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Hamburger Wochenrückblick

Null Punkte in Wien, heldenhaft auf dem Platz

 

In dieser Woche wurden Helden geboren und Geschichte geschrieben. Doch zunächst drängt sich eine Frage auf: Womit füllen wir nur künftig den Wochenrückblick, wenn die Sommerpause im Fußball anbricht? Wobei: Neben einigen angekündigten anderen Sportereignissen werden sicher auch der HSV und der FC St. Pauli weiter Gesprächsstoff liefern. An diesem Wochenende jedenfalls gab es die beiden Finalspiele um den jeweiligen Klassenerhalt. Genug Stoff für ganze Bücher, aber brechen wir es auf das Wesentliche runter: Es ist noch nicht vorbei.

"Don't tell the gods I left a mess"

 

Trotz einer 0:1-Niederlage in Darmstadt bleibt der FC St. Pauli der zweiten Liga erhalten, da die Konkurrenz ebenfalls verloren hat. Am Sonntag konnten die Nicht-Abstiegshelden von Ewald Lienen in Hessen übrigens gemeinsam mit dem Gegner feiern, wenn auch unter unterschiedlichen Vorzeichen: Die Darmstädter machten ihren Aufstieg perfekt.

Noch keine Helden wurden im Volkspark geboren. Die Geschichte des ersten Abstiegs wurde zumindest vertagt. Nach dem Sieg gegen Schalke muss der HSV nun wie im Vorjahr in die Relegation. Gegner ist der Karlsruher SC. Das Heimspiel steht bereits am Donnerstag an.

Die "Kiezhelden" vom FC St. Pauli können also aus dem Urlaub zusehen, gegen welches der beiden Teams sie im kommenden Jahr spielen dürfen.

"The crickets sing a song for you"

 

In welchen Ligen die Hamburger Fußballer 2024 antreten, vermag keiner vorherzusagen. Das Ziel der Olympia-Befürworter ist jedenfalls, dass Hamburg als Stadt dann in der ersten Liga des weltweiten Sports spielt und im Rahmen der Olympischen Spiele Helden ihrer Zeit geboren werden. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Für die Olympia-Bewerbung hat der Bund nun Hamburg Geld zugesprochen. Konkret wird er für die Bewerbung 30 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Für die Jahre 2015 bis 2017 werden jeweils zehn Millionen Euro für den Haushalt eingeplant. Das erste Geld wird schon vor dem Olympia-Referendum fließen.

"Der Beschluss macht deutlich, dass es sich bei der Olympiabewerbung um ein Projekt von nationalem Interesse handelt", sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann. Und der DOSB-Vorstandsvorsitzende Michael Vesper betont: "Hier wird auch haushaltspolitisch deutlich, was an vielen Stellen schon gesagt worden ist: Hamburg trägt die Fahne für Deutschland und kann mit der Unterstützung aus dem ganzen Land rechnen." Die Handelskammer will aus Wirtschaftskreisen zudem 25 Millionen Euro beisteuern. Bislang wurden die Bewerbungskosten auf 50 Millionen Euro geschätzt. Bliebe es dabei, müsste die Stadt selbst hierzu kein Geld beisteuern. Bislang hatte die Stadt laut Hamburger Abendblatt einen Eigenanteil von 15 Millionen Euro einkalkuliert.

Währenddessen machten die Olympia-Gegner ihrem Unmut bei einer Diskussionsveranstaltung der taz Luft. Der DOSB-Vorstandsvorsitzende Michael Vesper wurde einem Bericht der Welt zufolge wiederholt ausgebuht. Eine richtige Diskussion in den verhärteten Fronten gab es demnach nicht. Angekündigt wurde jedoch, dass der Host-City-Vertrag zwischen dem IOC und Hamburg wohl am 15. September veröffentlicht wird.

"We're dancing with the demons in our minds"

 

Derweil sorgt der Verein Mehr Demokratie im Streit um das Olympia-Referendum für Chaos und womöglich auch Rechtsunsicherheit im Hinblick auf die Abstimmung. Hintergrund sind die Pläne von Senat und Teilen der Opposition, kein reines Gesetz für die Olympia-Abstimmung zu schaffen, sondern das Instrument der von der Bürgerschaft angestoßenen Volksbefragung auch für künftige Fälle offenzuhalten. Im Vergleich zum ersten Entwurf war die Regierung den Kritikern entgegengekommen, einige urteilten sogar, sie sei ihnen stark entgegengekommen.

Mehr Demokratie sieht das anders und will nun seinerseits mit Volksinitiativen Änderungen bewirken. Eine zielt darauf ab, ein reines Lex Olympia zu schaffen, eine weitere darauf, dass Verfassungsänderungen nur noch mit Volksbefragung stattfinden könnten. Die Folge könnte sein, dass die Olympia-Abstimmung Ende des Jahres doch nicht das letzte Wort sein wird und Hamburg womöglich zweimal abstimmen muss. Bleibt zu hoffen, dass es doch noch zu einer Einigung kommt.

Die Alternative wäre freilich, wieder eine Monarchie auszurufen. Anschauungsunterricht dafür gab es in dieser Woche jedenfalls, als das dänische Kronprinzenpaar Frederik und Mary zu Gast war. Wie vor einigen Wochen beim Besuch aus den Niederlanden kamen viele Menschen zum Rathaus, um einen Blick auf die royalen Gäste zu erhaschen. Begleitet wurde das Paar von einer großen Wirtschaftsdelegation.

"We are the heroes of our time"

 

Guter Rat ist bekanntlich teuer, gutes Rad mitunter auch. Dennoch will Hamburg hier investieren. Die Regierung gab die Woche Pläne bekannt, wonach sie statt 40 neuer Stadtrad-Stationen in diesem Jahr 70 neue Verleihstellen einrichten lassen will. Bei der Standort-Suche sollen die Bezirke eingebunden werden.

Nicht nur Dänemark, auch Japan präsentierte sich die Woche in Hamburg. Entlang der Alster fand wieder das Kirschblütenfest statt. Am Freitag gab es das traditionelle große Feuerwerk. Der Kulturtag am Samstag wurde in diesem Jahr jedoch ausgesetzt. Dafür fand an diesem Tag der Eurovision Song Contest in Wien statt – und irgendwie auch wieder auf der Reeperbahn. Der Siegersong Heroes, aus dem übrigens die Zwischenüberschriften in diesem Text entnommen sind, stammt von Måns Zelmerlöw aus Schweden. Die Deutsche Vertreterin, Ann-Sophie aus Hamburg, blieb erwartungsgemäß chancenlos. Es gab keinen einzigen Punkt aus den teilnehmenden Ländern und damit den letzten Platz. Aber wie sagte Barbara Schöneberger nach dem Finale: "Null Punkte, das hat schon wieder Charakter."

Wir wünschen eine schöne neue Woche.

 

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