{"id":3217,"date":"2015-02-23T12:26:08","date_gmt":"2015-02-23T11:26:08","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/hamburg\/?p=3217"},"modified":"2015-02-23T14:40:16","modified_gmt":"2015-02-23T13:40:16","slug":"fast-schon-slapstick","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/hamburg\/fast-schon-slapstick\/","title":{"rendered":"Fast schon Slapstick"},"content":{"rendered":"<p>Erst Sandhausen, dann F\u00fcrth. Schon in den vergangenen Wochen ist der FC St. Pauli gegen Mannschaften angetreten, die in der Tabelle \u00e4hnlich schlecht platziert waren wie die Kiezkicker. Und hat viel daf\u00fcr getan, dass die Gegner zu neuem Selbstvertrauen gelangten. So sehr in die Rolle des Aufbaugegners gef\u00fcgt wie am Wochenende gegen TSV 1860 M\u00fcnchen hat sich das Team dann aber doch noch nicht.<\/p>\n<p>Die 2:1 Niederlage in der bayerischen Hauptstadt war vollkommen unverdient. Gegen eine offensichtlich schlappe Heimmannschaft haben sich die Pauli-Spieler mal wieder selbst besiegt. Umst\u00e4nde, die mir dieses Resultat als Fan sehr schwer verdaulich machen. <!--more--><\/p>\n<p>Ich habe die Mannschaft diesmal nicht zum Ausw\u00e4rtsspiel begleitet. Das Spiel zwischen dem Tabellenletzten (FC St. Pauli) und dem Vorletzten (1860 M\u00fcnchen) guckte ich in der Hamburger Botschaft im Schanzenviertel. Anna, meine treue, stets meckernde Begleiterin, kam ein paar Minuten zu sp\u00e4t. Sie schimpfte noch \u00fcber die fr\u00fche Ansto\u00dfzeit von 13 Uhr, als Lennart Thy schon nach butterweicher Flanke von Marc Rzatkowski ein wenig zu hoch am rechten Lattenkreuz vorbei k\u00f6pfte (2. Minute). St. Pauli war in allen Belangen besser \u2013 Raumaufteilung, Passsicherheit, Zweikampfverhalten. Ein weiterer Beleg, dass die Handschrift des Trainers Ewald Lienen immer deutlicher lesbar wird. Allein: Auf dem Platz und auch bei uns vor den Fernsehbildern schien am Samstagmittag kaum jemand daran zu glauben, dass Feld\u00fcberlegenheit auch Siege produziert. Das haben uns die vergangenen Wochen gelehrt.<\/p>\n<p>Die 10. Minute: Unser Verteidiger Andrej Statsev entscheidet sich falsch, unterl\u00e4uft einen langen Ball auf den L\u00f6wen-Spieler Jannik Bandowski, der dann ebenfalls butterweich in den Strafraum flankt. Dort stehen zwar lauter St. Paulianer, aber Torh\u00fcter Himmelmann und Kapit\u00e4n Gonther spielen &#8222;Nimm du ihn, ich hab ihn sicher&#8220;. Die Folge: S\u00f6ren Gonther gr\u00e4tscht so ungl\u00fccklich in den Ball, dass er ihn ins eigene Tor dr\u00fcckt. 1:0 f\u00fcr die L\u00f6wen, die in der gesamten ersten Halbzeit keinen eigenen Torschuss abgeben.<\/p>\n<p>Die St. Pauli-Offensive spielt zeitweise beinahe m\u00fchelos durch die Reihen der Sechziger, so auch in der 52. Minute, als Thy einen Musterangriff abschlie\u00dft: an den Pfosten. &#8222;Warum kann denn nicht mal einer von unseren B\u00e4llen vom Innenpfosten ins Tor gehen&#8220;, beschwert sich Anna neben mir. Zurecht, finde ich, denn an diesen Anblick kann auch ich mich nicht erinnern. St. Pauli spielt weiter, fast stoisch rollen die Angriffe auf die desolat spielenden M\u00fcnchner zu. Thy entz\u00fcckt mich mit einem feinen Trick an der rechten Spielfeldgrenze, als er den Ball mit Drehung und seiner Schuhsohle mitnimmt. Ob er von da aus flankt, entzieht sich meiner immer selektiver werdenden Wahrnehmung.<\/p>\n<p>Das 2:0 der Heimmannschaft f\u00e4llt dann so, wie es im Lehrbuch f\u00fcr gute Aufbaugegner geschrieben steht: mitten in die Drangphase des FC St. Pauli hinein. Alles liegt in der Luft, sogar ein Hauch von Fr\u00fchling, aber nicht das zweite Tor f\u00fcr 1860, als Dennis Daube durch den eigenen Strafraum irrend den gerade eingewechselten Gegenspieler Marius Wolf \u00fcbersieht. Dieser k\u00f6pft den Ball kraftlos aber gezielt ins Netz. Der erste ernsthafte Torabschluss der Wei\u00df-Blauen bis dahin.<\/p>\n<p>Es ist der enormen Moral der St. Paulianer geschuldet, dass das Spiel noch einmal spannend wird. St\u00fcrmer Christopher N\u00f6the steht goldrichtig als Ante Budimir, der auch in M\u00fcnchen mal wieder aufopfernd mannschaftsdienlich spielt, eine Flanke mit dem Kopf an den langen Pfosten verl\u00e4ngert. Dort, direkt vor den F\u00fc\u00dfen N\u00f6thes, bleibt der Ball auch erst einmal liegen. Gebannt starren Gegenspieler, Zuschauer und St. Paulianer in der 77. Minute dieses merkw\u00fcrdigen Spiels abwechselnd auf den Ball und auf N\u00f6the. Der scheint noch zu \u00fcberlegen, was er mit dieser Gelegenheit anfangen soll und entscheidet sich vollkommen unstpaulianisch daf\u00fcr, den Ball einfach und kontrolliert unter die Latte zu h\u00e4mmern. TOR!<\/p>\n<p>Es passt zur Verfassung des FC St. Pauli, dass alles Anrennen am Ende nichts mehr hilft. Daube ist der letzte einer ganzen Reihe Boys in Brown, der in der 89. Minute den Ausgleich verdaddelt: Frei angespielt entscheidet er sich vor dem Tor der Sechziger f\u00fcr Innenrist statt Vollspann.<\/p>\n<p>Damit wird Spiel gegen Erzgebirge Aue am kommenden Wochenende zum Endspiel. Nach langem Gr\u00fcbeln bin ich mir sicher, dass wir nur erfolgreich sein werden, wenn wir vergessen, was in M\u00fcnchen passiert ist. Nur dann kann der Verleib in der zweiten Bundesliga gelingen. Die Mannschaft muss \u00fcber dieses Spiel, das zeitweise einer Slapstick-Kom\u00f6die glich, herzhaft lachen. Im Ernst: Etwas anders als Lachen f\u00e4llt mir gerade nicht ein.<\/p>\n<p><em>Annas Lieblingsspieler in M\u00fcnchen war Chris N\u00f6the. Dessen Eleganz wird ihm ja oft als Fahrigkeit gedeutet. &#8222;Aber immerhin trifft er&#8220;, sagt Anna. Und damit hat sie recht.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erst Sandhausen, dann F\u00fcrth. 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