{"id":10979,"date":"2018-08-19T18:54:06","date_gmt":"2018-08-19T16:54:06","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/?p=10979"},"modified":"2018-08-19T18:59:40","modified_gmt":"2018-08-19T16:59:40","slug":"lehman-pleite-zehn-jahre-danach","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2018\/08\/19\/lehman-pleite-zehn-jahre-danach_10979","title":{"rendered":"Lehman-Pleite \u2013 zehn Jahre danach"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.wirtschaftsdienst.eu\/\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-8431\" src=\"http:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2015\/06\/Wirtschaftsdienst_Logo_290x60.gif\" alt=\"Logo: Wirtschaftsdienst - Zeitschrift f\u00fcr Wirtschaftspolitik\" width=\"280\" height=\"58\" \/><\/a><em><a href=\"http:\/\/www.wirtschaftsdienst.eu\/\" target=\"_blank\">Exklusiv aus dem Wirtschaftsdienst:<\/a><\/em> Die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers am 15. September 2008 l\u00f6ste eine globale Finanzkrise aus. Diese kann als au\u00dfergew\u00f6hnliches Ereignis interpretiert werden, aber auch als eine Krise des Systems. Mittlerweile wurden die Banken st\u00e4rker reguliert (Basel III), beibehalten wurde aber die bevorzugte Behandlung von Staatspapieren bei der Eigenkapitalunterlegung. Fraglich ist, ob die globale Finanzmarktstabilit\u00e4t nachhaltig gest\u00e4rkt ist und die Finanzm\u00e4rkte Schocks widerstehen k\u00f6nnen. Im <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2018\/08\/19\/lehman-pleite-zehn-jahre-danach_10979#pdf\">aktuellen Zeitgespr\u00e4ch<\/a> der August-Ausgabe des <em>Wirtschaftsdienst<\/em> setzen sich Martin Hellwig, Jochen Zimmermann, Mechthild Schrooten, Hans-Peter Burghof und Stephan Schulmeister mit diesem Fragenkomplex auseinander.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nWas w\u00e4re, wenn der Lehman-Konkurs heute stattf\u00e4nde? Dieser Frage geht <strong>Martin Hellwig<\/strong> (emeritierter Direktor des MPI zur Erforschung von Gemeinschaftsg\u00fctern) in seinem Beitrag nach und analysiert den Systemkollaps im Gefolge des Lehman-Konkurses. <\/p>\n<p>Angesto\u00dfen durch den Konkurs der Investmentbank kam es zu einem Run auf die Geldmarktfonds, die ihrerseits dadurch gezwungen waren Mittel aus dem Geldmarkt zur\u00fcckzuziehen. Durch das Austrocknen des Geldmarktes sahen sich nicht nur die verbleibenden Investmentbanken sondern alle Finanzinstitute, die auf diesen als Finanzierungquelle angewiesen waren, wie die deutsche Hypo Real Estate (HRE) und ihre irische Tochter Depfa, in ihrer Zahlungsf\u00e4higkeit gef\u00e4hrdet und zogen ihrerseits Mittel aus Finanztiteln wie Aktien und Obligationen ab, was zu massiven Kurseinbr\u00fcchen f\u00fchrte, die wiederum die Solvenz der Banken infrage stellte.<\/p>\n<p>Neben diesem Dominoeffekt von Insolvenzen identifiziert Hellwig den Wegfall von Lehman Brothers in seiner Funktion als wichtiger Marktmacher f\u00fcr bestimmte Derivate als einen weiteren Faktor, der die negative Entwicklung verst\u00e4rkt hat, ebenso wie das Fehlen von systemschonenden Verfahren zur Abwicklung von Finanzinstituten, &#8222;ohne dabei die Aktion\u00e4re und alle Gl\u00e4ubiger von der Beteiligung an Verlusten zu befreien.&#8220;<\/p>\n<p>Wie sieht es heute aus? Die Geldmarktfonds seien gegen\u00fcber Runs nach wie vor anf\u00e4llig, so Hellwig, und bei der Finanzierung ihrer US-Dollar-Aktivit\u00e4ten sind die europ\u00e4ischen Banken weiterhin von den US-Geldm\u00e4rkten abh\u00e4ngig. In Europa, wo sie selbst Kundeneinlagen haben, sei das Liquidit\u00e4tsproblem etwas geringer auch bieten hier die hohen Einlagen der Gesch\u00e4ftsbanken bei der EZB einen gewissen Schutz \u2013 allerdings: Wie lange noch?<\/p>\n<p>Die M\u00f6glichkeit eines Zusammenspiels von Wertpapierverk\u00e4ufen, Kursverlusten und \u00dcberschuldungsvermutungen bestehe unver\u00e4ndert fort, schreibt Hellwig. Zwar seien die Eigenkapitalquoten der Banken heute h\u00f6her, aber immer noch zu niedrig.<\/p>\n<p>Kritisch sieht Hellwig die Sanierungs- und Abwicklungsmechanismen, wie sie in der Europ\u00e4ischen Union nach der Finanzkrise installiert wurden. Sie seien nach wie vor nicht funktionsf\u00e4hig. Die Regeln m\u00fcssten so ge\u00e4ndert werden, dass die Liquidit\u00e4t betroffener Banken sichergestellt ist und &#8222;der Zeitdruck aus dem Verfahren genommen wird.&#8220; Allerdings k\u00f6nnten die erforderlichen Mittel und Garantien bei gr\u00f6\u00dferen Banken eine Gr\u00f6\u00dfenordnung erfordern, &#8222;die in der Eurozone politisch brisant ist&#8220;. Bei globalen Banken sei zu fragen, &#8222;ob die behaupteten Effizienzvorteile der systemrelevanten T\u00e4tigkeit in mehreren Jurisdiktionen die Kosten f\u00fcr das Gemeinwesen aufwiegen, die sich daraus ergeben, dass diese Banken nicht ohne Schaden f\u00fcr das Finanzsystem insgesamt abgewickelt werden k\u00f6nnen.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Jochen Zimmermann<\/strong> von der Universit\u00e4t Bremen kritisiert in seinem Beitrag, dass die europ\u00e4ischen Ma\u00dfnahmen zur St\u00e4rkung des Bankensektors nicht an der Wurzel des Problems ansetzen, die er im gemeinsamen W\u00e4hrungsraum und der Wettbewerbsschw\u00e4che der Kreditinstitute an der Peripherie sieht.<\/p>\n<p>Zwar h\u00e4tten, nachdem zu Beginn der Finanzkrise 2008 &#8222;viele Institute spontan und im besten Sinne improvisiert [\u2026] gest\u00fctzt&#8220; wurden, die Umbauarbeiten am Bankensystem z\u00fcgig begonnen, um zuk\u00fcnftig zu verhindern, dass Banken durch Steuergeld gerettet werden. Allerdings sind die nationalen und europ\u00e4ischen Ma\u00dfnahmen aus seiner Sicht unzureichend, um Bail-outs zugunsten von Bail-ins wirksam zu verhindern.<\/p>\n<p>Seit dem 1. Januar 2016 gibt es den europ\u00e4ischen Single Resolution Mechanism mit dem Single Resolution Board, der die einheitliche Restrukturierung und Abwicklung von Banken mit herausragender Bedeutung erm\u00f6glichen soll. Seine mangelnde Wirksamkeit zeige sich aber bereits im Fall Italien, so Zimmermann: &#8222;Als die italienischen Banken Banca Popolare di Vicenza und Veneto Banca sowie kurz darauf die Monte dei Paschi di Siena mit dem Bail\u00adin\u00adTool auf europ\u00e4ischer Ebene abgewickelt werden sollten, wurden auf politischen Druck hin die Institute mit nationalem Steuergeld gerettet&#8220;.<\/p>\n<p>Mit Basel III wurden die Kapitalanforderungen f\u00fcr Banken erh\u00f6ht und neue Mechanismen f\u00fcr die zugrunde liegenden Risikobewertungen festgelegt. Aus Sicht von Zimmermann sind diese Vorschriften zwar grunds\u00e4tzlich dazu geeignet, die Solvenzrisiken zu begrenzen, dennoch f\u00e4llt seine Einsch\u00e4tzung ern\u00fcchternd aus: &#8222;Ebenso wird die Umsetzung erh\u00f6hter Eigenkapitalanforderungen durch Basel III kaum gelingen: Sowohl die notleidenden und nicht hinreichend wertberichtigten Kredite wie auch das fehlende Besicherungskapital f\u00fcr Staatsanleihen wirken dagegen.&#8220;<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend h\u00e4lt er fest: &#8222;Im Ergebnis scheinen die vielf\u00e4ltigen Aktivit\u00e4ten des letzten Jahrzehnts einen stark miteinander verflochtenen Kreditsektor nicht krisenfester gemacht zu haben. Die grundlegenden Fehler sind politisch oder ideologisch. Die politisch Handelnden haben sich bei der Frage, ob ein einheitliches und zentrales oder ein dezentrales System zu bevorzugen sei, stets f\u00fcr die Einheitlichkeit entschieden. F\u00fcr die Effektivit\u00e4t solcher Mechanismen bedarf es des Einsatzes wesentlich h\u00f6herer Puffer, da sich Risiken in einer solchen Konstellation verst\u00e4rken und nicht regional oder national beschr\u00e4nkt bleiben.&#8220;<\/p>\n<p>Wie steht es um den deutschen Bankensektor? <strong>Mechthild Schrooten<\/strong> von der Hochschule Bremen geht in ihrem Beitrag dieser Frage nach. Auch zehn Jahre nach der Lehman-Pleite k\u00f6nne von einer nachhaltigen Stabilisierung des Finanzsektors in Deutschland keine Rede sein. Es sei zwar unmittelbar keine Bankenkrise zu erwarten, die Banken blieben aber die Achillesferse der Finanzm\u00e4rkte.<\/p>\n<p>Der Plan in Zukunft ein &#8222;too big to fail&#8220; zu verhindern, das hei\u00dft, Banken und die Bedeutung des Bankensektors schrumpfen zu lassen, wurde nicht umgesetzt. Im Gegenteil:&#8220;W\u00e4hrend die Zahl der Kreditinstitute seit Jahren sinkt, nimmt die durchschnittliche Bilanzsumme zu. Von der einstigen Idee, die Gr\u00f6\u00dfe der Banken zu begrenzen, ist nicht viel \u00fcbrig geblieben&#8220;, schreibt Schrooten. Tats\u00e4chlich h\u00e4tten sich die Regulierungsvorschriften aber nennenswert versch\u00e4rft, was zur Folge hat, dass das bilanzielle Eigenkapital tendenziell ausgebaut wurde. Anderseits geraten Gesch\u00e4ftsbanken durch ein sich wandelndes Marktumfeld unter Druck. Ihr Gesch\u00e4ftsmodell stehe an einem Wendepunkt, wo es darum gehe, in Konkurrenz zu neuen Dienstleistern innovative, zuk\u00fcnftige Gesch\u00e4ftsfelder zu erschlie\u00dfen. Bislang sei &#8222;die Innovationskraft des deutschen Bankensektors offenbar begrenzt&#8220;.<\/p>\n<p>Was das traditionelle Gesch\u00e4ft der Banken betrifft, sieht Schrooten zwei problematische Entwicklungen. Zum einen d\u00fcrfte &#8222;der stark verringerte Finanzierungsbedarf der \u00f6ffentlichen Haushalte [\u2026] auf Jahre eine erhebliche \u00dcberliquidit\u00e4t im gesamten Finanzsektor festschreiben&#8220;, und zur Folge haben, dass &#8222;immer weniger mit sehr guter Bonit\u00e4t gesicherte Anlagem\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Finanzintermedi\u00e4re zur Verf\u00fcgung stehen&#8220;. Die &#8217;schwarze Null&#8216; k\u00f6nne sich so zu einem Finanzmarktrisiko entwickeln. Zum anderen &#8222;[setzt der Gesch\u00e4ftsbankensektor] im Bereich der Kreditvergabe [\u2026] immer st\u00e4rker auf die Nachfrage nach Immobilienkrediten. Damit macht sich der Bankensektor auch von den Entwicklungen auf dem Immobilienmarkt abh\u00e4ngig.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Hans-Peter Burghof<\/strong> von der Universit\u00e4t Hohenheim konzentriert sich in seinem Beitrag auf die Entwicklung der Regulierungspolitik in Europa seit der Finanzkrise, die durch einen Wandel der Machtverh\u00e4ltnisse zwischen den Banken und ihren Aufsehern gekennzeichnet ist, und Gefahr laufe in Richtung einer &#8222;massiven \u00dcberregulierung&#8220; zu steuern. <\/p>\n<p>Obwohl die Ursachen f\u00fcr die Finanzkrise von 2007\/2008 vielf\u00e4ltig waren, Burghof nennt eine ganze Reihe popul\u00e4rer wie &#8222;weniger popul\u00e4rer&#8220; Krisenursachen, habe sich die \u00f6ffentliche und politische Krisenwahrnehmung in Europa darauf reduziert, &#8222;dass die Banken f\u00fcr die Finanzkrise verantwortlich seien&#8220;. Zwar &#8222;waren die Kreditinstitute als zentrale Institutionen des Kapitalmarktes in vielf\u00e4ltiger Weise in Entstehung und Verlauf der Krise involviert&#8220;, schreibt Burghof, aber: &#8222;Es waren nicht &#8218;die Banker&#8216; &#8222;. Die reduzierte Wahrnehmung bez\u00fcglich der Verantwortung der Banken sei jedoch entscheidend daf\u00fcr gewesen, dass &#8222;jede Regulierung der Banken gerechtfertigt ist, die dazu beitr\u00e4gt (oder auch nur beitragen k\u00f6nnte), dass so etwas nicht wieder passiert&#8220; und &#8222;[e]ine kritische Reflexion der einzelnen Regulierungsma\u00dfnahmen und der Regulierungsintensit\u00e4t in ihrer G\u00e4nze auf der Strecke [bleibt]&#8220;.<\/p>\n<p>&#8222;Vor der Finanzkrise konnten die Banken bei der Gestaltung der bankaufsichtlichen Normen mitwirken und diese oftmals in wesentlichen Z\u00fcgen bestimmen&#8220;, schreibt Burghof. &#8222;Seit der Finanzkrise beherrscht das Agenda Setting der Regulierer den Markt&#8220;. Die &#8222;tats\u00e4chliche Einwirkungsmacht&#8220; der Banken habe sich ge\u00e4ndert, was &#8222;in der gro\u00dfen Menge, Vielfalt und Komplexit\u00e4t der neuen Aufsichtsnormen zum Ausdruck&#8220; komme. &#8222;Eine gewaltige Beratungsindustrie lebt davon, Kreditinstitute auf neue Aufsichtsnormen vorzubereiten und sie bei deren Implementierung zu unterst\u00fctzen.&#8220;<\/p>\n<p>Bei seiner kritischen Bewertung der heutigen Regulierungspolitik wei\u00dft Burghof deshalb zun\u00e4chst auf die Kosten hin, die den Kreditinstituten direkt durch den b\u00fcrokratischen Aufwand entstehen und sie unter anderem in ihrer Flexibilit\u00e4t einschr\u00e4nken. Hinzu k\u00e4men systemische Risiken, wie Ausweichreaktionen in unregulierte Bereiche und auf den Kapitalmarkt. Auch sei die stabilisierend wirkende Vielfalt der Institutionen im &#8222;ausdifferenzierten deutschen Bankensystem&#8220; bedroht. Da kleine Institute relativ gesehen deutlich st\u00e4rker belastet w\u00fcrden als gro\u00dfe, systemische Institute, bestehe zudem ein Fehlanreiz zur Fusionierung. Am Ende dieses Entwicklungspfades stehe ein Bankensystem, das wesentlich riskanter sei als der Ausgangszustand.<\/p>\n<p>Zudem stellt Burghof mit Blick auf die USA und m\u00f6gliche Deregulierungsma\u00dfnamen in Gro\u00dfbritannien nach dem Brexit heraus, dass eine \u00dcberregulierung des Bankensektors f\u00fcr Europa einen Wettbewerbsnachteil dar stelle, und warnt: &#8222;Genau wie zu wenig Regulierung ist also auch das \u00dcberma\u00df an Regulierung ineffizient und gef\u00e4hrlich.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Stephan Schulmeister<\/strong>, Universit\u00e4tslektor in Wien, setzt sich in seinem Beitrag mit den systemischen Hauptursachen der Finanzkrise auseinander und kritisiert dabei, dass die Theorie der Mainstream-\u00d6konomen es ihnen nicht erlaubt hat, diese zu erkennen.<\/p>\n<p>Wie konnte es zur Finanzkrise kommen? Es war &#8222;[d]ie gleichzeitige Entwertung von Aktien-, Immobilien- und Rohstoffverm\u00f6gen 2007\/2008 durch drei B\u00e4renm\u00e4rkte, denen drei simultane Bullenm\u00e4rkte vorangegangen waren&#8220;, schreibt Schulmeister, wobei &#8222;die realwirtschaftlichen Folgen simultaner B\u00e4renm\u00e4rkte sich wechselseitig [verst\u00e4rken].&#8220; Der \u00f6konomische Mainstream konnte auf die Ursachenfragen keine Antwort finden, weil es nach seiner Theorie, der &#8222;um &#8218;rationale Erwartungen&#8216; erg\u00e4nzten Gleichgewichtstheorie&#8220;, in der Praxis &#8222;undenkbar&#8220; sei, &#8222;dass (ausgerechnet) die &#8218;freiesten&#8216; M\u00e4rkte permanent Abweichungen der Preise von ihren &#8218;fundamentalen&#8216; Gleichgewichten generieren, also Bullen- und B\u00e4renm\u00e4rkte&#8220;.<\/p>\n<p>In der Dynamik spekulativer Preise manifestierten sich die Widerspr\u00fcche zwischen Annahmen und Aussagen der Gleichgewichtstheorie und der \u00f6konomischen Realit\u00e4t besonders markant, so Schulmeister. Die in Studien dokumentierte &#8222;&#8218;abnormale&#8220; Profitabilit\u00e4t von &#8222;trading systems&#8220; widerspricht der Theorie effizienter Finanzm\u00e4rkte, und l\u00e4sst vermuten, dass &#8222;die &#8218;freiesten&#8216; M\u00e4rkte nicht einmal schwach effizient [w\u00e4ren]&#8220;. Solche Systeme, die sich nur an vergangenen Kursen und nicht an Fundamentaldaten orientieren, spielten aber eine entscheidende Rolle bei der Verst\u00e4rkung von Trends bei der Kursentwicklung \u2013 nach oben, wie nach unten.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend in den 1950er und 1960er Jahren die Wirtschaftspolitik &#8222;den Spielraum f\u00fcr Spekulation der &#8218;money makers&#8216; radikal beschr\u00e4nkte \u2013 bei &#8222;[\u2026] Zinss\u00e4tzen unter der Wachstumsrate und &#8217;schlummernden&#8216; Aktienm\u00e4rkten konnte sich das Profitstreben nur in der Realwirtschaft entfalten&#8220; \u2013, erfolgte, so Schulmeister, in den 1970er Jahren der \u00dcbergang von einer realkapitalistischen zu einer finanzkapitalistischen &#8222;Spielanordnung&#8220;. Nach 1980 lag der Zinssatz in Europa 35 Jahre lang \u00fcber der Wachstumsrate. Unter anderem deshalb &#8222;verlagerten die (nicht-finanziellen) Unternehmen ihre Aktivit\u00e4ten von der Real- zur Finanzwirtschaft: Ihre Nettokreditaufnahme sank, seit etwa 15 Jahren ist der Unternehmenssektor zu einem \u00dcberschusssektor geworden [\u2026]&#8220; und &#8222;bildet immer mehr Finanzkapital&#8220;.<\/p>\n<p>Beim Blick auf die Gegenwart stellt Stephan Schulmeister heraus, dass die Aktienkurse in den letzten Jahren st\u00e4rker gestiegen sind als vor den B\u00f6rsencrashs 2000 und 2008. Und weiter: &#8222;Seit sechs Jahren boomen die Immobilienpreise in den USA so stark wie vor Ausbruch der Finanzkrise, gleichzeitig steigen sie auch in L\u00e4ndern wie Deutschland, in denen dies vor 2008 geschehen war, stark \u00fcberdurchschnittlich. Zus\u00e4tzlich boomten die Anleihekurse wie nie zuvor [\u2026].\u201c Schulmeister ist pessimistisch und h\u00e4lt es f\u00fcr wahrscheinlich, dass \u00fcber kurz oder lang simultane B\u00e4renm\u00e4rkte zu einem neuerlichen Absturz f\u00fchren werden.<br \/>\n<a name=\"pdf\"><\/a><br \/>\nLesen Sie hier exklusiv vorab ausf\u00fchrlich die f\u00fcnf Beitr\u00e4ge des aktuellen Zeitgespr\u00e4chs zur Frage der Stabilit\u00e4t der Finanzm\u00e4rkte aus der August-Ausgabe des <em>Wirtschaftsdienst<\/em>: <\/p>\n<p><a title=\"'Zehn Jahre nach der Lehman-Pleite \u2013 Finanzm\u00e4rkte stabil?, in: Wirtschaftsdienst 8\/2018 , S. 539-557 (pdf)\" href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2018\/08\/wirtschaftsdienst_8-2018_Zehn-Jahre-nach-der-Lehman-Pleite.pdf\"><strong><em>Zehn Jahre nach der Lehman-Pleite \u2013 Finanzm\u00e4rkte stabil?<\/em><\/strong><\/a>, in: Wirtschaftsdienst 8\/2018 (mit folgenden Beitr\u00e4gen: &#8222;<em>Was w\u00e4re, wenn der Lehman-Konkurs heute stattf\u00e4nde?<\/em>&#8220; von Martin Hellwig; &#8222;<em>Das Bankensystem im Euroraum \u2013 viel Bewegung, wenig Hoffnung<\/em>&#8220; von Jochen Zimmermann; &#8222;<em>Entwicklung des deutschen Bankensektors: traditionelle Gesch\u00e4ftsfelder schrumpfen<\/em>&#8220; von Mechthild Schrooten; &#8222;<em>Banken nach der Finanzkrise \u2013 einmal \u00dcberregulierung und zur\u00fcck<\/em>&#8220; von Hans-Peter Burghof; &#8222;<em>Wie die &#8218;unsichtbare Hand&#8216; des Marktes in die Finanzkrise f\u00fchrte<\/em>&#8220; von Stephan Schulmeister)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Exklusiv aus dem Wirtschaftsdienst: Die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers am 15. 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