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Die Welt auf dem Weg in die Deflation

 

Anleger müssen sich darauf einstellen, dass die Inflationsraten bei den Verbraucherpreisen auf Jahre hinaus sehr niedrig bleiben werden und mit ihnen die Leitzinsen in den Industrieländern. Disinflation und Deflation sind inzwischen weltweite Phänomene, weil das globale Sozialprodukt langsamer zunimmt als das potenzielle. Insgesamt gibt es daher beträchtliche freie Kapazitäten, auch am Arbeitsmarkt. Preiskämpfe sind die Folge. Für’s Erste ist es nicht mehr nötig, sich gegen das Risiko steigender Inflationsraten zu schützen.

Sogar in den USA kann in diesem Jahr damit gerechnet werden, dass die Verbraucherpreise gegenüber dem Durchschnitt von 2014 eher leicht fallen als steigen werden, und das trotz robusten Wirtschaftswachstums. Im Euroland lag das Preisniveau zuletzt um 0,2 Prozent unter seinem Vorjahreswert. Nach den Frühindikatoren wie Wachstum, Arbeitslosigkeit, Einfuhrpreise oder industrielle Erzeugerpreise zu urteilen kann es 2015 bei negativen Inflationsraten bleiben. Es muss beunruhigen, dass selbst in China, der Wachstumslokomotive der Welt, die Preise mit Raten von weniger als zwei Prozent zunehmen.

In den OECD-Ländern werden die Notenbanken bei ihrer Nullzinspolitik bleiben. Ich halte es sogar für wenig wahrscheinlich, dass die Fed, wie allgemein erwartet, bereits in diesem Jahr die Zinsen erhöhen wird – der starke Dollar wirkt bereits recht restriktiv. Die Renditen der Staatsanleihen sind im vergangenen Jahr angesichts der Inflationsaussichten und der expansiven Geldpolitik stark gefallen. Trotzdem gibt es noch Luft nach unten, vor allem bei den Anleihen der USA und der Länder in der Peripherie des Euroraums. Noch sind die europäischen Renditespreads größer als vor dem Ausbruch der Finanzkrise, dabei hat das Risiko stark abgenommen, dass der Euro scheitern wird. Das institutionelle Sicherheitsnetz ist in den vergangenen Jahren durch die zentralisierte Bankenaufsicht und den Europäischen Stabilitätsmechanismus entscheidend verstärkt worden, zudem auch durch die Aussage von Mario Draghi, dass die EZB alles tun werde, damit der Euro stabil bleibt – es fehlt der EZB ja nicht an finanzieller Feuerkraft. Griechenland wird Mitglied der Währungsunion bleiben.

Ich denke, der größte Teil der Euroabwertung liegt vor allem aus den vier folgenden Gründen hinter uns:

  1. Durch den Verfall der Energiepreise kommt es zu einem Kaufkraftschub, der das Wachstum anschiebt.
  2. Die preisliche Wettbewerbsfähigkeit europäischer Firmen hat sich stark verbessert, so dass der Außenbeitrag und damit die Endnachfrage höher ausfallen werden als erwartet.
  3. Die Finanzpolitik wird der Tendenz nach endlich weniger restriktiv: In Deutschland gibt es inzwischen Haushaltsüberschüsse, die Auflagen für Griechenland dürften gelockert werden, und insgesamt wird sich angesichts der weitverbreiteten Anti-Euro-Bewegungen die Erkenntnis durchsetzen, dass die Sparpolitik nicht übertrieben werden sollte.
  4. Vermutlich werden auch die sogenannten geopolitischen Spannungen nachlassen: Russland wird erkennen, dass weitere Gebietserorberungen in der Ukraine kontraproduktiv sind.

Wo der Ölpreis seinen Boden finden wird, ist nur schwer abzuschätzen. Wenn er wie 2008/2009 am Ende um vier Fünftel fallen sollte, könnte der Wendepunkt bei 23 Dollar liegen. Andererseits halte ich selbst ein Niveau von 60 Dollar für hoch – es bedeutet nämlich, dass die Barrelpreise in den vergangenen zehn Jahren um durchschnittlich mehr als 10 Prozent pro Jahr gestiegen wären, also viel rascher als das nominale Sozialprodukt der Welt. Es gibt zurzeit eher einen Überschuss als einen Mangel an Energie.

Dass sich die Aktienmärkte so gut halten, trotz Deflation und moderatem Wachstum, hat vor allem damit zu tun, dass die Anleiherenditen vielfach nicht mehr attraktiv sind – die Rendite zehnjähriger Schweizer Anleihen ist inzwischen auf -0,07 Prozent gesunken, die der Bundesanleihen auf +0.46 Prozent. Dividendenrenditen sind deutlich höher. Wie fast immer, sind europäische Aktien nach mehreren Kriterien deutlich billiger als amerikanische – Anleger sind bereit, für den besonderen Status der US-Unternehmen eine Prämie zu zahlen. Ich vermute, dass sich die Differenz gegenüber europäischen Aktien vermindern wird, wenn es im Verlauf des Jahres wieder bessere Wirtschaftsnachrichten von dieser Seite des Atlantiks gibt.

Ausführliches zur wirtschaftlichen Entwicklung in den USA und Euroland, den Effekten des Ölpreisverfalls und den Aussichten bei Aktien, Anleihen und Wechselkursen finden Sie in meinem neusten Investment Outlook:

Wermuth’s Investment Outlook – Deflation is here, January 2015*) (pdf, 562 KB)

*) Der Investment Outlook von Dieter Wermuth ist in englischer Sprache verfasst und wird im Herdentrieb in loser Folge zum Herunterladen bereitgestellt. (UR)

279 Kommentare

  1.   Dietmar Tischer

    @ Michael Stöcker # 275

    Nachtrag:

    Die richtige Darlegung (Differenzierung) von Bernanke, dass die Fed mit ihrer Zinspolitik die Zinsen nur am kurzen Ende beeinflussen kann, nicht aber die am langen, die für INVESTITIONSENTSCHEIDUNGEN maßgebend sind, trifft nicht den Punkt.

    Erstens treffen private Haushalte keine Investitionsentscheidungen, wenn sie sich für Konsumzwecke verschulden.

    Zweitens war auch die Immobilienfinanzierung, die zur Subprime-Krise geführt hat, nicht nach Kriterien für Investitionen ausgelegt: Die Leute bekamen Post mit „Ihre Finanzierung ist genehmigt“ zu niedrigen variablen Zinsen, deren Entwicklung meistens am Libor orientiert war. Genau dies war das Kriterium: NIEDRIGE Zinsen, die eine Bedienung des Kredits für den Hauskauf tragbar erscheinen ließen.

    Kurzum:

    Die Subprime-Krise basiert (auch) auf den extrem niedrigen Zinsen am kurzen Ende, für die die Fed verantwortlich ist. Dies unabhängig davon, dass der mit obiger Finanzierung – in vielen Fällen auch noch ohne Eigenkapitaleinsatz – in ganggesetzte Herdentrieb zu einer Spekulationsblase geführt hat.

    Nun kann man sagen:

    Was hier geschehen ist, war MISSBRAUCH des Zinsniveaus am kurzen Ende.

    Obwohl es dies war, ändert es NICHTS daran, dass die extrem niedrigen Zinsen eine Bedingung dafür waren, dass dieser Missbrauch stattfinden konnte und insoweit die Zinspolitik der Fed eine URSÄCHLICHE Bedeutung für die Misere hat.

  2.   Tiefenwahn

    Übrigens scheint sich jetzt Island dazu entschlossen zu haben, die Schaffung neuen Geldes von den Banken wegzunehmen und ausschließlich der zentralbank zu überlassen.Siehe etwa
    theautomaticearth.com/2015/03/iceland-to-take-back-the-power-to-create-money/

    Bin mal gespannt, wie das ausgeht.

  3.   Dietmar Tischer

    @ Michael Stöcker #275

    >Gängig unter Mainstream-Ökonomen: OK. Monetäre Schwergewichte differenzieren.>

    Mainstream-Ökonomen, zu denen auch „monetäre Schwergewichte“ gehören, differenzieren ebenfalls.

    Schwergewicht Bernanke:

    „But what matters most for the economy is the real, or inflation-adjusted, interest rate (the market, or nominal, interest rate minus the inflation rate). The real interest rate is most relevant for capital investment decisions, for example. The Fed’s ability to affect real rates of return, especially longer-term real rates, is transitory and limited. Except in the short run, real interest rates are determined by a wide range of economic factors, including prospects for economic growth—not by the Fed.”

    Ich kenne keinen, der dem widersprechen würde und auch nicht dem:

    >The best strategy for the Fed I can think of is to set rates at a level consistent with the healthy operation of the economy over the medium term, that is, at the (today, low) equilibrium rate. There is absolutely nothing artificial about that! Of course, it’s legitimate to argue about where the equilibrium rate actually is at a given time, a debate that Fed policymakers engage in at their every meeting.>

    Wo ist hier die Aussage, dass die Fed die Zinsen nicht zu tief gesetzt hat und diese nichts zur Subprime-Krise beigetragen haben?

    Bernanke trifft keine derartige Aussage und „best strategy“ kann selbstverständlich nicht angemessene Zinsentscheidungen beinhalten.

    >Risikoaufschläge konnten gerade nicht entfallen! Schlechte Schuldner zahlen immer höhere Zinsen als gute Schuldner.>

    Falsche Aussage, falsche Begründung:

    Selbstverständlich konnten und sind Risikoaufschläge entfallen, nämlich diejenigen, die das Abwertungsrisiko abgedeckt haben. Wenn es keines mehr gibt für die Länder, die in der Währungsunion waren, gibt es auch nicht mehr DIESE Risikoaufschläge. Dies hat nichts damit zu tun, dass schlechte Schuldner immer höhere Zinsen als gute Schuldner zahlen. Griechenland und Italien z. B. haben in der Währungsunion bis zur Krise immer einen Tick mehr Zinsen als Deutschland bezahlt (was sie im Renditewettbewerb so attraktiv gemacht hat), aber eben DEUTLICH weniger als in der Zeit als sie noch nicht in der Währungsunion waren. Das ist der Punkt.

    >Schlechte Schuldner zahlen immer höhere Zinsen als gute Schuldner. Diesen Grundsatz solider Kreditvergabe hat man aber wohl der kurzfristigen Renditeoptimierung geopfert. Dies ist das konstituierende Merkmal des Neoliberalismus>

    Ich glaube nicht, dass man diesen Grundsatz der Kreditvergabe der kurzfristigen Renditeoptimierung geopfert hat.

    Meine Sicht:

    Der Renditewettbewerb, der in der Tat ein sich wiederholender kurzfristiger ist, hat bei aufgeblähtem Bankensektor und niedrigen Zinsen (siehe Bernanke-Schaubild ab ca. 1985, nicht Fed-bedingt) zu einer extremen AUSWEITUNG der Kreditvergabe, insbesondere an die privaten Haushalte für Konsum, geführt. Dabei konnte und hat man mit den Konditionen sicher zwischen guten und schlechten Schuldnern unterschieden, aber vermutlich INSGESAMT die Solidität vernachlässigt, d. h. das Bonitätsrisiko bei allen Schuldnern zu gering eingeschätzt im Rattenrennen, die Bilanzsumme schnell sehr zu erhöhen.

    >Aber dieser Mangel entlässt keinen aus seiner persönlichen Verantwortung im Sinne des kategorischen Imperativs.>

    Richtig, auch wenn es nicht gleich der kategorische Imperativ sein muss. Ich habe Verantwortung nicht ausgeschlossen, sondern ausdrücklich darauf verwiesen.

    >Ich möchte Sie nicht widerlegen, sondern zusätzliche Aspekte und alternative Perspektiven in die Diskussion einbringen.>

    Tun Sie das.

    Mich interessiert gleichwohl, was richtig und falsch ist, selbstverständlich auch, was meine Auffassungen betrifft.

    @ rjmaris # 276

    >Dann kann man zwar hervorheben, dass das Verfolgen eines Zieles nichts mit Verantwortungslosigkeit zu tun hat, aber dass das aus den Augen verlieren der Risiken bei der Erreichung der Ziele schon Verantwortungslos ist! Jedenfalls in Bezug zu den Gläubigern (Einlegern).>

    Sie unterstellen, dass die Banker die Risiken aus den Augen verloren haben.

    Wenn das so war, dann haben sie in der Tat verantwortungslos gehandelt und zwar nicht nur in Bezug auf die Einleger, sondern auch in Bezug auf die Eigner der Bank und – meistens übersehen – auch mit Bezug auf die SCHULDNER. Wenn ein Banker einem Kreditnachfrager keinen Kredit gibt, ist das die WICHTIGSTE Information, die ein potenzieller Schuldner erhalten kann: Es ist ein Warnsignal, d. h. eine Aufforderung, seine Verschuldungsfähigkeit zu überdenken.

    Die Frage ist:

    Haben die Banker das Risiko aus den Augen verloren oder haben sie es „nur“ falsch eingeschätzt?

    Ich kann diese Frage nicht generell beantworten und kenne auch niemand, der es kann.

    Das moral hazard-Problem gibt es, nicht nur hinsichtlich „too big to fail“, sondern insbesondere mit Blick auf den Contagion-Effekt in der Form „too interconnected to fail“. Ich glaube, dass dieses Problem zumindest im Unterbewusstsein der Bankverantwortlichen gerade auch kleinerer Banken eine Rolle gespielt hat.

    Wie auch immer, ab der Lehman-Krise ist allen klar, dass das Finanzsystem durch eine Kettenreaktion von Bankinsolvenzen kollabieren und dass dies zu nicht überblickbaren, unermesslichen Schäden für eine ganz große Zahl nicht beteiligter Menschen führen kann.

    Was man nicht weiß:

    Welche Bank muss man retten und welche nicht. Bei Lehman hatte man sich geirrt als man sie pleite gehen ließ.

    Deshalb ist Ihre Auffassung

    >… die Banken bereits 2008 nur soviel Bailouts hätten bekommen sollen, als strikt nötig wäre um einen Kollaps des Finanzsystems zu verhindern.>

    nicht hilfreich, das Problem zu lösen.

    Man muss dafür sorgen, dass Banken pleitegehen können, OHNE dass es zu einem Kollaps des Finanzsystems kommt.

  4.   rjmaris

    @ Tischer: ich war wohl gespannt darauf, wie Sie auf Stöckers hartem Bankenurteil reagieren wurden (ich meine: „totaler Unfähigkeit deutscher und französischer Banken…“).

    Halten wir fest: jeder Kreditgeber hat ein ureigenes Interesse daran, Kreditnehmer zu bewerten hinsichtlich Kreditwürdigkeit, weil sonst die Existenz des eigenen Institutes auf dem Spiel steht. Dann kann man zwar hervorheben, dass das Verfolgen eines Zieles nichts mit Verantwortungslosigkeit zu tun hat, aber dass das aus den Augen verlieren der Risiken bei der Erreichung der Ziele schon Verantwortungslos ist! Jedenfalls in Bezug zu den Gläubigern (Einlegern).

    Mit mangelnder Bankenaufsicht hat das alles wenig zu tun. Nachgewiesenermaßen weiß man, dass es a) mit exessiven Boni zu tun hatte und b) mutmaßlich (mehr nicht): mit moral hazard.

    b hätte man damals schon mit höheren Eigenkapitalquoten in den Bilanzen wirksam begegnen können, was quasi automatisch Risikomanagment „am Leben“ hält („Eigentum verpflichtet“).

    Fazit: auch wenn die „Konfiguration“ nicht in Ordnung war, ändert das nichts daran dass – gemessen an den Schäden und die Verantwortung – die Banken bereits 2008 nur soviel Bailouts hätten bekommen sollen, als strikt nötig wäre um einen Kollaps des Finanzsystems zu verhindern.


  5. @ Dietmar Tischer # 274

    Das stimmt nicht.

    Bei diesem Punkt haben wir wohl unterschiedliche Einschätzungen.

    Die Story von der Subprimekrise ist gängig (unter Ökonomen) UND sie ist wahr.

    Gängig unter Mainstream-Ökonomen: OK. Monetäre Schwergewichte differenzieren: zinsfehler.wordpress.com/2015/03/31/aaa-about-monetary-policy-from-bbb/

    Zinssätze, die niedriger waren, weil nach Beitritt zur Währungsunion das Abwertungsrisiko bzw. entsprechende Risikoaufschläge entfallen konnten.

    Risikoaufschläge konnten gerade nicht entfallen! Schlechte Schuldner zahlen immer höhere Zinsen als gute Schuldner. Diesen Grundsatz solider Kreditvergabe hat man aber wohl der kurzfristigen Renditeoptimierung geopfert. Dies ist das konstituierende Merkmal des Neoliberalismus: youtube.com/…

    Der Fehler war die „Konfiguration“ des Finanzsystems (falsche bzw. nicht hinreichende Regulierung), eine grandios versagende Bankenaufsicht und z. T. falsche Fiskalpolitik.

    Korrekt! Aber dieser Mangel entlässt keinen aus seiner persönlichen Verantwortung im Sinne des kategorischen Imperativs.

    Wo wir nicht übereinstimmen, kann ich nicht erkennen, dass Sie meine Ansichten widerlegt hätten.

    Ich möchte Sie nicht widerlegen, sondern zusätzliche Aspekte und alternative Perspektiven in die Diskussion einbringen.

    LG Michael Stöcker

  6.   Dietmar Tischer

    @ Michael Stöcker # 273

    >Anpassung an geänderte Strukturen sollte ein permanenter Prozess sein…Jedes Land hat hier seine spezifischen Anpassungserfordernisse. Ein zentralbankfinanzierte Bürgergeld ist hierfür selbstverständlich kein Ersatz (ob mit oder ohne Sparen!)>

    Einverstanden.

    >Sie kann es selbstverständlich sehr wohl beeinflussen. Aber immer nur reaktiv.>

    Einverstanden.

    „Reaktiv“ kann allerdings auch heißen:

    PRÄVENTIV mit Blick darauf, was ERFAHRUNGSGEMÄSS in der Zukunft zu erwarten ist. Denn eine Zentralbank kann und muss u. U. auf Erwartungen hin handeln.

    >Wenn dem so wäre (URSACHE von ökonomischem Wachstum), dann hätte zuvor die ZB ihre Aufgabe verfehlt;>

    Das stimmt nicht.

    Eine Leitzinsänderung ist die Änderung eines Parameters, der Wachstum – negatives, gleichbleibendes oder beschleunigendes – (mit)bewirkt. Wie er es bewirkt, weil die ZB ihre Aufgabe verfehlt hat oder in Verfolgung ihrer Aufgabe zu falschen Einschätzungen gekommen ist, spielt dabei keine Rolle. Eine wie auch immer begründende QUALIFIZIERUNG der Leitzinsänderung (oder Beibehaltung) kann ihre Wirkung nicht ausschließen.

    >Das ist die gängige Story. Sie ist aber deshalb noch lange nicht wahr. Fakt ist, dass die Banken NINJA-Kredite vergeben haben. Bei solchen Krediten müssen aber die Zitterprämien heraufgesetzt werden; aber doch nicht die Leitzinsen!>

    Es ist richtig, dass nicht jede gängige Story schon deshalb wahr ist, weil sie gängig ist.

    Die Story von der Subprimekrise ist gängig (unter Ökonomen) UND sie ist wahr. Was hätte geschehen MÜSSEN, ist dafür unerheblich.

    >Das Wachstum war das Ergebnis von Kredit.>

    Richtig, das Wachstum war das Ergebnis von Kredit – einem höheren Kreditvolumen – und für DAS war eine notwendige Bedingung: Zinssätze, die niedriger waren, weil nach Beitritt zur Währungsunion das Abwertungsrisiko bzw. entsprechende Risikoaufschläge entfallen konnten.

    >Sie waren das Ergebnis totaler Unfähigkeit deutscher und französischer Banken, die in völliger Verantwortungslosigkeit Europa in ein monetäres Chaos gestürzt und auf dem Altar der Renditemaximierung geopfert haben.>

    Stimmt insoweit die Banken als AKTIV Handelnde die Anbieter von Krediten waren zusammen mit den Nachfragern von Krediten die Eurozone in große Schwierigkeiten gebracht haben.

    Es ist aber falsch in diesem Zusammenhang von „totaler Unfähigkeit“ und „völliger Verantwortungslosigkeit“ zu reden, wenn die Banken das ZIEL verfolgt haben, das ALLE anderen auch verfolgen: Renditemaximierung. Wer es verfolgt, ist nicht schon deshalb, weil er es verfolgt, verantwortungslos und wer es erreicht – und sei es auch nur zeitweise – ist nicht unfähig. Wäre es anders, wären ALLE, die dieses Ziel verfolgen, verantwortungslos und unfähig. Verantwortungslos zu handeln ist in diesem Zusammenhang: systemkonform zu handeln UND dies mit der Absicht bzw. dem Wissen, dabei anderen zu schaden. Das gab es bei den Banken, aber vermutlich nicht bei den allermeisten Krediten, die sie vergeben haben.

    Der Fehler war die „Konfiguration“ des Finanzsystems (falsche bzw. nicht hinreichende Regulierung), eine grandios versagende Bankenaufsicht und z. T. falsche Fiskalpolitik.

    Fazit:

    Wir sind uns in einigen wesentlichen Punkten einig, insbesondere freut mich, dass Sie vom zentralbankfinanziertem Bürgergeld keine Wunderdinge erwarten und es in einen vernünftigen Bezug zu realwirtschaftlichen Erfordernissen setzen.

    Wo wir nicht übereinstimmen, kann ich nicht erkennen, dass Sie meine Ansichten widerlegt hätten.


  7. @ Dietmar Tischer # 271

    Ich bin der Meinung, dass Strukturänderungen und Angebotsanpassungen dann NOTWENDIG sind, wenn das zentralbankfinanzierte Bürgergeld gespart wird, z. B. indem es bei Erhalt nachfrageunwirksam deponiert wird, um SPÄTER Nachfrage, z. B. im Rentenalter wirksam werden zu lassen. DIESBEZÜGLICH ist Nachfrageausfall wie bei Begrenzung des Schuldgeldsystems gegeben.

    Anpassung an geänderte Strukturen sollte ein permanenter Prozess sein. In Deutschland müssen ebenfalls dringend Strukturen angepasst werden: Weg von den LB-Überschüssen hin zu mehr Binneninvestitionen. Jedes Land hat hier seine spezifischen Anpassungserfordernisse. Ein zentralbankfinanzierte Bürgergeld ist hierfür selbstverständlich kein Ersatz (ob mit oder ohne Sparen!), kann aber einen Beitrag leisten, die negative Spirale aus steigender Verschuldung und Vermögenskonzentration sowie damit verbundenem schwachen Wachstum abzufedern. Da ein Teil des zentralbankfinanzierten Bürgergeldes unmittelbar wegbesteuert wird, steht es sofort für investive Ausgaben des Staates zur Verfügung und Herr Gabriel kann die PPP Lobby-Veranstaltung des parasitären Finanzsektors (hier brauchen wir besonders große strukturelle Anpassungen) abblasen.

    Ich glaube, dass die ZB mit ihrer Zinspolitik das Wachstum beeinflussen kann und bin daher der Meinung, dass alle die anderer Meinung sind, falsch liegen.

    Vielleicht habe ich mich ja missverständlich ausgedrückt. Sie kann es selbstverständlich sehr wohl beeinflussen. Aber immer nur reaktiv. Alles andere wäre mit ihrem Mandat auch nicht vereinbar. Warum? Werden zu viele Kredite aufgenommen und es kommt zu einer konjunkturellen Überhitzung mit entsprechendem Inflationspotenzial, dann – und erst dann – wird/sollte sie die Leitzinsen heraufsetzen. Damit dämpft sie – sofern die Zinsschritte mutig genug sind – die Kreditvergabe und wirkt glättend auf den Konjunkturverlauf im Sinne des Stabilitätsgesetzes (stetiges und angemessenes Wirtschaftswachstum). Aber was will die ZB an der Nullzinsgrenze noch erreichen? Solange sich der debtor of last resort aufgrund sadomasochistischer Selbstkastration (aka schwarze Null) verweigert, läuft auch der verzweifelte Aufkauf von Staatsanleihen (Stocks = Asset-Swap) ins konjunkturelle Nirwana.

    Wenn die ZB über Leitzinssenkung oder -erhöhung die Bedingung am Geldmarkt verändert, dann tut sie dies sicher auch mit Blick auf die Zinsraten, die aus ökonomischem Wachstum resultieren, aber Leitzinsänderungen sind WILLKÜRLICH gesetzt und INSOFERN können Sie – mit begrenzter Wirkung natürlich nur – URSACHE von ökonomischem Wachstum sein.

    Wenn dem so wäre (URSACHE von ökonomischem Wachstum), dann hätte zuvor die ZB ihre Aufgabe verfehlt; sie hätte nämlich vorsätzlich oder aber grob fahrlässig durch eine zu späte Zinssenkung die Wirtschaft vom Wachstumspfad abgedrängt.

    Eine notwendige, wenn auch nicht hinreichende Ursache der Subprimekrise in USA war die extrem akkommodierende Zinspolitik der Fed.

    Das ist die gängige Story. Sie ist aber deshalb noch lange nicht wahr. Fakt ist, dass die Banken NINJA-Kredite vergeben haben. Bei solchen Krediten müssen aber die Zitterprämien heraufgesetzt werden; aber doch nicht die Leitzinsen! Und diese Zitterprämien dürfen auch nicht an irgendwelche Trolle ausgezahlt werden, sondern MÜSSEN – bei korrekter Bilanzierung – als Rückstellung gewinnmindernd verbucht werden. Das Finanzgesinde scheute aber strukturelle Reformen und blies sich stattdessen auch noch künstlich weiter auf. Den einzigen Vorwurf den man der FED machen kann, das war ihr naiver Glaube an die göttliche Weisheit und Unfehlbarkeit der Märkte: http://www.youtube.com/...

    Die Zinssätze, zu denen sich der griechische Staat und die griechische Privatwirtschaft nach Beitritt zur Währungsunion verschuldet konnten, waren das Ergebnis von ökonomischem Wachstum?

    Das Wachstum war das Ergebnis von Kredit. Da es sich aber um überwiegend konsumtiven Kredit handelte, ist der Entzug dann umso schmerzhafter. Versagt haben auch hier die Banken, da sie bei genauerer Analyse hätten erkennen können, dass eine Refinanzierung der griechischen Banken über den Interbankenmarkt nicht mit den Grundsätzen eines ordentlichen Kaufmanns zu vereinbaren war. Aber der Bankier mutierte ja auch dem Zeitgeist entsprechend zum Banker.

    Sie waren das Ergebnis davon, dass Risikoaufschläge auf griechische Verschuldung wegen Abwertungsausschluss entfallen konnten.

    Sie waren das Ergebnis totaler Unfähigkeit deutscher und französischer Banken, die in völliger Verantwortungslosigkeit Europa in ein monetäres Chaos gestürzt und auf dem Altar der Renditemaximierung geopfert haben. Sie haben damit zugleich verhindert, dass notwendige Strukturreformen rechtzeitig in Angriff genommen werden konnten.

    LG Michael Stöcker

  8.   Dietmar Tischer

    @ Michael Stöcker # 270

    In Fortführung von dem, was ich @ 269 geschrieben habe und als Ergänzung zu # 271 nehme ich noch einmal die folgende Aussage von auf A. Winkler auf:

    „Geldpolitik war daher noch nie etwas anderes als Nachfragepolitik und niemals Strukturpolitik. Deshalb stimmen praktisch alle Ökonomen dem Satz zu, dass “Geld drucken” keine Strukturprobleme löst. Aber viele Ökonomen würden behaupten, dass keine noch so intensiv und konsequent durchgeführte Reformpolitik etwas am Nachfragemangel ändert. Das kann aber die Geldpolitik …“

    Hier geht es nicht um die Zinspolitik der Notenbank, sondern um ihre weiter gefaßte Geldpolitik.

    Wenn man an QE denkt und daran, dass die EZB die Banken zu NEGATIVZINSEN treiben kann, dann ist das Kalkül:

    Wenn die Banken daraufhin ihre Kundendepositen ebenfalls mit Negativzinsen belasten, dann ist das ein ANREIZ, das Geldsparen aufzugeben und die Geldguthaben als Nachfrage wirksam werden zu lassen. Damit wird vom Ansatz her auch das Problem beseitigt, was Sie Matthäuseffekt nennen.

    Das wird jedoch nicht wie gewünscht so kommen, weil Unternehmen ihr Geldguthaben außerhalb der Eurozone deponieren können und die privaten Haushalte ihr Geldvermögen zunehmend zuhause oder im Bankschließfach horten werden. Wäre unser Geld nur Buchgeld, sähe die Sache anders aus.

    Es kann auch kontraproduktiv sein, wenn private Haushalte mehr sparen, um im Rentenalter ihre Ansprüche ans BIP nominal nicht schrumpfen zu lassen.

    Kontraproduktiv ist es auch, wenn Unternehmen ihre Pensionsrückstellungen vergrößern müssen und entsprechend weniger investieren können, um die nominal zugesagten Pensionsansprüche befriedigen zu können.

    Wie auch immer:

    INSOWEIT Negativzinsen bezüglich steigender Nachfrage WIRKEN, haben diejenigen, die der Meinung sind, dass die Geldpolitik etwas am Nachfragemangel ändern kann, eine STARKE Position. Insofern muss ich meine Aussage revidieren: Die Geldschöpfung per Kredit ist an ihre Grenzen gestoßen, nicht jedoch und anders als ich behauptet hatte, die Bekämpfung des Nachfragemangels durch die Notenbank.

    Deshalb muss die Aussage, dass „keine noch so intensiv und konsequent durchgeführte Reformpolitik etwas am Nachfragemangel ändert“, nicht richtig sein.

    Ich halte sie für falsch.

  9.   Dietmar Tischer

    @ Michael Stöcker # 270

    Erst einmal zu dem, wo wir teilweise, vielleicht auch vollständig übereinstimmen.

    Sie schreiben:

    >Damit (zentralbankfinanziertes Bürgergeld, D. T.) werden die grundsätzlichen Hindernisse für nachhaltigen Wohlstand in gesättigten Märkten zwar nicht beseitigt, aber die notwendige Voraussetzung hierfür wird geschaffen. Insofern ersetzt dieser Vorschlag keine kluge Bildungs-, Wirtschafts- und Fiskalpolitik aber er ist ein elementares ordnungspolitisches Korrektiv und verhindert über die Binswangersche Metamorphose des Geldes eine systemische Abwärtsspirale, die am Ende nur Verlierer hinterlässt.>

    Richtig ist, dass Ihr zentralbankfinanziertes Bürgergeld, wenn NUR ES die Nachfrage bestimmen würde – ein SPEZIALFALL seiner Anwendung – die BEGRENZUNGEN eines Schuldgeldsystems wie wir es haben, nämlich Nachfrageausfall wegen Kreditverweigerung aufgrund zu hoher Verschuldung, außer Kraft setzen würde.

    Sie propagieren nicht diesen Spezialfall, sondern – wenn ich Sie richtig verstehe – zentralbankfinanziertes Bürgergeld als „additives“ Geld, jedenfalls für den Anfang.

    Die Frage ist, ob Sie damit verbinden, dass – INSOWEIT zentralbankfinanziertes Bürgergeld die Nachfragebegrenzung des Schuldgeldsystems außer Kraft setzt –, keine Strukturänderungen bzw. Angebotsanpassungen erforderlich sind.

    Ich bin der Meinung, dass Strukturänderungen und Angebotsanpassungen dann NOTWENDIG sind, wenn das zentralbankfinanzierte Bürgergeld gespart wird, z. B. indem es bei Erhalt nachfrageunwirksam deponiert wird, um SPÄTER Nachfrage, z. B. im Rentenalter wirksam werden zu lassen. DIESBEZÜGLICH ist Nachfrageausfall wie bei Begrenzung des Schuldgeldsystems gegeben.

    Wo wir nicht übereinstimmen:

    >Sie hängen wohl auch der grundfalschen Theorie an, dass eine ZB mit ihrer Zinspolitik das Wachstum beeinflussen kann (siehe auch Link zum Vortrag von Richard Werner weiter unten).>

    Ich glaube, dass die ZB mit ihrer Zinspolitik das Wachstum beeinflussen kann und bin daher der Meinung, dass alle die anderer Meinung sind, falsch liegen.

    Sie (wie verlinkt unter „Zinsfehler“):

    >Tatsächlich kann eine Zentralbank aber die relevante Geldmenge gar nicht direkt steuern, da die Geldschöpfung kein exogener, sondern ein endogener Prozess ist (siehe auch Geldmythen). Mit anderen Worten: Es ist nicht die Zentralbank, die die Geldmenge von außen determiniert, sondern es sind die Geschäftsbanken im Rahmen der Kreditvergabe. Werden mehr Kredite vergeben als getilgt, dann steigt die Geldmenge und vice versa.>

    Es ist zwar richtig, dass die Zentralbank die Geldmenge NICHT DIREKT steuert, es ist aber falsch zu glauben, dass die Zentralbank die Geldmenge NICHT DETERMINIEREN kann.

    Selbstverständlich kann die Zentralbank auf die Kreditvergabe der Geschäftsbanken EINFLUSS nehmen, d. h. eine Zunahme bzw. Abnahme der Kreditvergabe herbeiführen. Schließlich sind das Zentralbanksystem und das System der Geschäftsbanken nicht zwei voneinander VÖLLIG UNABHÄNGIGE Systeme. Das müssten sie aber sein, wenn Ihre Aussage richtig wäre.

    Werner (Ihr Link):

    “Interest rates are the result of economic growth.

    • So they cannot at the same time be the cause of economic growth.

    • The facts contradict the official story of monetary and banking policy”

    Das ist grober Unfug.

    Wenn die ZB über Leitzinssenkung oder -erhöhung die Bedingung am Geldmarkt verändert, dann tut sie dies sicher auch mit Blick auf die Zinsraten, die aus ökonomischem Wachstum resultieren, aber Leitzinsänderungen sind WILLKÜRLICH gesetzt und INSOFERN können Sie – mit begrenzter Wirkung natürlich nur – URSACHE von ökonomischem Wachstum sein.

    Realwirtschaftlich:

    Eine notwendige, wenn auch nicht hinreichende Ursache der Subprimekrise in USA war die extrem akkommodierende Zinspolitik der Fed. Die niedrigen Zinsen haben nicht nur die Assetpreise, d. h. die Preise bestehender Immobilien hochschießen lassen, sondern es wurden auch MEHR Immobilien gebaut, weil mehr finanziert werden konnten. Dass dies nicht nachhaltige Finanzierungen waren, ändert nichts daran, dass die Immobilienbranche erst einmal zum Wirtschaftswachstum beigetragen hat.

    Die Zinssätze, zu denen sich der griechische Staat und die griechische Privatwirtschaft nach Beitritt zur Währungsunion verschuldet konnten, waren das Ergebnis von ökonomischem Wachstum?

    Sie waren das Ergebnis davon, dass Risikoaufschläge auf griechische Verschuldung wegen Abwertungsausschluss entfallen konnten.

    Mit Blick auf das, was DANN folgte, waren sie URSACHE – Ursache von ökonomischem Wachstum in Griechenland.


  10. @ Dietmar Tischer # 269

    Ich halte diese Auffassung für GRUNDFALSCH angesichts der Tatsache, dass in den letzten Jahrzehnten die Nachfrage mit Geld- und Fiskalpolitik zwar gesteigert werden konnte – und in den entwickelten westlichen Volkswirtschaften erheblich stärker als das Wirtschaftswachstum gesteigert werden konnte – aber ganz offensichtlich NICHTG MEHR gesteigert werden KANN.

    Sie hängen wohl auch der grundfalschen Theorie an, dass eine ZB mit ihrer Zinspolitik das Wachstum beeinflussen kann (siehe auch Link zum Vortrag von Richard Werner weiter unten). Ich habe meinen Blog nicht umsonst ‚Zinsfehler‘ genannt und hier schon des Öfteren darauf hingewiesen, dass die Zinspolitik kein aktives, sondern ein reaktives geldpolitisches Instrument ist. Wird viel investiert (starker Anstieg von M3) und droht eine konjunkturelle Überhitzung, dann können höhere Refinanzierungskosten die Kreditvergabe bremsen und somit auch die Inflation eindämmen. Ist die investive Kreditvergabe hingegen schwach, dann werden die Refinanzierungskosten gesenkt. Aber wie gesagt: Alles immer erst ex post.

    Die Fiskalpolitik hat insbesondere die Grenzsteuersätze gesenkt und eine Flat-Tax für Kapitalerträge eingeführt, da alle an das Märchen vom Intermediär geglaubt haben sowie an die investive Kraft der thesaurierten Gewinne. Tatsächlich haben sich damit diejenigen Disparitäten zugespitzt, die El Erian (siehe Link) als die zentrale Krisenursache ausgemacht hat. Hier wurde also nur scheinbar deficit-spending betrieben. Tatsächlich handelte es sich um eine zu geringe Besteuerung der hohen Einkommen und Vermögen, die via Verschuldung die Disparitäten verschärfte. Und die Story vom scheuen Reh hatte ich ja bereits ins Reich der Mythologie verbannt.

    Geldpolitik – jede Geldpolitik, auch die mit dem Instrument „Helikoptergeld“ – kann allenfalls eine begleitende, erleichternde Rolle für Strukturmaßnahmen und ein neues Ressourcenmix auf der Angebotsseite sein, NICHT jedoch die oben propagierte Lösung einer MANGELBESEITIGUNG.

    Korrekt. Von daher hatte ich ja auch geschrieben: „Damit werden die grundsätzlichen Hindernisse für nachhaltigen Wohlstand in gesättigten Märkten zwar nicht beseitigt, aber die notwendige Voraussetzung hierfür wird geschaffen. Insofern ersetzt dieser Vorschlag keine kluge Bildungs-, Wirtschafts- und Fiskalpolitik aber er ist ein elementares ordnungspolitisches Korrektiv und verhindert über die Binswangersche Metamorphose des Geldes eine systemische Abwärtsspirale, die am Ende nur Verlierer hinterlässt.“ zinsfehler.wordpress.com/2015/03/23/die-citoyage-keynesianischer-monetarismus-als-ordnungspolitisches-korrektiv/

    Vielen Dank übrigens für Ihre Denkanstöße, die mich oftmals ein ganzes Stück weiter bringen. Hier habe ich auch wieder einige für Sie: Eine aktuelle Einschätzung von Prof. Werner zum Thema Banken und Wachstum: gresham.ac.uk/lectures-and-events/lessons-we-can-learn-from-the-success-of-the-japanese-growth-system sowie ein älterer Vortrag von Andrew Haldane zu Gresham’s Law im Kontext von Zeit und Zins: gresham.ac.uk/lectures-and-events/the-sir-thomas-gresham-docklands-lecture-get-shorty . Auch die Analyse von Mr. PIMCO spricht eher für ein weiteres deflationäres Szenario: project-syndicate.org/commentary/economic-divergence-global-politics-by-mohamed-a–el-erian-2015-03/german.

    LG Michael Stöcker

 

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