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Von Einheit und Spaltung

 

Richtig gefreut haben sich am Sonnabend nur wenige Hamburger Arbeitnehmer. Ansonsten dominierten zuletzt die Dauerthemen: Flüchtlinge und Olympia. Der Wochenrückblick

Wer denkt sich denn so etwas aus? Da gibt es in Hamburg endlich mal wieder einen Feiertag, und dann liegt er auf einem Samstag. Nur wenige Arbeitnehmer hatten davon etwas. Zum Beispiel die Mitarbeiter der Supermärkte, denn die Märkte blieben am kompletten Wochenende geschlossen. Das wiederum führte dazu, dass am Freitag gefühlt die halbe Stadt noch ihre Einkäufe erledigte und man so lange an der Kasse stand, als sei gerade die erste Westmark verteilt worden – insofern doch recht passend zum Tag der deutschen Einheit.

Von Einheit ist dieses Land, ist unsere Stadt, jedoch an einigen Stellen weit entfernt. Europaweit werden gerade neue Grenzkontrollen durchgeführt und innerhalb Hamburgs sorgt das Thema Flüchtlinge ebenfalls für Spaltung. Da die Messehallen für ihren eigentlichen Zweck frei gemacht werden mussten, wurden die dort untergebrachten Flüchtlinge nun auf andere Stationen verteilt – und das lief alles andere als reibungslos.

Da nicht genug Platz vorhanden ist, mussten einige Flüchtlinge im Freien schlafen. Die größten bekannten Probleme gab es in Bergedorf. Hier gab es nach Chaos-Umzug und Überbelegung am Mittwoch sogar wiederholte Gewaltausbrüche rivalisierender Gruppen. Die Polizei rückte am Ende mit 50 Einsatzkräften aus. Um mehr Fläche zu schaffen, hat die Bürgerschaft mit den Stimmen der rot-grünen Koalition sowie der Linken ein Gesetz zur Beschlagnahme von Gewerbeimmobilien beschlossen.

Noch etwas anderes hat die Bürgerschaft in dieser Woche unter anderem beschlossen, mit mehr Einheit als erwartet: Nämlich, dass Melanie Leonhard neue Sozialsenatorin wird. Die SPD-Politikerin übernimmt das Amt von ihrem Parteikollegen Detlef Scheele. Überraschend: Sie erhielt bei der Wahl mehr Stimmen, als die Regierungsparteien Sitze haben. Mindestens fünf Abgeordnete der Opposition gaben Leonhard ihre Stimme, zehn enthielten sich.

Anderes Thema: Dass in Hamburg Geld verschwendet wird, überrascht wohl keinen. Der Steuerzahlerbund veröffentlichte diese Woche sein aktuelles Schwarzbuch. Darin sind auch fünf Fälle aus Hamburg enthalten. Dazu zählen das Hamburg-Wasser-Tochterunternehmen ServCount, der Rückkauf der Roten Flora und der Radweg in der HafenCity. Ebenfalls dabei ist der 31.000 Euro teure Fahrradzähler an der Alster, der auch Hunde mitzählt. Die größten Ausgaben fielen auf die Personalverwaltungssoftware KoPers. Die ist zwei Jahre nach eigentlich geplanter Inbetriebnahme noch immer nicht fertig und kostete bereits 17,45 Millionen Euro mehr als vorgesehen.

Dass im Schwarzbuch irgendwann auch Olympia auftaucht, befürchten dessen Ablehner. Einige von ihnen veranstalteten am Sonntag einen Staffellauf im Stadtpark, um für eine in ihren Augen sinnvollere Unterstützung des Sports in Hamburg zu protestieren. Allerdings: Es nahmen nur eine Handvoll Staffeln teil. Deutlich mehr los war Tags zuvor auf der Köhlbrandbrücke beim Köhlbrandbrückenlauf. Der stand im Zeichen der Olympia-Bewerbung, was freilich nicht bedeutet, dass auch alle Teilnehmer für Olympia sind. Über die zwölf Kilometer stellte bei den Frauen übrigens Andrea Diethers in 43:40 Minuten einen neuen Streckenrekord auf.

Bleiben wir noch etwas beim Olympia-Thema. Es gab diese Woche auch von den Befürwortern der Spiele Neuigkeiten. So wurden die Pläne für die Sportstätten und die Nachnutzung konkretisiert. Viel Neues gab es dabei nicht. Das Stadion soll nach den Spielen auf eine Kapazität von 20.000 zurückgebaut werden und weiter für Sportveranstaltungen zur Verfügung stehen. An Stelle des Oberrangs sollen Wohnungen entstehen, die vermutlich im oberen Preissegment angesiedelt sein werden. Die Schwimmhalle soll, was das 50 Meter-Becken angeht, ebenfalls zur sportlichen Nachnutzung bestehen bleiben. Der Bereich für die Turmspringer wird den Plänen zufolge hingegen zu einem Spaßbad umgebaut werden. Die Pläne werden kommenden Freitag im Cruise Center noch einmal offiziell präsentiert.

Und noch die wichtigsten Mannschaftsergebnisse: Der HSV Handball gewann zu Hause gegen ThSV Eisenach, bleibt aber nach dem Fast-Zwangsabstieg derzeit nur ein Mittelfeld-Verein. Dahin wollen die HSV-Fußballer nach ihrem Fast-Abstieg gerne hin. Sie verloren jedoch in Berlin 3:0 und müssen nun aufpassen, nicht wieder unten reinzurutschen. Der FC St. Pauli verlor ebenfalls. Zu Hause gab es gegen Sandhausen ein 1:3. Die Hamburg Freezers mussten am Freitag in Augsburg ran, wo sie 2:1 verloren. Am Sonntag gab es daheim gegen die Eisbären aus Berlin dafür einen 3:0-Sieg. Ein Blick auf die Tabelle zeigt, dass für die Playoffs noch einige Siege nötig sein werden. Die wollen auch die Hamburg Towers wieder erreichen. Nach dem Auftakterfolg gegen Essen folgte direkt ein Doppelspieltag. Freitag gab es in Jena eine 64:56- Niederlage. Am Sonntag im Heimspiel gegen Heidelberg wurde es besonders bitter: In letzter Sekunde warfen sich die Gäste zum Sieg.

 

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