{"id":1148,"date":"2009-11-09T15:48:43","date_gmt":"2009-11-09T14:48:43","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/?p=1148"},"modified":"2009-11-09T16:49:03","modified_gmt":"2009-11-09T15:49:03","slug":"industrieproduktion-hebt-ab-vom-kellerboden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2009\/11\/09\/industrieproduktion-hebt-ab-vom-kellerboden_1148","title":{"rendered":"Industrieproduktion hebt ab &#8211; vom Kellerboden"},"content":{"rendered":"<p>Nur auf den ersten Blick waren die <a href=\"http:\/\/www.bmwi.de\/BMWi\/Navigation\/Presse\/pressemitteilungen,did=319564.html\" target=\"_blank\">heutigen Zahlen f\u00fcr die Industrieproduktion vom September sensationell (+2,7% m\/m)<\/a>, auf den zweiten Blick wird schnell klar, dass sie nun endlich, und auch nur teilweise, auf die <a href=\"http:\/\/www.bmwi.de\/BMWi\/Navigation\/Presse\/pressemitteilungen,did=319428.html\" target=\"_blank\">Auftragseing\u00e4nge<\/a> reagiert haben, die bereits seit M\u00e4rz im Aufwind sind: Deren Verlaufsrate betrug im Zeitraum Februar bis September 2009 real und saisonbereinigt n\u00e4mlich nicht weniger als +34,6 Prozent, w\u00e4hrend die vergleichbare Zahl f\u00fcr die Produktion bei lediglich +12,0 Prozent lag.<!--more--> <\/p>\n<p>Um die hohen Zuwachsraten in die richtige Perspektive zu r\u00fccken: Die Auftragseing\u00e4nge waren im September immer noch um 13,0 Prozent niedriger als vor einem Jahr und um 26,1 Prozent unter ihrem H\u00f6chststand vom November 2007. Da gibt es noch eine Menge aufzuholen. Das gilt auch f\u00fcr die Produktion. Trotz des scharfen Anstiegs im August und September errechnet sich gegen\u00fcber dem Vorjahr ein R\u00fcckgang um 12,9 Prozent von 15,8 Prozent gegen\u00fcber dem zyklischen Hoch von Februar 2008. Die Outputl\u00fccke, die Differenz zwischen dem, was tats\u00e4chlich produziert wird und dem was bei Vollauslastung produziert werden k\u00f6nnte, ist nach wie vor riesig. Sie betr\u00e4gt etwa 20 Prozent.<\/p>\n<p>Immerhin bewegen sich die Zahlen in die richtige Richtung. Mein Mitblogger Uwe Richter hatte vor einem Monat gesch\u00e4tzt, dass das reale Sozialprodukt Deutschlands im dritten Quartal gegen\u00fcber dem zweiten Quartal mit einer Verlaufsrate von rund 5 Prozent zugelegt haben d\u00fcrfte. Er war damit deutlich optimistischer als die Konkurrenz in den Instituten und Banken. Chapeau! &#8211; es wird mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit so kommen wie er es vermutet hatte (die erste offizielle Sch\u00e4tzung wird am 13. November ver\u00f6ffentlicht).<\/p>\n<p>Es gibt aber keinen Anlass zur Euphorie: Das BIP, die gesamtwirtschaftliche Produktion, bewegt sich weiterhin auf \u00e4u\u00dferst niedrigem Niveau (-4,4 Prozent gegen Vorjahr, -6,9 Prozent gegen\u00fcber dem Produktionspotenzial). Selbst wenn es im vierten Quartal noch einmal einen kr\u00e4ftigen Zuwachs geben sollte &#8211; was die Fr\u00fchindikatoren und der Arbeitsmarkt nahe legen -, bleiben die Kapazit\u00e4ten deutlich unterausgelastet. Der Einbruch, zu dem es in den beiden letzten Winterquartalen gekommen war, l\u00e4sst sich nicht so schnell wettmachen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2009\/11\/ifo_Prod_Erwart_plus_3m_Vergleich_sigma_0909.gif\" alt=\"Grafik: Industrieproduktion und Ifo Gesch\u00e4ftserwartungen\" title=\"Industrieproduktion und Ifo Gesch\u00e4ftserwartungen\" \/><\/p>\n<p>Insgesamt entwickelt sich die Konjunktur jedoch viel besser als noch vor Kurzem bef\u00fcrchtet. Ich muss auch sagen, dass sich die Personalpolitik der Unternehmen, mit Hilfe von Kurzarbeit Entlassungen so weit es geht zu vermeiden, als richtig erwiesen hat &#8211; bisher jedenfalls. Ein wichtiger Nebeneffekt dieser Strategie war \u00fcbrigens, dass die Inlandsnachfrage einigerma\u00dfen stabilisiert werden konnte. Wenn der Aufw\u00e4rtstrend bei den Auftragseing\u00e4ngen anh\u00e4lt, werden zudem die Leute, die in den kommenden Monaten noch ihren Job verlieren, ziemlich leicht einen neuen finden.<\/p>\n<p>Wird der Trend anhalten? Auf Sicht von zwei oder drei Quartalen bin ich optimistisch. So lange tragen noch die wirtschaftspolitischen Ma\u00dfnahmen und die Wiederauff\u00fcllung der Lagerbest\u00e4nde. Es sieht auch danach aus, dass der Welthandel wieder Fahrt aufnimmt und dass die Abh\u00e4ngigkeit der globalen Konjunktur vom amerikanischen Konsumenten doch nicht so gro\u00df ist wie gedacht. Die Schwellenl\u00e4nder haben so hohe Sparquoten und so gro\u00dfen Nachholbedarf bei Konsum und Investitionen, dass sie erstaunlich positiv auf keynesianische Stimuli reagieren und offenbar den Sprung zu einem sich selbst tragenden Aufschwung schaffen. Erstmals k\u00f6nnte ein &#8222;Decoupling&#8220; gelingen.<\/p>\n<p>F\u00fcr Deutschland stehen daher die Ampeln im Au\u00dfenhandel auf Gr\u00fcn, w\u00e4hrend bei der Inlandsnachfrage die neuerdings wieder leicht steigende Besch\u00e4ftigung sowie die kr\u00e4ftige Verbesserung der Terms of Trade (also der Kaufkraft &#8211; durch den starken Euro) stabilisierend wirken. Ich kann es fast nicht glauben, und ich weise daher vorsichtshalber auf die gro\u00dfen Risiken hin, die es nach wie vor gibt: die r\u00fcckl\u00e4ufige Kreditvergabe an den privaten Sektor, den neuen Anstieg der Rohstoffpreise sowie die Gefahr, dass sich in den Schwellenl\u00e4ndern schon wieder Asset Price Bubbles entwickeln, die irgendwann mal definitionsgem\u00e4\u00df platzen und uns dann in den Abgrund ziehen werden, aus dem wir gerade mal so eben begonnen haben hervorzuklettern. Wenn ich mir allerdings die Kurs-Gewinnverh\u00e4ltnisse der chinesischen oder indischen Aktienindices anschaue &#8211; 23,4 und 19,4 f\u00fcr Schanghai und Mumbai, auf der Basis der erwarteten Gewinne f\u00fcr 2009 -, w\u00fcrde ich eher folgern, dass wir es bislang noch nicht mit richtig gro\u00dfen Blasen zu tun haben und die Weltwirtschaft von dieser Seite her nicht sehr gef\u00e4hrdet ist.<\/p>\n<p>Klar ist allerdings, dass die Outputl\u00fccke, so gro\u00df sie immer noch ist, sowohl in Deutschland als auch im Euroland insgesamt zur Zeit schrumpft und damit der Zeitpunkt n\u00e4her r\u00fcckt, an dem die EZB die Z\u00fcgel anziehen wird. Wenn der Euro nicht so fest w\u00e4re! Er sorgt daf\u00fcr, dass die Inflation unter Kontrolle bleiben wird und eine dauerhafte Deflation immer noch eine realistische Chance hat. Der EZB sind dadurch gl\u00fccklicherweise die H\u00e4nde gebunden. Erst wenn es beim Wechselkurs eine Wende geben sollte und die Konjunktur gleichzeitig gen\u00fcgend robust erscheint, ist an h\u00f6here Zinsen zu denken. Woran l\u00e4sst sich festmachen, dass die Konjunktur robust ist? Vor allem an stagnierenden oder, besser noch, sinkenden Arbeitslosenquoten im Euroraum. Bisher steigen diese jedoch weiterhin Monat f\u00fcr Monat und werden bald die 10-Prozentmarke erreicht haben. In Deutschland sieht es unter den gegebenen Umst\u00e4nden ganz gut aus, bei unseren Nachbarn aber keineswegs. Das schlie\u00dft eine Wende in der Wirtschaftspolitik f\u00fcr&#8217;s Erste aus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nur auf den ersten Blick waren die heutigen Zahlen f\u00fcr die Industrieproduktion vom September sensationell (+2,7% m\/m), auf den zweiten Blick wird schnell klar, dass sie nun endlich, und auch nur teilweise, auf die Auftragseing\u00e4nge reagiert haben, die bereits seit M\u00e4rz im Aufwind sind: Deren Verlaufsrate betrug im Zeitraum Februar bis September 2009 real und [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":61,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[],"class_list":["post-1148","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-konjunktur-und-wirtschaftspolitik"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v21.0 - https:\/\/yoast.com\/wordpress\/plugins\/seo\/ -->\n<title>Industrieproduktion hebt ab - vom Kellerboden - Herdentrieb<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2009\/11\/09\/industrieproduktion-hebt-ab-vom-kellerboden_1148\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Industrieproduktion hebt ab - vom Kellerboden - Herdentrieb\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Nur auf den ersten Blick waren die heutigen Zahlen f\u00fcr die Industrieproduktion vom September sensationell (+2,7% m\/m), auf den zweiten Blick wird schnell klar, dass sie nun endlich, und auch nur teilweise, auf die Auftragseing\u00e4nge reagiert haben, die bereits seit M\u00e4rz im Aufwind sind: Deren Verlaufsrate betrug im Zeitraum Februar bis September 2009 real und [&hellip;]\" \/>\n<meta property=\"og:url\" content=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2009\/11\/09\/industrieproduktion-hebt-ab-vom-kellerboden_1148\" \/>\n<meta property=\"og:site_name\" content=\"Herdentrieb\" \/>\n<meta property=\"article:published_time\" content=\"2009-11-09T14:48:43+00:00\" \/>\n<meta property=\"article:modified_time\" content=\"2009-11-09T15:49:03+00:00\" \/>\n<meta property=\"og:image\" content=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2009\/11\/ifo_Prod_Erwart_plus_3m_Vergleich_sigma_0909.gif\" \/>\n<meta name=\"author\" content=\"Dieter Wermuth\" \/>\n<meta name=\"twitter:card\" content=\"summary_large_image\" \/>\n<meta name=\"twitter:creator\" content=\"@zeitonline\" \/>\n<meta name=\"twitter:site\" content=\"@zeitonline\" \/>\n<meta name=\"twitter:label1\" content=\"Geschrieben von\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data1\" content=\"Dieter Wermuth\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:label2\" content=\"Gesch\u00e4tzte Lesezeit\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data2\" content=\"4\u00a0Minuten\" \/>\n<script type=\"application\/ld+json\" class=\"yoast-schema-graph\">{\"@context\":\"https:\/\/schema.org\",\"@graph\":[{\"@type\":\"WebPage\",\"@id\":\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2009\/11\/09\/industrieproduktion-hebt-ab-vom-kellerboden_1148\",\"url\":\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2009\/11\/09\/industrieproduktion-hebt-ab-vom-kellerboden_1148\",\"name\":\"Industrieproduktion hebt ab - vom Kellerboden - Herdentrieb\",\"isPartOf\":{\"@id\":\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/#website\"},\"datePublished\":\"2009-11-09T14:48:43+00:00\",\"dateModified\":\"2009-11-09T15:49:03+00:00\",\"author\":{\"@id\":\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/#\/schema\/person\/cded255e8a7893fa16565de10e59b891\"},\"breadcrumb\":{\"@id\":\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2009\/11\/09\/industrieproduktion-hebt-ab-vom-kellerboden_1148#breadcrumb\"},\"inLanguage\":\"de\",\"potentialAction\":[{\"@type\":\"ReadAction\",\"target\":[\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2009\/11\/09\/industrieproduktion-hebt-ab-vom-kellerboden_1148\"]}]},{\"@type\":\"BreadcrumbList\",\"@id\":\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2009\/11\/09\/industrieproduktion-hebt-ab-vom-kellerboden_1148#breadcrumb\",\"itemListElement\":[{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":1,\"name\":\"Startseite\",\"item\":\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\"},{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":2,\"name\":\"Industrieproduktion hebt ab &#8211; vom Kellerboden\"}]},{\"@type\":\"WebSite\",\"@id\":\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/#website\",\"url\":\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/\",\"name\":\"Herdentrieb\",\"description\":\"So funktioniert Kapitalismus. 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