{"id":1728,"date":"2010-04-28T13:21:20","date_gmt":"2010-04-28T11:21:20","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/?p=1728"},"modified":"2010-04-30T00:45:55","modified_gmt":"2010-04-29T22:45:55","slug":"no-we-cannot","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2010\/04\/28\/no-we-cannot_1728","title":{"rendered":"No, we cannot"},"content":{"rendered":"<p>Die Rettungsaktion f\u00fcr Griechenland d\u00fcrfte als der unprofessionellste <em>bailout<\/em> aller Zeiten in die Wirtschaftsgeschichte eingehen. Das wochenlange Hickhack der Politik (und die SPD liefert eine \u00e4hnlich erb\u00e4rmliche Vorstellung ab wie Union und FDP) hat nun auch den letzten Marktteilnehmer verunsichert. Europa steht in Flammen und es ist nicht mehr auszuschlie\u00dfen, dass wir gerade den Anfang vom Ende der W\u00e4hrungsunion erleben.<!--more--><\/p>\n<p>Dabei ist die Sache eigentlich ganz einfach: Europa h\u00e4tte ganz schnell und im Brustton der \u00dcberzeugung einen satten Batzen Geld ins Schaufenster stellen m\u00fcssen und gut w\u00e4re es gewesen. Genau so hat man es bei den Banken gemacht. Und es hat trotz der Nebenwirkungen funktioniert \u2013 die Arbeitslosigkeit liegt heute in Deutschland bei zehn Prozent und nicht wie 1930ff bei 25 Prozent.<\/p>\n<p>Aber das durfte ja nicht sein, weil die Gro\u00dftaktiker im deutschen Kanzleramt durch die Verweigerung der Auszahlung den Druck auf die Griechen aufrechterhalten wollten. Ihr Argument ist im Grunde ja nicht verkehrt, doch sp\u00e4testens als die Regierung in Athen ihr massives Sparprogramm verk\u00fcndet hatte, h\u00e4tte die Gemeinschaft, die geladene Pistole auf den Tisch legen m\u00fcssen. Viel mehr lie\u00df sich aus dem Land nicht herausquetschen.<\/p>\n<p>Aber da ging es ja l\u00e4ngst nicht mehr um eine rationale Krisenbew\u00e4ltigung, sondern um die Befriedung des deutschen Boulevards und den heiligen Vertrag von Maastricht, der das Retten nun einmal verbietet. Ergebnis ist eine Wirtschaftspolitik nach den Prinzipien von Schuld und S\u00fchne: Gut ist, was den Griechen weh tut.<\/p>\n<p>Dumm nur, wenn was den Griechen weh tut, auch uns weh tut. Beziehungsweise unseren Banken und Sparern, die ihr Geld in Griechenland angelegt haben. Und den Unternehmen, die sich vielleicht bald wieder an ein Europa im st\u00e4ndigen W\u00e4hrungschaos gew\u00f6hnen m\u00fcssen. Und den Arbeitnehmern, die ihre Jobs verlieren werden. Den Scharfmachern ist das egal, aber der Kanzlerin darf es nicht egal sein.<\/p>\n<p>Wenig \u00fcberzeugend auch die jetzt immer wieder zu h\u00f6rende These, Griechenland sei nicht illiquide, sondern insolvent und brauche deshalb keine Finanzspritzen sondern einen Schuldenerlass. \u00c4hnlich hat man bei den Banken auch argumentiert und doch haben sich einige berappelt und stehen jetzt nicht so schlecht da. Die Grenze zwischen Illiquidit\u00e4t und Insolvenz ist eben flie\u00dfend \u2013 und wenn die Liquidit\u00e4t eine Weile zu teuer ist, dann kommt es eben zu Solvenzproblemen. Umgekehrt kann ein Land wieder auf die Beine kommen, wenn die Zinsen niedrig genug sind.<\/p>\n<p>Selbst im Fall einer \u00dcberschuldung g\u00e4be es gute Gr\u00fcnde, die Insolvenz zu verschleppen \u2013 bis sich die M\u00e4rkte beruhigt haben und ein Zahlungsausfall kein Chaos mehr verursacht. Was bei einem Unternehmen strafbar w\u00e4re, kann bei einer Volkswirtschaft sinnvoll sein. Wer jedenfalls st\u00e4ndig von Umschuldung und Beteiligung der Gl\u00e4ubiger an den Kosten spricht, der muss sich nicht wundern, wenn niemand mehr den Griechen Geld leihen will und die M\u00e4rkte in Aufruhr sind. Genauso kontraproduktiv w\u00e4re der Ausschluss der Griechen aus der Euro-Zone. Wie um alles in der Welt sollen sie mit einer Billig-Drachme die Euro-Schulden zur\u00fcckzahlen?<\/p>\n<p>Am Ende haben die europ\u00e4ischen Rettungsk\u00fcnste das Schlechteste aller Ergebnisse herbeigef\u00fchrt: Wir geben viel Geld aus, aber die Wirkung ist gleich Null.<\/p>\n<p>Toll gepokert.<\/p>\n<p>Update: <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2010\/18\/Forum-Griechenland-Lahnstein?page=1\">Manfred Lahnstein<\/a> sieht es \u00e4hnlich und <a href=\"http:\/\/www.weissgarnix.de\/2010\/04\/28\/drohendes-desaster\/\" target=\"_blank\">Weissgarnix<\/a> trifft den Nagel auf den Kopf. So viel Einheit war nie.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Rettungsaktion f\u00fcr Griechenland d\u00fcrfte als der unprofessionellste bailout aller Zeiten in die Wirtschaftsgeschichte eingehen. Das wochenlange Hickhack der Politik (und die SPD liefert eine \u00e4hnlich erb\u00e4rmliche Vorstellung ab wie Union und FDP) hat nun auch den letzten Marktteilnehmer verunsichert. 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