{"id":8004,"date":"2017-02-24T14:11:23","date_gmt":"2017-02-24T13:11:23","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/hamburg\/?p=8004"},"modified":"2017-02-24T14:11:31","modified_gmt":"2017-02-24T13:11:31","slug":"fc-st-pauli-marketing-fans-fussball","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/hamburg\/fc-st-pauli-marketing-fans-fussball\/","title":{"rendered":"St. Pauli braucht keinen Fu\u00dfball mehr"},"content":{"rendered":"<p><em>Was w\u00e4re, wenn am Millerntor nicht mehr gekickt w\u00fcrde? Ganz einfach: Dann lebt der Club eben vom Mythos seiner widerspenstigen Fanszene. Den kennen sogar Trump-Gegner.<\/em><\/p>\n<p>In letzter Zeit l\u00e4uft es sportlich ja wieder etwas runder beim\u00a0FC St. Pauli. Trotzdem kann einem diese Saison\u00a0schon angst und bange werden, wenn man an die Zukunft des Vereins denkt. Ich mache mir allerdings\u00a0keine Sorgen mehr um meinen Kiezklub, selbst wenn er noch so schlecht Fu\u00dfball spielt. Und das liegt an einem Gespr\u00e4ch, das ich vor einigen Wochen mit Willi gef\u00fchrt habe, meinem Nebensteher auf der Gegengeraden.<\/p>\n<p>Der FC St. Pauli hatte mal wieder ein Heimspiel verloren, obwohl die Kiezkicker gut gespielt und sich ein Unentschieden verdient hatten. Ich stand\u00a0mit Willi vor der Domsch\u00e4nke, als dieser einen denkw\u00fcrdigen Vorschlag machte, vermutlich, um mich aufzuheitern: &#8222;Wenn St. Pauli absteigt, dann k\u00f6nnen wir uns eigentlich auch ganz vom Spielbetrieb abmelden. Dann k\u00f6nnten wir am Millerntor Konzerte veranstalten. Bei denen kann man nicht verlieren, nur gewinnen&#8220;, sagte er.<!--more--><\/p>\n<p>So weit hergeholt, wie er mir auf den ersten Blick erschien, ist der Gedanke gar nicht. Zwar will niemand beim FC St. Pauli die Profimannschaft aufgeben, energisch arbeiten alle Angestellten vom Pr\u00e4sidenten bis zum Greenkeeper am Klassenerhalt. Auch im Falle eines Abstiegs w\u00fcrden am Millerntor die Flutlichter nicht ausgehen, da bin ich mir sicher. Der Gedanke aber, dass hinter St. Pauli mehr steckt als Fu\u00dfball, ist es wert, weitergedacht zu werden.<\/p>\n<p>Der Klub, besser der Mythos St. Pauli, hat weltweit sch\u00e4tzungsweise elf Millionen Sympathisanten. Beim Verkauf der <a href=\"https:\/\/www.stpaulinu.de\/st-pauli-links\/es-ist-herbst-hoodie-zeit\">Totenkopf-Shirts<\/a>, dem offiziellen Merchandise, steht der Klub auf einem Tabellenplatz, der zur Teilnahme an internationalen Wettbewerben berechtigt. Mit dem sportlichen Erfolg des Klubs ist das nicht zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_2168\" aria-describedby=\"caption-attachment-2168\" style=\"width: 220px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.stpaulinu.de\/tag\/jolly-roger\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2168 size-thumbnail\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/hamburg\/files\/2014\/09\/image-220x220.jpg\" width=\"220\" height=\"220\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2168\" class=\"wp-caption-text\">Foto: <a href=\"https:\/\/www.stpaulinu.de\/tag\/jolly-roger\">&#8222;Jolly Roger aufgehisst&#8220;<\/a>, Erik Hauth<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Der Jolly Roger ist auf jeder linken Demo zu sehen; in der Schanze genauso wie in Athen oder in New York, wo St. Pauli T-Shirts derzeit bei Trump-Gegnern gerade sehr en vogue sind. Es geh\u00f6rt zum Gr\u00fcndungsmythos der Marke St. Pauli, dass der Verein\u00a0eine eindeutig linke politische Haltung einnimmt. Die Mitglieder des FC St. Pauli engagieren sich f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge, organisieren namhafte Kunstausstellungen wie die Millerntor Gallery und legen sich regelm\u00e4\u00dfig mit dem politischen Establishment an. Diese Haltung hat sich herumgesprochen und St. Paulis\u00a0Totenkopf bekannt gemacht \u2013 auch international.<\/p>\n<p>Im vergangenen Herbst ist der <a href=\"https:\/\/www.stpaulinu.de\/international-st-pauli\/fc-st-pauli-shop-goes-usa\" target=\"_blank\">US-Shop des FC St. Pauli<\/a> online gegangen. Begleitet wurde der Start der Tour einer Punkband durch die USA. Einen Bezug zum Bundesliga-Fu\u00dfball sucht man vergebens. St. Pauli funktioniert in den USA einzig \u00fcber den Mythos seiner widerspenstigen Fanszene. Kein Wunder, dass der amerikanische Partner der Kiezkicker ein Spezialvermarkter f\u00fcr Rockbands ist.<\/p>\n<p>Der FC St. Pauli ist mit den Verkaufszahlen der ersten drei Monate hoch zufrieden, erz\u00e4hlte mir ein Vereinsmitarbeiter k\u00fcrzlich. Der Umsatz \u00fcbersteige den von etablierten Champions-League-Teilnehmern deutlich, freut man sich am Millerntor.<\/p>\n<h3>St. Paulis Totenkopf ist in der Popkultur angekommen<strong><br \/>\n<\/strong><\/h3>\n<p>Zumindest in den USA ist Willis Vision also schon Wirklichkeit. Der Totenkopf, der aus der Hamburger Hafenstra\u00dfe einst seinen Weg ans Millerntor fand, ist l\u00e4ngst zur Popikone geworden. In einer Linie mit Che Guevaras Antlitz und Kurt Cobains Konterfei.<\/p>\n<p>Der Vorteil f\u00fcr den FCSP liegt auf der Hand: Es gibt keinen Abstieg aus der Rock &#8217;n&#8216; Roll-Liga, zumindest keinen sportlichen. Da liegt der Gedanke doch nahe, den Erfolg aus den Vereinigten Staaten auch ans Millerntor zu \u00fcbertragen.<\/p>\n<p>Ein Gedankenexperiment: Der FC St. Pauli hat die Genehmigung f\u00fcr 19 Veranstaltungen im Jahr. Das sind derzeit die 18 Heimspiele, plus ein Spiel f\u00fcr die m\u00f6gliche Relegation. Wenn ich mir vorstelle, dass diese Termine statt mit dr\u00f6gem Gekicke mit Konzerten und Happenings ausgef\u00fcllt werden w\u00fcrden, mache ich mir pl\u00f6tzlich keine Sorgen mehr. Der Gedanke reizt mich sogar.<\/p>\n<p>Es ist mir traditionell beinahe egal, in welcher Liga der magische FC St. Pauli spielt, das habe ich mit vielen Anh\u00e4ngern gemein. Dass es mir nun auch einerlei sein k\u00f6nnte, ob er \u00fcberhaupt noch Fu\u00dfball spielt, ist dank Willis Kommentar zur letzten Heimniederlage zumindest vorstellbar. Der Stress, der traditionelle Fu\u00dfballanh\u00e4nger bei einem drohenden Abstieg bef\u00e4llt, wird nun besser zu ertragen sein.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df nun: Zur Not spielen wir auf St. Pauli eben Bassgitarre statt Steilpass.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was w\u00e4re, wenn am Millerntor nicht mehr gekickt w\u00fcrde? Ganz einfach: Dann lebt der Club eben vom Mythos seiner widerspenstigen Fanszene. Den kennen sogar Trump-Gegner. 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