{"id":1585,"date":"2010-03-24T09:37:34","date_gmt":"2010-03-24T08:37:34","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/?p=1585"},"modified":"2010-03-24T10:22:08","modified_gmt":"2010-03-24T09:22:08","slug":"kohls-madchen-auf-abwegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2010\/03\/24\/kohls-madchen-auf-abwegen_1585","title":{"rendered":"Kohls M\u00e4dchen auf Abwegen"},"content":{"rendered":"<p>Ich verstehe die positiven <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/0,1518,685320,00.html\" target=\"_blank\">Schlagzeilen<\/a> in der deutschen Presse zum absehbaren Griechenland-Kompromiss der EU nicht. Es wird wahrscheinlich einen Deal geben auf dem Gipfel in Br\u00fcssel morgen, der Internationale W\u00e4hrungsfonds (IWF) wird einen Teil der Arbeit \u00fcbernehmen, die Staaten Europas werden auf freiwilliger Basis einspringen, wenn das nicht reicht.<\/p>\n<p>Das ist die schlechteste denkbare L\u00f6sung.<!--more--><\/p>\n<p>F\u00fcr die Griechen selbst ist ein Gang zum IWF zun\u00e4chst rein \u00f6konomisch gesehen durchaus attraktiv. Die Konditionen des Fonds sind lockerer als die der EU. Das Problem ist: Europa nimmt damit alle politischen Risiken auf sich, die ein Gang zum IWF mit sich bringt: Panik an den M\u00e4rkten, Imageschaden f\u00fcr die W\u00e4hrung und das Eingest\u00e4ndnis, nicht einmal ein vergleichsweise kleines Problem wie das griechische selbst l\u00f6sen zu k\u00f6nnen. Mit einer solchen Union ist kein Staat zu machen \u2013 aber vielleicht ist ja auch genau das neuerdings das Ziel deutscher Europapolitik.<\/p>\n<p>Weil zugleich bilaterale Hilfen gegeben werden k\u00f6nnen (und es absehbar ist, dass diese auch geleistet werden m\u00fcssen, denn mehr als rund 15 Milliarden Euro wird den Griechen wegen ihrer relativ geringen Quote im W\u00e4hrungsfonds nicht zustehen) werden sich die Europ\u00e4er auch mit den Scherereien auseinandersetzen m\u00fcssen, die mit dieser Art der Unterst\u00fctzung einhergeht: Verfassungsklagen, Populismus, die Wut der konservativen Presse in Deutschland.<\/p>\n<p>Am Ende wird das europ\u00e4ische Projekt besch\u00e4digt sein und trotzdem wird es teuer. Vielleicht entgeht mir ja hier ein genialer Schachzug der Kanzlerin, und es kommt ganz anders. Aber so wie der Plan jetzt pr\u00e4sentiert wird, verstehe ich ihn nicht.<\/p>\n<p>Meine Version der Geschichte geht so: Berlin ist in Panik, weil in NRW gew\u00e4hlt wird und man sich au\u00dferstande sieht, der Bev\u00f6lkerung und den vorgestrigen \u00d6konomen zu erkl\u00e4ren, warum eine W\u00e4hrungsunion ohne Transferzahlungen dauerhaft nicht funktioniert. Deshalb wird jetzt auf Zeit gespielt und wenn in ferner Zukunft doch noch deutsche Gelder flie\u00dfen, wird man versuchen, es so zu verkaufen, dass es nicht nach Hilfszahlungen aussieht.<\/p>\n<p>Europa war immer ein teleologisches Projekt mit dem Ziel einer &#8222;ever closer union&#8220;. In diesem Sinne w\u00e4re es kluge Politik gewesen, endlich die Realit\u00e4ten in einer W\u00e4hrungsunion anzuerkennen, die Integration voranzutreiben und den Griechen mit vereinten Kr\u00e4ften und gegen scharfe Auflagen zu helfen. Merkels gr\u00f6\u00dfter Fehler ist, dass sie es bisher nicht einmal versucht hat. Ich will nicht ausschlie\u00dfen, das in zehn Jahren von der EU nicht viel mehr \u00fcbrig ist als der Binnenmarkt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich verstehe die positiven Schlagzeilen in der deutschen Presse zum absehbaren Griechenland-Kompromiss der EU nicht. Es wird wahrscheinlich einen Deal geben auf dem Gipfel in Br\u00fcssel morgen, der Internationale W\u00e4hrungsfonds (IWF) wird einen Teil der Arbeit \u00fcbernehmen, die Staaten Europas werden auf freiwilliger Basis einspringen, wenn das nicht reicht. 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