{"id":6397,"date":"2016-04-01T14:41:30","date_gmt":"2016-04-01T12:41:30","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/hamburg\/?p=6397"},"modified":"2016-04-15T15:58:36","modified_gmt":"2016-04-15T13:58:36","slug":"schluss-mit-nachkriegsmoderne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/hamburg\/schluss-mit-nachkriegsmoderne\/","title":{"rendered":"Tsch\u00fcss, Nachkriegsmoderne"},"content":{"rendered":"<p><em>H\u00e4user abzurei\u00dfen hat Tradition in Hamburg. <\/em><em>Dass diese nun mit dem <\/em><em>City-Hof am Hauptbahnhof fortgesetzt <\/em><em>wird, ist trotzdem fragw\u00fcrdig.<\/em><br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>&#8222;Kann das weg?&#8220; \u2013 so betitelte vergangenen Sommer ZEIT-Autor Benedikt Erenz einen <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2015\/27\/weltkulturerbe-speicherstadt-hamburg-architektur-erbe\/komplettansicht\">Text \u00fcber das Abrissverhalten der Hamburger<\/a>. Denn was der Gro\u00dfe Brand von 1842 und der Zweite Weltkrieg \u00fcbrig lie\u00dfen, geriet nach dem Krieg schnell in das Visier der Stadtentwickler. Zahlreiche pr\u00e4chtige H\u00e4user fielen ihnen zum Opfer. Eine Immobilie des neuen Hamburgs ist der <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/hamburg\/kultur\/2015-09\/klophaus-city-hof-bauplatz-hauptbahnhof\/komplettansicht\">sogenannte City-Hof<\/a> aus den f\u00fcnfziger Jahren, ein Hochhauskomplex gegen\u00fcber dem Hauptbahnhof und Sitz des Bezirksamtes Mitte. Den will der Senat jetzt verkaufen und der Investor abrei\u00dfen. Wer den City-Hof heute sieht, kann das gut nachvollziehen: graue Plattenbauten, recht unansehnlich.<\/p>\n<p>Nur: Die vier Hochhausscheiben sahen einmal ganz anders aus, <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/hamburg\/2015-02\/hamburg-hochhaus-modern-city-hof-fs\">elegant, n\u00fcchtern, sehr hell, beste Nachkriegsmoderne<\/a>. Erst in den Siebzigern wurden sie grau verschalt und verschandelt. Seit 2013 steht der City-Hof unter Denkmalschutz.<\/p>\n<p>Das Vorhaben wirft Fragen auf. Zum Beispiel, warum die Stadt anstatt des Abrisses nicht auf die anscheinend vern\u00fcnftigste L\u00f6sung einer Bestandssanierung zur\u00fcckgreift. Also zur\u00fcck in den hell-wei\u00dfen Zustand von 1958. Daf\u00fcr spricht etwa die Geschichte der sanierten Grindel-Hochh\u00e4user, deren Bau bereits 1946 begann. Deren Wohnungen sind heute begehrt, f\u00fcr Touristen geh\u00f6ren die eleganten Bl\u00f6cke l\u00e4ngst zu Hamburgs Sehensw\u00fcrdigkeiten.<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_6405\" aria-describedby=\"caption-attachment-6405\" style=\"width: 620px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-6405 size-medium\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/hamburg\/files\/2016\/04\/acityhof-620x412.jpg\" alt=\"City-Hof\" width=\"620\" height=\"412\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/hamburg\/files\/2016\/04\/acityhof-620x412.jpg 620w, https:\/\/blog.zeit.de\/hamburg\/files\/2016\/04\/acityhof.jpg 1000w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-6405\" class=\"wp-caption-text\">Durchsicht auf zwei der vier Scheiben des City-Hofes \u00fcber den Hauptbahnhof hinweg \u00a9 Carl-G\u00fcnther Jastram<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Es existiert sogar ein Entwurf f\u00fcr die Sanierung des City-Hofs, der den Komplex so weit wie m\u00f6glich in den hellen Ursprungszustand versetzt. Er stammt von einem <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2015\/38\/architektur-city-hoefe-hamburg-abriss-volkwin-marg\/komplettansicht\">Konsortium um den Hamburger Architekten Volkwin Marg<\/a> und dem Konzern Hochtief. Die Stadt hat diesen aber abgelehnt. Das Verhalten der Finanzbeh\u00f6rde im Umgang mit dem eingereichten Marg-Plan machte einen zumindest diskussionsw\u00fcrdigen Eindruck. Heute sagt Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD), dem Marg-Hochtief-Vorschlag <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/nachrichten\/hamburg\/Buergerschaft-segnet-City-Hof-Verkauf-ab,cityhof216.html\">fehle es an Verbindlichkeit<\/a>. Doch das kann man verhandeln und kl\u00e4ren. Daf\u00fcr sollte es auch auf st\u00e4dtischer Seite Experten geben.<\/p>\n<p>Eine weitere Frage ist, wie sich die verkaufende Finanzbeh\u00f6rde einfach so \u00fcber den Denkmalschutz der Kulturbeh\u00f6rde hinwegsetzen kann. Welchen Sinn soll der Denkmalschutz da noch haben? Das m\u00f6gen sich zuk\u00fcnftig vor allem private Besitzer einer solchen Immobilie fragen. \u00dcberhaupt scheint im Umgang mit alten Hochh\u00e4usern eher Willk\u00fcr zu herrschen. Warum wird das architektonisch und st\u00e4dtebaulich indiskutable Uni-Geomatikum von 1975 am Schlump aufwendig renoviert und der City-Hof wird abgerissen?<\/p>\n<p>In \u00e4sthetischer Hinsicht gibt es zudem wenig Gr\u00fcnde, anzunehmen, dass ein Neubau anstelle des City-Hofs attraktiver w\u00e4re als eine sanierte Variante des Altbaus. Ein Investor hat nichts zu verschenken, er wird bei einem Neubau eine maximale Ausnutzung der Fl\u00e4che anstreben. Warum auch nicht!<\/p>\n<p>Das, was die B\u00fcrgerschaft am Donnerstag beschlossen hat \u2013 den Denkmalschutz des City-Hofs zu ignorieren und einfach zu verkaufen \u2013 macht einen v\u00f6llig ignoranten Eindruck. Man bleibt damit zwar in der baugeschichtlichen Tradition der Hamburger Stadtplaner. Nur, was spricht dagegen, die sanierte Nachkriegsmoderne des City-Hofs an dieser exponierten Stelle der Innenstadt zu einer strahlenden Visitenkarte der Hansestadt werden zu lassen? Man muss es nur wollen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<form id=\"newsletter-teaser-form\" action=\"http:\/\/community.zeit.de\/newsletter-signup?mode=2click&amp;nl=elbvertiefung\" method=\"POST\">\n<div class=\"newsletter-teaser-box\">\n<div class=\"newsletter-teaser-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/img.zeit.de\/bilder\/newsletter\/Anmeldeseite\/nl_elbvertiefung.jpg\" alt=\"Elbvertiefung\" \/><\/div>\n<div class=\"newsletter-teaser-title\">Elbvertiefung \u2013 Der t\u00e4gliche Newsletter f\u00fcr Hamburg<\/div>\n<div class=\"newsletter-teaser-text\">Jeden Tag wissen, was in Hamburg wichtig ist. Relevant und pr\u00e4gnant. Pers\u00f6nlich und pointiert. Elbvertiefung ist der neue t\u00e4gliche Newsletter der ZEIT f\u00fcr Hamburg.<\/div>\n<div class=\"newsletter-teaser-address\"><input class=\"newsletter-teaser-input\" style=\"background-color: #eee; border: 1px solid #eee; color: #444; font-size: 0.9375rem; letter-spacing: 0.03em; padding: 0.625rem 1.25rem;\" name=\"email\" type=\"text\" placeholder=\"Ihre E-Mail-Adresse\" \/><button class=\"button newsletter-teaser-button\" type=\"submit\">Jetzt anmelden<\/button><\/div>\n<\/div>\n<\/form>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>H\u00e4user abzurei\u00dfen hat Tradition in Hamburg. 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