{"id":10264,"date":"2017-03-10T17:41:29","date_gmt":"2017-03-10T16:41:29","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/?p=10264"},"modified":"2020-11-13T10:00:22","modified_gmt":"2020-11-13T09:00:22","slug":"usa-was-bedeutet-die-neue-praesidentschaft-fuer-die-wirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2017\/03\/10\/usa-was-bedeutet-die-neue-praesidentschaft-fuer-die-wirtschaft_10264","title":{"rendered":"USA: Was bedeutet die neue Pr\u00e4sidentschaft f\u00fcr die Wirtschaft?"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.wirtschaftsdienst.eu\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-8431\" src=\"http:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2015\/06\/Wirtschaftsdienst_Logo_290x60.gif\" alt=\"Logo: Wirtschaftsdienst - Zeitschrift f\u00fcr Wirtschaftspolitik\" width=\"280\" height=\"58\" \/><\/a><em><a href=\"http:\/\/www.wirtschaftsdienst.eu\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Exklusiv aus dem Wirtschaftsdienst:<\/a><\/em> Mit der neuen Pr\u00e4sidentschaft in den USA sind Richtungswechsel in unterschiedlichen Bereichen der Wirtschaftspolitik verbunden: Prominent ist dabei die Handelspolitik, die durch Strafz\u00f6lle, aber auch durch die Cashflow-Steuer mit Grenzausgleich und einem schwachen US-Dollar der heimischen Industrie Wettbewerbsvorteile verschaffen soll. Regeln im internationalen Handel werden missachtet und Abkommen sollen bilateral neu verhandelt werden. Ist diese Strategie \u00fcberhaupt durchsetzbar? Mit welchen Folgen ist f\u00fcr den Welthandel zu rechnen? Andere Programmpunkte sind eine massive Steuersenkung und Infrastrukturma\u00dfnahmen. Sind damit nicht auch weitere Budgetdefizite verbunden? Und letztlich plant die neue US-Administration das Aufweichen der strikten Finanzmarkt-Regeln. \u00d6ffnet dies neuen Problemen auf dem internationalen Finanzmarkt T\u00fcr und Tor? Das sind die Fragen, die von den Teilnehmern des <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2017\/03\/10\/usa-was-bedeutet-die-neue-praesidentschaft-fuer-die-wirtschaft_10264#pdf\">Zeitgespr\u00e4chs<\/a> in der aktuellen Ausgabe des <em>Wirtschaftsdienst<\/em> diskutiert werden.<!--more--><\/p>\n<p>Pr\u00e4sident Trump hatte vor allem den Niedergang der amerikanischen Industrie zum Wahlkampfthema gemacht und die Schuld daf\u00fcr bei der Globalisierung im Allgemeinen und bei L\u00e4ndern wie China und Deutschland im Besonderen verortet. Sowohl die Analyse als auch die Antworten, die Trump darauf liefert, sind falsch, schreibt Michael H\u00fcther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, in seinem Beitrag. Die wirklichen Probleme seien vielfach hausgemacht, wie ein Vergleich mit dem deutschen Industriestandort zeigt, dem eine \u00d6ffnung der M\u00e4rkte nicht schlecht getan habe. Woran es in den USA hapert sind fehlende Strukturen f\u00fcr &#8222;Netzwerkbildung, Aus- und Weiterbildung, Forschungsf\u00f6rderung und regionale Entwicklung&#8220;. Die Ursachen sind zum Teil in lange zur\u00fcckliegenden wirtschaftspolitischen Weichenstellungen fr\u00fchere Regierungen zu finden. Die zu erwartenden Verst\u00f6\u00dfe gegen die Regeln des Welthandels, die mit den jetzt geplanten Ma\u00dfnahmen verbunden sind, und die Missachtung von Institutionen h\u00e4lt H\u00fcther f\u00fcr \u00e4u\u00dferst bedenklich und schlie\u00dft: &#8222;Nach Jahrzehnten der \u00d6ffnung und Integration drohen so Desintegration, Abschottung und Wohlstandsverlust. Renationalisierung und Reindustrialisierung gehen nicht \u00fcberein.&#8220;<\/p>\n<p>Sebastian Dullien von der HTW Berlin diskutiert den rechtlichen Rahmen, in dem die Trump Regierung ihre beabsichtigten fiskalischen und handelspolitischen Ma\u00dfnahmen umsetzten kann, und analysiert deren kurz- und langfristigen Wirkungen. Die angek\u00fcndigte Unternehmenssteuerreform und Senkung der Einkommenssteuer wird im Zusammenspiel mit dem Anschub von Infrastrukturausgaben f\u00fcr einen kr\u00e4ftigen Nachfrageimpuls sorgen. Das Staatsdefizit d\u00fcrfte trotz geplanter Ausgabenbegrenzungen steigen. Wenn die Fed mit einer Zinserh\u00f6hung reagiert, d\u00fcrfen sich die Handelspartner der USA kurzfristig zus\u00e4tzlich zu dem Konjunkturimpuls noch \u00fcber eine weitere Dollar-Aufwertung freuen. Ob die geplante Cashflow-Steuer mit Grenzausgleich und die Strafz\u00f6lle vor den Regeln der WTO Bestand haben, bleibt fraglich. Genauso fraglich sei allerdings auch, inwieweit die WTO in der Lage sein wird, ihre Regeln durchzusetzen, so dass die Europ\u00e4er, Chinesen und Japaner ihrerseits mit protektionistischen Ma\u00dfnahmen reagieren werden. Auf Dauer d\u00fcrften von der Trumpschen Wirtschaftspolitik daher erhebliche Risiken f\u00fcr die Weltwirtschaft ausgehen.<\/p>\n<p>Henning Klodt vom Institut f\u00fcr Weltwirtschaft findet, dass sich die Europ\u00e4er angesichts der Handelspolitik von Trump durchaus in Gelassenheit \u00fcben k\u00f6nnten: Die Absage an die Transpazifische Partnerschaft (TPP) k\u00e4me Europa gar nicht so ungelegen, weil damit eine &#8222;handelspolitische Isolation Chinas&#8220; erst einmal abgewendet ist. Auch die Entt\u00e4uschung \u00fcber den Abbruch der Verhandlungen zur Transatlantischen Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP) w\u00fcrde sich wohl in Grenzen halten, da die kritischen Stimmen zu diesem Abkommen vor allem aus Europa kommen und &#8222;[d]er unmittelbare wirtschaftliche Schaden durch das Scheitern von TTIP ist ohnehin \u00fcberschaubar&#8220;, so der Autor. Auch die Bef\u00fcrchtung, dass der Multilateralismus als Maxime des Welthandel jetzt auf der Strecke bleibt, relativiert sich vor dem Hintergrund, dass man bei den Verhandlungsrunden im Rahmen der WTO schon lange auf der Stelle tritt und die USA schon seit den 1990er Jahren kein Interesse an Fortschritten zeigt. Auch erscheint die Aufregung wegen Trumps Zollpl\u00e4nen gegen Autoimporte etwas fadenscheinig, schlie\u00dflich belastet die EU den Import von Automobilen aus den USA mit h\u00f6heren Z\u00f6llen als es umgekehrt der USA machen. Zudem sei es fraglich inwieweit Trump seine Zollpolitik im Kongress oder per Dekret \u00fcberhaupt durchsetzen kann. Was auf alle F\u00e4lle nicht geschehen sollte, sind aber Retorsionsma\u00dfnahmen, denn die schaden allen.<\/p>\n<p>Carsten Hefeker von der Universit\u00e4t Siegen ordnet in seinem Beitrag die Bef\u00fcrchtungen der Handelspartner der USA mit einem Blick auf die Historie der internationalen wirtschaftpolitischen Kooperation ein. Er zeigt, dass die Vorteile von kooperativem Verhalten schon seit langem infrage gestellt werden und &#8222;sich nur wenige Phasen einer spannungsfreien Zusammenarbeit identifizieren lassen.&#8220; Die Frage wird sein, wie radikal der Politikwechsel letztendlich ausfallen wird. Das Fazit des Autors: &#8222;Sollte die Politik der neuen US-amerikanischen Regierung tats\u00e4chlich eine weitere Nationalisierung und eine Abkehr von der globalen Kooperation bringen, wird es aber auch an Europa liegen, diesen Prozess einzud\u00e4mmen und nicht noch weiter voranzutreiben. Globale Kooperation ist im Interesse Europas und Deutschlands, aber sie wird nicht nur von den USA infrage gestellt.&#8220; <\/p>\n<p>Zuletzt wenden sich Ansgar Belke von der Universit\u00e4t Duisburg-Essen und Hans-Peter Burghof von der Universit\u00e4t Hohenheim der Geld- und Finanzpolitik und dem schwierigen Verh\u00e4ltnis zwischen der US-Administration und der Fed zu. Trumps Initiative zur \u00dcberpr\u00fcfung des Dodd-Frank-Act fu\u00dft verknappt auf der folgenden Analyse: Das Kreditangebot ist aufgrund der zu intensiven Regulierungen und der hohen Kreditanforderungen zu gering, um die Wirtschaft in Schwung zu bringen. Tats\u00e4chlich geben die Zahlen dies aber nicht her: Zumindest auf aggregierter Ebene ist in den USA keine Kreditknappheit festzustellen, au\u00dferdem l\u00e4uft die amerikanische Wirtschaft sehr gut. Die Gr\u00fcnde zur Deregulierung des Bankensektors scheinen daher eher vorgeschoben. Wer w\u00fcrde von laxeren Regeln profitieren? In den Gremien, die f\u00fcr die Finanzmarktregulierung zust\u00e4ndig sind, dominieren Gro\u00dfbanken und Vertreter des Investmentbankings. Vieles spricht also daf\u00fcr, dass es nicht in erster Linie die kleinen Banken in der Region, die die Unternehmen vor Ort mit Krediten versorgen, sein werden. Ausf\u00fchrlich diskutieren Belke und Burghof den m\u00f6glichen Einfluss, den der Pr\u00e4sident auf die zuk\u00fcnftige Ausrichtung der Geldpolitik, das hei\u00dft auf die US-Notenbank aus\u00fcben wird. Dabei kann das Interesse Trumps an einer eher flexiblen Fed, die seiner expansiven Wirtschaftspolitik nicht im Weg steht, mit den Republikanern im Kongress kollidieren, wo traditionell der Wunsch besteht, den Zentralbankern ihren diskretion\u00e4ren Spielraum zu beschneiden oder mit extremen Regelbindungen sogar ganz wegzunehmen. F\u00fcr die Stabilit\u00e4t des globalen Finanzsystems relevant ist der m\u00f6gliche Ausstieg aus dem Liqudit\u00e4ts-Swap-Abkommen. Sowohl bez\u00fcglich der Bankenaufsicht als auch der geld- und w\u00e4hrungspolitischen Ausrichtung, k\u00f6nne man, so die Autoren, durchaus von einer Wende um 180 Grad reden.<a name=\"pdf\"><\/a><\/p>\n<p>Lesen Sie hier exklusiv vorab ausf\u00fchrlich das aktuelle Zeitgespr\u00e4ch aus der M\u00e4rz-Ausgabe des <em>Wirtschaftsdienst<\/em>: <\/p>\n<p><a title=\"Richtungswechsel in den USA \u2013 Folgen der neuen Pr\u00e4sidentschaft f\u00fcr die Wirtschaft, in: Wirtschaftsdienst 3\/2017\" href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2017\/03\/wirtschaftsdienst_3_2017_Zeitgespraech_Richtungswechsel_USA.pdf\"><em><strong>Richtungswechsel in den USA \u2013 Folgen der neuen Pr\u00e4sidentschaft f\u00fcr die Wirtschaft<\/strong><\/em><\/a>, in: Wirtschaftsdienst 3\/2017 (mit folgenden f\u00fcnf Beitragen: &#8222;<em>Das gro\u00dfe Experiment: Wirtschaftspolitik f\u00fcr Renationalisierung und Reindustrialisierung<\/em>&#8220; von Michael H\u00fcther; &#8222;<em>Trumps Wirtschaftspolitik: kurzfristiger Konjunkturschub mit gro\u00dfen Gefahren f\u00fcr den Welthandel<\/em>&#8220; von Sebastian Dullien; &#8222;<em>Angriff auf den Freihandel<\/em>&#8220; von Henning Klodt; &#8222;<em>Pr\u00e4sident Trump und das Problem der Zusammenarbeit in der internationalen Wirtschaftspolitik<\/em>&#8220; von Carsten Hefeker; &#8222;<em>Bankenaufsicht und Geldpolitik bei Trump: Wende um 180 Grad?<\/em>&#8220; von Ansgar Belke und Hans-Peter Burghof)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Exklusiv aus dem Wirtschaftsdienst: Mit der neuen Pr\u00e4sidentschaft in den USA sind Richtungswechsel in unterschiedlichen Bereichen der Wirtschaftspolitik verbunden: Prominent ist dabei die Handelspolitik, die durch Strafz\u00f6lle, aber auch durch die Cashflow-Steuer mit Grenzausgleich und einem schwachen US-Dollar der heimischen Industrie Wettbewerbsvorteile verschaffen soll. 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