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Profivereine in Hamburg

Konsequent inkonsequent

 

Sportmannschaften, die erfolgreich sind, sind gewachsene Einheiten. In Hamburg trifft das auf kein Profiteam zu. Deshalb sind sie so schlecht.

Entscheidend is’ auf’m Platz«, sagte einst der Fußball-Weise Alfred Preißler. Und er hat natürlich recht: Von der Seitenlinie kann kein Funktionär oder Trainer den Ball oder Puck ins Tor schießen. Im modernen Hochleistungssport, in dem Teams so professionell wie Großunternehmen geführt werden, müsste Preißlers Weisheit dennoch erweitert werden: Genauso entscheidend wie auf’m Platz ist neben’m Platz. Denn nur wer neben’m Platz gut arbeitet, kann auf’m Platz siegen.

Das ist der Grund, warum seit Jahren keine der großen Hamburger Profimannschaften nachhaltig erfolgreich ist.

In der vergangenen Halbserie, die im Sommer begann und gerade endete, feuerte jede der vier Mannschaften mindestens einmal den Trainer. »Konstanz« ist im Hamburger Profisport ein ähnliches Fremdwort wie lange Zeit »Planungssicherheit« für die Elbphilharmonie.

Die Fußballer des HSV entließen Mirko Slomka nach drei Spieltagen. Am Ende der letzten Saison wurde er noch als Retter gefeiert.

Die Handballer des HSV entließen Christian Gaudin im Dezember. Gaudin war erst im Sommer zum HSV gekommen.

Die Hamburg Freezers entließen Benoît Laporte im September. In der vergangenen Saison hatte er die Mannschaft nach der Vorrunde auf den ersten Platz geführt.

Der FC St. Pauli entließ Roland Vrabec im September. Sein Nachfolger Thomas Meggle wurde nur drei Monate später durch Ewald Lienen ersetzt.

Sportmannschaften, die erfolgreich sind, sind gewachsene Einheiten. Bei Bayern München spielt der Kern des Teams seit fast einem Jahrzehnt zusammen. Präsident, Vizepräsidium, Trainerteam und die Führungsspieler kennen sich seit Jahren. Es dauert, bis sich solche Strukturen bilden, bis Mechanismen eingeübt sind.

Deshalb stimmt es in Hamburg auch nicht, wenn Funktionäre behaupten, die Entlassung der Trainer sei die Konsequenz einer sportlichen Krise. Die Entlassungen sind nicht die Konsequenz, sie sind das Symptom der Krise. Denn ein Trainerwechsel ist nur dann sinnvoll, wenn der Trainer in ein funktionierendes Umfeld kommt. Auch das zeigt sich in Hamburg.

Der einzige Verein, bei dem der Trainerwechsel raschen sportlichen Erfolg mit sich gebracht hat, sind die Hamburg Freezers. Nicht ohne Grund, im Vergleich hat der Eishockeyclub noch die gesündeste Struktur: Vier Jahre lang bauten Sportdirektor Stéphane Richer und Trainer Benoît Laporte eine Mannschaft auf. Als Laporte Anfang der Saison das Team verließ, ersetzte ihn sein Co-Trainer Serge Aubin. Der Trainer ging, das System blieb. Und mit ihm die Gesamtstrategie der Vereinsspitze. Aubin führte die Freezers wieder auf Platz zwei in der Liga.

Bei den anderen Vereinen herrscht Unsicherheit auf allen Ebenen. Die Fußballer des HSV befinden sich in einem Fundamentalumbruch. Der FC St. Pauli hat einen neuen Präsidenten, einen neuen Aufsichtsrat, und der Mannschaft fehlen Führungsspieler. Die Handballer des HSV wurden im Sommer erst in letzter Sekunde von Mäzen Andreas Rudolph gerettet. Seitdem hat der Verein einen neuen Präsidenten und einen Interimstrainer, dessen Vertrag gerade zum nächsten Sommer gekündigt wurde.

Was allen diesen Clubs fehlt, ist eine tragfähige Architektur. Vergleicht man den Aufbau eines Vereins mit dem Aufbau eines Hauses, haben sie vielleicht eine nett eingerichtete zweite Etage, aber leider fehlt die Treppe, um aus dem Erdgeschoss dorthin zu kommen. Die Vereine müssen sich hierarchisch ordnen und strukturieren. Vom Präsidenten bis zum Platzwart. Sie müssen bei der Mannschaft auf den Nachwuchs setzen, Führungsspieler aufbauen und die Trainer in die Gesamtstrategie einbinden.

Der Wechsel eines Trainers kann bei einem Neuanfang richtig sein, um Anreize zu setzen, um alte Systeme aufzubrechen. Das haben alle Hamburger Vereine versucht. Die Möglichkeiten sind ausgereizt. Wenn sie 2015 weiter munter auf der Bank durchwechseln, verlieren sie gänzlich ihre Glaubwürdigkeit. Sie müssen jetzt mit denen arbeiten, die sie haben. Aufbauen. Geduld zeigen. Konstanz einüben. Dann wird’s vielleicht auch endlich wieder was auf’m Platz.

2 Kommentare

  1. Avatar  Jutta Kodrzynski

    bei den Hamburg Towers stimmt die These nicht. Das ist eine ganz neue Mannschaft und die Towers spielen in ihrer Liga oben mit. Es gibt also Ausnahmen.

  2. Avatar  Die Lange 14

    ….setzt man auf den stadteigenen Nachwuchs.

    „Sie müssen bei der Mannschaft auf den Nachwuchs setzen, Führungsspieler aufbauen und die Trainer in die Gesamtstrategie einbinden.“

    Bei den Hamburg Towers wird genau dieses praktiziert. Deswegen sind sie auch so erfolgreich und auf dem besten Weg erfolgreich zu bleiben…..

 

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