{"id":2652,"date":"2011-01-02T18:44:56","date_gmt":"2011-01-02T17:44:56","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/?p=2652"},"modified":"2011-01-02T18:44:56","modified_gmt":"2011-01-02T17:44:56","slug":"zehn-wetten-fur-2011","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2011\/01\/02\/zehn-wetten-fur-2011_2652","title":{"rendered":"Zehn Wetten f\u00fcr 2011"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2010\/12\/31\/selbstgerechte-bilanz-unserer-wetten-2010_2645\">Mein Haupt noch etwas aschig, sa\u00dfen wir drei Hirten &#8211; Lucas, Dieter und ich &#8211; also zusammen<\/a> und schritten zur Tat f\u00fcr das neue Jahr. Unser Top-Thema, das uns einige Biere Zeit kostete, war die Euro-Krise und deren Fortgang. Wir wunderten uns sehr \u00fcber die deutsche Exportlobby, die sich beim Verkaufen der Vorteile des Euro richtig d\u00e4mlich anstellt, oder gar nicht zu vernehmen ist. Wo ist der BDI, wo die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft? Konnten sie uns doch locker erkl\u00e4ren, warum die L\u00f6hne in Deutschland sinken mussten. Jetzt, wo es den Deutschen zu erkl\u00e4ren gilt, warum der Euro im besten Interesse dieses Landes ist (und nat\u00fcrlich im allerbesten der Exporteure), da schw\u00e4cheln sie oder gie\u00dfen mit ihren Haircut-Ideen sogar noch \u00d6l ins Feuer. Dennoch glauben wir, dass der Euro Ende 2011 noch existieren wird, r\u00f6chelnd! <!--more--><\/p>\n<p>Der Masterplan zur Rettung der Eurozone, zur Installierung einer funktionierenden Fiskalunion wird nicht erfunden. Es bleibt bei ad hoc-Ma\u00dfnahmen, Krisengipfeln und dem ganzen Krampf von 2010. Wir glauben, es wird noch weitere Rettungsinstrumente geben, neben dem Schirm, der vielleicht aufgestockt wird. Es wird eine Art Euro-Anleihe kommen und andere indirekte fiskalische Subventionen f\u00fcr die wankenden L\u00e4nder. <\/p>\n<p>Richtig gestritten haben wir um die Notwendigkeit sowie die Ausgestaltung des Haircuts, also der Beteiligung der Gl\u00e4ubiger an der Rettung von Griechenland, Portugal und Co. Lucas bestand zun\u00e4chst auf der direkten Beteiligung der Banken und Versicherer, Hedgefonds und anderen Investoren. Nur so lasse sich die dringend notwendige Schrumpfung des aufgebl\u00e4hten Finanzsektors einleiten, meinte er. Ich widersprach. Zur Schrumpfung des Finanzsektors gebe es effizientere Mittel, etwa deutlich h\u00f6here Eigenkapitalanforderungen. Bei echten Haircuts, so mein Einwand, fliegt uns der Euro um die Ohren, ist die W\u00e4hrungsunion Geschichte. Denn gef\u00fchlte 80 Prozent der Staatsanleihen der Wackelkandidaten liegen in Anlageb\u00fcchern zu 100 Prozent. Dann sprach Dieter den Schlichterspruch: Es kommt zur Beteiligung der Gl\u00e4ubiger, aber zu einer sanften, nicht schrumpfenden: Die Laufzeit der Anleihen wird verl\u00e4ngert, der Zinsdienst reduziert. Das ist zwar auch ein Default, aber eben einer, der uns nicht anschlie\u00dfend die Banken wieder retten l\u00e4sst. <strong>Das ist unsere erste Wette<\/strong>: Es kommt zu einer Beteiligung der Gl\u00e4ubiger an den Rettungskosten f\u00fcr Griechenland und Irland. <\/p>\n<p>Da der Dollar mit seinem Quantitativen Lockerungsbem\u00fchungen keineswegs h\u00fcbscher als der kriselnde Euro ausschaut, haben wir eine naive <strong>Wette, die zweite<\/strong>, f\u00fcr das W\u00e4hrungsp\u00e4rchen Euro\/Dollar: 1,33 Dollar je Euro, so wie der Stand am letzten Tag des Jahres war. Der chinesische Yuan wird auch im neuen Jahr nicht frei schwanken. Wir tippen, dass er um weitere drei Prozent gegen\u00fcber dem Dollar aufwerten wird. <\/p>\n<p><strong>Die dritte Wette<\/strong>: Die Europ\u00e4ische Zentralbank wird auch 2011 ihren Leitzins bei einem Prozent belassen und das bisschen Exit wie im vergangenen Jahr durch das Hochziehen des Tagesgeldsatzes in Richtung ein Prozent bewerkstelligen.<\/p>\n<p><strong>Die vierte Wette<\/strong>: Das Wachstum in Deutschland wird sich auf 2,8 Prozent belaufen. Deutschland profitiert von den niedrigen Realzinsen, die f\u00fcr die Eurozone als Ganzes zwar angemessen sind, nicht aber f\u00fcr das stark wachsende Deutschland. Die Weltwirtschaft w\u00e4chst und Deutschland exportiert. Zwar erlebt die Peripherie Eurolands 2011 eine Rezession, doch Griechenland, Irland, Portugal und Spanien bringen es zusammen nur auf 18 Prozent am BIP Eurolands, sodass Euroland insgesamt noch immer um zwei Prozent wachsen sollte. F\u00fcr die Weltwirtschaft erwarten wir ein Plus von 4,2 Prozent (das sind 0,6 Prozentpunkte weniger als 2010). Dabei kommen die OECD-L\u00e4nder um 2,2 Prozent voran, die Schwellenl\u00e4nder um 6,5 Prozent (Indien acht, China 9,5, Brasilien sechs und Russland f\u00fcnf Prozent).<\/p>\n<p><strong>Die f\u00fcnfte Wette<\/strong>: Es wird 2011 zu einer Korrektur bei den Rohstoffpreisen von \u00d6l \u00fcber Gold bis Kupfer kommen. Wir erwarten einen R\u00fcckgang im Schnitt um 25 Prozent! Aus unserer Sicht haben die Kurse mit der Angebotssituation nichts mehr zu tun. Es ist zwar richtig, dass die Nachfrage steigt, aber die F\u00f6rderkapazit\u00e4ten sind ausgebaut worden. Das sollten die Spekulanten eher fr\u00fcher als sp\u00e4ter merken. <\/p>\n<p><strong>Die sechste Wette<\/strong>: Und weil das so ist, dass die Rohstoffpreise runter kommen werden, wird sich auch die Inflation im Zaum halten lassen. Wir tippen auf 1,5 Prozent f\u00fcr Deutschland, wobei die Kernrate (ohne Energie und Nahrungsmittel) leicht anziehen d\u00fcrfte. <\/p>\n<p>F\u00fcr den Anleihemarkt erwarten wir ausnahmsweise mal ein Jahr mit Verlusten. Die Zehnjahresrendite der Bundesanleihen wird auf 3,5 Prozent anziehen (von gegenw\u00e4rtig 2,97 Prozent). <strong>Das ist die siebte Wette<\/strong>. Warum? Weil es Staatsanleihen 2011 schwer haben werden, in Euroland, aber auch in den USA. Es wird das Jahr \u00fcber zu einer Umschichtung von Staatsanleihen in Aktien kommen. Und da Bunds sich nie von den T-Bonds l\u00f6sen k\u00f6nnen, werden auch Bunds unter den schwachen T-Bonds leiden. <\/p>\n<p>F\u00fcr den Dax dagegen erwarten wir ein neues Hoch bei 8350 Z\u00e4hler im Verlauf des Jahres. <strong>Das ist unsere achte Wette<\/strong>. Der Optimismus ergibt sich schl\u00fcssig aus all unseren Annahmen bis hierher, das mussten auch Lucas und ich akzeptieren. Doch unser Bauch, unser Gef\u00fchl, revoltierte und legte Widerspruch ein. Das soll nur festgehalten werden, es \u00e4ndert nichts an der Wette. <\/p>\n<p><strong>Wette Nummer neun<\/strong>: Der neue EZB-Pr\u00e4sident wird ein Deutscher, aber es wird nicht der Favorit der Bundesregierung Axel Weber. Der Bundesbankpr\u00e4sident hat sich mit seiner Opposition zu Anleihek\u00e4ufen in den \u00fcbrigen europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten unbeliebt gemacht. Ihm wird fachlich viel zugetraut, nicht aber f\u00fcr Konsens unter 17 nationalen Notenbankpr\u00e4sidenten und f\u00fcnf Direktoriumsmitgliedern zu sorgen. Deshalb lautet unsere Wette auf <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/wirtschaft\/der-euro-retter\/-\/1472780\/5052618\/-\/index.html\" target=\"_blank\">Klaus Regling, den Chef des Europ\u00e4ischen Rettungsschirm<\/a>.<\/p>\n<p><strong> Wette Nummer zehn<\/strong>: Die schwarz-gelbe Koalition \u00fcbersteht das Jahr nicht. Die herben Verluste bei den Landtagswahlen f\u00fcr die FDP sowie ihre Fundamental-Opposition gegen weitere Schritte zur Rettung des Euros besiegeln das Aus. Angela Merkel ergreift das Angebot von Frank-Walter Steinmeier und Siegmar Gabriel und formt die n\u00e4chste gro\u00dfe Koalition. Es wird die Koalition der Vernunft, die dem Euro Nothilfe gew\u00e4hrt, damit er zum Jahresende noch r\u00f6chelt, wie wir es oben einleitend angenommen haben. <\/p>\n<p>Ihnen, verehrten Lesern und Kommentatorinnen des Blog HERDENTRIEB, w\u00fcnschen wir ein gl\u00fcckliches und spannendes Jahr 2011 \u2013 ganz ohne R\u00f6cheln!<\/p>\n<p>Ihr Hirte Robert von Heusinger<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mein Haupt noch etwas aschig, sa\u00dfen wir drei Hirten &#8211; Lucas, Dieter und ich &#8211; also zusammen und schritten zur Tat f\u00fcr das neue Jahr. Unser Top-Thema, das uns einige Biere Zeit kostete, war die Euro-Krise und deren Fortgang. 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