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STILKUNDE

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Digger oder Digga: Ein Ehrentitel für alle

Digger, das Wort kommt aus Hamburg. Das doppelte, weich hingegniedelte g war mal ein hartes ck. Dicker müsste es eigentlich heißen, aber Fünf Sterne Deluxe sangen eben "Türlich, türlich, sicher, Dicker" und sprachen den neckischen Verweis auf die adipöse Form aus wie bigger oder trigger.

Der Begriff hat sich verselbstständigt wie Alder für Alter. Man muss weder dick noch alt sein, um als Digger oder Alder durchzugehen. Demografisch und gesundheitspolitisch gesehen sind Alte und Beleibte eher im Nachteil, aber in der Jugendsprache werden sie zu sprachlichen Zeichen der Coolness. Keiner will ein Dickerchen sein, aber jeder ein Digger. Alder! Das lässt sich auch der junge Mensch gern sagen, am besten in Verbindung mit einem herzlichen "fett". Fett, Alder, die ZEIT:Hamburg!

Wer durchs Netz streift, findet einen ähnlichen Begriff: Digerati. Damit wird die Elite der Online-Welt bezeichnet. Im Netz ist nichts mehr dick, sondern alles flüchtig, leicht, körperlos. Diggers und Digerati sind also nur dem Klang nach Verwandte, eigentlich repräsentieren sie gegensätzliche Auffassungen von Kultur. Entscheide dich, Alder, auf welcher Seite du stehst.

19 Kommentare

  1.   Hamburg Diggie

    Diggie, du bist zwar ziemlich deep in der Szene, aber deine Golddigger-Story ist trotzdem nichts.

    Digger kommt aus Hamburg!
    Das hat mein Opa schon gesagt. Der trägt zwar ’nen Jogger wie Run DMC, aber mit Wu-Tang und co ist er nicht aufgewachsen…

    Noch heute hörst du Hamburger Originale in Kneipen „Dicker“ sagen.

  2.   Stevo

    Es bedeutet nicht das eine Person als Dick angesehen wird vielmehr meint der oder die Junge Hamburgher/in damit das man mit jemanden „Dicke ist“ also beste / dicke Freunde. Es ist eindeutig dem „Hamburger Slang“ und der der neuen Hamburger Jugendkiez-Sprache zuzuordnen. Das es zufällig auch in amerikanischen Rap-Songs ein gleiches Wort mit einer anderen Bezeichnung gibt ist reiner Zufall.

  3.   Cenodoxia

    laut duden hat der herr köpke recht. http://www.duden.de/rechtschreibung/Digger

    soweit ich weiß, kommt das „digger“ ursprünglich von den hafenarbeitern (dazu finde ich grad kein quelle), ähnlich wie die kumpel im berwerk o.ä. diese version macht in meinen augen auch mehr sinn, als die, dass in hamburg schlichtweg viel hiphop gehört wird (sonst könnte der ausdruck ja genauso gut aus stuttgart, ruhgebiet oder berlin kommen)

  4.   Tobias

    Dass der Ursprung im US-Rap zu finden sei, ist natürlich Unfug. „Dicker“ war zumindest bereits in der ersten Hälfte des 20.Jh (evtl auch noch früher) Bestandteil des „Barmbek basch“, einer Art Lebensweise und gleichzeitig plattdeutsche Sprachkultur. Viele der ganz alten Hamburger nutzten das noch lange, erst in der Nachkriegsgeneration galt es nach und nach als unschick. Natürlich wurde es dadurch zum Wort der rebellischen Jugend (vgl. mit dem Film „Rocker“, 1972) und so auch später zum Teil der deutschen HipHop-Kultur. Als sich diese dann durchsetzte, Teil der Jugendsprache allgemein.

  5.   eilahtan

    diggä (w)!

  6.   Renate

    Schade, wenn niemand Ironie versteht!

  7.   Jan

    Wir haben uns beim Fussi schon vor 25 Jahren unter anderem gegenseitig „Dicker“ genannt. Dass das in Hamburg mit „gg“ gesprochen wird ist eben so. Dafür spricht alleine schon, dass aus Dicker auch mal ein nett gemeinter „Fettsack“ wurde :-)
    Also der nette „Vorschreiber“ kommt bestimmt aus Hochdeutsch-Hannover, ist ein bisschen neidisch auf unseren Slang und hat aus Versehen zu viel komplizierte Forschung betrieben… :-)


  8. Es gibt auch einen Hamburger Künstler mit dem Künstlernamen „Digger Barnes“, der auf Ami macht, ein „role act“ sozusagen. Ganz nett! ;-)

  9.   Timm

    Eigentlich schöner (Kurz-) Artikel. Die Herkunft erklärt Kommentator Tobias korrekt, schade, dass Herr Haas das nicht schon selber recherchiert, sonst gäbe es hier keine Mutmaßungen.
    Wichtig ist zu verstehen, dass „digger“ definitiv mit ER am Ende geschrieben wird. Es heißt ja auch nicht „dicka“, warum sollte es dann „digga“ heißen? Das A am Ende wird leider eingesetzt von Menschen, die den Unterschied zwischen „digger“ und „digga“ nicht hören. Das ER ist phonetisch gesehen eben irgendwo zwischen A und Ä.
    Andere Beispiele:
    „Man ist das heute ein tolles Wedder!“
    „Boar, die Currywurst ist aber legger!“

 

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