{"id":7748,"date":"2016-12-05T14:32:59","date_gmt":"2016-12-05T13:32:59","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/hamburg\/?p=7748"},"modified":"2016-12-05T15:00:57","modified_gmt":"2016-12-05T14:00:57","slug":"st-pauli-kaiserslautern-millerntor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/hamburg\/st-pauli-kaiserslautern-millerntor\/","title":{"rendered":"Da hilft nur das Phrasenschwein"},"content":{"rendered":"<p><em>Trotz reichlich Schwung hat gegen Kaiserslautern die beste Saisonleistung nicht zum Sieg gereicht. Und die Konkurrenz hat auch gewonnen. Deshalb wird&#8217;s nun abgedroschen.<\/em><\/p>\n<p>Es gibt auf vielen Konferenztischen ein S\u00e4ugetier aus Porzellan. Sein Name ist Phrasenschwein. Gef\u00fcttert wird es normalerweise mit f\u00fcnf Euro \u2013 immer dann, wenn einer in komplexen Diskussionen dem Niveau nicht gewachsen ist und daher zu einer abgedroschenen Phrase greift. Phrasen haben oft eine d\u00fcmmliche, peinliche Note, deswegen die Geldstrafe. Aber es gibt Momente, da darf man um Nachsicht bitten. Wir w\u00fcrden gerne, ohne f\u00fcnf Euro zahlen zu m\u00fcssen, in unserer Analyse zum letzten Spiel von St. Pauli eine Phrase dreschen. Sie lautet so: &#8222;Nur ein Tor hat gefehlt.&#8220;<\/p>\n<p>Es war wirklich das einzige, woran es uns am Freitagabend elementar mangelte. Die Partie gegen den 1. FC Kaiserslautern endete 0:0. Wie nie zuvor trifft die Binse hier exakt den Punkt. Sie ist gerechtfertigter als bei fr\u00fcheren Gelegenheiten in der deutschen Fu\u00dfballwelt, als zum Beispiel Martin Oslislo, der Trainer von SpVgg Osterhofen-Altenmarkt aus der Landesliga Mitte, nach dem 0:0 gegen Ettmannsdorf im November 2015 behauptet hatte: &#8222;Das einzige, was fehlte, war das Tor!&#8220; Oder als Fabian Lustenberger von Hertha BSC im Februar 2016 meinte: &#8222;Das zweite Tor hat gefehlt.&#8220; Oder als Manuel Neuer k\u00fcrzlich nach dem WM-Qualispiel gegen Tschechien reflektierte: &#8222;Da hat nur das dritte Tor gefehlt.&#8220; Oder als Huub Stevens im November 2015 als Hoffenheim-Trainer verlautbarte: &#8222;Das vierte Tor hat gefehlt.&#8220;<!--more--><\/p>\n<p>Am Freitag war (fast) alles da. Wir trafen zweimal Aluminium, einmal per Kopf, einmal per Fu\u00df. Wir sahen auffallend wenig hohe B\u00e4lle. Wir durften beobachten, wie ein gerade mal 20-j\u00e4hriger Richard Neudecker in die Rolle des Spielmachers und Vork\u00e4mpfers hineinw\u00e4chst. Unser eingewechselter Ersatztorh\u00fcter Philipp Heerwagen parierte einen Elfer, indem er seinen Gegner Zolt\u00e1n Stieber zwang, daneben zu schie\u00dfen. Ewald Lienen attestierte seiner Mannschaft im Nachhinein: &#8222;Sie hat alles investiert.&#8220; Und auch das Publikum produzierte, als es merkte, dass an diesem Abend endlich etwas anders war, wieder einmal so viele Dezibel, dass sogar die Lautern-Spieler schwer beeindruckt waren: &#8222;Die Stimmung war der Hammer&#8220;, sagte Robin Koch. &#8222;Die Stimmung am Millerntor war grandios&#8220;, sprach Lukas G\u00f6rtler.<\/p>\n<p>Kann man zufrieden sein, wenn &#8222;nur&#8220; ein Tor fehlt? Sollte man sich mit Lienen nach elf sieglosen Spielen hintereinander \u00fcber das &#8222;winzig kleine Zeichen&#8220; freuen? Soll man den Optimismus von Lasse Sobiech teilen, der nach k\u00e4mpferischer, aber vom Fu\u00dfballgott knauserig belohnten Leistung bemerkte, dass uns &#8222;irgendwann auch mal wieder ein Tor gelingen wird&#8220;?<\/p>\n<p>Einen Punkt gut gemacht auf die Konkurrenz. Dar\u00fcber haben wir uns am Freitag ein bisschen gefreut. Aber leider brauchen wir heute starke Argumente, um bei unserer Meinung zu bleiben. Denn die Spielverl\u00e4ufe vom Samstag und vom Sonntag belegen eine weitere Binsenwahrheit: Mit einem Punkt kommt man der Konkurrenz nur einen Punkt n\u00e4her, wenn diese nicht punktet.<\/p>\n<p>Ausgerechnet das ist passiert. W\u00e4hrend wir am 15. Spieltag ein P\u00fcnktchen knabberten, schlugen sich Arminia Bielefeld und 1860 M\u00fcnchen ihre Ranzen mit Dreiern voll. Deren Gegnern hat nicht nur &#8222;ein Tor gefehlt&#8220;, sondern zwei zum Sieg. Schaut man daher am Ende dieses Spieltags auf die Tabelle, braucht man stabile Nerven. Der Blick auf die Rangliste sagt uns: Der Gewinn eines Punktes bedeutet, dass unser R\u00fcckstand und unsere Probleme gr\u00f6\u00dfer geworden sind.<\/p>\n<p>Dies ist die rein rechnerische Sicht der Dinge. Wer allerdings das Spiel am Freitag gesehen hat, muss sich vom j\u00fcngsten Wachsen der Abst\u00e4nde nicht zwingend aus der Ruhe bringen lassen. Der Abstand zum Sieg ist schlie\u00dflich kleiner geworden. Der Optimismus ein wenig gr\u00f6\u00dfer. Und endlich konnte man es wieder mal h\u00f6ren nach dem Spiel, ohne dass es deprimierend oder verzweifelt klang: &#8222;You&#8217;ll Never Walk Alone!&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Trotz reichlich Schwung hat gegen Kaiserslautern die beste Saisonleistung nicht zum Sieg gereicht. Und die Konkurrenz hat auch gewonnen. Deshalb wird&#8217;s nun abgedroschen. Es gibt auf vielen Konferenztischen ein S\u00e4ugetier aus Porzellan. Sein Name ist Phrasenschwein. 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