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Wochenrückblick

U-Bahn, Stadtbahn, Ghettobahn

 

Diese Ausgabe des Elbmelancholie-Wochenrückblickes hat Judyta Smykowski geschrieben. Die gebürtige Hamburgerin ist freie Journalistin und lebt in Berlin.

Liebe Leute aus Osdorf, Jenfeld und Lurup, ihr müsst jetzt stark sein. Die Hamburger FDP hält euch für ein Ghetto und ist folglich gegen eine “Ghettobahn”. Dies geht aus einer Pressemitteilung der Partei hervor. Darin fragt ihr stellvertretender Landesvorsitzende Najib Karim die Grünen mit scharfem Ton: “Gehen die Grünen davon aus, dass die Bewohner der Großwohnsiedlungen sich nur untereinander besuchen, aber keine besseren Anschlüsse an das Leben und Arbeitsleben in der Innenstadt oder am Hafen benötigen?” Und weiter heißt es: “Wollen die Grünen wirklich eine Art von Ghetto-Bahn in Hamburg schaffen?“

Die Hamburger Grünen wiederum waren mit einem Vorschlag für den Verlauf der Stadtbahn vorgeprescht und hatten vorgerechnet, dass dieser schneller als der Bau einer fünften U-Bahn-Linie vonstatten ginge, wie sie die SPD plant. Einziger Haken an der Stadtbahnroute: sie würde keine Anbindung an die City oder den Hafen vorsehen. Vielleicht könnte auch einfach die geplante Seilbahn vom Hafen bis rüber in die Innenstadt gespannt werden und damit für Ersatz sorgen. Wenn es nach den Grünen ginge, sollen die Hamburger selbst über das eine oder das andere Verkehrsmittel per Volksentscheid bestimmen. Über die Seilbahn wird ja womöglich sogar abgestimmt.

Kommen wir zu einem Problem, das bereits vollendet ist und rund 280 Meter in die Höhe ragt: dem Fernsehturm. Seit Jahren darf er aus Sicherheitsgründen nicht betreten werden, die sich drehende Restaurantplattform kennen viele nur noch von Erzählungen ihrer Eltern. Jetzt könnte wieder Bewegung in die Sache kommen. Laut Abendblatt soll es einen Investor für den “Telemichel” geben. Der Plan enthält die Wiedereröffnung des Dreh-Restaurants und einer Aussichtsplattform.

Ein Projekt, das diese Woche abgeschlossen werden konnte, ist das durch Crowdfunding finanzierte Betahaus, beziehungsweise dessen neue Location. Das Betahaus ist ein Co-Working-Space. Ziel des Crowdfundings waren 20.000 Euro, der Spendenstand erreichte letztlich über 26.000 Euro. Das Betahaus ist besonders bei IT-Startups und Freelancern beliebt.

Der Wissenschaftsstandort Hamburg wird ebenfalls gestärkt. Die Fraunhofer-Gesellschaft gab diese Woche bekannt, mit den hier ansässigen Hochschulen zu kooperieren und drei Standorte der Fraunhofer-Institute aufzubauen. Thematisch soll es dabei um die Energiewende, Lebenswissenschaften und maritime Wirtschaft gehen.

In dieser Woche werden wir wohl wieder gebannt in Richtung Sternschanze schauen müssen. Der 1. Mai wird die Antwort auf die Frage, die sich Anwohner und Polizei jedes Mal stellen, geben: Wird es wieder zu Ausschreitungen kommen? Aus Berlin ist jedenfalls zu hören, dass man dort mit Abwanderung der Randalierer in Richtung Hamburg rechnet.

Bis dahin wünschen wir erst mal eine ruhige Woche!

 

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