{"id":320,"date":"2008-06-02T16:47:07","date_gmt":"2008-06-02T14:47:07","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2008\/06\/02\/warum-sich-blasen-nicht-vermeiden-lassen_320"},"modified":"2008-06-02T16:47:07","modified_gmt":"2008-06-02T14:47:07","slug":"warum-sich-blasen-nicht-vermeiden-lassen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2008\/06\/02\/warum-sich-blasen-nicht-vermeiden-lassen_320","title":{"rendered":"Warum sich Blasen nicht vermeiden lassen"},"content":{"rendered":"<p>Die letzten zwanzig Jahre sind durch verschiedene Verm\u00f6genspreisblasen gekennzeichnet, wie die japanische Aktien- und Immobilienblase, die dot.com Bubble, die US Immobilienblase und zuletzt die \u00d6lkrise, die sich durch aus hier einreihen l\u00e4sst. Und der Ausdruck &#8222;Bubble Economy&#8220; ist mittlerweile zu einer Beschreibung der globalen Wirtschaft geworden. Beim diesj\u00e4hrigen Treffen der franz\u00f6sischen, italienischen und deutschen Bankenvolkswirte am letzten Dienstag ging es unter anderem um die Frage, wie es sich vermeiden l\u00e4sst, dass Verm\u00f6genspreise von ihren Fundamentalwerten abweichen. In meinem Kurzvortrag vertrat ich die Thesen, dass sich<\/p>\n<ol>\n<li>Asset Price-Blasen nicht vermeiden lassen, da sie ein konstituierendes Merkmal marktwirtschaftlicher Systeme sind &#8211; sie treten n\u00e4mlich meist dann auf, wenn das wirtschaftspolitische Umfeld besonders freundlich ist, wenn also die Inflation niedrig, das Wachstum robust und die Staatsfinanzen solide sind, und dass<\/li>\n<li>durch gezielte Ma\u00dfnahmen nur tendenziell verhindert werden kann, dass sie zu gro\u00df und damit zu gef\u00e4hrlich f\u00fcr den Wachstumsprozess werden.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Bevor ich meine Thesen am Beispiel der vier genannten Blase erl\u00e4utere, zun\u00e4chst die Frage: Was ist eine Blase und weshalb sind Blasen so gef\u00e4hrlich f\u00fcr die Wirtschaft?<br \/>\n<!--more--><br \/>\nNach dem New Palgrave Dictionary of Economics liegt eine Blase, ein &#8222;bubble&#8220;, vor, wenn die Marktpreise von Aktien, Anleihen, Immobilien oder Rohstoffen \u00fcber ihren fundamental gerechtfertigten Werten liegen und sich von diesen immer weiter entfernen. Das ist immer dann der Fall, wenn die Mehrzahl der Marktakteure davon \u00fcberzeugt sind, dass sie diese Aktiva zu h\u00f6heren Preisen weiterverkaufen k\u00f6nnen. Ein anderes Indiz daf\u00fcr, dass eine Blase vorliegt, ist meiner Ansicht nach, wenn immer mehr Banken und Makler behaupten, diesmal sei alles anders als fr\u00fcher, dass die \u00fcblichen Mechanismen von Angebot und Nachfrage nicht mehr zur Erkl\u00e4rung der Preisexplosion taugten, oder wenn Analysten die Prognose f\u00fcr die gerechtfertigten Preise erh\u00f6hen, weil der Markt ihre alten \u00fcberholt hat.<\/p>\n<p>Blasen sollten vor allem deswegen verhindert oder klein gehalten werden, weil von ihnen Preissignale ausgehen, die dazu f\u00fchren, dass Ressourcen unproduktiv eingesetzt, also verschwendet werden: Das Produktionspotential &#8211; und damit der Wohlstand &#8211; nimmt dadurch langsamer zu als es sonst m\u00f6glich w\u00e4re.<\/p>\n<p>Wenn Blasen platzen, wenn die Verm\u00f6genspreise purzeln, kommt es zudem stets zu Finanzkrisen, ausgel\u00f6st durch hohe Abschreibungen bei den Kreditgebern. Meist verschlechtern sich auch die Verm\u00f6gensverh\u00e4ltnisse der privaten Haushalte, weil der Wert ihrer Aktiva verf\u00e4llt und sie dadurch auf einmal \u00fcberschuldet sind. Alle sind gezwungen, ihre Bilanzen zu bereinigen, ihre Schulden zur\u00fcckzahlen. Wie geht das? Sie m\u00fcssen sich einschr\u00e4nken. Das l\u00f6st vor allem dann Rezessionen aus, wenn bedeutende Teile der Wirtschaft vom Einbruch der Verm\u00f6genspreise betroffen sind. Es ist nicht so schlimm, wenn eine Preisblase bei Oldtimern oder moderner Kunst platzt, es wird aber ernst, wenn wir es mit dem gesamten Aktienmarkt oder dem gesamten Immobilienmarkt zu tun haben.<\/p>\n<p>Schauen wir uns nun die vier Blasen j\u00fcngeren Datums daraufhin an, ob sie tats\u00e4chlich in einem erfreulichen gesamtwirtschaftlichen Umfeld entstanden sind, und was geschah, nachdem sie geplatzt waren.<\/p>\n<p><strong>1. Die japanischen Aktien- und Immobilienblasen der achtziger Jahre<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Im September 1982 lag der Nikkei 225 bei 6.911, siebeneinviertel Jahre sp\u00e4ter, Ende Dezember 1989, erreichte er seinen Kulminationspunkt bei 38.916 &#8211; das war ein durchschnittlicher j\u00e4hrlicher Anstieg von 26,9 Prozent. In den folgenden 13 Jahren und vier Monaten sank der Index mit einer durchschnittlichen Rate von 11,1 Prozent. Obwohl er sich danach erholte, liegt er auch heute noch um 63,7 Prozent unter seinem H\u00f6chstwert.<\/p>\n<p>Die Immobilienpreise hatten sich in der Schlussphase der Aktienhausse ebenfalls stark erh\u00f6ht, und zwar um nicht weniger als 71,0 Prozent in den vier Jahren bis 1991 (der Wendepunkt kam hier etwas sp\u00e4ter als bei den Aktien). In der Folge sanken die Preise bis 2006 Jahr f\u00fcr Jahr, insgesamt um mehr als 50 Prozent. Wirklich erholt haben sie sich bisher noch nicht.<\/p>\n<p>Von der Inflation der Verbraucherpreise her gab es keinen Anlass einzugreifen &#8211; sie bewegte sich in der zweiten H\u00e4lfte der Achtziger zwischen minus 1 Prozent (1986) und plus 2,5 Prozent (1989). Der Yen hatte von Anfang 1984 bis Anfang 1990 gegen\u00fcber dem Dollar um 79,3 Prozent aufgewertet, so dass Japan Preisstabilit\u00e4t importierte und trotz der Hochkonjunktur kein Inflationsproblem hatte, au\u00dfer vielleicht in der zweiten Jahresh\u00e4lfte 1989. Daher konnte die Notenbank die Zinsen von 7 \u00bc Prozent im Jahr 1981 auf 2 \u00bd Prozent Anfang 1987 senken. Andernfalls w\u00e4re der Yen noch st\u00e4rker gewesen. Ab Mitte 1989 ging es dann, ziemlich sp\u00e4t, in die andere Richtung, bis auf 6 Prozent im Herbst 1990, als der Aktienmarkt schon l\u00e4ngst im freien Fall war. Vermutlich hat das den Crash mit ausgel\u00f6st, und dann verst\u00e4rkt.<\/p>\n<p>Es gab im \u00dcbrigen auch nur Positives von der Finanzpolitik zu berichten: Das staatliche Defizit hatte 1983 noch 4 Prozent des BIP betragen &#8211; im Finanzjahr 1990\/91 war daraus ein \u00dcberschuss von 2 Prozent geworden.<\/p>\n<p>Der Einbruch der Asset-M\u00e4rkte hatte verheerende Folgen f\u00fcr das Wirtschaftswachstum: Im Durchschnitt hatte das reale BIP von 1982 bis 1990 j\u00e4hrlich um 4,1 Prozent zugenommen, auch 1991 war noch ein gutes Jahr (+3,4 Prozent). In den folgenden 13 Jahren bis 2003 aber fiel die durchschnittliche Zuwachsrate auf 0,9 Prozent, die Besch\u00e4ftigung ging stark zur\u00fcck, der Bankensektor musste zeitweise de facto verstaatlicht werden, viele Unternehmen waren eigentlich \u00fcberschuldet (&#8222;walking dead&#8220;) und konnten nur durch die Prolongation ihrer Schulden zu Nullzinsen und ohne Amortisationsverpflichtung am Leben gehalten werden. Besonders viele junge Haushalte waren, nachdem die Hauspreise eingebrochen waren, pl\u00f6tzlich finanziell unter Wasser und brauchten mehr als eine volle Dekade, bis sie sich wieder etwas leisten konnten. H\u00e4tte der Staat nicht massiv gegengehalten, w\u00e4re das Wirtschaftswachstum noch schw\u00e4cher ausgefallen. Er musste in Kauf nehmen, dass die Defizite in den Jahren 1999 bis 2003 auf 8 Prozent des BIP anschwollen und die Staatsschuldenquote auf \u00fcber 150 Prozent des BIP anstieg. Auch heute noch hat Japan eine der h\u00f6chsten Staatsverschuldung der Welt.<\/p>\n<p>Was die Erholung so schwer machte, war die Deflation, die ab 1998 einsetzte und erst seit Herbst 2007 &#8211; mit einigem guten Willen &#8211; als \u00fcberwunden gelten kann. Sinkende Preise machen die Zinspolitik zu einem stumpfen Instrument &#8211; auf weniger als 0 Prozent (wie in den Jahren 1999 und 2000) lassen sich die Zinsen nicht senken. Wenn die Inflationsrate bei minus 1 Prozent liegt, betragen die Realzinsen plus 1 Prozent. In einer Rezession sind aber eigentlich negative Realzinsen angebracht. F\u00fcr Zentralbanken ist Deflation daher ein noch gr\u00f6\u00dferes \u00dcbel als Inflation.<\/p>\n<p><strong>2. Die amerikanische Dotcom-Blase<\/strong><\/p>\n<p>NASDAQ, der US-Aktienindex f\u00fcr Technologiewerte, war von 500 im Dezember 1990 bis auf 4.697 im Februar 2000 gestiegen, also im Durchschnitt um 27,7 Prozent j\u00e4hrlich. Da das nominale BIP in dieser Zeit nur um 5,4 Prozent pro Jahr zugenommen hatte, \u00fcbertraf die Wachstumsrate des Index die des gesamtwirtschaftlichen Outputs um einen Faktor von nicht weniger als 5,1. Am Ende hatte das Kurs-Gewinnverh\u00e4ltnis des Index die schwindelerregende H\u00f6he von 50 erreicht.<\/p>\n<p>Die Inflationsraten bewegten sich in dieser Zeit meistens zwischen 1 \u00bd und 3 Prozent, waren also moderat, und das obwohl der Dollar auf Abwertungskurs war. Real wuchs das BIP im Durchschnitt um ansehnliche 3,1 Prozent j\u00e4hrlich, und aus den staatlichen Budgetdefiziten zu Beginn der Dekade waren am Ende \u00dcbersch\u00fcsse geworden. George W. Bush fand also, als er Anfang 2001 als Pr\u00e4sident vereidigt wurde, ein wohlbestelltes Haus vor.<\/p>\n<p>Obwohl auch die anderen amerikanischen Aktienindices stark zugelegt hatten, wenn auch nicht so dramatisch wie der NASDAQ, sah die Fed keinen Anlass, mit der Zinspolitik aktiv gegenzuhalten. Erst ganz am Schluss, ab Mitte 1999, erh\u00f6hte sie die Zinsen von damals 4,75 Prozent innerhalb eines Jahres auf 6,5 Prozent. Das muss ihr schwergefallen sein, denn die Inflationsraten betrugen gerade einmal 2 Prozent. Vermutlich waren die raschen Zinsanhebungen der Ausl\u00f6ser des Aktiencrashs vom Fr\u00fchjahr 2000. In gerade einmal zweieinviertel Jahren st\u00fcrzte der NASDAQ um 75 Prozent ab und liegt auch heute noch um 48 Prozent unter seinem H\u00f6chststand.<\/p>\n<p>Die realwirtschaftlichen Auswirkungen des Crashs waren zwar heftig. Es gab aber keine sich selbst verst\u00e4rkende Abw\u00e4rtsspirale. Zum einen hatte der B\u00f6rsenwert der Unternehmen im NASDAQ nie mehr als 77 Prozent des US-BIP erreicht, zum anderen hatte die Notenbank, Japans traumatische Erfahrungen vor Augen, sehr schnell, sehr massiv und sehr erfolgreich gegengesteuert &#8211; sie scheute sich nicht, die Funds Rate auf 1 Prozent zur\u00fcckzufahren und dann dort ein Jahr zu halten. Das ist wohl der Grund, warum die meisten Amerikaner annehmen, dass eine solche Politik auch diesmal &#8211; 2008, eine geplatzte Blase sp\u00e4ter &#8211; erfolgreich sein wird.<\/p>\n<p><strong>3. Die amerikanische Immobilienblase <\/strong><\/p>\n<p>Von Januar 1991 bis Januar 2006 war die <a href=\"http:\/\/www.census.gov\/const\/www\/newresconstindex.html\" target=\"_blank\">Anzahl der (annualisierten) Housing Starts<\/a> von 800 Tsd. auf knapp 2,3 Millionen gestiegen und hatte sich damit fast verdreifacht. Das machte auf&#8217;s Jahr gerechnet eine Zuwachsrate von 7,2 Prozent, was um ein Mehrfaches h\u00f6her war als die Zuwachsrate der Haushaltsgr\u00fcndungen. Anders als bei den Aktienblasen handelte es sich hier weniger um eine explosive Zunahme der Preise als um einen sehr langen Boom. Das \u00f6konomische Umfeld war, wie oben beschrieben, sehr freundlich: Das j\u00e4hrliche Wachstum des realen BIP lag relativ stetig bei etwa 3 Prozent, und die Inflation betrug bei den Verbraucherpreisen im Durchschnitt ebenfalls etwa 3 Prozent &#8211; erst 2006 gab es eine leichte Beschleunigung auf 3 1\/2 Prozent. Die Fed begann Mitte 2004 ihre extreme Niedrigzinspolitik aufzugeben &#8211; innerhalb von zwei Jahren erh\u00f6hte sie die Fed Funds Rate von 1 Prozent auf 5 \u00bc Prozent &#8211; was aber eigentlich immer noch unter dem &#8222;neutralen&#8220; Satz lag.<\/p>\n<p>Die Immobilienpreise begannen erst 1997, f\u00fcnf Jahre nach der vorangegangenen Rezession, ernsthaft anzuziehen. Zwischen 1996 und 2001 stiegen sie um 42 Prozent, in den folgenden vier Jahren dann schon um 64 Prozent. Immer mehr Haushalte beliehen ihre Immobilien, um ihren Konsum zu steigern. Sie setzten darauf, dass der Wertzuwachs die h\u00f6here Verschuldung mehr als wettmachen w\u00fcrde. Lange Zeit hat das funktioniert. &#8222;Hauspreise steigen immer, mal langsamer, mal schneller, oder haben Sie schon mal etwas anderes erlebt?&#8220;. Der \u00fcbliche Bubble Talk.<\/p>\n<p>Der Einbruch bei den Housing Starts begann im Januar 2006. Es war zu einem \u00dcberangebot gekommen. Von damals bis heute gab es bei den Starts einen R\u00fcckgang von 54,6 Prozent. Die Hauspreise befinden sich inzwischen ebenfalls im freien Fall. Im M\u00e4rz lagen die Hauspreise nach dem <a href=\"http:\/\/www2.standardandpoors.com\/portal\/site\/sp\/en\/us\/page.topic\/indices_csmahp\/2,3,4,0,0,0,0,0,0,0,0,0,0,0,0,0.html\" target=\"_blank\">S&#038;P\/Case-Shiller Composite-20 Index<\/a> um 14,4 Prozent unter ihrem Vorjahresniveau. Da es immer noch einen gro\u00dfen \u00dcberhang an unverkauften H\u00e4usern gibt, werden die Preise wohl weiter fallen.<\/p>\n<p>Das ist sehr gef\u00e4hrlich f\u00fcr die Konjunktur: Der Bestand an H\u00e4usern ist etwa zweieinhalb mal mehr wert als alle US-Aktien zusammen, und auch breiter gestreut. Der Immobilienboom war zum Motor des Konsums, der bei weitem wichtigsten Komponente der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage geworden. Wenn dieser Motor stockte, w\u00e4re es auch mit dem Wachstum vorbei. Daher die geradezu panische Reaktion der Fed, als im Sp\u00e4tsommer letzten Jahres auch noch eine Finanzkrise ausbrach: Die Funds Rate wurde in einigen wenigen Schritten von 5 \u00bc Prozent auf heute 2 Prozent heruntergeschleust, also weit unter die Inflationsrate von zur Zeit 4 Prozent.<\/p>\n<p>Wir wissen nat\u00fcrlich nicht, wie die Geschichte endet. Aber es sieht ganz danach aus, als w\u00fcrde die Rezession doch l\u00e4nger und tiefer ausfallen, als bisher vermutet. Der Prozess des Schuldenabbaus und des G\u00fcrtel-enger-Schnallens hat gerade erst begonnen. Hinzu kommt noch der erhebliche Verlust an Kaufkraft durch die Verteuerung von Energie und Nahrungsmitteln.<\/p>\n<p>Wenn eine gro\u00dfe Blase in einem Schl\u00fcsselbereich einmal platzt, ist guter Rat teuer. Die normalen wirtschaftspolitischen Instrumente greifen nicht mehr so richtig, vor allem nicht die Zinspolitik. Nach der Weltwirtschaftskrise der drei\u00dfiger Jahre und nach der japanischen Aktien- und Immobilienkrise der achtziger Jahre musste der Staat in die Bresche springen. Es k\u00f6nnte auch diesmal so kommen.<\/p>\n<p><strong>4. Die gegenw\u00e4rtige \u00d6lkrise<\/strong><\/p>\n<p>Im Zeitraum von Dezember 1985 bis Dezember 2001 kostete ein Fass Erd\u00f6l im Durchschnitt $19,95. Die Schwankungen um diesen Mittelwert waren gering. Bis Ende 2001 hatte sich noch nicht viel getan &#8211; der \u00d6lpreis lag noch bei $20. Heute sind es $127. In den vergangenen sechs Jahren und f\u00fcnf Monaten haben sich die Preise daher durchschnittlich um j\u00e4hrlich 33,4 Prozent erh\u00f6ht.<\/p>\n<p>Es gibt keinen Zweifel, dass wir es hier mit einer Blase zu tun haben, auch wenn man bei einem Asset wie dem \u00d6l Probleme hat, den fundamentalen Wert zu berechnen; es gibt n\u00e4mlich keine Einkommensstr\u00f6me, die man auf die Gegenwart herunterdiskontieren k\u00f6nnte, wie man das bei Aktien, Bonds und Immobilien \u00fcblicherweise macht. Man kann sich aber anschauen, wie das nominale Sozialprodukt der Welt zugenommen hat: In Dollar gerechnet, betrug die durchschnittliche j\u00e4hrliche Zuwachsrate von 2001 bis 2007 laut IWF &#8222;nur&#8220; 7,9 Prozent. Mit anderen Worten, die \u00d6lpreise sind in dieser Zeit um das 4,2-fache rascher gestiegen.<\/p>\n<p>Wieder war das wirtschaftliche Umfeld sehr freundlich: Die Weltinflationsrate, gemessen am BIP-Deflator, lag bei 3,8 Prozent pro Jahr. Bei den Verbraucherpreisen sah es noch g\u00fcnstiger aus &#8211; im Durchschnitt waren sie in den sogenannten advanced economies um 2,0 Prozent und in den Entwicklungsl\u00e4ndern Asiens um 3,6 Prozent gestiegen. Es mangelte auch nicht an Liquidit\u00e4t &#8211; vor allem weil die W\u00e4hrungsreserven der Schwellenl\u00e4nder durch die Interventionen zugunsten des Dollar mit j\u00e4hrlich etwa 27 Prozent zugenommen hatten. Es gab weder zwingende Gr\u00fcnde f\u00fcr eine restriktive Geldpolitik noch f\u00fcr eine restriktive Finanzpolitik. Der W\u00e4hrungsfonds hatte seinen Einfluss verloren, weil kein wichtiges Land mehr auf sein Geld angewiesen war.<\/p>\n<p>Wieder h\u00f6ren wir, dass diesmal alles anders ist. Analysten scheuen sich nicht, einen \u00d6lpreis von 200 Dollar vorauszusagen, wobei diese Marke nicht erst nach Jahrzehnten, sondern innerhalb der n\u00e4chsten zwei oder drei Jahre erreicht sein soll.<\/p>\n<p>Die Probleme bei dieser Art Blase entstehen nicht so sehr dann, wenn sie einmal geplatzt ist, sondern zur Zeit ihres Dickerwerdens. Etwa 90 Prozent der Weltbev\u00f6lkerung lebt in Netto-Einfuhrl\u00e4ndern. [in L\u00e4ndern, die Netto-Importeure von \u00d6l sind.] Dort kommt es zu einem starken Verlust an Kaufkraft, nicht zuletzt auch weil die Preise von Substituten wie Gas, Kohle, Strom und sogar von Agrarrohstoffen in die H\u00f6he schie\u00dfen. Das Wachstum des Konsums geht deutlich zur\u00fcck, weil die Ausgaben f\u00fcr Energie in den Budgets der Haushalte eine feste Gr\u00f6\u00dfe sind und Einsparungen ihre Zeit brauchen. Alle \u00d6lpreisexplosionen sind bislang von Rezessionen begleitet gewesen.<\/p>\n<p>In den L\u00e4ndern, die von der Preishausse profitieren, also die OPEC, Russland, Brasilien oder Norwegen kommt es zu einer Hochkonjunktur, meist begleitet von Immobilienblasen, was aber quantitativ nicht sehr ins Gewicht f\u00e4llt und eine globale Rezession nicht verhindern kann. Diese wiederum wird \u00fcber kurz oder lang zu einem \u00dcberangebot an \u00d6l und damit zu einem Einbruch der \u00d6lpreise f\u00fchren. Dann kann der Zyklus von vorne beginnen.<\/p>\n<p>Ich denke, dass die vier Beispiele belegen, dass sich Bubbles nur schwer mit traditionellen wirtschaftspolitischen Mitteln vermeiden lassen. Zu bedenken ist auch, dass es stets starke Widerst\u00e4nde gegen ein fr\u00fchzeitiges Eingreifen gibt, also gegen einen Anstieg der Zinsen, h\u00f6here Steuern, eine langsamere Expansion der Staatsausgaben, oder gegen regulatorische Eingriffe in die Kreditvergabe der Banken. Wer wei\u00df, ob wir es tats\u00e4chlich mit einer Blase zu tun haben? Vielleicht handelt es sich ja nur um l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llige Strukturanpassungen, etwa um die Modernisierung des Wohnungsbestands oder dauerhaft h\u00f6here Zuwachsraten der Unternehmensgewinne oder einen steileren Wachstumspfad des globalen BIP, Stichwort China und Indien?<\/p>\n<p>Es fragt sich auch stets, ob die Blase nicht ohnehin bald platzen wird &#8211; warum also gegensteuern? Was ist im \u00dcbrigen so falsch an kr\u00e4ftigem Wachstum, wenn die Inflation niedrig ist? Man m\u00fcsste ja zudem manchmal ein paar Jahre in die Zukunft schauen k\u00f6nnen. Der Zeithorizont von Politikern ist bekanntlich nicht lang, und wo gibt es wirklich unabh\u00e4ngige Zentralbanken? Wie die Fed gerade vormacht, geht die Unabh\u00e4ngigkeit sehr rasch \u00fcber Bord, wenn die Stabilit\u00e4t des Finanzsystems insgesamt in Gefahr ist. Die Rettung der Banken hat Priorit\u00e4t, wenn sie nur gen\u00fcgend wichtig sind, auch wenn sie es im Grunde verdient h\u00e4tten, in Konkurs zu gehen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.ft.com\/cms\/s\/0\/6e0613d4-2fef-11dd-86cc-000077b07658.html\" target=\"_blank\">Larry Summers hat am Montag in der Financial Times eine Liste von sechs Vorschl\u00e4gen pr\u00e4sentiert<\/a>, mit denen sowohl die Regulierung der Banken verbessert als auch die Reaktion auf eine post-bubble-Krise beschleunigt werden kann: 1) keine regulatorische Arbitrage, 2) keine Selbstregulierung durch die Finanzinstitute, 3) die Aufsichtsbeh\u00f6rden sollten keine Krisen vorhersagen &#8211; denn das k\u00f6nnen sie nur selten -, sie sollten vielmehr das System widerstandsf\u00e4higer gegen Schocks machen, 4) antizyklische Ans\u00e4tze: Exzesse sind zu vermeiden, wenn die Zeiten gut sind, und der Abbau von Schulden sollte nicht forciert werden, wenn die Blasen einmal geplatzt sind, 5) die Aufsicht sollte darauf achten, welche &#8222;parallel banking activities&#8220; sich entwickeln, ob es au\u00dfer den Banken noch andere Institutionen gibt, die sich kurzfristiges Geld leihen, um es langfristig anzulegen; dazu geh\u00f6ren in dieser Krise die Anleiheversicherer, Hedge Funds, einige Hypothekenbanken und Versicherungen, 6) es m\u00fcssen Bedingungen geschaffen werden, die verhindern, dass der Untergang eines Instituts zu einer systemgef\u00e4hrdenden Krise f\u00fchrt.<\/p>\n<p>All das ist leichter gesagt als getan. Lassen Sie mich zum Schluss zwei \u00d6konomen zitieren, die sich intensiv mit &#8222;Maniacs, Panics, and Crashes&#8220; (so der Titel eines Klassikers zum Thema von Charles Kindleberger) besch\u00e4ftigt haben: Von <strong><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2007\/08\/22\/minsky-und-die-krisen-des-kapitalismus_196\">Hyman Minsky<\/a><\/strong> stammen die S\u00e4tze &#8222;\u2026 turbulence &#8211; especially financial instability &#8211; is normal in a capitalist economy. [\u2026] There is no possibility that we can ever set things right once and for all; instability, put to rest by one set of reforms will, after time, emerge in a new guise.&#8220; (<a href=\"http:\/\/www.levy.org\/vdoc.aspx?docid=1067\" target=\"_blank\">Stabilizing an Unstable Economy, Ausgabe von 2008<\/a>, S. 327 und 370), und von <strong>John Kenneth Galbraith<\/strong> aus seinem Buch &#8222;A Short History of Financial Euphoria (1990, p. 107) die resignierende Schlussfolgerung &#8222;Yet clearly the speculative episode, with increases provoking increases, is within the market itself. And so is the culminating crash.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die letzten zwanzig Jahre sind durch verschiedene Verm\u00f6genspreisblasen gekennzeichnet, wie die japanische Aktien- und Immobilienblase, die dot.com Bubble, die US Immobilienblase und zuletzt die \u00d6lkrise, die sich durch aus hier einreihen l\u00e4sst. 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