{"id":7528,"date":"2016-10-31T13:44:03","date_gmt":"2016-10-31T12:44:03","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/hamburg\/?p=7528"},"modified":"2016-10-31T14:48:05","modified_gmt":"2016-10-31T13:48:05","slug":"was-fuer-ein-tolles-geschepper","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/hamburg\/was-fuer-ein-tolles-geschepper\/","title":{"rendered":"Was f\u00fcr ein tolles Geschepper"},"content":{"rendered":"<p><em>Die Band Amon Amarth \u00fcberzeugt in der Sporthalle mit brachialem Schweden-Metal. Und das, obwohl das obligatorische Propeller-Headbanging schwerf\u00e4llt.<\/em><b><br \/>\n<\/b><\/p>\n<p>Nein, man m\u00f6chte als Fan von Viking Metal in der Regel nichts von Torfrock h\u00f6ren. Indes sehen einige G\u00e4ste an diesem Sonnabend mit ihren Pl\u00fcsch-H\u00f6rnerhelmen so aus, als lie\u00dfen sie sich auch die Bagaluten-Wiehnacht gefallen. Die meisten Besucher der nicht ganz ausverkauften Halle sind jedoch klassisches Metal-Publikum mit dunkler Klamotte; lange Haare und Bart sind h\u00e4ufig gesehene Accessoires. Der Abend verspricht Geschepper.<!--more--><\/p>\n<p>Die erste Vorband Grand Magus wird leider wegen Schienenersatzverkehrs verpasst, doch Amon Amarth haben mit Testament noch ein echtes Schwergewicht verpflichtet. Die Veteranen aus der Bay Area, Kalifornien, spielen Thrash Metal der alten Schule mit s\u00e4genden Gitarren, peitschenden Drums und w\u00fctenden Vocals. Einen Tag zuvor ist das neue Album <em>Brotherhood of the Snake<\/em> erschienen, dessen Songs das Publikum nat\u00fcrlich noch nicht mitschreien kann \u2013 umso ausgelassener ist es bei den Klassikern der Kalifornier, etwa bei <em>Into the Pit<\/em>. Das schaurig-sch\u00f6ne Schlangenbild mit leuchtenden Augen hinter der Band und ein solider Sound, keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit in der Sporthalle, runden den Testament-Auftritt ab.<\/p>\n<p>Vor dem Headliner ist noch kurz Zeit, sich am Merchandise-Stand umzusehen. Bedauerlicherweise gibt es trotz eines Frauenanteils von etwa 25 Prozent kaum Artikel f\u00fcr die weiblichen Fans. Von Testament findet sich gar keiner, von Amon Amarth nur ein einziges Girlie-Shirt, aufgedruckt sind die Textzeilen eines Songs mit Gastbeitrag der deutschen S\u00e4ngerin Doro Pesch. Als ob sich die M\u00e4dels nur mit ihr identifizieren k\u00f6nnten.<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_7548\" aria-describedby=\"caption-attachment-7548\" style=\"width: 620px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-7548 size-medium\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/hamburg\/files\/2016\/10\/amonamarth-620x386.jpg\" alt=\"amonamarth\" width=\"620\" height=\"386\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/hamburg\/files\/2016\/10\/amonamarth-620x386.jpg 620w, https:\/\/blog.zeit.de\/hamburg\/files\/2016\/10\/amonamarth-768x478.jpg 768w, https:\/\/blog.zeit.de\/hamburg\/files\/2016\/10\/amonamarth-1024x637.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-7548\" class=\"wp-caption-text\">Amon Amarth in der Sporthalle Hamburg (c) Justus Ledig<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Dann geht es los mit den Wikingern. Proppenvoll ist es auf den Stehpl\u00e4tzen, so, dass die Sicht zum echten Problem wird. Es braucht eine Weile, bis die Aura von Chefnormanne Johan Hegg mit seinem kolossalen Bart und seiner B\u00e4renstimme wirkt, und auch das obligatorische Propeller-Headbanging ist in der Enge kaum m\u00f6glich. Ein intimerer Ort wie die Markthalle, wo es sich durch abgestufte Stehpl\u00e4tze aufgelockert anf\u00fchlt, erscheint als der bessere Rahmen f\u00fcr eine Band dieses Kalibers.<\/p>\n<p>Doch Amon Amarth machen das Beste aus dem Raum, den die Sporthalle bietet. Immer wieder zucken Feuerst\u00f6\u00dfe in die H\u00f6he, im B\u00fchnenhintergrund laufen Bilder aus den verschiedenen Schaffensphasen der Band, sogar ein Schwertkampf wird dargeboten. Wie weit man sich an Fantasy-Wikingerbilder angen\u00e4hert hat, beweist der gigantische H\u00f6rnerhelm, auf dem das Schlagzeug thront.<\/p>\n<p>Das im Fr\u00fchjahr erschienene Album <em>Jomsviking<\/em> markiert den Schwerpunkt der Setlist, aber auch Klassiker wie <em>Pursuit of Vikings<\/em> (bereits als Opener) oder <em>Death in Fire<\/em> fehlen nicht. S\u00e4nger Hegg feuert die Menge an, man m\u00f6ge doch bitte das Oberhausener Publikum vom Vortag in die Schranken weisen. Obwohl der Sound der Schweden tief im Death Metal verwurzelt ist und die Vocals in K\u00f6rperregionen erzeugt werden, wo die Sonne nicht scheint, singt Hamburg eifrig mit. Da ist es ganz egal, ob man die Texte kennt, wie Hegg selbst feststellt. Mit ein paar Ansagen auf Deutsch hat der H\u00fcne die Menge bedingungslos im Griff.<\/p>\n<p>Auch wenn man mit der Sporthalle weiterhin nicht ganz warm wird und so mancher geliebte Song aus der Diskografie auf der Strecke bleibt: Amon Amarth sind Vollprofis, sie wissen, wie sie ihre Fans begeistern. Bierselig wird es bei <em>Raise your Horns<\/em>, einem Song, dem nicht viel fehlt, um ein Schlager zu sein. Bei <em>Deceiver of the Gods<\/em> betritt eine Loki-Gottgestalt die B\u00fchne, die aus einem Marvel-Film stammen k\u00f6nnte. Ohnehin passt der epische Sound wundervoll zu etwas \u00fcberkandidelten Comic-Verfilmungen. Es wird einiges geboten. Da l\u00e4sst es sich verschmerzen, dass es zu recht fr\u00fcher Stunde vorbei ist, nach immerhin 17 Songs.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Band Amon Amarth \u00fcberzeugt in der Sporthalle mit brachialem Schweden-Metal. Und das, obwohl das obligatorische Propeller-Headbanging schwerf\u00e4llt. 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