{"id":1303,"date":"2010-01-22T18:10:12","date_gmt":"2010-01-22T17:10:12","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/?p=1303"},"modified":"2010-05-07T11:26:20","modified_gmt":"2010-05-07T09:26:20","slug":"vor-einem-crash-des-goldpreises","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2010\/01\/22\/vor-einem-crash-des-goldpreises_1303","title":{"rendered":"Vor einem Crash des Goldpreises"},"content":{"rendered":"<p>Warum h\u00e4lt sich der Goldpreis so gut? Was ist das Geheimnis um den Handel mit Gold? Seit seinem historischen Hoch von 1215,70 Dollar am 2. Dezember vergangenen Jahres ist er zwar um 9,9 Prozent gesunken, er bewegt sich aber immer noch auf einem au\u00dferordentlich hohen Niveau. Vom Crash der Rohstoffpreise im Sommer 2008 war auch Gold betroffen, aber nur vergleichsweise wenig (-29 Prozent, vom 17. M\u00e4rz bis zum 12. November) &#8211; seitdem ging es weiter st\u00fcrmisch aufw\u00e4rts (+53,4 Prozent). Die Goldrallye ist inzwischen neun Jahre alt. In dieser Zeit hat sich der Preis um 325% erh\u00f6ht, was einer durchschnittlichen j\u00e4hrlichen Zuwachsrate von 18,1 Prozent entspricht. Ein Teil des Anstiegs kann als Kompensation f\u00fcr den schwachen Dollar gelten &#8211; er hatte gegen\u00fcber dem Euro in dieser Zeit im Jahresdurchschnitt 4,8 Prozent verloren. Das reicht aber als Erkl\u00e4rung f\u00fcr den H\u00f6henflug des Goldpreises nicht ann\u00e4hernd aus.<!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2010\/01\/Goldpreis_USD_taeglich_seit_1968.gif\" alt=\"Grafik: Goldpreis in USD\" title=\"Goldpreis in USD\" width=\"400\" height=\"289\" class=\"size-full wp-image-1307\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2010\/01\/Goldpreis_USD_taeglich_seit_1968.gif 400w, https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2010\/01\/Goldpreis_USD_taeglich_seit_1968-300x216.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/p>\n<p>Wir haben es mit einer Blase zu tun, und diese wird \u00fcber kurz oder lang platzen m\u00fcssen. Das sage ich allerdings schon lange. Selten habe ich mit meinen Marktprognosen so daneben gelegen. Ein untr\u00fcgliches Zeichen, dass ich diesmal recht behalten werde, sind jedoch die Versuche der Goldlobby, mit immer neuen Argumenten die Preise weiter nach oben zu treiben. Das nenne ich mal das &#8222;this time is different&#8220;-Syndrom, nach dem Titel des k\u00fcrzlich erschienen Buchs von Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff. Wenn die normale Logik nicht mehr ausreicht, oder sogar f\u00fcr einen Preisr\u00fcckgang spricht, muss eine neue Erkl\u00e4rung der Welt her, oder mindestens der M\u00e4rkte, damit die Leute weiter kaufen und die Verk\u00e4ufer ihre Boni verdienen k\u00f6nnen. Dann ist gr\u00f6\u00dfte Wachsamkeit geboten. So leicht werden die \u00f6konomischen Grundregeln n\u00e4mlich nicht durch neue ausgehebelt.<\/p>\n<p>Sehen wir uns die beiden Seiten der Debatte an. Zun\u00e4chst: Mit welchen Argumenten wird der hohe Goldpreis gerechtfertigt? <\/p>\n<p>Vor allem mit den niedrigen und zudem seit Jahren fallenden Zinsen! Wenn ich mir Geld leihen kann, ohne viel daf\u00fcr zu zahlen, f\u00e4llt es, gemessen am finanziellen Aufwand, nicht schwer, mir einen Goldvorrat anzuschaffen, mal unterstellt, ich sei kreditw\u00fcrdig. Oder anders herum: Ob ich mir mein Erspartes auf ein Terminkonto zu 0,5 Prozent lege oder mir stattdessen unverzinsliches Gold kaufe, macht keinen gro\u00dfen Unterschied. Im \u00dcbrigen: je niedriger die Zinsen, desto mehr kann ich mich verschulden, desto mehr Gold kann ich erwerben und desto st\u00e4rker steigt dadurch der Goldpreis. Kurz, wenn es nicht danach aussieht, dass die Notenbanken die Z\u00fcgel anziehen werden, sind Nullzinsen f\u00fcr den Goldpreis eine starke fundamentale St\u00fctze. So ist es im Augenblick<\/p>\n<p>Beim Gold muss aber offenbar noch etwas anderes hinzukommen, denn sonst g\u00e4be es ja nicht die gro\u00dfe Diskrepanz zur Entwicklung der \u00fcbrigen Rohstoffpreise, einschlie\u00dflich des \u00d6lpreises. Gold dient seit alters her dem Schutz gegen einen Verlust von Kaufkraft, gegen die Entwertung von Papiergeld durch Inflation. Wer sich vor Inflation f\u00fcrchtet, dessen Motivation f\u00fcr den Kauf von Gold ist allerdings genau entgegengesetzt zu der Motivation, die im vorigen Absatz beschrieben wurde, die n\u00e4mlich darauf setzt, dass die Zinsen niedrig bleiben werden. Die einen kaufen Gold, weil die Finanzierung so attraktiv ist und auch bleiben wird &#8211; weil es keine Inflation gibt -, die anderen kaufen Gold, weil sie Angst vor steigender Inflation haben!<\/p>\n<p>Wenn man sich anschaut, wie das Finanzsystem mit Zentralbankgeld \u00fcberschwemmt wird, vor allem in den USA (von 800 Mrd. Dollar auf 2.000 Mrd. Dollar innerhalb von eineinviertel Jahren), kann man schon Angst bekommen. Da beruhigt vermutlich auch nicht der Hinweis, dass der Zusammenhang zwischen Zentralbankgeld, Kreditexpansion und Wirtschaftswachstum nicht mehr besteht, dass der sogenannte Transmissionsprozess gest\u00f6rt ist, weil Haushalte und Unternehmen, einschlie\u00dflich der Banken, nichts anderes im Sinn haben, als ihre Schulden abzubauen. Wer \u00fcberschuldet ist, hat kein Interesse daran, neue Schulden aufzunehmen &#8211; oder h\u00e4lt es f\u00fcr zu gef\u00e4hrlich. <\/p>\n<p>F\u00fcr die Skeptiker ist die gegenw\u00e4rtige Stabilit\u00e4t der Verbraucherpreise allerdings nur ein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen: Wenn so aggressiv Geld gedruckt wird wie zur Zeit, sei ein starkes Anziehen der Inflation praktisch zwangsl\u00e4ufig. Sie raten daher zum Kauf von Gold. Sie sind auch \u00fcberzeugt, dass es am Ende zu einer systemischen Krise kommt, also zu einem Zusammenbruch des jetzigen W\u00e4hrungssystems, wie wir es seit dem Ende von Bretton Woods kennen, als die letzte Verbindung des Dollar ans Gold gekappt wurde. Mit ungedecktem Papiergeld w\u00fcrde sich dann nichts mehr kaufen lassen, mit Goldm\u00fcnzen dagegen schon.<\/p>\n<p>Klar ist au\u00dferdem, dass der Umlauf von Dollars au\u00dferhalb der USA in den letzten Jahren infolge der Devisenmarktinterventionen vor allem der Schwellenl\u00e4nder explosionsartig zugenommen hat. Der Dollar ist kein so knappes Gut mehr und d\u00fcrfte aus diesem Grund nur begrenzt &#8211; oder immer weniger &#8211; als Wertaufbewahrungsmittel oder als Parallelw\u00e4hrung in L\u00e4ndern ohne politisch unabh\u00e4ngige Notenbanken taugen. Der Euro ist f\u00fcr viele noch keine attraktive Alternative, da es im Euroland an einer gemeinsamen Finanzpolitik fehlt und das \u00dcberleben der neuen W\u00e4hrung immer mal wieder angezweifelt wird, so wie zur Zeit wegen der Probleme mit Griechenland. Beim Gold w\u00fcssten die Anleger dagegen, woran sie sind.<\/p>\n<p>\u00c0 propos Devisenreserven, ein relativ neues Argument pro-Gold geht so: Die Best\u00e4nde der Notenbanken an Dollar und Euro haben so stark zugenommen, dass der Anteil der Goldreserven unter ein w\u00fcnschenswertes Niveau gesunken ist und daher gesteigert werden m\u00fcsse &#8211; was zwangsl\u00e4ufig zu einer Zusatznachfrage nach Gold f\u00fchrt. In China, Japan, Russland und Taiwan, die allesamt \u00fcber gewaltige Devisenbest\u00e4nde verf\u00fcgen, liegt der Anteil des Goldes an den gesamten W\u00e4hrungsreserven bei unter 5 Prozent. In den USA, in Deutschland, Italien und Frankreich sind es dagegen zwischen 63 und 70 Prozent!!<\/p>\n<p>Gleichzeitig sei zu beobachten, dass die Notenbanken der OECD-L\u00e4nder nicht mehr als Nettoverk\u00e4ufer auftreten. Vielleicht \u00e4rgern sie sich dar\u00fcber, dass sie das Gold in der Vergangenheit zu billig in den Markt gegeben haben, vielleicht haben sie auch erste Zweifel am Bestand des Systems flexibler Wechselkurse, wer wei\u00df. Damit entf\u00e4llt jedenfalls eine wichtige Angebotsquelle. Immerhin halten die Notenbanken rund ein F\u00fcnftel (30.000 Tonnen) des im Laufe der Menschheitsgeschichte gef\u00f6rderten oder gefundenen Goldes. (\u00dcbrigens verf\u00fcgt die Bundesbank noch \u00fcber 3.400 Tonnen.)<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/minerals.usgs.gov\/ds\/2005\/140\/gold.pdf\" target=\"_blank\">In den vergangenen sechs Jahren bis einschlie\u00dflich 2008 ist zudem die F\u00f6rderung von Gold tendenziell leicht zur\u00fcck gegangen<\/a>, was den Goldbullen ein weiteres Argument lieferte; es w\u00fcrden kaum noch neue Goldvorkommen entdeckt. Nun ja, wie jeder \u00d6konom wei\u00df, sind Bodensch\u00e4tze de facto unersch\u00f6pflich. Das gilt f\u00fcr Gold genauso wie f\u00fcr Erd\u00f6l &#8211; es ist alles nur eine Frage des Preises. <a href=\"http:\/\/www.boerse-go.de\/nachricht\/Gold-Preishoehe-erklaert-sich-aus-Spekulationsfreude-Schmucknachfrage-schwach,a2054237.html\" target=\"_blank\">Im vergangenen Jahr jedenfalls sollen wieder 2.553 Tonnen ans Tageslicht gebracht worden sein, 6 Prozent mehr als 2008<\/a>.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2010\/01\/Weltgoldproduktion_1900-2008.gif\" alt=\"Grafik: J\u00e4hrliche Weltgoldprodution 1900-2008\" title=\"J\u00e4hrliche Weltgoldprodution 1900-2008\" width=\"400\" height=\"296\" class=\"size-full wp-image-1312\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2010\/01\/Weltgoldproduktion_1900-2008.gif 400w, https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2010\/01\/Weltgoldproduktion_1900-2008-300x222.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/p>\n<p>Auf der Nachfrageseite spielt offenbar auch eine Rolle, dass ein armes Land wie Indien sehr rasant w\u00e4chst. Gold wird bei Hochzeiten in gro\u00dfem Stil geschenkt, vielleicht weil es keine richtige Alterssicherung gibt und die Rupie traditionell eine Schwachw\u00e4hrung ist &#8211; gerade liegt die Inflation bei den Verbraucherpreisen im Vorjahresvergleich schon wieder bei 13,5 Prozent. Mit steigendem Wohlstand und angesichts einer Bev\u00f6lkerung von mehr als 1,1 Milliarden Menschen sowie eines j\u00e4hrlichen Bev\u00f6lkerungswachstums von 1,8 Prozent nimmt der Bedarf an Gold sprunghaft zu. Indien ist bereits heute der gr\u00f6\u00dfte Markt, vor den USA und den OPEC-L\u00e4ndern. Die \u00fcbrigen Schwellenl\u00e4nder, China vor allem, haben vermutlich ebenfalls einen gewaltigen Nachholbedarf &#8211; <a href=\"http:\/\/www.boerse-go.de\/nachricht\/Gold-Preishoehe-erklaert-sich-aus-Spekulationsfreude-Schmucknachfrage-schwach,a2054237.html\" target=\"_blank\">ich lese allerdings gerade, dass die globale Schmucknachfrage wegen der hohen Preise stark r\u00fcckl\u00e4ufig ist<\/a>. Die Spekulanten, auch Investoren genannt, dominieren zur Zeit den Markt, was ihn nat\u00fcrlich sehr anf\u00e4llig macht (das geh\u00f6rt schon zu den Gegenargumenten!).<\/p>\n<p>Nach einem anderen, f\u00fcr mich ziemlich ungew\u00f6hnlichen Argument wird das Angebot an Gold aus Absicherungs- oder Hedgegesch\u00e4ften weiter zur\u00fcckgehen und damit den Goldpreis in die H\u00f6he treiben, wie schon in den vergangenen neun Jahren. Wie geht das? <\/p>\n<p>In den achtziger und neunziger Jahren wollten sich die Produzenten zunehmend gegen einen Verfall der Preise sch\u00fctzen. Dazu verkauften sie ihr Gold per Termin (etwa in drei Monaten) an eine Bank; die lieh sich umgehend gegen eine geringe Leasinggeb\u00fchr physisches Gold von einer Zentralbank, verkaufte es am &#8222;Spotmarkt&#8220;, also per sofort, legte den Ertrag &#8222;fristenkongruent&#8220; (also f\u00fcr drei Monate) am Geldmarkt an und gab das Gold in dem Moment an die Zentralbank zur\u00fcck, in dem der Produzent es lieferte (nach drei Monaten). Gleichzeitig konnte die Bank den Minenbetreiber aus der f\u00e4lligen Geldmarktanlage bezahlen. Daraus ergab sich f\u00fcr die Bank ein Zinsgewinn, geschm\u00e4lert durch die Leihgeb\u00fchr. In dem Ma\u00dfe, wie der Umfang dieser Hedgeoperationen zunahm, vergr\u00f6\u00dferte sich das Angebot an Gold und dr\u00fcckte damit auf die Preise.<\/p>\n<p>Im vergangenen Jahrzehnt ging es dann in die andere Richtung &#8211; es wurde immer weniger Gold per Termin abgesichert, weil die Produzenten (angeblich) auf steigende Preise setzten und erst dann verkauften, wenn das Gold auch physisch verf\u00fcgbar war, also ein paar Monate sp\u00e4ter und zu h\u00f6heren Preisen. Das verminderte per Saldo das Angebot an Gold &#8211; und trieb damit dessen Preis in die H\u00f6he. Diese Strategie bestimme auch heute noch das Marktgeschehen.<\/p>\n<p>Habe ich was vergessen?<\/p>\n<p>Dann jetzt meine Gegenargumente:<\/p>\n<p>Hauptverantwortlich f\u00fcr den Goldpreisboom war aus meiner Sicht der starke R\u00fcckgang der Zinsen. Damit ist aber mehr oder weniger Schluss (auch wenn ich nichts dagegen h\u00e4tte, wenn die Notenbanken eines Tages negative Zinsen einf\u00fchren w\u00fcrden &#8211; als Mittel gegen \u00fcberm\u00e4\u00dfiges Sparen, Rezession und Deflation). Die Prognose, dass das Halten von Gold nicht mehr viel billiger wird, ebenso wie die Kredite, mit denen Goldk\u00e4ufe finanziert werden, d\u00fcrfte nicht sehr k\u00fchn sein. Au\u00dferdem denken die Notenbanker \u00fcber ein Ende des billigen und reichlichen Geldes nach, und sie k\u00f6nnten sich dabei durch die f\u00fcr eine Weile anziehenden (headline-) Inflationsraten best\u00e4tigt f\u00fchlen. Nicht gut f\u00fcr den Goldpreis!<\/p>\n<p>Wie steht es mit den Inflationsgefahren auf mittlere Sicht, wie berechtigt ist die Furcht, dass es doch eines Tages wieder zu hohen Inflationsraten kommt? Keine Frage, die Zentralbanken tun was sie k\u00f6nnen, damit die Inflation wieder anspringt oder, genauer, dass es nicht zu einer Deflation kommt. Wenn das Preisniveau sinkt und die Notenbankzinsen bereits bei Null angekommen sind, ist es nicht mehr m\u00f6glich, durch eine Senkung der Realzinsen die Nachfrage und damit die Konjunktur zu stimulieren. Das wichtigste Instrument der Geldpolitik w\u00fcrde wirkungslos. Mit diesem Problem k\u00e4mpft die Bank von Japan seit vielen Jahren und es sieht nicht aus, als ob sie es in den Griff bekommen k\u00f6nnte: Die Inflationsrate liegt in Japan bei minus 2 Prozent, die L\u00f6hne sind um etwa 3 Prozent niedriger als vor Jahresfrist.<\/p>\n<p>Ich will nicht sagen, dass wir auch in den anderen Industriel\u00e4ndern auf eine solche Situation zusteuern, aber wir lernen gerade, dass auch eine sehr expansive Geldpolitik nicht automatisch in die Hyperinflation f\u00fchrt. So weit es sich um eine sogenannte Bilanzrezession handelt, bei der der Abbau von Schulden nach dem Platzen von Verm\u00f6gensblasen Priorit\u00e4t hat, kann keine Inflation entstehen. Danach sieht es in wichtigen L\u00e4ndern wie den USA, Gro\u00dfbritannien, Spanien und, wie gesagt, auch noch in Japan aus. <\/p>\n<p>Nicht nur die Haushalte sind vielfach \u00fcberschuldet, auch die Banken haben weiterhin einen gro\u00dfen Wertberichtigungsbedarf &#8211; das gilt nicht nur f\u00fcr Banken in einzelnen L\u00e4ndern, sondern weltweit. Vielleicht sind demn\u00e4chst sogar die chinesischen mit von der Partie! Vor ein paar Tagen hat das McKinsey Global Institute einen Bericht ver\u00f6ffentlicht, in dem unter anderem gezeigt wird, dass es in allen gro\u00dfen L\u00e4ndern nach wie vor im Finanzsektor kriselt.<\/p>\n<p>Bitte auch nicht vergessen, dass es bei Gold keine Zinsertr\u00e4ge gibt. Andere Sachwerte, also Immobilien oder Aktien, verschaffen dagegen den Eigent\u00fcmern in der Regel einen Einnahmestrom. Gold ist in dieser Hinsicht nicht attraktiv &#8211; der Kauf lohnt nur, wenn mit einer Wertsteigerung gerechnet werden kann. In Zeiten hoher Arbeitslosigkeit und riskanter Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnisse ist es aber wichtiger als sonst, dass sich das Kapital regelm\u00e4\u00dfig verzinst, also echtes Geld zuflie\u00dft. Sich allein auf einen steigenden Marktpreis zu verlassen, kann verh\u00e4ngnisvolle Folgen haben. <\/p>\n<p>Der Goldpreis bewegt sich, wie wir wissen, mit gro\u00dfen Amplituden auf und ab &#8211; wenn es eine Weile stark nach oben gegangen ist, folgt der Absturz so sicher wie das Amen in der Kirche. Dazu ein paar Zahlen (es handelt sich um durchschnittliche j\u00e4hrliche Ver\u00e4nderungen des Goldpreises, aus Monatswerten, gemessen in Dollar):<\/p>\n<table border=\"1\" width=\"400\" bordercolor=\"#000000\" cellspacing=\"0\">\n<tr>\n<td width=\"30%\"><font size=\"2\" face=\"Arial\">&nbsp;Aug. 70 &#8211; Dez. 74<\/font><\/td>\n<td width=\"70%\" align=\"center\"><font size=\"2\" face=\"Arial\">+46,3 Prozent<\/font><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"30%\"><font size=\"2\" face=\"Arial\">&nbsp;Dez. 74 &#8211; Aug. 76<\/font><\/td>\n<td width=\"70%\" align=\"center\"><font size=\"2\" face=\"Arial\">-28,9 Prozent<\/font><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"30%\"><font size=\"2\" face=\"Arial\">&nbsp;Aug. 76 &#8211; Jan. 80<\/font><\/td>\n<td width=\"70%\" align=\"center\"><font size=\"2\" face=\"Arial\">+43,5 Prozent<\/font><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"30%\"><font size=\"2\" face=\"Arial\">&nbsp;Jan. 80 &#8211; Feb. 85<\/font><\/td>\n<td width=\"70%\" align=\"center\"><font size=\"2\" face=\"Arial\">-14,9 Prozent<\/font><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"30%\"><font size=\"2\" face=\"Arial\">&nbsp;Feb. 85 &#8211; M\u00e4rz 01<\/font><\/td>\n<td width=\"70%\" align=\"center\"><font size=\"2\" face=\"Arial\">-0,7 Prozent, also de facto eine Seitw\u00e4rtsbewegung, die 16 Jahre dauerte<\/font><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"30%\"><font size=\"2\" face=\"Arial\">&nbsp;M\u00e4rz 01 &#8211; Nov. 09<\/font><\/td>\n<td width=\"70%\" align=\"center\"><font size=\"2\" face=\"Arial\">+19,2 Prozent<\/font><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2010\/01\/Goldpreis_USD_taeglich_seit_1968.gif\" alt=\"Grafik: Goldpreis in USD\" title=\"Goldpreis in USD\" width=\"400\" height=\"289\" class=\"size-full wp-image-1307\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2010\/01\/Goldpreis_USD_taeglich_seit_1968.gif 400w, https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2010\/01\/Goldpreis_USD_taeglich_seit_1968-300x216.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/p>\n<p>Seit dem Hoch von 1,215,70 Dollar am 2. Dezember 2009 ist der Goldpreis auf 1.095,85 Dollar gefallen (-9,9%). \u00dcber den gesamten Zeitraum von 31. August 1970, als er noch 35,38 Dollar betrug, bis zum 22. Januar 2010 ist er um 2.974 Prozent gestiegen, also im Jahresdurchschnitt um 12,4 Prozent. Das ist weit mehr als der Anstieg des nominalen Sozialprodukts der USA in dieser Zeit, und erst recht viel mehr als die Inflationsraten der amerikanischen Verbraucherpreise.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2010\/01\/Goldpreis_US-BIP.gif\" alt=\"Grafik: Entwicklung des Goldpreis in Relation zum US BIP\" title=\"Entwicklung des Goldpreis in Relation zum US BIP\" width=\"400\" height=\"304\" class=\"size-full wp-image-1317\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2010\/01\/Goldpreis_US-BIP.gif 400w, https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2010\/01\/Goldpreis_US-BIP-300x228.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2010\/01\/Realer_Goldpreis_Index.gif\" alt=\"Grafik: Realer Goldpreis - Index\" title=\"Realer Goldpreis - Index\" width=\"400\" height=\"327\" class=\"size-full wp-image-1319\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2010\/01\/Realer_Goldpreis_Index.gif 400w, https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2010\/01\/Realer_Goldpreis_Index-300x245.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/p>\n<p>Was mich ziemlich sicher macht, dass wir vor einem Platzen der Goldpreisblase stehen, oder ihr sogar dabei bereits zuschauen, ist der rapide und ungew\u00f6hnlich lange Preisanstieg von M\u00e4rz 2001 bis Anfang Dezember 2009. Das war n\u00e4mlich eine Zeit moderater, sinkender oder zuletzt gar negativer Inflationsraten und r\u00fcckl\u00e4ufiger Inflationserwartungen. Niemand schien daran zu zweifeln, dass die Notenbanken ihr Handwerk beherrschten und f\u00fcr dauerhafte Preisstabilit\u00e4t sorgen w\u00fcrden. Und trotzdem stieg der Goldpreis.<\/p>\n<p>Normalerweise h\u00e4tte es so sein m\u00fcssen wie in den 1980er Jahren, als Paul Volcker an der Spitze der Fed stand und erfolgreich die Inflation bek\u00e4mpfte. Damals sank der Goldpreis erwartungsgem\u00e4\u00df. Gerade in den letzten vier Jahren hat sich der Goldmarkt aber offenbar von seinen fundamentalen Kr\u00e4ften gel\u00f6st und ist zum Spielball der Spekulanten geworden. Daf\u00fcr spricht auch, dass die (fundamentale) Schmucknachfrage so stark eingebrochen ist &#8211; obwohl genauso viele Inder heiraten wie immer.<\/p>\n<p>Nein, wir haben es mit einer echten Blase zu tun. Die Argumente f\u00fcr weiter steigende Goldpreise sind an den Haaren herbeigezogen. Nat\u00fcrlich sollte Gold f\u00fcr alle, die es sich leisten k\u00f6nnen, ein Teil ihrer Portefeuilles sein, ich w\u00fcrde seinen Anteil aber deutlich untergewichten, jedenfalls so lange die Kerninflationsraten (also Inflation ex Energie) nicht nachhaltig ansteigen. Auf absehbare Zeit ist das nicht zu bef\u00fcrchten. Vorher muss der Goldpreis noch auf 600 Dollar fallen (zur Qualit\u00e4t meiner Prognosen siehe oben!).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum h\u00e4lt sich der Goldpreis so gut? Was ist das Geheimnis um den Handel mit Gold? Seit seinem historischen Hoch von 1215,70 Dollar am 2. Dezember vergangenen Jahres ist er zwar um 9,9 Prozent gesunken, er bewegt sich aber immer noch auf einem au\u00dferordentlich hohen Niveau. 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