{"id":2912,"date":"2015-01-23T14:33:07","date_gmt":"2015-01-23T13:33:07","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/hamburg\/?p=2912"},"modified":"2015-01-23T14:33:07","modified_gmt":"2015-01-23T13:33:07","slug":"weltweit-geliebt-und-doch-keine-weltstars","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/hamburg\/weltweit-geliebt-und-doch-keine-weltstars\/","title":{"rendered":"Weltweit geliebt \u2013 und doch keine Weltstars"},"content":{"rendered":"<p><em>Indie-Dance is still alive: Die Stars aus Montreal spielen in Hamburg ihren hinrei\u00dfenden Achtziger-Postpunk-Dancepop. Nur die gro\u00dfe Karriere l\u00e4sst noch warten.<\/em><\/p>\n<p><figure id=\"attachment_2913\" aria-describedby=\"caption-attachment-2913\" style=\"width: 580px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/hamburg\/files\/2015\/01\/stars.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2913 size-full\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/hamburg\/files\/2015\/01\/stars.jpg\" alt=\"stars\" width=\"580\" height=\"326\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2913\" class=\"wp-caption-text\">Torquil Campbell und Amy Millan, Stockholm 2005; CC BY-SA 2.5 Anders Jensen-Urstad<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>&#8222;Jedes Mal, wenn wir nach Hamburg kommen, seid Ihr da!&#8220; Torquil Campbell wirkt euphorisch und ergriffen zugleich. Schlie\u00dflich ist der Stars-S\u00e4nger, Spross einer ausgewanderten Schauspielerfamilie aus England, ein K\u00fcnstler, und offenbar wird er geliebt. Ann\u00e4hernd ausverkauft, \u00fcber 400 Besucher sind im Hamburger Knust. Wir, die Zuschauer, w\u00fcrden ihnen, den Musikern, dieses sch\u00f6ne Leben erm\u00f6glichen, das sie sich immer w\u00fcnschten, freut sich Campbell. Eigentlich h\u00e4tte es noch sch\u00f6ner sein k\u00f6nnen: Zum dritten Album <em>Set Yourself On Fire<\/em> tanzte man 2004 auf Studentenpartys rund um den Globus, eine Karriere in Gr\u00f6\u00dfenordnung der artverwandten franz\u00f6sischen Band Phoenix schien in Reichweite.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>Doch au\u00dfer in Kanada wurde daraus irgendwie nichts. The Kooks demn\u00e4chst in der Alsterdorfer Sporthalle, die Stars im Knust? Richtig erkl\u00e4rbar ist es nicht. <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2014\/10\/31\/stars-no-one-is-lost_18879\">Der stromlinienf\u00f6rmige, keyboardgest\u00fctzte Sound vom neuen Album\u00a0<em>No One Is Lost<\/em> <\/a>soll das Ruder m\u00f6glicherweise noch einmal herumrei\u00dfen. Doch die Verk\u00e4ufe in den USA (Platz 117 in den Billboard-Charts) und selbst in Kanada (Platz 18) sind entt\u00e4uschend.<\/p>\n<p>Ganz schl\u00fcssig ist das Package nicht. Rollschuhe und Disco (Coverfoto von\u00a0<em>No One Is Lost<\/em>) ist eindeutig Siebziger, aber der melodische Dancepop-Postpunk-Sound klingt sehr nach fr\u00fchen Achtzigern, nach New Order und Smiths. Das Outfit der sechsk\u00f6pfigen Band ist erst recht nicht zuzuordnen. Gitarrist und Bassist treten als Erste vor das riesige Bandlogo im B\u00fchnenhintergrund, beide tragen kurz\u00e4rmelige blaue Hemden mit roten Schulterklappen. Aha, ist das der uniforme B\u00fchnenlook?<\/p>\n<p>Nein, der Rest tr\u00e4gt irgendwas. Amy Millan, die zweite Leads\u00e4ngerin, mit schwarzem Kleid im Secondhand-Look, Schlagzeuger Patrick McGee hat sich f\u00fcr Unterhemd und Latzhose entschieden. Weiterhin: zwei Pilotensonnenbrillen. Mastermind Campbell gleicht mit quergestreiftem Oberhemd, Schlabberjackett und \u00fcberdimensionierter, st\u00e4ndig rutschender Hornbrille einer Kreuzung aus schrulligem B\u00fchnenderwisch \u00e0 la Ian Dury und Sparkassen-Filialleiter. Ab Mitte des Konzerts fehlt die Brille pl\u00f6tzlich \u2013 hoffentlich hat der kurzsichtige S\u00e4nger sie wiedergefunden \u2026 Cool geht jedenfalls anders, aber das Gute ist: Es ist egal.<\/p>\n<p>Fast alle auf der B\u00fchne haben einen Knopf im Ohr: Computer-Rhythmen, Keyboardfl\u00e4chen, Streicher und Bl\u00e4ser kommen vom Band. Naturgem\u00e4\u00df also alles relativ statisch-zackig \u2013 so, wie die neuen St\u00fccke \u00e0 la\u00a0<em>From The Night<\/em> (Konzert-Opener) eben angelegt sind. Besonders modern wird der Sound durch Achtziger-Synthesizer und Songaufbau im Techno-Kl\u00f6tzchen-Schema allerdings nicht; auch eine durchgehende Bassdrum ist ja fast schon ein Anachronismus. Das macht die Show der Stars aber \u00fcberhaupt nicht schlechter, die in Optik und Sound ohnehin aus der Zeit gefallen scheinen.<\/p>\n<p>Hymnischer Indie-Dance mit New-Romantic-Anleihen \u2013 keine gute Idee? Irgendwie doch. Unglaublich, wie salbungsvoll und m\u00e4chtig die Stars bei\u00a0<em>Take Me To The Riot<\/em> (2007) und dem neuen St\u00fcck\u00a0<em>Trap Door<\/em> marschieren; die Psychedelic Furs in\u00a0<em>Pretty In Pink<\/em>-Tagen waren nicht besser. Wie fein und pr\u00e4zise sie\u00a0<em>Your Ex-Lover Is Dead<\/em>, die Er\u00f6ffnungsnummer des alten Hitalbums, spielen \u2013 im Publikum wird textsicher mitgesungen. Einhellige Meinung in der Garderobenschlange: &#8222;Einfach eine gute Band.&#8220;<\/p>\n<p>Wahre Rockmusik mit Wert, Haltung und Seele \u2013 das gebe es seit der perfiden Ver\u00f6ffentlichung des letzten U2-Albums via Kauf eines iPhones indessen nicht mehr, lie\u00df Torquil Campbell k\u00fcrzlich verlauten: &#8222;<em>It was the day the big rock \u2019n\u2019 roll industry died. (&#8230;) People don\u2019t want music in their iTunes, they want it in their hearts.<\/em>&#8220; Doch genau dort erreichen die Stars ihr Hamburger Publikum. Der anhaltende Applaus nach Konzertende wird von Amy Millan und dem neuen Gitarristen Chris McCarron mit einer kleinen, aber feinen Version des Bandklassikers\u00a0<em>My Favourite Book<\/em> belohnt.<\/p>\n<p>Zuvor verr\u00e4t der aufgekratzte Campbell, der sich f\u00fcr die Zeit nach dem Auftritt auch nach einer geeigneten Bar mit interessanten G\u00e4sten erkundigt, noch den Hauptgrund, \u00fcberhaupt noch mit einer Band auf Tour zu gehen: Im Falle eines Falles w\u00e4re immer jemand in der N\u00e4he, der ihm in die Schuhe helfe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Indie-Dance is still alive: Die Stars aus Montreal spielen in Hamburg ihren hinrei\u00dfenden Achtziger-Postpunk-Dancepop. Nur die gro\u00dfe Karriere l\u00e4sst noch warten. &#8222;Jedes Mal, wenn wir nach Hamburg kommen, seid Ihr da!&#8220; Torquil Campbell wirkt euphorisch und ergriffen zugleich. 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