{"id":2747,"date":"2011-02-17T16:14:14","date_gmt":"2011-02-17T15:14:14","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/?p=2747"},"modified":"2011-02-17T16:14:14","modified_gmt":"2011-02-17T15:14:14","slug":"expansive-wirtschaftspolitik-hat-sich-gelohnt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2011\/02\/17\/expansive-wirtschaftspolitik-hat-sich-gelohnt_2747","title":{"rendered":"Expansive Wirtschaftspolitik hat sich gelohnt"},"content":{"rendered":"<p>Auf einmal gibt es kein Altersheim Deutschland mehr. Aus dem Dauerpatienten und hoffnungslosen Fall ist eine Konjunkturlokomotive geworden. Ich habe die j\u00fcngste Global Economic Outlook Summary der Wallstreet-Firma JPMorgan vor mir, deren bislang \u00e4u\u00dferst skeptische und aufreizend besserwisserische Analysten f\u00fcr das Jahr 2011 beim realen BIP jetzt eine Zuwachsrate von 3,5 Prozent f\u00fcr Deutschland erwarten. Ich vermute, dass auch andere ihre Prognosen in den kommenden Monaten deutlich nach oben revidieren werden.<!--more--><\/p>\n<p>Wie das? Im Grunde hat es nichts mit Hexerei zu tun, sondern einfach mit dem gl\u00fccklichen Umstand, dass die Wirtschaftspolitik, auf&#8217;s Ganze gesehen, aus deutscher Sicht zur rechten Zeit gen\u00fcgend expansiv war. Das gilt vor allem f\u00fcr den Wechselkurs und die kurzfristigen Zinsen, die seit 1999 nicht mehr dem Einfluss nationaler Politik unterliegen, sondern von den Entwicklungen in der W\u00e4hrungsunion insgesamt bestimmt werden.<\/p>\n<p>Einige Zahlen zur aktuellen wirtschaftlichen Situation: <a href=\"http:\/\/www.destatis.de\/jetspeed\/portal\/cms\/Sites\/destatis\/Internet\/DE\/Presse\/pm\/2011\/02\/PD11__061__811,templateId=renderPrint.psml\" target=\"_blank\">Das reale BIP lag im vierten Quartal um nicht weniger als 4,0 Prozent \u00fcber seinem Vorjahreswert<\/a>. Anders als in allen gro\u00dfen und den meisten kleinen Industriel\u00e4ndern hat die Besch\u00e4ftigung zudem kr\u00e4ftig zugenommen und \u00fcbertrifft mittlerweile ihren Vor-Krisen-Rekordwert von Oktober 2008 um 0,8 Prozent, so dass die Arbeitslosenquote auf 7,4 Prozent gefallen ist &#8211; Mitte des vergangenen Jahrzehnts hatte sie fast 12 Prozent erreicht.<\/p>\n<p>Das Erfreuliche ist dabei, dass die Investitionen richtig in Fahrt gekommen sind und jetzt zu erwarten ist, dass die Produktivit\u00e4t, von der die Zunahme des allgemeinen Wohlstands entscheidend abh\u00e4ngt, endlich wieder mit ansehnlichen Raten expandiert: Die inl\u00e4ndischen Ums\u00e4tze der Investitionsg\u00fcterproduzenten waren im vergangenen Quartal 13,9 Prozent h\u00f6her als vor Jahresfrist, und zwischen dem dritten und vierten Quartal gab es eine annualisierte Zuwachsrate von nicht weniger als 24,2 Prozent. Ganz \u00e4hnlich sieht es bei den realen inl\u00e4ndischen Auftragseing\u00e4ngen im Investitionsg\u00fctergewerbe aus. Sogar die Einfuhren von Investitionsg\u00fctern boomen, trotz des schwachen Euro: Sie lagen in den letzten drei Monaten um 14,6 Prozent \u00fcber ihrem Vorjahresniveau.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft im \u00dcbrigen auch, dass der Aufschwung eine stabile Grundlage hat und m\u00f6glicherweise bereits selbsttragend ist. Es hilft, dass es wegen der jahrzehntelangen Investitionsschw\u00e4che einen erheblichen Nachholbedarf gibt. Gleichzeitig haben sich die Unternehmensgewinne seit dem konjunkturellen Tiefpunkt im ersten Halbjahr 2009 stark verbessert &#8211; sch\u00e4tzungsweise um mindestens plus 30 Prozent. An Eigenmitteln mangelt es nicht.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2011\/02\/UuV_Anteil_am_Volkseinkommen_10Q3.gif\" alt=\"Grafik: Unternehmens- u. Verm\u00f6genseinkommen - in % des VE\" title=\"UuV_Anteil_am_Volkseinkommen_10Q3\" width=\"400\" height=\"294\" class=\"alignnone size-full wp-image-2748\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2011\/02\/UuV_Anteil_am_Volkseinkommen_10Q3.gif 400w, https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2011\/02\/UuV_Anteil_am_Volkseinkommen_10Q3-300x220.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/p>\n<p>Um das positive Konjunkturbild abzurunden: Die Inflation betrug nach dem breitesten verf\u00fcgbaren Ma\u00df, dem Deflator des Bruttoinlandsprodukts, im vierten Quartal nur 0,3 Prozent (Vorjahresvergleich). Wer will da klagen?<\/p>\n<p>Wie expansiv oder restriktiv die Wirtschaftspolitik wirkt, l\u00e4sst sich an verschiedenen Indikatoren ablesen. Man kann sie, wenn man m\u00f6chte, zu einem sogenannten Financial Conditions Index b\u00fcndeln, wie das beispielsweise Goldman Sachs tut. Aufschlussreicher ist aber im Kontext der W\u00e4hrungsunion der Blick auf jeden einzelnen Indikator. In der Einkommenspolitik und der Finanzpolitik werden die Weichen nach wie vor von inl\u00e4ndischen Akteuren gestellt, in der Zins- und Wechselkurspolitik dominiert dagegen die europ\u00e4ische Ebene.<\/p>\n<p>Was den Wechselkurs des Euro angeht, kommt es darauf an, von welchen Faktoren Nachfrage und Angebot vor allem bestimmt werden. Die Leistungsbilanz des Euroraums wies in den vergangenen drei Jahren geringe Defizite auf, in der Gr\u00f6\u00dfenordnung von 0,5 bis 0,8 Prozent des gemeinsamen BIP (von zur Zeit rund 9300 Mrd. Euro). Von daher gibt es auf den Devisenm\u00e4rkten ein \u00dcberangebot an Euro, was tendenziell seinen Wechselkurs dr\u00fcckt. Das ist in letzter Zeit nicht durch autonome Kapitalimporte \u00fcberkompensiert worden. Die Ertragschancen galten insgesamt als nicht sonderlich positiv, vor allem im Vergleich zu den Schwellenl\u00e4ndern. Im vergangenen Jahr kamen dann noch die Schuldenkrisen in der sogenannten Peripherie des W\u00e4hrungsraums hinzu. Das Schaubild zeigt, wie stark der Euro im Jahr 2010 real abgewertet wurde. &#8222;Real&#8220; hei\u00dft hier, dass der handelsgewogene Kurs um die Effekte der internationalen Inflationsdifferenzen bereinigt wurde.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2011\/02\/BIS_REER_Germany_broad_201101.gif\" alt=\"Grafik: Realer effektiver Wechselkurs - Deutschland\" title=\"BIS_REER_Germany_broad_201101\" width=\"400\" height=\"304\" class=\"alignnone size-full wp-image-2749\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2011\/02\/BIS_REER_Germany_broad_201101.gif 400w, https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2011\/02\/BIS_REER_Germany_broad_201101-300x228.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/p>\n<p>Insgesamt hat sich dadurch aber die Wettbewerbsposition der europ\u00e4ischen Unternehmen sehr verbessert, was wiederum insbesondere in Deutschland einen \u00e4u\u00dferst positiven Einfluss auf die Konjunktur hatte. Unser Angebot an Waren und Dienstleistungen befriedigt nahezu passgenau die Bed\u00fcrfnisse der aufstrebenden L\u00e4nder.<\/p>\n<p>H\u00e4tte Deutschland noch die Mark, w\u00e4re es angesichts von Leistungsbilanz\u00fcbersch\u00fcssen von mehr als 5 Prozent des BIP sowie der relativ soliden \u00f6ffentlichen Finanzen zu einer Aufwertung gekommen, die der des Schweizer Franken oder der Schwedenkrone entsprochen h\u00e4tte. So positiv Aufwertungen langfristig sind, so sehr sind sie kontraproduktiv, wenn sich ein Land von einer tiefen Rezession erholen will. Freuen wir uns, dass es den Euro gibt!<\/p>\n<p>Bei den Zinsen war der expansive Effekt mindestens genauso gro\u00df wie beim Wechselkurs. Da die Arbeitslosigkeit im Euroland insgesamt weiterhin z\u00e4h um die 10-Prozent-Marke pendelt und die Inflation lange eher unter als \u00fcber der Zielmarke von etwas unter zwei Prozent lag, das Bankensystem zudem keineswegs als saniert gilt, ist die EZB gezwungen, den Hauptrefinanzierungssatz weiterhin bei ein Prozent zu halten, was wiederum die gesamte Struktur der kurzfristigen Marktzinsen auf einem sehr niedrigen Niveau h\u00e4lt. Real sind die 3-Monatss\u00e4tze seit Ende 2008 um nicht weniger als drei Prozentpunkte gesunken und befinden sich gegenw\u00e4rtig im negativen Bereich.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2011\/02\/Realer_Euribor_Germany_1101.gif\" alt=\"Grafik: Realer kurzfr. Zins - Deutschland\" title=\"Realer_Euribor_Germany_1101\" width=\"400\" height=\"312\" class=\"alignnone size-full wp-image-2750\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2011\/02\/Realer_Euribor_Germany_1101.gif 400w, https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2011\/02\/Realer_Euribor_Germany_1101-300x234.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/p>\n<p>Es lohnt sich f\u00fcr Banken, kurzfristige Mittel aufzunehmen und l\u00e4ngerfristig zu verleihen. Wenn das reale BIP beispielsweise mit Raten von drei Prozent, oder auch nur von zwei Prozent expandiert, haben die Kreditnehmer im Allgemeinen keine Probleme mit dem Schuldendienst. Die Banken k\u00f6nnen au\u00dferdem schon allein dadurch gutes Geld verdienen, dass sie Bundesanleihen oder Pfandbriefe durch Kreditaufnahme am Geldmarkt refinanzieren. Dass die Kreditvergabe im Euroraum insgesamt nicht anspringen will, hat vor allem damit zu tun, dass in zahlreichen L\u00e4ndern, mit Spanien, Irland und Griechenland an der Spitze, weite Teile der Wirtschaft \u00fcberschuldet sind und die R\u00fcckzahlung von Krediten h\u00f6chste Priorit\u00e4t hat. In Deutschland ist das bekanntlich nicht der Fall &#8211; es gab keine Immobilienblase! -, so dass die Medizin der EZB hier jedenfalls jetzt anzuschlagen scheint.<\/p>\n<p>In den erw\u00e4hnten Financial Conditions Indices spielt die Differenz zwischen langfristigen und kurzfristigen Zinsen, also etwa die zwischen der Rendite zehnj\u00e4hriger Bundesanleihen und dem 3-Monats-Euribor, eine Schl\u00fcsselrolle. Je positiver die Differenz, desto st\u00e4rker der expansive Impuls der Geldpolitik. Auch nach diesem Ma\u00dfstab war sie anti-zyklisch und damit situationsgerecht. Die deutsche Wirtschaft hat sehr von der steilen Zinskurve profitiert, die L\u00e4nder mit h\u00f6heren Zinsen am langen Ende des Spektrums allerdings noch viel mehr, angefangen von Griechenland und Irland am oberen Ende bis zu Frankreich, \u00d6sterreich und Finnland am unteren Ende. Die Geldpolitik hat jedenfalls alles getan, um die Rezession in der W\u00e4hrungsunion zu stimulieren.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2011\/02\/Zinsdifferenz_10yBund_3mEuribor_1102.gif\" alt=\"Grafik: Zinsdifferenz 10-j\u00e4hrige Bunds - 3-Monats_Euribor\" title=\"Zinsdifferenz_10yBund_3mEuribor_1102\" width=\"400\" height=\"337\" class=\"alignnone size-full wp-image-2751\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2011\/02\/Zinsdifferenz_10yBund_3mEuribor_1102.gif 400w, https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2011\/02\/Zinsdifferenz_10yBund_3mEuribor_1102-300x252.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/p>\n<p>Die deutsche Finanzpolitik war dagegen nicht sonderlich expansiv. Zwar sind die staatlichen Defizite w\u00e4hrend und unmittelbar nach der Rezession von 2009 (als das reale BIP gegen\u00fcber 2008 um 4,7 Prozent gesunken war) stark gestiegen, im Vergleich zu den amerikanischen, britischen, japanischen oder auch franz\u00f6sischen und spanischen Defiziten waren sie sehr gering. In keinem entwickelten Industrieland au\u00dfer Japan war die Rezession so tief wie in Deutschland &#8211; gemessen daran, genauer: bereinigt um die konjunkturelle Lage, kann man eher von einer restriktiven Finanzpolitik sprechen. Alle Prognosen deuten darauf hin, dass die deutschen Haushaltsdefizite innerhalb weniger Jahre mehr oder weniger verschwinden werden.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2011\/02\/Defizitquote_Deutschland.gif\" alt=\"Grafik: Defizitquote Deutschland\" title=\"Defizitquote_Deutschland\" width=\"400\" height=\"311\" class=\"alignnone size-full wp-image-2752\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2011\/02\/Defizitquote_Deutschland.gif 400w, https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2011\/02\/Defizitquote_Deutschland-300x233.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/p>\n<p>Haushaltsausgleich hat ja inzwischen Verfassungsrang. Angesichts der immer noch gewaltigen deutschen Outputl\u00fccke ist das aus konjunktureller Sicht keine optimale Politik. Solange die L\u00fccke fortbesteht, solange kann und sollte der Staat eine expansive Politik verfolgen. Die niedrigen Renditen der Bundesanleihen sind ein Zeichen daf\u00fcr, dass die Anleger keine Angst vor anziehenden Inflationsraten oder unzumutbaren Lasten f\u00fcr die kommenden Generationen haben. Nach wie vor sollte zudem das Argument nicht vom Tisch gewischt werden, dass <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2006\/10\/24\/warum-der-staat-schulden-machen-darf_87\">auch der Staat f\u00fcr seine Investitionen Schulden aufnehmen darf<\/a>, wie jedes Unternehmen oder jeder, der sich ein Haus kauft. Wenn investiert wird, wird den Nachfahren ja nicht nur ein Schuldenberg hinterlassen, sondern auch ein gr\u00f6\u00dferer Kapitalstock &#8211; das schlie\u00dft im Grunde Investitionen in das Humankapital ein.<\/p>\n<p>Die deutsche Fokussierung auf die Reduzierung der Budgetdefizite hat allerdings, wie ich gerne zugebe, den Vorteil, dass der Staat, und damit der deutsche Steuerzahler, sich langfristige Mittel zu attraktiven Konditionen leihen kann. Das f\u00f6rdert die Investitionen und erh\u00f6ht auf diese Weise das Wachstumspotential. F\u00fcr mich ist das aber nur ein Nebeneffekt. Per Saldo ist die deutsche Finanzpolitik jedenfalls seit einigen Quartalen leicht restriktiv.<\/p>\n<p>Das gilt auch f\u00fcr die Lohnpolitik. Das folgende Schaubild zeigt, dass die Effektivl\u00f6hne je Besch\u00e4ftigten inflationsbereinigt seit 1993 (!) praktisch nicht gestiegen sind &#8211; insgesamt waren es vom 3. Quartal 1993 bis zum 3. Quartal 2010 nur 0,2 Prozent! Der Durchschnitt, um den es sich hier handelt, verbirgt nat\u00fcrlich, dass es f\u00fcr einzelne Gruppen von Besch\u00e4ftigten sehr wohl kr\u00e4ftige Einkommensgewinne gab. Daf\u00fcr haben aber andere starke Einbu\u00dfen hinnehmen m\u00fcssen. Die immer intensivere internationale Arbeitsteilung f\u00fchrt dazu, dass es vor allem f\u00fcr einfache Arbeiten eine Art Weltlohn gibt, dessen H\u00f6he von chinesischen und indischen Grenzanbietern bestimmt wird. Besonders betroffen sind Arbeiter in Sektoren, die voll dem internationalen Wettbewerb ausgesetzt sind, aber \u00fcber Arbitragemechanismen \u00fcbertr\u00e4gt sich dieser Effekt auch auf andere, von inl\u00e4ndischer Nachfrage dominierte Bereiche, in denen keine anspruchsvollen Qualifikationen n\u00f6tig sind. Im Vorteil sind die Gruppen von Besch\u00e4ftigten, die entweder vor internationalem Wettbewerb gesch\u00fctzt sind &#8211; zum Beispiel beim Staat -, die in monopolartigen Unternehmen aller Art arbeiten, oder die \u00fcber herausragende berufliche Qualifikationen verf\u00fcgen. Es liegt auf der Hand, dass sich vom Markt her die Einkommensunterschiede vergr\u00f6\u00dfern werden. Die Struktur des privaten Konsums d\u00fcrfte sich entsprechend \u00e4ndern.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2011\/02\/Reale_Effektivverdienst_t4_10Q3.gif\" alt=\"Grafik: Reale Effektivverdienste - Deutschland\" title=\"Reale_Effektivverdienst_t4_10Q3\" width=\"400\" height=\"302\" class=\"alignnone size-full wp-image-2753\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2011\/02\/Reale_Effektivverdienst_t4_10Q3.gif 400w, https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2011\/02\/Reale_Effektivverdienst_t4_10Q3-300x226.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/p>\n<p>Insgesamt haben die deutschen L\u00f6hne nichts zu dem jetzigen Konjunkturaufschwung beigetragen. Allein von der Besch\u00e4ftigung sind positive Impulse ausgegangen. Es besteht also noch Nachholbedarf, und wenn nicht alle Zeichen tr\u00fcgen, wird es jetzt auch endlich wieder kr\u00e4ftigere Lohnsteigerungen geben. Die Unternehmen k\u00f6nnen sie leicht verkraften, weil die Produktivit\u00e4t ebenfalls weiter anziehen wird. Erst wenn die L\u00f6hne wieder einmal mit Raten von real ein bis zwei Prozent steigen, kann auch der Konsum seinen Beitrag zum Expansionsprozess leisten. Auf ihn entfallen schlie\u00dflich 62 Prozent der inl\u00e4ndischen Nachfrage. Erst wenn sich hier endlich etwas tut, kann man von einem sich selbst tragenden und damit dauerhaften Aufschwung sprechen. Dann w\u00fcrde es auch zu verkraften sein, wenn die EZB allm\u00e4hlich die Zinsen anhebt und der Euro sich aufwertet. Ein solches Szenarium ist fast zu sch\u00f6n, um wahr zu sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf einmal gibt es kein Altersheim Deutschland mehr. Aus dem Dauerpatienten und hoffnungslosen Fall ist eine Konjunkturlokomotive geworden. 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