{"id":8313,"date":"2017-05-08T17:05:54","date_gmt":"2017-05-08T15:05:54","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/hamburg\/?p=8313"},"modified":"2017-05-08T18:26:51","modified_gmt":"2017-05-08T16:26:51","slug":"lkb-g-ausstellung-afrika","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/hamburg\/lkb-g-ausstellung-afrika\/","title":{"rendered":"Mit Afro-Pop in den globalen S\u00fcden"},"content":{"rendered":"<p><em>Die Galerie LKB\/G will zeitgen\u00f6ssische Kunst aus Entwicklungsl\u00e4ndern zeigen. In der ersten Ausstellung stammt sie aus Afrika und wird pr\u00e4sentiert in l\u00e4ssiger Atmosph\u00e4re.<\/em><\/p>\n<p>F\u00fcr den kunstaffine Hamburger gibt es seit Freitagabend einen neuen Hotspot: die LKB\/G Galerie, gelegen in der Neustadt. Er\u00f6ffnet wurde sie mit der Ausstellung <em>Arising African Perspectives<\/em>. Doch die Kunst stand zun\u00e4chst gar nicht so sehr im Fokus. Ein DJ legte fr\u00f6hlichen Afro-Pop auf, die vielen Besucher unterhielten sich lautstark und versorgten sich mit Snacks. W\u00e4re da nicht das helle Licht gewesen, man h\u00e4tte sich glatt auf einer Wohnzimmerparty w\u00e4hnen k\u00f6nnen. Erst nach und nach gew\u00f6hnte man sich an das Gedr\u00e4nge in dem kleinen Raum. Und irgendwann konnte man sich tats\u00e4chlich auf die Bilder an der Wand einlassen, die von K\u00fcnstlern aus S\u00fcdafrika, Ghana und Ostafrika stammen.<\/p>\n<p>Die Galerie LKB\/G hat es sich zur Aufgabe gemacht, multikulturelle, zeitgen\u00f6ssische Kunst aus dem globalen S\u00fcden zu zeigen. Aus Entwicklungsl\u00e4ndern und politisch oder wirtschaftlich benachteiligten Staaten. Galerist Lars Kristian Bode \u2013 der kryptisch anmutende Galeriename steht f\u00fcr seine Initialen \u2013 will mit der Neugr\u00fcndung nicht nur eine Plattform f\u00fcr den Kunstkauf bieten, sondern auch einen kulturellen Dialog initiieren. Eine zweite Ausstellung mit kubanischen K\u00fcnstlern ist bereits geplant.<!--more--><\/p>\n<p>Doch erst einmal geht es nach Afrika. Gleich links an der L\u00e4ngswand des Galerieraums er\u00f6ffnen gro\u00dfformatige Arbeiten des Ghanaers Gideon Appah die Ausstellung. Texturintensive <em>Scrawl Paintings<\/em>, die wirken, als h\u00e4tte sich jemand an einer zigmal \u00fcberklebten Litfa\u00dfs\u00e4ule zu schaffen gemacht, an Posterresten und Graffiti. Tats\u00e4chlich l\u00e4sst sich Appah von Lotto-Kiosken in der ghanaischen Hauptstadt Accra inspirieren. Die urbanen Texturen seiner Bilder entstehen durch eine Kratzmethode, er bearbeitet die Oberfl\u00e4chen seiner Werke so, dass die unterliegenden Farbschichten ans Licht kommen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-8317\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/hamburg\/files\/2017\/05\/DSC_0786-620x413.jpg\" alt=\"\" width=\"620\" height=\"413\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/hamburg\/files\/2017\/05\/DSC_0786-620x413.jpg 620w, https:\/\/blog.zeit.de\/hamburg\/files\/2017\/05\/DSC_0786-768x512.jpg 768w, https:\/\/blog.zeit.de\/hamburg\/files\/2017\/05\/DSC_0786-1024x683.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/p>\n<p>Neben den Kiosk-Bildern sticht eine Arbeit besonders ins Auge, sie tr\u00e4gt den Titel <em>Akosua standing between the Clouds and the Corridor. <\/em>Zu sehen ist eine Frauenfigur mit dunkler Haut, Tropenhut und wei\u00dfem Kittel neben einer Staffelei, auf der das Foto einer afrikanischen Familie angebracht ist. Eine r\u00e4tselhafte Szenerie. Wof\u00fcr stehen die Wolken und der Korridor? Und was soll die Katze oben im Bild?<\/p>\n<p>Eindeutiger politisch sind die Werke von Mxolisi Vusi Beauchamp an der gegen\u00fcberliegenden Galeriewand. Der S\u00fcdafrikaner betitelt seine Bilder sarkastisch-sozialkritisch, beispielsweise mit <em>Freedom is eating us<\/em>. Hauptdarsteller seiner expressiven Bilder sind \u00fcberzeichnete Gestalten mit \u00fcbergro\u00dfen Lippen, dunkler Haut und runden Augen \u2013 eine Anspielung auf rassistische Cartoon-Stereotype aus der ersten H\u00e4lfte des vergangenen Jahrhunderts.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8318 size-medium\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/hamburg\/files\/2017\/05\/SAM_0612-620x413.jpg\" alt=\"\" width=\"620\" height=\"413\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/hamburg\/files\/2017\/05\/SAM_0612-620x413.jpg 620w, https:\/\/blog.zeit.de\/hamburg\/files\/2017\/05\/SAM_0612-768x512.jpg 768w, https:\/\/blog.zeit.de\/hamburg\/files\/2017\/05\/SAM_0612-1024x683.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/p>\n<p>Dritte im Bunde ist Io Makandal, die ebenfalls aus S\u00fcdafrika stammt. Ihre zarten, kleinformatigen Werke h\u00e4ngen an der hinteren Galeriewand. Titel wie <em>Micro View<\/em>, <em>Cell<\/em> und <em>Entropy Landscape<\/em> wecken naturwissenschaftliche Assoziationen und auch die unregelm\u00e4\u00dfigen Striche und abstrakten geometrischen Formen ihrer Mixed-Media-Zeichnungen erinnern an Pflanzenzellen unter dem Mikroskop.<\/p>\n<p>Die Ausstellung beschr\u00e4nkt sich aber nicht auf die drei K\u00fcnstler. Die Galerie LKB\/G zeigt dar\u00fcber hinaus Werke aus Ostafrika, die k\u00fcrzlich schon einmal in der Millerntor Gallery zu sehen waren, einer bereits etablierten Hamburger Off-Institution.<\/p>\n<p>Dass eine Galerie in Hamburg mit einer Gruppenausstellung afrikanischer K\u00fcnstler er\u00f6ffnet, liegt angesichts der finsteren Kolonialgeschichte der Stadt nahe. Lange bevor 1884\/1885 deutsche Kolonien in Afrika und im Pazifik entstanden, gr\u00fcndeten Hamburger Kaufleute bereits Handelsst\u00fctzpunkte in \u00dcbersee, sogenannte Faktoreien. An der afrikanischen K\u00fcste hatten sie Teil am Menschenhandel und der Ausbeutung der dortigen Einwohner, w\u00e4hrend der Handel und die Verarbeitung von afrikanischen Rohstoffen wie Palm\u00f6l und Kautschuk zum Reichtum der Hansestadt beitrugen. Und noch heute finden sich Spuren der Kolonialzeit in Hamburg, man denke nur an das Afrika-Haus in der Gro\u00dfen Reichenstra\u00dfe oder an den umstrittenen Tansania-Park mit kolonialrevisionistischen Denkm\u00e4lern aus der NS-Zeit in Jenfeld.<\/p>\n<p>Diese Hamburger Vergangenheit schwingt in der Ausstellung nat\u00fcrlich mit, sie taucht aber nicht direkt auf. Die jungen afrikanischen K\u00fcnstler besch\u00e4ftigen sich teilweise mit der Geschichte ihrer Heimatl\u00e4nder, ihre Kunst ist aber auch nach vorn gerichtet und kosmopolitisch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Galerie LKB\/G will zeitgen\u00f6ssische Kunst aus Entwicklungsl\u00e4ndern zeigen. 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