. Zieht endlich die überbreiten Karren reihenweise aus den 2m-Baustellenspuren raus, laßt endlich die Deppen, die ihr Auto nicht auf _einem_ Parkplatz abgestellt kriegen oder andere mit überbreiten Fahrzeugen so einparken, daß diese nicht mehr in ihr Fahrzeug kommen, gnadenlos abschleppen. Verbietet die Einfahrt in Parkhäuser mit überbeiten Fahrzeugen. Und ja: wenn ein Autokäufer so ein Ding angedreht kriegt, ohne daß ihn der Verkäufer deutlich auf die Nichtnutzbarkeit von 2m-Spuren und dergleichen hinweist, dann muß das selbstverständlich als Sachmangel bewertet werden. Mit _allen_ Konsequenzen für Verkäufer und Hersteller, also Recht auf Wandlung oder Minderung.

    Das wäre alles rechtlich schon lange möglich und auch durchaus sinnvoll, es müßte nur getan werden. Aber der Polizeiapparatbeschäftigt sich lieber damit, angeblich linke Demonstranten rechtswidrig niederzuknüppeln und die Bevölkerung auszuspionieren als damit, für Ordnung zu sorgen. Ist halt politisch opportun und bequemer, als auf Streife zu gehen.

  10. Avatar  Snopo

    Einfache Antwort: Weil die sich sonst zwei normale Parkplätze nehmen – oft genug erlebt!

 

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