{"id":163,"date":"2007-05-14T18:52:09","date_gmt":"2007-05-14T16:52:09","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/?p=163"},"modified":"2007-05-14T18:52:09","modified_gmt":"2007-05-14T16:52:09","slug":"uberall-blasen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2007\/05\/14\/uberall-blasen_163","title":{"rendered":"\u00dcberall Blasen"},"content":{"rendered":"<p>Es k\u00f6nnte sein, dass wir, ohne es zu merken, auf einem Pulverfass tanzen. Die Musi spielt, wir sind optimistisch und guter Dinge, und es gibt kaum einen Grund, sich Sorgen zu machen.<\/p>\n<p>Der Weltwirtschaft geht es besser als je zuvor. Gemessen am realen BIP w\u00e4chst sie nunmehr schon im sechsten Jahr mit fast 5 Prozent. Die Inflationsrate der Verbraucherpreise wird sich weltweit bei 3 1\/2 Prozent einpendeln, das kommt unserem Verst\u00e4ndnis von Preisstabilit\u00e4t sehr nahe. Dass alles hervorragend l\u00e4uft, finden auch die Anleger, die die Volatilit\u00e4t der Verm\u00f6genspreise und die Risikopr\u00e4mien auf historische Tiefst\u00e4nde getrieben haben. Die Gewinne der Unternehmen entwickeln sich pr\u00e4chtig und die Besch\u00e4ftigung nimmt weltweit mit Raten von rund 2 Prozent pro Jahr zu. Es ist alles zu sch\u00f6n, um wahr zu sein. Ist es zu sch\u00f6n?<br \/>\n<!--more--><br \/>\nNoch nie hat es an den M\u00e4rkten so viele Ungleichgewichte, so viele Bubbles oder Blasen gegeben wie heute. Das sind aus \u00f6konomischer Sicht Verzerrungen von Marktpreisen, die eines Tages mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit korrigiert werden, und zwar dann, wenn sich herausstellt, dass die k\u00fcnftigen Ertr\u00e4ge nicht im Einklang mit den Ertragserwartungen stehen, die bisher in die Kurse eingegangen sind. Jede einzelne Blase ist beherrschbar, aber da es so viele sind, k\u00f6nnte es vielleicht doch systemische Risiken geben, also Risiken, die die Weltwirtschaft insgesamt in die Knie zwingen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Abgesehen von Wertpapiermaklern, f\u00fcr die die Kurse fast immer niedrig, und daher g\u00fcnstig f\u00fcr einen Einstieg sind, machen sich immer mehr Institutionen und ernsthafte Volkswirte Gedanken \u00fcber die Stabilit\u00e4t der Finanzm\u00e4rkte. Da Crashs meist erhebliche R\u00fcckwirkungen auf die reale Seite der Wirtschaft, auf das Wachstum und den Arbeitsmarkt, haben, handelt es sich um mehr als nur um akademische Gedankenspiele.<\/p>\n<p>Die Literatur zum Thema ist fast schon un\u00fcberschaubar. Ich empfehle allen, die sich n\u00e4her damit besch\u00e4ftigen wollen, einmal auf die Home Pages der <a href=\"http:\/\/www.bis.org\/stability.htm\" target=\"_blank\">Bank for International Settlements<\/a>, der <a href=\"http:\/\/www.ecb.int\/pub\/fsr\/html\/index.en.html\" target=\"_blank\">EZB<\/a>, der <a href=\"http:\/\/www.bankofengland.co.uk\/financialstability\/index.htm\" target=\"_blank\">Bank of England<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.imf.org\/external\/pubs\/ft\/gfsr\/2007\/01\/index.htm\" target=\"_blank\"> vor allem des IMF<\/a> zu gehen und sich deren Stabilit\u00e4tsberichte anzusehen. <a href=\"http:\/\/www.bundesbank.de\/download\/volkswirtschaft\/mba\/2006\/finanzstabilitaetsbericht2006.pdf\" target=\"_blank\"> Von der Bundesbank erschien im letzten November ein 135-seitiger &#8222;Finanzstabilit\u00e4tsbericht&#8220;<\/a>, und <a href=\"http:\/\/www.zbw.eu\/zbw-publikationen\/wd\/2007\/wd_07_04.htm\" target=\"_blank\"> im j\u00fcngsten Wirtschaftsdienst des ZBW<\/a>, der Zentralbibliothek f\u00fcr Wirtschaftswissenschaften, gibt es von <a href=\"http:\/\/papers.ssrn.com\/sol3\/papers.cfm?abstract_id=982344\" target=\"_blank\"> Andreas Hoffmann und Gunther Schnabl einen lesenswerten Beitrag mit dem Titel &#8222;Geldpolitik, vagabundierende Liquidit\u00e4t und platzende Blasen in neuen und aufstrebenden M\u00e4rkten&#8220;<\/a>.<\/p>\n<p>Wenn eine Blase platzt, zeigt sich stets, dass der realisierbare Wert der Aktiva viel niedriger ist als bislang gedacht. Vor allem wenn im Sp\u00e4tstadium der Kursbewegung mit viel Fremdkapital, sogenannten Hebeln, gearbeitet wurde &#8211; was wiederum f\u00fcr Blasen typisch ist -, kann es geschehen, dass die Verbindlichkeiten den Marktwert des Verm\u00f6gens \u00fcberschreiten. Die Nettoverm\u00f6gensposition f\u00fcr die Schuldner (die Spekulanten) wird dann pl\u00f6tzlich negativ. Sie sind \u00fcberschuldet und m\u00fcssen im ung\u00fcnstigen Fall in Konkurs gehen, im g\u00fcnstigen Fall werden sie versuchen, ihre Bilanzen dadurch zu reparieren, dass sie auf die Kostenbremse treten, weniger investieren oder, soweit es sich um Haushalte handelt, mehr zu sparen, also weniger zu konsumieren. Auf alle F\u00e4lle kommt es unter dem Strich zu einem mehr oder weniger deutlichen und mehr oder weniger lang anhaltenden R\u00fcckgang der Wachstumsraten des BIP.<\/p>\n<p>Insgesamt sind die Effekte deflation\u00e4rer Natur. Wie das Beispiel der verlorenen Dekade in Japan zeigt, kann das soweit gehen, dass selbst nominale Zinsen von null Prozent oder gewaltige staatliche Haushaltsdefizite jahrelang nicht anschlagen &#8211; niemand braucht Geld, wenn es vor allem darum geht, Schulden abzubauen. In einer richtigen post-Blasen-Situation haben wir es mit einem Potenzverlust der Wirtschaftspolitik zu tun.<\/p>\n<p>Um das zu relativieren: Nicht alle Blasen platzen mit einem gro\u00dfen Knall, manchmal entweicht das Gas auch nur mit leisem Zischen. Im Fall der spanischen und amerikanischen Immobilienkrisen beschr\u00e4nken sich die negativen Effekte, bislang zumindest, nur auf relativ kleine Teile der Volkswirtschaft und scheinen von daher beherrschbar zu sein.<\/p>\n<p>Als Mutter aller Bubbles gilt das amerikanische Leistungsbilanzdefizit. Es betr\u00e4gt rund 6,5 Prozent des nominalen Inlandsprodukts. In der Vergangenheit hat schon ein deutlich kleineres Defizit am Ende zu einer gewaltigen Abwertung des Dollars gef\u00fchrt. Diesmal ist sein Wechselkurs erstaunlich stabil, weil Anleger in der ganzen Welt bisher mehr als bereit sind, US-Akitiva zu erwerben, also das Defizit zu finanzieren. Hinzu kommt wohl auch, dass die Ertr\u00e4ge aus den amerikanischen Auslandsanlagen viel h\u00f6her sind als die Zahlungen an die ausl\u00e4ndischen Gl\u00e4ubiger und Besitzer von US-Aktiva, so dass an den Devisenm\u00e4rkten das Netto-Angebot an Dollar nicht so gro\u00df ist, wie man vermuten k\u00f6nnte. Der Grund hierf\u00fcr ist offenbar, dass das amerikanische Auslandsverm\u00f6gen vorwiegend aus Direktinvestitionen und Aktien besteht, deren Ertr\u00e4ge vermutlich um etwa vier Prozentpunkte \u00fcber den Kosten der h\u00f6heren Verbindlichkeiten liegen; die zu einem nicht geringen Anteil aus festverzinslichen Wertpapieren bestehen.<\/p>\n<p><img src='https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/old\/US_LBS_8206.gif' alt='US Leistungsbilanzdefizit' \/><\/p>\n<p>Dennoch ist die Lage sehr instabil. Amerika muss st\u00e4ndig attraktive Ertr\u00e4ge auf seine Verbindlichkeiten bieten, oder jedenfalls die Aussicht darauf lebendig halten, damit die ausl\u00e4ndischen Gl\u00e4ubiger bei der Stange bleiben. Wenn diese allm\u00e4hlich nicht mehr wissen, was sie mit all den Dollars anfangen sollen, wie die chinesischen oder russischen Notenbanken, oder wenn, wie jetzt, die Unternehmensgewinne kaum noch steigen, nimmt das Risiko einer weiteren gr\u00f6\u00dferen Korrektur des Dollarkurses zu. Es k\u00f6nnte zum Dollarcrash kommen, was f\u00fcr die Exportwirtschaft in weiten Teilen der Welt betr\u00e4chtliche Probleme mit sich bringen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Die Kehrseite der amerikanischen Leistungsbilanzdefizite ist die Liquidit\u00e4tsschwemme in den L\u00e4ndern, die den Wechselkurs des Dollars entweder stabil halten oder nur kontrolliert abwerten lassen wollen. Ihre W\u00e4hrungsbeh\u00f6rden kaufen in gro\u00dfem Stil Dollars und emittieren im Gegenzug ihre eigene W\u00e4hrung. Seit einigen Jahren nimmt die sogenannte Geldbasis der Welt mit Raten von 15 Prozent und mehr zu, vor allem weil die W\u00e4hrungsreserven um ein Vielfaches rascher expandieren als das nominale Sozialprodukt, dessen Zuwachsrate eher bei 7 oder 8 Prozent liegt. In Russland \u00fcbertrifft die Geldmenge M2 ihren Vorjahresstand um 53 Prozent, in China um 17,1 Prozent.<\/p>\n<p><img src='https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/old\/Int_Reserven_rev.gif' alt='Internationale W&Atilde;&curren;hrungsreserven' \/><\/p>\n<p>In beiden L\u00e4ndern sind daher die Immobilienpreise explodiert. Ob es sich um Blasen handelt, ist nicht ausgemacht, weil der Nachholbedarf nach den vielen Jahrzehnten, in denen es nur um die Verwaltung des Mangels ging, gewaltig ist, und die hohen Inflationsraten in diesem Bereich jetzt das Angebot stimulieren, wie es in einem marktwirtschaftlichen System ja auch zu erwarten ist. Es gibt allerdings Anzeichen daf\u00fcr, dass die Leute auch deswegen immer mehr Immobilien erwerben, weil sie darauf spekulieren, dass sowohl die eigenen Einkommen als auch die Preise auf Jahre hinaus mit den zweistelligen Raten der j\u00fcngeren Vergangenheit zunehmen werden. Das k\u00f6nnte sich als Fehlspekulation erweisen.<\/p>\n<p>In China kommt hinzu, dass die Aktienm\u00e4rkte seit Jahren boomen und die Bewertungen inzwischen jede Bodenhaftung verloren haben. Neue Emissionen sind manchmal um das Hundertfache und mehr \u00fcberzeichnet. Alle Taxifahrer und Hausfrauen scheinen in der Hoffnung auf das schnelle Geld mit von der Partie zu sein &#8211; was in der Regel Alarmstufe 1 bedeutet. Auch h\u00f6rt man, dass immer mehr Ersparnisse in Aktien gesteckt werden, und h\u00e4ufig sogar mehr als nur das. Sollte es in China demn\u00e4chst zum gro\u00dfen Knall kommen, so wie einst in Japan, br\u00e4che sofort die Nachfrage nach \u00d6l, Gas und anderen Rohstoffen ein, wodurch wiederum, zumindest in der ersten Runde, L\u00e4nder wie Russland, Kanada, S\u00fcdafrika und die diversen OPEC-L\u00e4nder betroffen w\u00e4ren. Deren Traum vom ewig steigenden Wohlstand, den ihnen die Terms of Trade bisher beschert haben, w\u00e4re dann ausgetr\u00e4umt. Nicht nur das, auch die deutschen oder japanischen Exporteure, die so stark vom Boom der Schwellenl\u00e4nder profitiert haben, h\u00e4tten auf einmal mit Absatzproblemen zu k\u00e4mpfen, was nat\u00fcrlich negative R\u00fcckwirkungen auf Wachstum und Besch\u00e4ftigung h\u00e4tte.<\/p>\n<p><img src='https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/old\/Shanghai_Comp_BIP.gif' alt='Shanghai Composite' \/><\/p>\n<p>Blasen entstehen immer dann, wenn es keinen Grund f\u00fcr die Bef\u00fcrchtung gibt, dass die Notenbanken und die Finanzpolitik die Z\u00fcgel f\u00fchlbar anziehen k\u00f6nnten. Das ist seit einiger Zeit im Weltma\u00dfstab der Fall. Das Wirtschaftswachstum ist zwar sehr hoch, die Inflation ist aber moderat. Die Liquidit\u00e4t geht in die Assets, nicht in die Verbraucherpreise.<\/p>\n<p>Vor allem am Arbeitsmarkt scheint es noch Reserven zu geben, so dass die Gewerkschaften einen schweren Stand haben. Da gleichzeitig die Produktivit\u00e4t wegen des sehr robusten Wachstums der Investitionen stark w\u00e4chst, sind die Lohnst\u00fcckkosten, also die wichtigste Kostenkomponente, weiterhin unter Kontrolle &#8211; und mit ihr die Inflation. Wegen der meist kr\u00e4ftig steigenden Steuereinnahmen sind auch die Finanzminister nicht gerade unter Druck, die Steuern zu erh\u00f6hen oder die Ausgaben zu drosseln. Mit anderen Worten, sowohl die Haushalte als auch die Unternehmen haben keine Angst davor, dass die Wirtschaftspolitiker den Kn\u00fcppel herausholen und der Konjunktur den Garaus machen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Schulden zu machen scheint in einem solchen (&#8222;goldilocks&#8220;) Umfeld daher ziemlich risikolos zu sein. Die sehr niedrige und seit Jahren r\u00fcckl\u00e4ufige Volatilit\u00e4t der Aktien, Renten und Wechselkurse zeigt, dass die Anleger zur Zeit kaum risikoscheu sind. Wenn wir nicht alle w\u00fcssten, dass sie sich da vertun werden!!<\/p>\n<p>An manchen Rohstoffm\u00e4rkten haben sich ebenfalls Blasen gebildet. Nachdem die Preise jahrzehntelang relativ zum allgemeinen Preisniveau, oder zum nominalen Sozialprodukt der Welt, gesunken waren und der Anreiz, neue Kapazit\u00e4ten zu schaffen, gering war, haben wir es jetzt auf einmal mit Engp\u00e4ssen zu tun: Eine stark expandierende Nachfrage, ausgel\u00f6st durch die boomende Weltwirtschaft, trifft auf ein nur langsam zunehmendes Angebot. \u00d6konomen w\u00fcrden hier argumentieren, dass das sehr nach einem normalen Schweinezyklus aussieht und dass die hohen Preise, mit dem \u00fcblichen Time Lag, schon ein h\u00f6heres Angebot hervorlocken werden, das dann die Preise wieder purzeln l\u00e4sst. Wenn sich zudem herausstellen sollte, dass das Wachstum der Weltwirtschaft im Gefolge platzender Blasen niedriger ausf\u00e4llt als bisher erwartet, k\u00e4men die Preise auch von daher unter Druck. Generell l\u00e4sst sich sagen, dass es vermutlich da die gr\u00f6\u00dften Einbr\u00fcche geben wird, wo die relativen Preise am st\u00e4rksten gestiegen sind. Insgesamt habe ich aber nicht den Eindruck, dass es gef\u00e4hrliche Dominoeffekte durch den m\u00f6glichen Einbruch der Rohstoffpreise geben k\u00f6nnte. Sie k\u00f6nnten allerdings ein wesentliches und krisenversch\u00e4rfendes Element bei einem globalen Assetpreis-Einbruch sein.<\/p>\n<p>Einige Bondm\u00e4rkte sind ebenfalls blasenverd\u00e4chtig, wie beispielsweise die f\u00fcr Unternehmensanleihen. Die Anleger haben auf ihrer Jagd nach attraktiven Renditen eine solch starke Nachfrage nach diesen Papieren entwickelt, dass deren Spread zu risikolosen Staatsanleihen inzwischen dreimal oder viermal so niedrig ist wie vor f\u00fcnf oder sechs Jahren. Niemand scheint Angst vor einer echten Rezession, einem nachhaltigen R\u00fcckgang der Gewinne oder einer Welle von Konkursen zu haben. Anleger halten die Wahrscheinlichkeit einer weltwirtschaftlichen Rezession offenbar f\u00fcr sehr gering. Sie glauben an so etwas wie den &#8222;Greenspan Put&#8220;, also daran, dass die entscheidenden Akteure der Wirtschaftspolitik \u00fcber die Instrumente und den Willen verf\u00fcgen, mit denen sie einen gr\u00f6\u00dferen Konjunktureinbruch verhindern werden.<\/p>\n<p>Das hat Z\u00fcge des Naiven. Indizien daf\u00fcr, dass wir in Wirklichkeit in der Endphase eines B\u00f6rsenbooms &#8211; und vor einer gr\u00f6\u00dferen Korrektur &#8211; sind, k\u00f6nnten die immer spektakul\u00e4reren Aktionen am Markt f\u00fcr sowohl feindliche als auch freundliche Fusionen und Unternehmens\u00fcbernahmen sein. Es entsteht der Eindruck, dass Wasser in Wein verwandelt werden kann. Das hat es aber zuletzt vor 2000 Jahren gegeben und widerspricht der neueren \u00f6konomischen Logik. Auf Dauer k\u00f6nnen die Ertr\u00e4ge der Unternehmen nicht signifikant rascher zunehmen als das nominale BIP. Mit solch niedrigen Zahlen gibt sich aber zur Zeit niemand ab, so scheint es.<\/p>\n<p>Der Markt f\u00fcr Credit Default Swaps, der seit Jahren explosionsartig expandiert, k\u00f6nnte ebenfalls die Illusion gen\u00e4hrt haben, dass man sich gegen Risiken versichern kann und daher umso gr\u00f6\u00dfere eingehen kann. Das mag mikro-\u00f6konomisch hinhauen, auf der Makro-Ebene und im Weltma\u00dfstab geht das nicht. Es fragt sich, welches Glied in der Kette der Risikoabw\u00e4lzung zuerst wegbricht. Niemand hat auch nur die leiseste Ahnung. Schocks gibt es ja immer nur dort, wo man sie nicht erwartet &#8211; sonst w\u00e4ren sie ja keine Schocks.<\/p>\n<p><img src='https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/old\/Credit_default_sawps_Volumen.gif' alt='Credit default swaps , Volumen weltweit' \/><\/p>\n<p>Es ist also zu empfehlen, gelegentlich auch mal Gewinne mitzunehmen und in sichere Anlagen umzuschichten. Gibt es die denn angesichts der vielen Blasen? Langlaufende Staatsanleihen europ\u00e4ischer L\u00e4nder sind eine M\u00f6glichkeit, vielleicht auch, trotz der niedrigen Nominalzinsen, japanische und schweizerische. Bei ihnen l\u00e4sst sich mit einiger Berechtigung auf eine Aufwertung ihrer unterbewerteten W\u00e4hrungen spekulieren.<\/p>\n<p>Eine Bemerkung zum Schluss: F\u00fcr jemanden, der f\u00fcr sein Alter eine kapitalgedeckte Rente aufbauen m\u00f6chte, sieht es ziemlich eng aus. Die hohen Wertpapierkurse und meist teuren Immobilien bedeuten nichts anderes, als dass die k\u00fcnftigen Ertr\u00e4ge mickrig sein werden (Deutschlands und Japans Immobilien d\u00fcrften eine Ausnahme darstellen). Gut, dass wir noch das gute alte Umlageverfahren haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es k\u00f6nnte sein, dass wir, ohne es zu merken, auf einem Pulverfass tanzen. Die Musi spielt, wir sind optimistisch und guter Dinge, und es gibt kaum einen Grund, sich Sorgen zu machen. 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