{"id":186,"date":"2007-07-27T09:48:31","date_gmt":"2007-07-27T07:48:31","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/?p=186"},"modified":"2007-07-27T09:48:31","modified_gmt":"2007-07-27T07:48:31","slug":"aufschwung-bleibt-dynamisch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2007\/07\/27\/aufschwung-bleibt-dynamisch_186","title":{"rendered":"Aufschwung bleibt dynamisch"},"content":{"rendered":"<p><img src='https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/old\/Auftragseingang_DE_Inland_Ausland_0705.gif' alt='Auftragseingang der Industrie 0705' \/><\/p>\n<p>Der Aufschwung wird schw\u00e4cher, ist jetzt des \u00f6fteren zu lesen. Wirklich? Die Auftragslage der Industrie deutet darauf hin, dass noch genug Dynamik in der deutschen Wirtschaft steckt. Und das erfreuliche dabei ist, dass die Abh\u00e4ngigkeit von der Auslandsnachfrage zur\u00fcckgegangen ist. Der steigende Euro und der \u00d6lpreis schlagen allerdings aufs Gem\u00fct, das zeigt sich in den Umfrageindizes des <a href=\"http:\/\/www.cesifo-group.de\/portal\/page\/portal\/ifoHome\/a-winfo\/d1index\/10indexgsk?lang=d\" target=\"_blank\">Ifo Instituts vom gestrigen Donnerstag<\/a> und des <a href=\"http:\/\/www.zew.de\/de\/presse\/presse.php?action=article_show&#038;LFDNR=814\" target=\"_blank\">ZEW von letzter Woche<\/a>. W\u00e4hrend die Beurteilung der aktuelle Lage im Juli praktisch unver\u00e4ndert blieb (der Ifo Index sank hier um 0,1 Punkte auf 111,3) gingen die Erwartungen \u00fcber die kommenden sechs Monate noch einmal um einen Punkt auf 101,8 zur\u00fcck. Ein fester Euro und ein steigender \u00d6lpreis sind nicht dazu geeignet positive Impulse auszusenden, aber eine ernsthafte Gefahr f\u00fcr das Wirtschaftswachstum in Deutschland geht von ihnen bislang nicht aus. Gerade haben der <a href=\"http:\/\/www.imf.org\/external\/pubs\/ft\/weo\/2007\/update\/01\/index.htm\" target=\"_blank\">IWF<\/a> und das <a href=\"http:\/\/www.diw.de\/programme\/jsp\/presse.jsp?pcode=609&#038;language=de\" target=\"_blank\">DIW<\/a> ihre Wachstumsprognose auf 2,6 Prozent f\u00fcr dieses Jahr nach oben revidiert ebenso wie das <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/pdf\/p_imk_report_21_2007.pdf\" target=\"_blank\">IMK<\/a> Anfang des Monats. Beim IWF ging es gar um 0,8 Prozentpunkte nach oben.<br \/>\n<!--more--><br \/>\n<img src='https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/old\/ifo_Index_Juli_07.gif' alt='Ifo Gesch&Atilde;&curren;ftsklima Juli 2007' \/><\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich wirkt sich eine Aufwertung des Euro auf die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Unternehmen aus. Gesamtwirtschaftlich entscheidend ist hier aber nicht der nominale Wechselkurs sondern der handelsgewichtete reale Wechselkurs. Der Indikator der preislichen Wettbewerbsf\u00e4higkeit der deutschen Wirtschaft gegen\u00fcber 20 Industriel\u00e4ndern, den die Bundesbank berechnet, zeigt hier in den ersten beiden Quartalen des Jahres eine Aufwertung um 2,2 Prozent an, w\u00e4hrend der Euro nominal im gleichen Zeitraum um 3,2 Prozent gegen\u00fcber dem Dollar aufgewertet hat. (Berechnet auf der Basis von Quartals- bzw. Monatswerten.) Neben Kostenvorteilen wirkt sich hier der Umstand aus, dass Deutschland nicht nur mit dem Dollarraum Handel treibt. Das zeigt sich besonders deutlich, wenn man die Entwicklung der Wettbewerbsf\u00e4higkeit bez\u00fcglich der L\u00e4nder der W\u00e4hrungsunion betrachtet.<\/p>\n<p><img src='https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/old\/Wettbewerbsfaehigkeit_DE_07Q2.gif' alt='Wettbewerbsf&Atilde;&curren;higkeit der dt. Wirtschaft' \/><\/p>\n<p>Der Anstieg des in Dollar gerechnete \u00d6lpreises wirkt sich bei einer gleichzeitigen Aufwertung des Euro weniger stark auf die Unternehmen im Euroraum aus. W\u00e4hrend der Roh\u00f6lpreis von Januar bis Juni in Dollar um rund 31 Prozent gestiegen ist, waren es in Euro gerechnet rund 27 Prozent. Nicht dass dies keine Belastung f\u00fcr die Konjunktur w\u00e4re. So sind die Energiepreise, die die Verbraucher zahlen seit Jahresanfang um 6,2 Prozent gestiegen, w\u00e4hrend die Verbraucherpreise insgesamt nur um 1,1 Prozent zugelegt haben. Das d\u00e4mpft den dringend notwendigen Anstieg des privaten Konsums. Aber das Tandem aus steigenden \u00d6lpreis und steigendem Euro wirkt nicht in die gleich Richtung.<\/p>\n<p><img src='https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/old\/Oelpreis_Dollar_Euro_0706.gif' alt='Roh&Atilde;&para;lpreis Dollar Euro' \/><\/p>\n<p>Auf der Kostenseite wirkt der starke Euro also d\u00e4mpfend. Gleichwohl sind <a href=\"http:\/\/www.destatis.de\/jetspeed\/portal\/cms\/Sites\/destatis\/Internet\/DE\/Presse\/pm\/2007\/07\/PD07__295__614,templateId=renderPrint.psml\" target=\"_blank\">die Importpreise wie das Statistische Bundesamt am Dienstag gemeldet hat, zuletzt st\u00e4rker angestiegen<\/a>. Saisonbereinigt lagen sie im Juni um 1,5 Prozent h\u00f6her als im Vormonat. Die Preistreiber waren Stahl und Rohmetalle. Hier muss der guten Weltkonjunktur Tribut gezahlt werden. Nach der <a href=\"http:\/\/www.imf.org\/external\/pubs\/ft\/weo\/2007\/update\/01\/index.htm\" target=\"_blank\">neusten Prognose des IWF wird die Weltwirtschaft dieses Jahr um 5,2 Prozent wachsen<\/a>. Mit einem Nachlassen des Kostendrucks wird also nicht zu rechnen sein. Die Gewinne der Unternehmen laufen immer noch sehr gut und sie profitieren vom Welthandel. Einen Anstieg wie in den Quartalen zuvor wird es im zweiten Quartal aber nicht gegeben haben. Darauf deutet zumindest die Entwicklung der St\u00fcckgewinne im Verarbeitenden Gewerbe hin. Sie sind ein grober aber zeitnaher Indikator f\u00fcr die Gewinnentwicklung. Der Quotient aus Outputpreisen und Lohnst\u00fcckkosten stagniert im zweiten Quartal. W\u00e4hrend der Index der Erzeugerpreise schon vorliegt, haben wir die Lohnst\u00fcckkosten f\u00fcr das zweite Quartal aus den bis Mai vorliegenden Produktivit\u00e4ts- und Lohnkostenzahlen abgesch\u00e4tzt.<\/p>\n<p><img src='https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/old\/Gewinnentwicklung_Industrie_DE_07Q2.gif' alt='Gewinnentwicklung der Industrie 07Q2' \/><\/p>\n<p>Der R\u00fcckgang der Erwartungen der Unternehmen, wie er sich im Ifo Index ausdr\u00fcckt, kann also durchaus dem Umstand geschuldet sein, dass nicht mehr mit einem ganz so rasanten Anstieg der Gewinne gerechnet wird wie in den letzten Jahren. Vergessen darf man dabei allerdings nicht, dass sie sich auf einem sehr hohem Niveau bewegen. Und wie die Auftragslage zeigt, werden auch in Zukunft noch gute Gesch\u00e4fte gemacht. Der \u00d6lpreis wirkt zwar d\u00e4mpfend auf die Konjunktur, aber er schnellt nicht schockartig nach oben. Die Weltwirtschaft hat sich auf h\u00f6here \u00d6lpreise eingestellt und sie expandiert weiterhin mit einer sehr hohen Rate. Den Wechselkurs des Euro zum Dollar sollte man nicht \u00fcberbewerten. Hier wird es erst gef\u00e4hrlich, wenn es zu einem Dollarcrash kommen sollte, aber dann haben die deutsche Wirtschaft und die Welt noch ganz andere Probleme. Zur Zeit sieht es danach nicht aus. Das globale Ungleichgewicht erweist sich als erstaunlich stabil und China setzt eine Menge Hebel in Bewegung, um einer \u00dcberhitzung der eigenen Wirtschaft entgegen zu wirken. Eine mittelfristige Abwertung des Dollar wird Teil des Entspannungsprozesses sein.<\/p>\n<p>Der Aufschwung kann sich trotz Euro und \u00d6lpreis fortsetzten, aber es w\u00e4re falsch anzunehmen, dass wir uns schon in einer Phase der Hochkonjunktur befinden und die Wirtschaftpolitik auf die Bremse treten muss. Die EZB w\u00e4re gut beraten, eine l\u00e4ngere Pause einzulegen, bevor sie den n\u00e4chsten Zinsschritt macht, den sie offenbar f\u00fcr n\u00f6tig h\u00e4lt. Die Zinserh\u00f6hungen der vergangenen Monate beginnen erst zu wirken und von Inflation ist weit und breit nichts zu sehen in Euroland. Die Konjunktur ist gerade dabei sich zu entscheiden mit welchem Tempo sie weiter macht. Da sollte man nicht voreilig die Weichen auf ein langsameres Gleis umlegen, dass k\u00f6nnte unter Umst\u00e4nde die ganze Fahrt wegnehmen. Die amerikanische Notenbank ist seit einem Jahr in Wartestellung und beobachtet die Entwicklung, das w\u00e4re auch eine Strategie f\u00fcr die EZB.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Aufschwung wird schw\u00e4cher, ist jetzt des \u00f6fteren zu lesen. Wirklich? Die Auftragslage der Industrie deutet darauf hin, dass noch genug Dynamik in der deutschen Wirtschaft steckt. Und das erfreuliche dabei ist, dass die Abh\u00e4ngigkeit von der Auslandsnachfrage zur\u00fcckgegangen ist. 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