{"id":4179,"date":"2015-06-11T11:43:48","date_gmt":"2015-06-11T09:43:48","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/hamburg\/?p=4179"},"modified":"2015-06-11T11:43:48","modified_gmt":"2015-06-11T09:43:48","slug":"cdu-hamburg-strategie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/hamburg\/cdu-hamburg-strategie\/","title":{"rendered":"Attacke!"},"content":{"rendered":"<p><em>Hamburgs CDU will wieder \u00bbangreifen\u00ab. Damit \u00fcberzeugt sie nur B\u00fcrger, die ohnehin hinter ihr stehen.<\/em><\/p>\n<p>Man kann der Hamburger CDU nicht vorwerfen, es fehle ihr an Engagement. Die Partei verschickt Pressemitteilungen im Akkord, die Abgeordneten stellen im Parlament so viele Anfragen wie wohl keine andere Fraktion, fast t\u00e4glich schaffen es die F\u00fchrungskr\u00e4fte in die Zeitungen. Gut 100 Tage ist Fraktionschef Andr\u00e9 Trepoll nun im Amt, er hat sich viel vorgenommen.<!--more--><\/p>\n<p>Die Zeit der Fehleranalyse nach der Niederlage in der B\u00fcrgerschaftswahl mit nur 15,9 Prozent der Stimmen sei vorbei, sagte er k\u00fcrzlich dem Abendblatt . Die Devise laute nun: Attacke! Das klingt gut, nach Aufbruch. Nur: Das Problem, vor dem die Christdemokraten in Hamburg stehen, ist mit Flei\u00df nicht zu beheben.<\/p>\n<p>Nicht nur in Hamburg, in allen Gro\u00dfst\u00e4dten der Republik ist die CDU zerrissen zwischen dem Anspruch, den sogenannten konservativen Markenkern zu st\u00e4rken und zugleich dem Lebensgef\u00fchl der Metropole gerecht zu werden. J\u00fcngstes Beispiel war die Oberb\u00fcrgermeisterwahl in Dresden, wo der CDU-Kandidat mit 15,4 Prozent regelrecht unterging. In den elf gr\u00f6\u00dften St\u00e4dten der Republik regieren inzwischen Sozialdemokraten, in Stuttgart der Gr\u00fcne Fritz Kuhn. Die CDU ist abgemeldet.<\/p>\n<p>Die Hamburger Christdemokraten sind mit ihrem Dilemma also nicht allein. Doch die Hanseaten hat es besonders hart getroffen. Wenn ein CDU-Verband f\u00fcr die Unentschiedenheit zwischen konservativem Fl\u00fcgel und der Idee einer sogenannten liberalen Gro\u00dfstadtpartei steht, dann der Hamburger. Seit Ole von Beusts Aufstieg ringen die Mitglieder darum, auf welche Seite sie sich schlagen.<\/p>\n<p>Ganz offensichtlich ist der Versuch fehlgeschlagen, die CDU unter Dietrich Wersich und Marcus Weinberg als moderne Metropolenpartei wieder zu etablieren. Die Partei fuhr ihr schlechtestes Ergebnis in einem Bundesland seit einem halben Jahrhundert ein. Muss sie deshalb jetzt alles auf die andere Karte setzen und den ber\u00fchmten \u00bbkonservativen Markenkern st\u00e4rken\u00ab? Kreativ ist das nicht. Aber gibt es eine Alternative?<\/p>\n<p>Alternativlos, das ist ein Merkel-Wort, ein modernes \u00bbbasta\u00ab, das man sich vorstellen k\u00f6nnte als \u00dcberschrift der CDU-Performance seit der B\u00fcrgerschaftswahl. Wer die Pressemitteilungen der Christdemokraten in den vergangenen Wochen verfolgt hat, bekommt den Eindruck, hier versuche sich eine Partei in Weltvereinfachung. Reflexhaft bedienen die Konservativen ihr angebliches Klientel: Legalisierung von Cannabis? \u00bbKiffer-Romantik\u00ab. Mietpreisbremse? \u00bbUnn\u00f6tiger gesetzlicher Zwang\u00ab. Ein Fernsehmoderator klagt \u00fcber Wartezeiten bei der Autoanmeldung? \u00bbHamburg wird zur Servicew\u00fcste\u00ab. Ans\u00e4tze f\u00fcr Kritik mag es hier und da geben. Aber abw\u00e4gende Argumente haben in der Rhetorik der CDU keinen Platz mehr. Oft wirkt sie schrill.<\/p>\n<p>In ihrer Analyse liegen Fraktionschef Trepoll und Parteichef Roland Heintze ja richtig: Der CDU hat zuletzt kaum noch jemand Wirtschaftskompetenz zugeschrieben. Das Thema innere Sicherheit geht bei steigenden Einbruchszahlen auch nicht v\u00f6llig am W\u00e4hler vorbei. Und ja, die Fl\u00fcchtlingsdebatte hat die CDU beherzt aufgenommen. Auf einem kleinen Parteitag verabschiedeten die Delegierten ein Papier, das Konservative gl\u00fccklich macht und Liberale trotzdem nicht verst\u00f6rt: harte Hand gegen Menschen, die allein aus wirtschaftlichen Gr\u00fcnden eingereist sind, zugleich mehr F\u00fcrsorge f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge, die wegen Krieg und Verfolgung kommen. \u00bbBeide Fl\u00fcgel schlagen lassen\u00ab, nennen sie das.<\/p>\n<p>Nur: Schaffen es Trepoll und Heintze so, B\u00fcrgermeister Olaf Scholz ernsthaft Konkurrenz zu machen? Daran glauben sie offenbar nicht einmal selbst. \u00bbAttacke!\u00ab, das ist Trepolls Marschmotto f\u00fcr die kommenden Monate. Und auf wen? Auf die Senatoren der Gr\u00fcnen, die \u00bbAchillesferse\u00ab des Senats. Scholz? Scheint den Christdemokraten als Gegner eine Nummer zu gro\u00df zu sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hamburgs CDU will wieder \u00bbangreifen\u00ab. Damit \u00fcberzeugt sie nur B\u00fcrger, die ohnehin hinter ihr stehen. Man kann der Hamburger CDU nicht vorwerfen, es fehle ihr an Engagement. Die Partei verschickt Pressemitteilungen im Akkord, die Abgeordneten stellen im Parlament so viele Anfragen wie wohl keine andere Fraktion, fast t\u00e4glich schaffen es die F\u00fchrungskr\u00e4fte in die Zeitungen. 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