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Unerwartet & Unbemerkt

Ein toter Miniwal und WLAN im Bus

 

Unerwartet: Am Elbstrand wird ein Wal angeschwemmt. Unbemerkt: Hamburgs WLAN soll starten. Folge drei der Hamburg-Kolumne über Unvorhergesehenes und kaum Wahrgenommenes

Das Leben in Hamburg ist selten voraussehbar. Die Kollegen des Onlinemagazins "Elbmelancholie" haben deshalb für ZEIT ONLINE die Kolumne "Unerwartet & Unbemerkt" entwickelt. In ihr berichten sie einmal im Monat über Themen, die die Stadt unerwartet trafen – und über solche, die kaum jemand wahrnahm.

Unerwartet

In den ersten Monaten des Jahres wurde viel über gestrandete Wale an Deutschlands Küsten berichtet. Dass Spaziergänger am Ostermontag auch am Elbufer einen finden würden, das kam dann aber doch unerwartet. Zugegeben, da lag kein meterlanger Pottwal, sondern ein gerade einmal weniger als einen Meter langes Schweinswalbaby. Entgegen der Kunstinstallation am Rhein in Duisburg vor einigen Wochen war dieser aber echt. Der Schweinswal wurde tot und mit sichtbaren Verletzungen entdeckt. Diese deuten darauf hin, dass das Jungtier womöglich in eine Schiffsschraube geraten ist.

Der Fund wirkte zunächst überraschend und sorgte dadurch auch für ein entsprechendes Medienecho. Doch ganz so besonders, wie es zunächst klingt, ist der Sachverhalt gar nicht. Schweinswale schwammen früher häufig die Elbe hinauf. Erst der zunehmende Schiffsverkehr und die gesunkene Wasserqualität – und damit der Mangel an Nahrung – vertrieben die Tiere.

Da die Jagd mittlerweile verboten ist und die Wasserqualität wieder zugenommen hat, vermuten Naturschützer, dass die Schweinswale wieder häufiger bis nach Hamburg schwimmen. Tatsächlich wurden in den vergangenen Jahren immer wieder mal Tiere in Hafennähe gesichtet. Eine Entwicklung, die, Naturschutz hin oder her, auch ihre Tücken hat, wie der Tod des jungen Wales am Ostermontag zeigt.

Unbemerkt

Kommen wir zu etwas ganz anderem: zu Hamburg und freiem WLAN – in gewisser Hinsicht eine unendliche Geschichte. In unregelmäßigen Abständen kommt immer mal wieder einer daher und kündigt an, Hamburg in die digitale Zukunft zu führen. Mal mit mehr, mal mit weniger flächendeckendem und kostenlosem öffentlichen Netz. Mal sind es Politiker, mal Telekommunikationsanbieter, zuletzt gar die Hochbahn. Doch nicht nur die deutsche Gesetzeslage, auch die praktische Umsetzung bremst die Pläne dann jedes Mal aus.

Seit rund einem Jahr sprechen zum Beispiel die Unternehmen willy.tel und die Telekom mit der Stadt. Und nun sollen beinah unbemerkt endlich erste Ergebnisse in Form eines Pilotprojektes starten, wie die Welt berichtet und sich dabei auf die Antwort auf eine Senatsanfrage des FDP-Abgeordneten Michael Kruse beruft. Im Bereich des Alstertores sollen vier sogenannte Access Points installiert werden. "Der Standort für den Testlauf ist strategisch gut gelegen, da unsere Glasfaserkabel und Stromnetz-Hamburg-Anschlüsse dort bereits vorhanden sind", zitiert die Zeitung willy.tel-Geschäftsführer Bernd Thielk. Die nötigen Bauarbeiten laufen bereits, bald könnte es also losgehen.

Und nun will auch die Hochbahn im April einen Probelauf beginnen: Die Buslinie 5 soll mit WLAN-Routern ausgerüstet werden, welche ihrerseits das Mobilfunknetz nutzen. Die Kapazität wird demnach bei der hochfrequentierten Buslinie begrenzt sein. Höher dürfte sie an den ans Glasfasernetz angeschlossenen Systemen in den U-Bahn-Stationen Borgweg und Mönckebergstraße werden, dem zweiten Testbereich. Die Hochbahn will an beiden Stationen und der besagten Buslinie zunächst erste Erfahrungen sammeln: Wie viele Fahrgäste nutzen das Angebot? Wie stark nutzen sie es? Wie muss das Anmeldeverfahren gestaltet sein, um möglichst intuitiv zu sein? In der zweiten Jahreshälfte will das Unternehmen dann Bilanz ziehen und das weitere Vorgehen konkretisieren.

Wer weiß: Vielleicht schauen wir uns schon kommenden Monat im Bus von Niendorf die Live-Snapchats von gestrandeten Walen am Elbstrand an? Vermutlich nicht, aber in dieser Stadt passiert bekanntlich vieles – oft unerwartet oder unbemerkt.

 

 

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