{"id":3351,"date":"2015-03-09T16:49:32","date_gmt":"2015-03-09T15:49:32","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/hamburg\/?p=3351"},"modified":"2015-03-09T17:53:12","modified_gmt":"2015-03-09T16:53:12","slug":"rumer-mojo-club","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/hamburg\/rumer-mojo-club\/","title":{"rendered":"Feinste Falsett-Stimme, aber nie am Limit"},"content":{"rendered":"<p><em>Rumer im Hamburger Mojo Club: Die S\u00e4ngerin aus England macht alles genau richtig. Das ist beeindruckend, bisweilen aber auch etwas langweilig.<\/em><\/p>\n<p>2010 war Sarah Joyce, genannt Rumer, der n\u00e4chste gro\u00dfe Gesangsstar. Ihr Deb\u00fctalbum <em>Seasons Of My Soul<\/em> erschien und man nannte sie in einem Atemzug mit Adele und Duffy. Burt Bacharach und Elton John klingelten an der T\u00fcr, alle verglichen sie mit der legend\u00e4ren Karen Carpenter von den Carpenters. Zu Recht. Eine gro\u00dfe Stimme.<\/p>\n<p><!--more-->Aber auch eine zerbrechliche, traumatisierte Person auf der Suche nach Liebe und Geborgenheit. Erst mit elf erfuhr Sarah, j\u00fcngstes von sieben Geschwistern, dass sie die Folge eines Seitensprungs in Pakistan war. Sp\u00e4ter pflegte sie ihre Mutter in S\u00fcdengland, die 2003 dem Krebs erlag. Als sie danach nach Islamabad reiste, um ihren Vater zu finden, kam sie zu sp\u00e4t, er war wenige Monate zuvor verstorben.<\/p>\n<p>Es hat bestimmt auch mit diesen Erlebnissen zu tun, dass Rumer der Druck zu gro\u00df wurde, der auf ihr lastete. Sie zweifelte an ihrem Star-Dasein. K\u00fcrzlich erst scheint sie ihr Gl\u00fcck in Kalifornien gefunden zu haben, bei Rob Shirakbari. Er hat das dritte Album <em>Into Colour, <\/em>mit dem Rumer nun auf Tour ist, produziert und mitkomponiert. Und mehr noch: Die beiden wollen angeblich im Mai heiraten.<\/p>\n<p>Auch unter dem Namen Rob Shrock bekannt, arrangierte Shirakbari zuvor f\u00fcr Burt Bacharach und Dionne Warwick. Und als Keyboarder war er bereits am Orchesterpop-Meilenstein <em>Painted From Memory<\/em> (1998) von Elvis Costello &amp; Burt Bacharach beteiligt.<\/p>\n<p><em>Dangerous<\/em>, Er\u00f6ffnungsnummer des Konzerts am Sonntag im Mojo Club und die Single zum Album, schrammt gef\u00e4hrlich nahe an gepflegtem Urlaubsdiscosound \u00e0 la Gabrielle entlang. 250 gr\u00f6\u00dftenteils gutb\u00fcrgerlich aussehende Hamburger, viele auf St\u00fchle platziert, wippen leise mit der Fu\u00dfspitze. Daran \u00e4ndert sich bis Ende auch nichts. Eine geschmackvoll und konservativ angelegte, ganz dem Star gewidmete Show in guter Dusty-Springfield-Tradition. Rumer macht sparsame Ansagen wie diese: &#8222;Viele unsch\u00f6ne Nachrichten zurzeit, das stimmt. Aber: Die Welt ist gar nicht so schlecht. Die meisten Menschen sind gute Menschen.&#8220; Es folgt die neue Ballade<em> Better Place<\/em>. Textprobe: &#8222;<em>You make the world a better place \/ with your kindness \/ and your grace.<\/em>&#8222;<\/p>\n<p>Es fehlt etwas Glamour, um diese gutgemeinten Allgemeinpl\u00e4tze erstrahlen zu lassen. Dazu tr\u00e4gt auch Rumers Erscheinungsbild bei. \u00dcber dem schwarzen Hosenensemble flattert eine rotgelbe, t\u00fcrkengemusterte Seidenbluse in \u00dcbergr\u00f6\u00dfe: trutschiger Damen-Chic f\u00fcr die Frau von Mitte 40. Damit macht sie sich um zehn Jahre \u00e4lter, als sie ist. Auch die schlagerhaften, beh\u00e4bigen Gesten zur Untermalung ihres Gesangs k\u00f6nnen nicht dauerhaft fesseln.<\/p>\n<p>Vielleicht einmal zu oft gibt Rob Shirakbari hinter seinem Fl\u00fcgel den gestrengen Kapellmeister. Wie alle Musiker \u00e4u\u00dferst gruppendienlich agierend, weist er dennoch den Gitarristen Darren Hodson und den Schlagzeuger Alex Torjussen mit erhobener Hand in ihre Schranken. Ob es dazu dient, die Ausgewogenheit der Auff\u00fchrung in CD-Qualit\u00e4t zu wahren? Oder will er dem Publikum zeigen, wer der Bandleader ist?<\/p>\n<p>Besonders Torjussen reagiert auf die dezenten, dennoch oberlehrerhaften Ermahnungen mit einigem Desinteresse. Schlie\u00dflich gilt der 22-j\u00e4hrige Londoner als neuer Star der englischen Studioszene. Er hat alle Qualit\u00e4ten, um in die Fu\u00dfstapfen von Steve White zu treten, seinerzeit der Teenager-Wunderdrummer von Paul Wellers Band The Style Council. Der vollb\u00e4rtige Darren Hodson, als Solok\u00fcnstler The Southern Companion auch der Opening Act im Mojo Club, ist ein geschmackssicherer Leadgitarrist, er spielt mit leicht angezerrtem Vintage-Ton. Sein kleines Gesangssolo in der geschmeidigen Hall-&amp;-Oates-Coverversion <em>I Can&#8217;t Go for That (No Can Do)<\/em> zeigt mehr Emphase als Rumer im gesamten Konzert.<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt geh\u00f6ren die nachgespielten St\u00fccke zu den Highlights. Jimmy Webbs Klassiker <em>P.F. Sloan<\/em> kommt als gro\u00dfer, wehm\u00fctiger Fr\u00fchsiebziger-Westcoast-Rocksong. Noch besser ist die letzte Zugabe: Die White-Soul-Pophymne <em>Love Is The Answer<\/em>, ein 1977 von Todd Rundgren f\u00fcr die Band Utopia komponiertes Meisterwerk, l\u00e4sst die Band gl\u00e4nzen, auch der Backgroundchor ist bet\u00f6rend.<\/p>\n<p>Die S\u00e4ngerin selbst trifft zwischen sonorem Alt und feinstem Falsett jeden Ton spielerisch. Milde, warm und ohne Druck in der Stimme ist sie allen Notenspr\u00fcngen gewachsen, nie ger\u00e4t sie auch nur ann\u00e4hernd an ihr Limit. Schade, k\u00f6nnte man einwenden. Eine Ballade im Dreivierteltakt wie <em>Reach Out<\/em> vom neuen Album, die dazu pr\u00e4destiniert ist, magisch und theatralisch anzuwachsen, bleibt knapp unterhalb der Klimax h\u00e4ngen, die man herbeisehnt. Bei all dem Wohlklang w\u00fcrde das wahre Begeisterung hervorrufen \u2013 und nicht nur freundlichen Beifall.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rumer im Hamburger Mojo Club: Die S\u00e4ngerin aus England macht alles genau richtig. Das ist beeindruckend, bisweilen aber auch etwas langweilig. 2010 war Sarah Joyce, genannt Rumer, der n\u00e4chste gro\u00dfe Gesangsstar. Ihr Deb\u00fctalbum Seasons Of My Soul erschien und man nannte sie in einem Atemzug mit Adele und Duffy. 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