{"id":5991,"date":"2016-02-04T15:40:54","date_gmt":"2016-02-04T14:40:54","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/hamburg\/?p=5991"},"modified":"2016-02-04T15:40:54","modified_gmt":"2016-02-04T14:40:54","slug":"auto-fahren-wie-nick-tschiller","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/hamburg\/auto-fahren-wie-nick-tschiller\/","title":{"rendered":"Auto fahren wie Nick Tschiller"},"content":{"rendered":"<p><em>Warum sprechen alle \u00fcber einen Bombenfund, ignorieren aber, dass es auf den Stra\u00dfen immer chaotischer zugeht? Folge eins der Kolumne &#8222;Unerwartet &amp; Unbemerkt&#8220;<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><em>Das Leben in Hamburg ist selten voraussehbar. Tagelang fiebern wir auf ein Ereignis hin \u2013 und dann wirft uns pl\u00f6tzlich etwas ganz anderes aus der Bahn. Auf einmal redet die Nachbarschaft nur noch \u00fcber \u00dcbergriffe an Silvester oder an der Nordsee gestrandete Wale. Oft aber l\u00e4uft es auch umgekehrt: Wir machen eine Beobachtung, halten sie f\u00fcr enorm wichtig und wundern uns, warum das au\u00dfer uns niemand so sieht. Die Kollegen des Onlinemagazins &#8222;Elbmelancholie&#8220; beobachten diese Mechanismen f\u00fcr ZEIT ONLINE und berichten in ihrer Kolumne &#8222;Unerwartet &amp; Unbemerkt&#8220; von ihnen.<\/em><!--more--><\/p>\n<p><strong>UNERWARTET<\/strong><\/p>\n<p>Und pl\u00f6tzlich war da in der letzten Januarwoche eine Bombe in Eppendorf. Pl\u00f6tzlich, das ist freilich nicht ganz korrekt: Der Sprengk\u00f6rper aus dem Zweiten Weltkrieg lag dort \u2013 jeder der rechnen kann und Geschichte in der Schule zumindest besucht hat, wird das nachvollziehen k\u00f6nnen \u2013 immerhin schon gut siebzig Jahre. Aber das ist eine so lange Zeit, dass kaum jemand noch eine Ahnung hat, wie gro\u00df der m\u00f6gliche Schaden ist, den so eine 250-Kilo-Fliegerbombe verursachen kann. Nur Sprengstoffexperten wissen das. Sie sorgten deshalb daf\u00fcr, dass die Anwohner im Umkreis von 300 Metern ihre Wohnungen verlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Einige Anwohner folgten den Anweisungen nur widerwillig, was die Evakuierung unn\u00f6tig in die L\u00e4nge zog. Als sie sich alle entfernt hatten, folgte dann die eigentliche Arbeit, die Entsch\u00e4rfung. Und die war wegen des bereits ausgel\u00f6sten Z\u00fcnders alles andere als einfach. Nun, da wir wissen, dass alles noch mal gut gegangen ist, l\u00e4sst sich festhalten, wie merkw\u00fcrdig unser Umgang mit Blindg\u00e4ngern ist: Wir sind gewohnt, dass nichts Schlimmes passiert, wenn sie entsch\u00e4rft werden und reagieren daher tr\u00e4ge bis genervt. Gleichzeitig fasziniert uns ein Fund jedes Mal aufs Neue, er ist umgehend Gespr\u00e4chsthema des Tages.<\/p>\n<p>Erstaunlich ist diese Reaktion, wenn man bedenkt, wie oft der Kampfmittelr\u00e4umdienst in Hamburg ausr\u00fcckt. Die <a href=\"http:\/\/www.hamburg.de\/service\/313254\/jahresberichte\/\" target=\"_blank\">Jahresberichte der Feuerwehr<\/a> zeigen auf, wie viel Sprengstoff er j\u00e4hrlich in Hamburg unsch\u00e4dlich macht: An Explosivstoffmasse waren es allein 2014 rund 1,9 Tonnen. In einigen der vergangenen Jahre konnte diese Summe aber auch mal auf \u00fcber drei Tonnen ansteigen. Davon geht vieles auf kleine Sprengk\u00f6rper zur\u00fcck, 2014 aber wurden etwa auch 21 Bomben von mehr als 100 Pfund beseitigt.<\/p>\n<p>Warum sind wir trotzdem immer wieder \u00fcberrascht, wenn eine Bombe entdeckt wird? Es liegt vermutlich daran, dass wir die Zahlen des Kampfmittelr\u00e4umdienstes zwar erahnen, uns aber nicht vorstellen k\u00f6nnen, dass ausgerechnet schr\u00e4g unter unserem Schlafzimmerfenster eine Bombe liegt. Taucht sie auf, sind wir hin- und hergerissen zwischen dem Gef\u00fchl, dass schon nichts passieren wird und einer Verunsicherung. Was, wenn es doch mal schiefgeht?<\/p>\n<p>Fest steht: Auch in den kommenden Jahren werden wir uns auf Bombenfunde einstellen m\u00fcssen. Mehr als 100.000 St\u00fcck <a href=\"https:\/\/www.flightglobal.com\/pdfarchive\/view\/1945\/1945%20-%201571.html\" target=\"_blank\">wurden im Krieg auf Hamburg geworfen<\/a>. Davon sind Experten zufolge etwa 13 Prozent nicht explodiert. Der Gro\u00dfteil wurde mittlerweile entsch\u00e4rft, doch weiter werden bis zu 3.000 Bomben in Hamburgs Erdreich vermutet. Einige werden gezielt mit alten Luftaufnahmen gesucht. Viele treten jedoch wie in Eppendorf bei Bauarbeiten zu Tage: Und wenn in einigen Jahren die U5 gebaut werden sollte, werden wohl einige mehr gefunden werden \u2013 vollkommen \u00fcberraschend nat\u00fcrlich.<\/p>\n<p><strong>UNBEMERKT<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Gefahr durch Weltkriegsbomben stets gro\u00dfe Wellen schl\u00e4gt, ist eine andere Erkenntnis recht unbemerkt geblieben. Als h\u00e4tte die Polizei nicht bereits genug mit den Bel\u00e4stigungen an Silvester und dem &#8222;Rockerkrieg&#8220; zu tun, stellte sich im Januar heraus: In Hamburg kann man kaum einem Autofahrer trauen. Mitte des Monats gab es einen Tag lang eine hamburgweite Verkehrskontrolle, besonders an Ampeln. Und nun festhalten: Satte 343 Autofahrer missachteten das Rotlicht.<\/p>\n<p>Damit nicht genug. Obwohl sich die Polizei auf Rotlicht\u00fcberwachungen konzentrierte, ertappte sie auch noch zwei Personen mit F\u00fchrerscheinvermerk, eine Person mit gef\u00e4lschten F\u00fchrerschein und einen Wagen ohne Versicherungsschutz. Au\u00dferdem entdeckte sie Personen, die wegen Eigentumsdelikten gesucht wurden und eine Person ohne Aufenthaltsgenehmigung. Ach ja: 66 F\u00e4lle von untersagter Handynutzung am Steuer erfasste die Polizei auch noch. Ebenfalls aus dem Verkehr zog sie 2.200 Liter Raps\u00f6l. Warum? Weil das Fahrzeug durch eben diese Ladung das zul\u00e4ssiges Gewicht \u00fcberschritten hatte.<\/p>\n<p>Wie ignorant Autofahrer sein k\u00f6nnen, zeigte sich allerdings an keiner Ampel, sondern im Autoknast in Rothenburgsort. Dorthin kam vor Kurzem ein junger Mann und wollte seinen abgeschleppten Wagen abholen. Da er seinen Fahrzeugschein nicht dabei hatte, wurde ihm das jedoch verweigert. <a href=\"http:\/\/www.presseportal.de\/blaulicht\/pm\/6337\/3227093\" target=\"_blank\">Laut Polizeimitteilung<\/a> griff der Fahrzeughalter daraufhin zu Methoden, die Til Schweiger alias Nick Tschiller nicht besser vorleben k\u00f6nnte: Er sprang \u00fcber die Durchfahrtsschranke, rannte zum Pkw, startete den Motor, gab Gas und fuhr durch die geschlossene Schranke. Wohin? Schnurstracks nach Hause. Dort jedenfalls entdeckten die Beamten das Auto, das im Frontbereich erheblich besch\u00e4digt war.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum sprechen alle \u00fcber einen Bombenfund, ignorieren aber, dass es auf den Stra\u00dfen immer chaotischer zugeht? Folge eins der Kolumne &#8222;Unerwartet &amp; Unbemerkt&#8220; Das Leben in Hamburg ist selten voraussehbar. Tagelang fiebern wir auf ein Ereignis hin \u2013 und dann wirft uns pl\u00f6tzlich etwas ganz anderes aus der Bahn. 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