{"id":7678,"date":"2016-11-22T17:09:16","date_gmt":"2016-11-22T16:09:16","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/hamburg\/?p=7678"},"modified":"2016-11-22T18:33:02","modified_gmt":"2016-11-22T17:33:02","slug":"alcest-mono-hamburg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/hamburg\/alcest-mono-hamburg\/","title":{"rendered":"Wenn der Post-Rock zweimal klingelt"},"content":{"rendered":"<p><em>Auf Co-Headliner-Tour verzaubern Alcest und Mono Europa mit intensiv-vertr\u00e4umtem Sound. Unser Autor lie\u00df sich im Uebel &amp; Gef\u00e4hrlich in Gitarrenw\u00e4nde einmauern.<\/em><\/p>\n<p>&#8222;Post-&#8220; ist zwar ein inflation\u00e4r gebrauchtes Pr\u00e4fix f\u00fcr Musik aus der Rock-Ecke, doch nicht selten steckt hohe Qualit\u00e4t dahinter. Wenn K\u00fcnstler den (manchmal notwendigen) entscheidenden Schritt gehen und die ausgetretenen Pfade verlassen, gibt es immer was zu entdecken. So auch bei Alcest aus Frankreich und Mono aus Japan, die sich derzeit die B\u00fchnen Europas teilen. In Hamburg macht man im Uebel &amp; Gef\u00e4hrlich Halt \u2013 erfahrungsgem\u00e4\u00df eine der ersten Adressen der Stadt f\u00fcr diesen Sound.<\/p>\n<p>Gemotze gibt es gleich mal vorab: Gerade in Zeiten sozialer Netzwerke muss es wirklich nicht sein, dass ein Konzertbeginn f\u00fcr 21 Uhr angek\u00fcndigt wird, obwohl die erste Band bereits deutlich fr\u00fcher beginnt. So bleibt uns von der Vorband PG Lost aus Schweden nur der Abklang. Das, was sich noch erkennen l\u00e4sst, gef\u00e4llt. Angesichts der bereits fortgeschrittenen Uhrzeit an diesem Montagabend sind wir allerdings etwas dankbar, dass es z\u00fcgig vorangeht. Der Saal ist jedenfalls schon sehr gut gef\u00fcllt, das Publikum besteht aus einem erweiterten Kreis Metal-affiner Menschen verschiedenster Altersschichten und leichtem Hipster-Faktor.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nIn Hamburg sind es zun\u00e4chst Alcest, die die B\u00fchne betreten. Mastermind Neige, der im Studio lange Zeit alle Instrumente selbst einspielte, \u00fcbernimmt live die Rhythmusgitarre und den Leadgesang. Als Frontmann mag man den sch\u00fcchternen Franzosen kaum bezeichnen, doch seine zur\u00fcckhaltende Art gewinnt allerorten Sympathie. Bescheidene Ansagen zwischen den Liedern, mehr gibt es nicht an Interaktion. Doch das braucht es auch \u00fcberhaupt nicht.<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_7681\" aria-describedby=\"caption-attachment-7681\" style=\"width: 620px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-7681 size-medium\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/hamburg\/files\/2016\/11\/amono2-620x460.png\" width=\"620\" height=\"460\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/hamburg\/files\/2016\/11\/amono2-620x460.png 620w, https:\/\/blog.zeit.de\/hamburg\/files\/2016\/11\/amono2-768x569.png 768w, https:\/\/blog.zeit.de\/hamburg\/files\/2016\/11\/amono2-1024x759.png 1024w, https:\/\/blog.zeit.de\/hamburg\/files\/2016\/11\/amono2.png 1152w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-7681\" class=\"wp-caption-text\">Bassistin Tamaki Kunishi von Mono<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Die Musik spricht f\u00fcr sich: Alcest spannen zarte Gitarrensaiten und Stimmb\u00e4nder zwischen Hoffnung und Melancholie und wieder zur\u00fcck. Effektvoll zu volumin\u00f6sen Sound-W\u00e4nden erhoben, atmet der Klang den Geist von Manchester-Shoegaze der 1980er. Lediglich sparsam eingesetzte Blastbeats und seltene Schreie erinnern daran, dass Alcest ihre Laufbahn mit Black Metal begonnen haben. Songtitel wie <em>L\u00e0 o\u00f9 naissent les couleurs nouvelles<\/em>, &#8222;Wo die neuen Farben geboren werden&#8220;, ermuntern beinahe, das eingerostete Schulfranz\u00f6sisch noch mal aufzupolieren.<\/p>\n<p>Mit atmosph\u00e4rischer Wucht f\u00fchlt man sich vom D\u00e4mmerlicht der B\u00fchne in eine Anderswelt gezogen \u2013 ein intensives Erlebnis. Nicht wenige Menschen im Publikum wirken v\u00f6llig gebannt von der Klangkunst, bemerkenswert viele bewegen sich zur vertr\u00e4umten Musik.<\/p>\n<p>Nach etwa 75 Minuten r\u00e4umen Alcest die B\u00fchne, es ist schon sp\u00e4t. Dennoch sollte man sich Mono nicht entgehen lassen, die nun den Abend beschlie\u00dfen. Die vier JapanerInnen spielen Post-Rock, der v\u00f6llig ohne Gesang auskommt \u2013 ob das wohl gelingen wird?<\/p>\n<p>Es wird! Kunstvoll errichten die Tokioter regelrecht Monumentalbauten aus Sound, arbeiten sich rhythmisch immer weiter in die H\u00f6he, w\u00e4hrend die beiden (sitzenden!) Gitarristen in hypnotischer Extase Riff um Riff auft\u00fcrmen. Laut- und Leise-Schwankungen, ein gekonnt eingesetztes Effekt-Register \u2013 das scheint von vorn bis hinten durchdacht, ohne verkopft zu klingen.<\/p>\n<p>Eine richtige Frontperson fehlt bei Instrumentalmusik nat\u00fcrlich, doch Bassistin Tamaki Kunishi, mittig postiert im wei\u00dfen Kleid, ist zweifellos die auff\u00e4lligste Person. Nicht nur optisch, auch akustisch setzt sie Akzente: Mit dem Piano wei\u00df Kunishi ebenfalls umzugehen, w\u00e4hrend das Licht einzig auf sie f\u00e4llt. Dass Gitarrenmusik ganz ohne Gesang so spannend sein kann! Leider l\u00e4sst die derart sp\u00e4te Stunde nicht zu, dass wir den gesamten Auftritt von Mono verfolgen k\u00f6nnen \u2013 hier fragt man sich nochmals, warum ein Konzert am Montagabend nicht fr\u00fcher beginnen kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf Co-Headliner-Tour verzaubern Alcest und Mono Europa mit intensiv-vertr\u00e4umtem Sound. Unser Autor lie\u00df sich im Uebel &amp; Gef\u00e4hrlich in Gitarrenw\u00e4nde einmauern. &#8222;Post-&#8220; ist zwar ein inflation\u00e4r gebrauchtes Pr\u00e4fix f\u00fcr Musik aus der Rock-Ecke, doch nicht selten steckt hohe Qualit\u00e4t dahinter. 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