{"id":1678,"date":"2010-04-08T00:52:18","date_gmt":"2010-04-07T22:52:18","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/?p=1678"},"modified":"2010-04-08T10:40:58","modified_gmt":"2010-04-08T08:40:58","slug":"woher-kommen-die-gewinne-der-banken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2010\/04\/08\/woher-kommen-die-gewinne-der-banken_1678","title":{"rendered":"Woher kommen die Gewinne der Banken?"},"content":{"rendered":"<p>Ausgangspunkt meiner Fragestellung ist Dieter Wermuths Feststellung, die hohen Bankgewinne seien ein Zeichen f\u00fcr Marktversagen. Er schreibt (<em>B\u00f6rsen-Zeitung<\/em>, 14.11.2009): &#8222;Wenn in einem Wirtschaftszweig derart gut verdient wird, sollte das aus der Sicht eines \u00d6konomen eigentlich dazu f\u00fchren, dass die Gewinne durch den Markteintritt neuer Wettbewerber wegkonkurriert werden und sich dadurch den Standards im Rest des Unternehmenssektors ann\u00e4hern. Dass das nicht geschehen ist, kann nur als Marktversagen interpretiert werden.&#8220;<!--more--><\/p>\n<p>Die <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2010\/03\/24\/goldman-sachs-die-bubble-machine_1591\">anhaltend hohen Gewinne im Finanzsektor stellt Dieter anhand einer Graphik dar<\/a>, wonach der Anteil des Finanzsektors an den gesamten Unternehmensgewinnen in den USA seit Ende des 2. Weltkriegs von etwa 10 Prozent trendm\u00e4\u00dfig gestiegen ist und 2002 einen Wert von 40 Prozent erreicht hat. Im ersten Halbjahr 2009 waren es immer noch 28 Prozent. Dieter zitiert f\u00fcr Deutschland das Statistische Bundesamt, wonach die Gewinne der Kreditinstitute 2008 nicht weniger als 18,5 Prozent der Gewinne aller Kapitalgesellschaften ausgemacht haben.<\/p>\n<p>Das sind fast unglaublich hohe Werte. Sie h\u00e4tten eigentlich die Anh\u00e4nger der freien Marktwirtschaft und speziell die der neoklassischen Theorie nachdenklich stimmen m\u00fcssen. Irgendetwas l\u00e4uft grundfaul, und zwar in richtig gro\u00dfem Stil. Auch die marxistischen \u00d6konomen m\u00fcssen \u00fcber das Ph\u00e4nomen nachdenken. Schlie\u00dflich spielt der Ausgleich der Profitraten in der Marx&#8217;schen Theorie eine hervorragende Rolle. Bei diesen Ausgleich setzt sich nach Marx schlie\u00dflich das Wertgesetz im Kapitalismus durch.<\/p>\n<p>Wie auch immer, dass sich die Profitraten im Finanzsektor so gar nicht an die \u00fcbrigen Sektoren nach unten angleichen, ist eine \u00dcberlegung wert. Genauer gesagt handelt es sich um zwei verschiedene Probleme: Ist es so, dass der Kapitalfluss in Richtung Finanzsektor (zum Beispiel durch hohe Eintrittsbarrieren) gehindert ist und es deswegen nicht zu h\u00f6herer Konkurrenz und einer Anpassung der Profite nach unten kommt? Oder flie\u00dft tats\u00e4chlich viel Kapital in den Finanzsektor, und es bleiben trotzdem &#8211; wider die \u00f6konomischen Gesetze &#8211; die Profitraten h\u00f6her als in der \u00fcbrigen kapitalistischen Wirtschaft? Ich neige zur zweiten Ansicht. Denn dass der Finanzsektor in den letzten 30 Jahren massiv angeschwollen ist, jedenfalls st\u00e4rker gewachsen ist als die \u00fcbrige Wirtschaft, die so genannte Realwirtschaft, d\u00fcrfte nicht bestritten werden. <\/p>\n<p>Die Frage lautet jetzt pr\u00e4ziser: Wie kommt es, dass die Gewinne im Finanzsektor hoch bleiben, obwohl das Angebot an Kredit und Finanzdienstleistungen durchaus reichlich vorhanden ist, es also durchaus Konkurrenz gibt?<\/p>\n<p>Die einfache und zun\u00e4chst etwas grobe Erkl\u00e4rung liefert die Theorie vom staatsmonopolistischen Kapitalismus, kurz Stamokap genannt. <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2010\/03\/24\/goldman-sachs-die-bubble-machine_1591\">Sie ist wohl das, was Dieter Wermuth, einer Darstellung Matt Taibbis und vieler anderer folgend die &#8222;<em>regulatory capture<\/em>&#8220; nennt<\/a>. Das soll hei\u00dfen, an den entscheidenden Stellen verf\u00fcgt die Hochfinanz \u00fcber den Hebel, um die \u00f6konomische Regulierung durch den Staat zu ihren Gunsten ablaufen zu lassen. Die Stamokap-Theorie, ein in den 60er und 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts durchaus popul\u00e4res, auf Marx und vor allem Lenin fu\u00dfendes Erkl\u00e4rungsmodell f\u00fcr den Kapitalismus moderner Pr\u00e4gung besagt &#8211; etwas vereinfacht &#8211; dass massive, \u00f6konomische und systematische Eingriffe des Staates die erh\u00f6hte Rendite des monopolistischen (= machtvollen) Kapitals erst gew\u00e4hrleisten oder herstellen. Es findet eine vom Staat organisierte Umverteilung der Gewinne zugunsten der besonders gro\u00dfen und m\u00e4chtigen Kapitalgruppen statt. Die Vertreter dieser Theorie hatten dabei Firmen wie Siemens und sein Quasi-Liefer-Monopol f\u00fcr die Telefonanlagen der Post oder die hohen Zuwendungen des Staates an die Atomindustrie und \u00c4hnliches im Sinn. Heute wirkt die Rettungsaktion f\u00fcr die deutschen Banken vom Herbst 2008 in H\u00f6he von 480 Mrd. Euro, die von den Bankern und ihrem Verband ausgestaltet wurde, wie die klassische Illustration der Stamokap-Theorie. Nur dass die Staatseingriffe in diesem Fall nicht irgendwelchen Monopolen sondern den Bankmonopolen oder besser Finanzmonopolen zugute kamen (denn die Allianz geh\u00f6rte ja zu den haupts\u00e4chlich Beg\u00fcnstigten). <\/p>\n<p>Aber das k\u00f6nnte ja nur eine Einzelaktion, wenn auch eine besonders drastische und augenf\u00e4llige Aktion gewesen sein. Die Antwort, der Stamokap-Staat sorge systematisch f\u00fcr eine Aufplusterung der Gewinne der gro\u00dfen und m\u00e4chtigen Kapitalgruppen, hat sicher allgemeinen Erkl\u00e4rungswert. Aber sie ist zugleich zu allgemein und unsystematisch. Denn hier interessiert ja, was gerade den Finanzsektor dauerhaft und daher systematisch in die Lage versetzt, einen gro\u00dfen Teil der in der Volkswirtschaft anfallenden Gewinne auf sich umzuleiten. <\/p>\n<p>Ich schlage zwei L\u00f6sungen f\u00fcr dieses Problem vor. Ich vermute, dass beide L\u00f6sungen die au\u00dfergew\u00f6hnlich hohe Profitabilit\u00e4t und das au\u00dfergew\u00f6hnlich hohe Wachstum des Finanzsektor erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p><strong>Antwort I lautet &#8222;Geldsch\u00f6pfung und Kredit&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Der Verschuldungsgrad einer Volkswirtschaft h\u00e4ngt nicht von der H\u00f6he der Gewinne oder der Profitrate ab. Wenn \u00fcberhaupt ist er Reflex von Erwartungen der Wirtschaftssubjekte. Mit Verschuldung ist die Bruttoverschuldung der Agenten der Volkswirtschaft gegeneinander gemeint, nicht die Nettoverschuldung gegen\u00fcber dem Ausland. Der Verschuldungsgrad misst also die H\u00f6he der (Geld-)Anspr\u00fcche, die die Subjekte gegeneinander haben, bezogen auf die realen Werte in dieser \u00d6konomie, was man wohl am besten den Kapitalstock in der breitest m\u00f6glichen Definition nennt. Der Verschuldungsgrad einer Gesellschaft ist hoch, wenn die Konsumenten einerseits hoch mit Ratenkrediten und Hypotheken verschuldet sind, andererseits aber viele Lebensversicherungen, Aktien, Fonds und sonstigen Krimskrams besitzen. Er ist dann hoch, wenn die Rentenversicherung nicht umlagefinanziert sondern kapitalgedeckt ist. Er ist dann hoch, wenn die Eigenkapitalquote der Unternehmen niedrig ist und sie mit viel Fremdkapital die Rendite auf ihr Eigenkapital erh\u00f6hen. Er ist dann hoch, wenn es viele schuldenfinanzierte Unternehmens\u00fcbernahmen gibt. Und er ist schlie\u00dflich dann hoch, wenn der Staat hohe Schulden hat.<\/p>\n<p>Es gibt viele Gr\u00fcnde, weshalb die Kapitalisten den Verschuldungsgrad m\u00f6glichst steigern wollen. Der wichtigste scheint mir die wunderbare Hebelwirkung der Verschuldung zu sein. Was gegen einen hohen Fremdkapitalanteil spricht, ist das h\u00f6here Risiko, Pleite zu gehen, wenn der Absatz stockt. Rechnen Unternehmen und B\u00fcrger mit einer stetigen, wenig volatilen Entwicklung oder, wie Ben Bernanke sagen w\u00fcrde, mit einer &#8222;<em>great moderation<\/em>&#8222;, werden sie ihre Verschuldung tendenziell erh\u00f6hen. Eine andere Schranke f\u00fcr einen steigenden Verschuldungsgrad stellt die Zinsh\u00f6he dar. W\u00fcrde der Zins, wie die Marktgl\u00e4ubigen annehmen, mit dem h\u00f6heren Verschuldungsgrad, also der h\u00f6heren Kreditnachfrage steigen, w\u00fcrde die Kreditaufnahme im selben Ma\u00dfe unattraktiv. <\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich steigt der Zins keineswegs mit der h\u00f6heren Kreditnachfrage. Der Grund daf\u00fcr ist, dass das Kreditangebot mit steigender Nachfrage nach Kredit m\u00fchelos mitw\u00e4chst. Ein nicht l\u00e4diertes Bankensystem zaubert Kredit in jeder Gr\u00f6\u00dfenordnung hervor, sofern nur das zu finanzierende Projekt mit einiger Sicherheit gen\u00fcgend Ertrag verspricht. Die Zentralbank wiederum kennt keine Schranken bei der Kreditvergabe, sofern die Banken Sicherheiten hinterlegen k\u00f6nnen. Nach herrschender Lehre und Praxis steuert die Zentralbank die Kreditvergabe (sowie Konjunktur und Preise) \u00fcber den Zins. Wird er (k\u00fcnstlich) angehoben, macht das die h\u00f6here Verschuldung k\u00fcnstlich unattraktiv. Nach ebenfalls herrschender Praxis erh\u00f6ht die Zentralbank den Leitzins aber keinesfalls, um die Kreditvergabe, die Verschuldung zu begrenzen, sondern nur, wenn sie Inflation vermutet und sie bek\u00e4mpfen will. Wie die letzten 15 Jahre gezeigt haben, m\u00fcssen steigende Verschuldung und h\u00f6here Kreditvergabe keineswegs immer und \u00fcberall zu inflation\u00e4ren Tendenzen f\u00fchren.<\/p>\n<p>Ein h\u00f6herer Verschuldungsgrad der Volkswirtschaft f\u00fchrt dazu, dass ein h\u00f6herer Anteil der Profite in Richtung Banken, oder generell in Richtung Finanzsektor flie\u00dft. Das ist nicht anders als bei einem Einzelunternehmen. Das eingesetzte Fremdkapital muss bedient werden. Je h\u00f6her sein Anteil am eingesetzten Gesamtkapital, desto h\u00f6her ceteris paribus der Anteil, der vom &#8218;Gewinn vor Zinsen&#8216; an die Bank abgedr\u00fcckt wird. An sich ist das kein sehr \u00fcberraschendes Ergebnis. Denn es wirkt ja von vornherein plausibel, dass mit dem steigenden Anteil des Finanzsektors in einer Volkswirtschaft auch sein Anteil am gesamten Unternehmensprofit zunimmt.<\/p>\n<p>Weil der Kapitalmarkt keine Begrenzung der Verschuldung bzw. der Kreditvergabe autonom hervorbringt, haben kapitalistische Gesellschaften in der Regel politische Ma\u00dfnahmen ergriffen, um diese Grenzen zu schaffen. Die Zentralbank wurde in den meisten L\u00e4ndern verstaatlicht, in vielen L\u00e4ndern wurden auch die Gesch\u00e4ftsbanken unter staatlicher Regie gehalten. Den Banken wurden Mindestreserven verordnet, sie wurden wie auch die Versicherungen einer relativ strengen Aufsicht und einer eigenen Bankengesetzgebung unterzogen. Schlie\u00dflich wurde das Volumen der Kreditvergabe an die Menge des von der Bank aufgebrachten Eigenkapitals gekn\u00fcpft. <a href=\"http:\/\/www.bis.org\/publ\/bcbsca.htm\" target=\"_blank\">Letzteres wurde mit der Basler \u00dcbereinkunft sogar zum Standard im Weltkapitalismus<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Antwort II lautet &#8222;Geldsch\u00f6pfung und Spekulationsgewinn&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Der Spekulationsgewinn wird vornehmer auch Verm\u00f6genspreiseffekt genannt. Mit diesem Effekt verf\u00fcgt der Finanzsektor \u00fcber ein geradezu magisches Mittel, Reichtum zu erzeugen, der nicht aus der Arbeit stammt, sondern buchst\u00e4blich aus dem Nichts entspringt. Der Grundmechanismus ist allen bekannt. Er findet am augenf\u00e4lligsten am Aktienmarkt der B\u00f6rse statt. In Hausse-Phasen, wenn die Preise f\u00fcr Wertpapiere steigen, profitieren alle, die sich an einem solchen Wertpapiermarkt beteiligen. Es kommt bei diesem Effekt nicht darauf an, dass die Verm\u00f6genswerte oder die Unternehmen, auf die sich die Wertpapiere beziehen, wertvoller werden. Der Markt vollzieht durchaus unabh\u00e4ngig davon kurze oder auch lange Aufw\u00e4rtsphasen. Die l\u00e4ngste Hausse des internationalen Aktienmarktes zu meinen Lebzeiten dauerte vom August 1982 bis zum M\u00e4rz 2000, also volle 18 Jahre. <\/p>\n<p>Die beteiligten Spekulanten gewinnen in einer Haussephase nicht auf Kosten der anderen Spekulanten sondern sie werden allesamt reicher. Jedem gelingt es, teurer zu verkaufen, als er gekauft hat. Die Differenz zwischen relativ billigem Einkaufspreis und relativ teurem Verkaufspreis streicht der Spekulant ein. Der andere Spekulant, der von ihm relativ teuer eingekauft hat, verkauft das Papier ein Weilchen sp\u00e4ter noch teurer und streicht ebenfalls die Differenz ein. Das ist das Sch\u00f6ne an steigenden Verm\u00f6genspreisen. Sie tun niemandem weh, alle profitieren. Steigende Preise bei anderen Waren sind normalerweise \u00fcberhaupt nicht popul\u00e4r. Diese Preissteigerung aber ist es. Tats\u00e4chlich ist der Reichtum der Spekulanten nur fiktiv. Denn die reale Welt hat sich nicht ver\u00e4ndert. Wenn die B\u00f6rsentendenz kippt und die Kurse purzeln, verschwindet der fiktive Reichtum meist schneller, als er entstanden war. Finanzjournalisten schreiben dann &#8211; ausnahmsweise einmal treffend &#8211; soundsoviele Mrd. Dollar oder Euro seien in diesem oder jenen Crash &#8222;vernichtet&#8220; oder &#8222;verbrannt&#8220; worden. In der Tat, was vorher &#8211; fiktiv &#8211; da war, ist nun tats\u00e4chlich weg.<\/p>\n<p>Ist dies schon ein Wunder, so ist es noch wundersamer, dass der fiktive Reichtum aus der Spekulation realen, wirklichen Reichtum schafft. Der Grund ist einfach. Die Spekulanten, die in der Aufw\u00e4rtsphase der B\u00f6rse mehr Geld in der Tasche haben, stecken nicht alle Erl\u00f6se wieder in die Spekulation. Sie kaufen auch mehr G\u00fcter, mehr Br\u00f6tchen, mehr Porsches und gelegentlich auch mehr Fabriken. Die Folge ist: die Produktion von Br\u00f6tchen und Porsches wird angeregt. Es werden mehr davon produziert. Die Fabriken erh\u00f6hen ihrerseits die Produktion von n\u00fctzlichen und weniger n\u00fctzlichen Dingen. Jedenfalls aber bewirkt der fiktive Reichtum der Spekulanten, dass die Gesellschaft, in der das stattfindet, real mehr Reichtum produziert und konsumiert. Die Gesellschaft wird durch fiktiven Reichtum real reicher. Leider gilt auch hier das Umgekehrte. Brechen Spekulation und Verm\u00f6genspreise zusammen, sackt auch die Nachfrage nach Br\u00f6tchen, Porsches und Fabriken wieder in sich zusammen. Der verschwindende fiktive Reichtum l\u00f6st eine reale Rezession aus.<\/p>\n<p>Die Volkswirtschaftslehre spricht in anderem Zusammenhang von Geldillusion, wenn steigende Preise &#8211; vor\u00fcbergehend &#8211; die Nachfrage stimulieren. In der Tat beruht das satte Plus des Verm\u00f6genspreiseffekts auf Geldillusion. In der Haussephase der Spekulationsm\u00e4rkte w\u00e4chst die Geldmenge. Sie kann nur wachsen, wenn die Geldsch\u00f6pfung der Banken und der Zentralbank die h\u00f6heren Verm\u00f6genspreise elastisch akkomodiert bzw. die Geldillusion n\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Die Regierungen der meisten kapitalistischen Staaten und ihre Notenbanken haben den anregenden Effekt der Spekulation mit Verm\u00f6genswerten zielbewusst gef\u00f6rdert. Unter Bill Clinton, seinem Finanzminister Robert Rubin und Fed-Chairman Alan Greenspan erhielt dieses Ziel unter der \u00dcberschrift vom &#8222;starken Dollar&#8220; auch ideologische Weihen. Tats\u00e4chlich beruhte die von Ronald Reagan und seinem Fed-Chairman Paul Volcker betriebene Politik des starken Dollar in den fr\u00fchen 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts auf demselben Gedanken. Nur wurde das damals von vielen Akademikern als Voodoo-Economics abgetan. Dass diese Politik in den Finanzkrisen ihr jeweils vorl\u00e4ufiges Ende findet, konnten wir in den letzten Jahren sehr deutlich beobachten.<\/p>\n<p>Die Spekulationsgewinne aus dem Nichts kommen zwar indirekt der Volkswirtschaft insgesamt zugute. Zun\u00e4chst aber treten sie vorwiegend im Finanzsektor selber auf. Dabei ist es fast egal, ob die spekulativen Preissteigerungen am Immobilien-, Aktien-, Rohstoff- oder Bondmarkt stattfinden. In allen F\u00e4llen profitiert der Finanzsektor in erster Linie. Dort treten die Spekulationsgewinne zun\u00e4chst auf. Steigende Verm\u00f6genspreise regen die Kreditvergabe an. Sie sind nachhaltig ohne Kreditausweitung nicht m\u00f6glich. Auf diese Weise wirken Spekulationseffekt und Kreditausweitung sich erg\u00e4nzend und gegenseitig f\u00f6rdernd zusammen, um den Finanzsektor gro\u00df und bei aller Gr\u00f6\u00dfe dennoch sehr profitabel zu machen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ausgangspunkt meiner Fragestellung ist Dieter Wermuths Feststellung, die hohen Bankgewinne seien ein Zeichen f\u00fcr Marktversagen. Er schreibt (B\u00f6rsen-Zeitung, 14.11.2009): &#8222;Wenn in einem Wirtschaftszweig derart gut verdient wird, sollte das aus der Sicht eines \u00d6konomen eigentlich dazu f\u00fchren, dass die Gewinne durch den Markteintritt neuer Wettbewerber wegkonkurriert werden und sich dadurch den Standards im Rest des [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":63,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-1678","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-die-globale-makro-debatte"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v21.0 - https:\/\/yoast.com\/wordpress\/plugins\/seo\/ -->\n<title>Woher kommen die Gewinne der Banken? - Herdentrieb<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2010\/04\/08\/woher-kommen-die-gewinne-der-banken_1678\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Woher kommen die Gewinne der Banken? - Herdentrieb\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Ausgangspunkt meiner Fragestellung ist Dieter Wermuths Feststellung, die hohen Bankgewinne seien ein Zeichen f\u00fcr Marktversagen. Er schreibt (B\u00f6rsen-Zeitung, 14.11.2009): &#8222;Wenn in einem Wirtschaftszweig derart gut verdient wird, sollte das aus der Sicht eines \u00d6konomen eigentlich dazu f\u00fchren, dass die Gewinne durch den Markteintritt neuer Wettbewerber wegkonkurriert werden und sich dadurch den Standards im Rest des [&hellip;]\" \/>\n<meta property=\"og:url\" content=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2010\/04\/08\/woher-kommen-die-gewinne-der-banken_1678\" \/>\n<meta property=\"og:site_name\" content=\"Herdentrieb\" \/>\n<meta property=\"article:published_time\" content=\"2010-04-07T22:52:18+00:00\" \/>\n<meta property=\"article:modified_time\" content=\"2010-04-08T08:40:58+00:00\" \/>\n<meta name=\"author\" content=\"Lucas Zeise\" \/>\n<meta name=\"twitter:card\" content=\"summary_large_image\" \/>\n<meta name=\"twitter:creator\" content=\"@zeitonline\" \/>\n<meta name=\"twitter:site\" content=\"@zeitonline\" \/>\n<meta name=\"twitter:label1\" content=\"Geschrieben von\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data1\" content=\"Lucas Zeise\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:label2\" content=\"Gesch\u00e4tzte Lesezeit\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data2\" content=\"11\u00a0Minuten\" \/>\n<script type=\"application\/ld+json\" class=\"yoast-schema-graph\">{\"@context\":\"https:\/\/schema.org\",\"@graph\":[{\"@type\":\"WebPage\",\"@id\":\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2010\/04\/08\/woher-kommen-die-gewinne-der-banken_1678\",\"url\":\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2010\/04\/08\/woher-kommen-die-gewinne-der-banken_1678\",\"name\":\"Woher kommen die Gewinne der Banken? - Herdentrieb\",\"isPartOf\":{\"@id\":\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/#website\"},\"datePublished\":\"2010-04-07T22:52:18+00:00\",\"dateModified\":\"2010-04-08T08:40:58+00:00\",\"author\":{\"@id\":\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/#\/schema\/person\/fbc3c3cdd6fd266af4439db898ee8e54\"},\"breadcrumb\":{\"@id\":\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2010\/04\/08\/woher-kommen-die-gewinne-der-banken_1678#breadcrumb\"},\"inLanguage\":\"de\",\"potentialAction\":[{\"@type\":\"ReadAction\",\"target\":[\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2010\/04\/08\/woher-kommen-die-gewinne-der-banken_1678\"]}]},{\"@type\":\"BreadcrumbList\",\"@id\":\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2010\/04\/08\/woher-kommen-die-gewinne-der-banken_1678#breadcrumb\",\"itemListElement\":[{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":1,\"name\":\"Startseite\",\"item\":\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\"},{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":2,\"name\":\"Woher kommen die Gewinne der Banken?\"}]},{\"@type\":\"WebSite\",\"@id\":\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/#website\",\"url\":\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/\",\"name\":\"Herdentrieb\",\"description\":\"So funktioniert Kapitalismus. Ein Blog\",\"potentialAction\":[{\"@type\":\"SearchAction\",\"target\":{\"@type\":\"EntryPoint\",\"urlTemplate\":\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/?s={search_term_string}\"},\"query-input\":\"required name=search_term_string\"}],\"inLanguage\":\"de\"},{\"@type\":\"Person\",\"@id\":\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/#\/schema\/person\/fbc3c3cdd6fd266af4439db898ee8e54\",\"name\":\"Lucas Zeise\",\"image\":{\"@type\":\"ImageObject\",\"inLanguage\":\"de\",\"@id\":\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/#\/schema\/person\/image\/\",\"url\":\"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/830ec422715d05ff5fb1d721ccff0aa57c02fa6fa245a10b6118c4e8dc3e979e?s=96&d=mm&r=g\",\"contentUrl\":\"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/830ec422715d05ff5fb1d721ccff0aa57c02fa6fa245a10b6118c4e8dc3e979e?s=96&d=mm&r=g\",\"caption\":\"Lucas Zeise\"},\"url\":\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/author\/lucas-zeise\"}]}<\/script>\n<!-- \/ Yoast SEO plugin. -->","yoast_head_json":{"title":"Woher kommen die Gewinne der Banken? - Herdentrieb","robots":{"index":"index","follow":"follow","max-snippet":"max-snippet:-1","max-image-preview":"max-image-preview:large","max-video-preview":"max-video-preview:-1"},"canonical":"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2010\/04\/08\/woher-kommen-die-gewinne-der-banken_1678","og_locale":"de_DE","og_type":"article","og_title":"Woher kommen die Gewinne der Banken? - Herdentrieb","og_description":"Ausgangspunkt meiner Fragestellung ist Dieter Wermuths Feststellung, die hohen Bankgewinne seien ein Zeichen f\u00fcr Marktversagen. Er schreibt (B\u00f6rsen-Zeitung, 14.11.2009): &#8222;Wenn in einem Wirtschaftszweig derart gut verdient wird, sollte das aus der Sicht eines \u00d6konomen eigentlich dazu f\u00fchren, dass die Gewinne durch den Markteintritt neuer Wettbewerber wegkonkurriert werden und sich dadurch den Standards im Rest des [&hellip;]","og_url":"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2010\/04\/08\/woher-kommen-die-gewinne-der-banken_1678","og_site_name":"Herdentrieb","article_published_time":"2010-04-07T22:52:18+00:00","article_modified_time":"2010-04-08T08:40:58+00:00","author":"Lucas Zeise","twitter_card":"summary_large_image","twitter_creator":"@zeitonline","twitter_site":"@zeitonline","twitter_misc":{"Geschrieben von":"Lucas Zeise","Gesch\u00e4tzte Lesezeit":"11\u00a0Minuten"},"schema":{"@context":"https:\/\/schema.org","@graph":[{"@type":"WebPage","@id":"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2010\/04\/08\/woher-kommen-die-gewinne-der-banken_1678","url":"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2010\/04\/08\/woher-kommen-die-gewinne-der-banken_1678","name":"Woher kommen die Gewinne der Banken? - Herdentrieb","isPartOf":{"@id":"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/#website"},"datePublished":"2010-04-07T22:52:18+00:00","dateModified":"2010-04-08T08:40:58+00:00","author":{"@id":"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/#\/schema\/person\/fbc3c3cdd6fd266af4439db898ee8e54"},"breadcrumb":{"@id":"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2010\/04\/08\/woher-kommen-die-gewinne-der-banken_1678#breadcrumb"},"inLanguage":"de","potentialAction":[{"@type":"ReadAction","target":["https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2010\/04\/08\/woher-kommen-die-gewinne-der-banken_1678"]}]},{"@type":"BreadcrumbList","@id":"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2010\/04\/08\/woher-kommen-die-gewinne-der-banken_1678#breadcrumb","itemListElement":[{"@type":"ListItem","position":1,"name":"Startseite","item":"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb"},{"@type":"ListItem","position":2,"name":"Woher kommen die Gewinne der Banken?"}]},{"@type":"WebSite","@id":"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/#website","url":"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/","name":"Herdentrieb","description":"So funktioniert Kapitalismus. Ein Blog","potentialAction":[{"@type":"SearchAction","target":{"@type":"EntryPoint","urlTemplate":"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/?s={search_term_string}"},"query-input":"required name=search_term_string"}],"inLanguage":"de"},{"@type":"Person","@id":"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/#\/schema\/person\/fbc3c3cdd6fd266af4439db898ee8e54","name":"Lucas Zeise","image":{"@type":"ImageObject","inLanguage":"de","@id":"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/#\/schema\/person\/image\/","url":"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/830ec422715d05ff5fb1d721ccff0aa57c02fa6fa245a10b6118c4e8dc3e979e?s=96&d=mm&r=g","contentUrl":"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/830ec422715d05ff5fb1d721ccff0aa57c02fa6fa245a10b6118c4e8dc3e979e?s=96&d=mm&r=g","caption":"Lucas Zeise"},"url":"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/author\/lucas-zeise"}]}},"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1678","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/wp-json\/wp\/v2\/users\/63"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1678"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1678\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1678"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1678"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1678"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}