{"id":7577,"date":"2016-11-09T14:04:28","date_gmt":"2016-11-09T13:04:28","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/hamburg\/?p=7577"},"modified":"2016-11-09T14:04:28","modified_gmt":"2016-11-09T13:04:28","slug":"jimdo-entlassungen-zug-fehmarn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/hamburg\/jimdo-entlassungen-zug-fehmarn\/","title":{"rendered":"Ein strauchelndes Startup und schnellere Z\u00fcge"},"content":{"rendered":"<p><em>Der Website-Anbieter Jimdo entl\u00e4sst 70 Mitarbeiter. Z\u00fcge zum Fehmarnbelttunnel d\u00fcrfen 200 Kilometer pro Stunde fahren. Die Kolumne &#8222;Unerwartet und Unbemerkt&#8220;<\/em><\/p>\n<h3>Unerwartet<\/h3>\n<p>Die Hamburger Start-up-Szene ist anders als die in London oder Berlin \u00fcberschaubar. Umso wichtiger sind hier Erfolgsgeschichten f\u00fcr unsere Stadt. Als eine von ihnen galt bis vor Kurzem Jimdo. Das Unternehmen bietet Websites nach dem Baukastenprinzip an. 2007 starteten die drei Gr\u00fcnder Jimdo. Seitdem ging es im Wesentlichen bergauf. Es wurde Risikokapital eingesammelt, aber nur mit Bedacht. Es wurden Mitarbeiter eingestellt. Und nach au\u00dfen wurde durch Imagefilme eine typische Start-up-Wohlf\u00fchlatmosph\u00e4re transportiert. Jimdo \u00f6ffnete sogar B\u00fcros im Ausland.<\/p>\n<p>Laut eigenen Angaben wurden mittlerweile mehr als 15 Millionen Websites mit der Software aus Hamburg erstellt. Im Oktober folgte jedoch der Bruch, das Ende der Wohlf\u00fchlatmosph\u00e4re: Ein Viertel der Mitarbeiter muss sich einen neuen Arbeitgeber suchen. Das sind etwa 70 Personen. Alle Bereiche des Unternehmens werden betroffen sein, einige sollen sogar ganz geschlossen werden, <a href=\"http:\/\/www.gruenderszene.de\/allgemein\/jimdo-entlassungen-viertel-der-mitarbeiter\" target=\"_blank\">berichtet das Magazin <em>Gr\u00fcnderszene<\/em><\/a>.<!--more--><\/p>\n<p>Welche Bereiche betroffen sind, wurde noch nicht \u00f6ffentlich gemacht. Mitgr\u00fcnder und CEO Matthias Henze verr\u00e4t <a href=\"http:\/\/de.jimdo.com\/presse\/pressemitteilungen\/jimdo-verk%C3%BCndet-wachstum-und-umstrukturierung\/\" target=\"_blank\">in einer Pressemitteilung<\/a> lediglich: &#8222;Wir haben es vers\u00e4umt, eine effektive Managementstruktur einzuf\u00fchren. Daher mussten wir heute leider die harte Entscheidung treffen, uns von einigen unserer Kolleginnen und Kollegen zu trennen.&#8220; Das Unternehmen h\u00e4tte sich zuletzt stark vergr\u00f6\u00dfert, teilt Jimdo mit. Man verzeichne das schnellste Wachstum an Neukunden in der fast zehnj\u00e4hrigen Firmengeschichte. Auf Mitarbeiterebene sei es allerdings zu schnell gewachsen.<\/p>\n<p>In der Pressemitteilung klingt Jimdo also weniger wie ein blumiges Start-up, sondern wie ein klassischer Konzern, der versucht, schlechte Nachrichten wie gute darzustellen. Die drastische Entlassungsentscheidung betitelt die Firma als &#8222;Unternehmensumstrukturierung, die Gesch\u00e4ftsprozesse vereinfachen und Innovation f\u00f6rdern wird&#8220;. Immerhin: Den Mitarbeitern, die betroffen sind, will Jimdo ein &#8222;\u00fcberdurchschnittliches Abfindungspaket&#8220; anbieten.<\/p>\n<h3>Unbemerkt<\/h3>\n<p>Der Haushaltsausschuss des Bundestags hat im vergangenen Monat eine kleine \u00c4nderung beschlossen, die kaum Beachtung gefunden hat, f\u00fcr viele Hamburger aber wird sie deutliche Auswirkungen haben: Die Z\u00fcge zum Fehmarnbelttunnel sollen 200 Kilometer pro Stunde fahren d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Der Tunnel soll 2024 in Betrieb gehen. Er soll die deutsche Insel Fehmarn und die d\u00e4nische Insel Lolland direkt f\u00fcr den Stra\u00dfen- und Schienenverkehr miteinander verbinden. Den gr\u00f6\u00dften Teil der Kosten \u00fcbernimmt die d\u00e4nische Seite. F\u00fcr Deutschland fallen jedoch Kosten f\u00fcr die Anbindung an. Bisher war geplant, eine Zugstrecke zu nutzen, auf der Personenz\u00fcge bis maximal 160 Stundenkilometern fahren d\u00fcrfen. Nun soll es deutlich schneller werden. Von Hamburg nach Kopenhagen oder auch anders herum k\u00e4me man damit k\u00fcnftig in rund zweieinhalb Stunden. Aktuell f\u00e4hrt man fast doppelt so lang.<\/p>\n<p>Die neue Hochgeschwindigkeitsstrecke erfordert einige Plan\u00e4nderungen im Bau. Bei Bahnstrecken, auf denen Z\u00fcge mit Tempo 200 fahren, reichen klassische Bahn\u00fcberg\u00e4nge nicht aus, es braucht Br\u00fccken oder Tunnel. Wie aufwendig eine solche Bauarbeit ist, kann in Hamburg derzeit jeder unweit des Horner Kreisels erleben. Zudem kosten sie viel Geld. Der Bund hat sich allerdings bereit erkl\u00e4rt, die Kosten zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>Die Entscheidung im Haushaltsausschuss fiel mit gro\u00dfer Mehrheit. Eingesetzt f\u00fcr die Ver\u00e4nderung haben sich insbesondere Bundestagsabgeordnete aus Schleswig-Holstein, darunter der SPD-Mann Norbert Brackmann, der die neue Planung <a href=\"http:\/\/www.abendblatt.de\/hamburg\/article208457735\/In-150-Minuten-per-Bahn-von-Hamburg-nach-Kopenhagen.html\" target=\"_blank\">laut <em>Abendblatt<\/em><\/a> folgenderma\u00dfen begr\u00fcndet: &#8222;Davon profitieren vor allem die Kommunen entlang dieser Strecke in Ostholstein.&#8220;<\/p>\n<p>F\u00fcr Hamburgerinnen und Hamburger ist all das aber auch eine feine Sache. Sie bekommen eine schnellere Zugverbindung in die d\u00e4nische Hauptstadt als zun\u00e4chst geplant, m\u00fcssen daf\u00fcr nicht direkt mehr bezahlen (Geld vom Bund ist nat\u00fcrlich irgendwie auch anteilig Hamburger Geld) und haben keine Baustellen vor der T\u00fcr. Ein dreifacher Gewinn. Das passiert auch nicht alle Tage.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Website-Anbieter Jimdo entl\u00e4sst 70 Mitarbeiter. Z\u00fcge zum Fehmarnbelttunnel d\u00fcrfen 200 Kilometer pro Stunde fahren. Die Kolumne &#8222;Unerwartet und Unbemerkt&#8220; Unerwartet Die Hamburger Start-up-Szene ist anders als die in London oder Berlin \u00fcberschaubar. Umso wichtiger sind hier Erfolgsgeschichten f\u00fcr unsere Stadt. Als eine von ihnen galt bis vor Kurzem Jimdo. 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