{"id":3613,"date":"2011-09-29T17:42:53","date_gmt":"2011-09-29T15:42:53","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/?p=3613"},"modified":"2011-10-02T17:33:45","modified_gmt":"2011-10-02T15:33:45","slug":"schutzt-die-staatsanleihe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2011\/09\/29\/schutzt-die-staatsanleihe_3613","title":{"rendered":"Sch\u00fctzt die Staatsanleihe"},"content":{"rendered":"<p>Ich war am Donnerstag bei einem Briefing von Joachim Fels, Chefvolkswirt bei Morgan Stanley. Ich bin mit Fels nicht immer einer Meinung, er ist aber einer der wenigen Bank\u00f6konomen, die ich respektiere und sch\u00e4tze, weil er sich eine eigene und meistens gut fundierte Meinung erlaubt. In diesem Briefing entspann sich eine interessante Debatte: Was ist eigentlich eine Staatsanleihe?<!--more--><\/p>\n<p>Staatsanleihen &#8211; zumindest aus den Industriel\u00e4ndern &#8211; galten bislang als weit gehend risikolose Anlage. Sie bilden die Basis f\u00fcr die <em>risk free rate, <\/em>mussten nicht mit Eigenkapital unterlegt werden und sind auch sonst die Grundlage f\u00fcr viele Transaktionen im Finanzsektor. Zwei Operationen haben nun daf\u00fcr gesorgt, dass Staatsanleihen im Euro-Gebiet nicht mehr risikofrei sind.<\/p>\n<p>1. Die Einigung von Deauville, die den Weg bereitete f\u00fcr die so genannte Privatsektorbeteiligung bei Staatsschuldenkrisen.<\/p>\n<p>2. Die Verweigerung der EZB, den krisenbedrohten L\u00e4ndern unbegrenzt Liquidit\u00e4t zur Verf\u00fcgung zu stellen zum Beispiel durch den Ankauf ihrer Anleihen.<\/p>\n<p>Ergebnis: Euro-Anleihen k\u00f6nnen nun ausfallen, denn weder springen im Krisenfall die anderen Mitgliedsstaaten voll ein, noch tut das die EZB. Damit unterscheidet sich ein europ\u00e4ischer Bond \u00a0grundlegend von den Anleihen souver\u00e4ner Staaten mit eigener Zentralbank, die ihre Notenpresse anwerfen k\u00f6nnen. Nat\u00fcrlich w\u00fcrde ein Staatsanleiheninvestor auch durch eine Inflationierung reale Wertverluste hinnehmen, doch dabei handelt es sich um einen schleichenden und kontrollierbaren Prozess. Eine Pleite aber ist ein bin\u00e4rer Event und sie ist in der Regel heftig. <a href=\"http:\/\/www.ceps.be\/book\/governance-fragile-eurozone\">Paul de Grauwe<\/a> hat den Mechanismus im Detail herausgearbeitet.<\/p>\n<p>Deshalb werden die M\u00e4rkte verr\u00fcckt angesichts eines Schuldenstands von 120 Prozent in Italien, aber tolerieren in Japan viel h\u00f6here Niveaus. Euro-Anleihen sind, um mit Fels zu sprechen, Kreditprodukte.<\/p>\n<p>Das d\u00fcrfte zun\u00e4chst einmal unstrittig sein. Wie ist diese Entwicklung normativ zu bewerten? Im deutschen Kanzleramt w\u00fcrde man diese Entwicklung wahrscheinlich willkommen hei\u00dfen. Weil er die Gefahr des Zahlungsausfalls einkalkulieren muss, kann der Markt endlich zwischen L\u00e4nderrisiken diskriminieren und \u00a0somit die solides Wirtschaften bestrafen und unsolides belohnen.<\/p>\n<p>Das funktioniert aber nur, wenn auch der Markt einigerma\u00dfen gut funktioniert. Und daran kann man bekanntlich zweifeln. Weder hat der Markt die Ungleichgewichte im W\u00e4hrungsraum fr\u00fchzeitig erkannt, noch die Schuldenexzesse von George W. Bush diszipliniert.\u00a0Unter anderem deshalb habe ich mich im vorherigen Eintrag daf\u00fcr ausgesprochen, den Fokus darauf zu legen, Staatsanleihen wieder zu sicheren Investments zu machen. Es mag eine Rolle f\u00fcr den Markt geben, aber keinesfalls soll er zum alleinigen Richter \u00fcber die Politik werden.<\/p>\n<p>Wer aber soll die Finanzpolitik disziplinieren, wenn der Markt es nicht tut? Die Antwort: Der Souver\u00e4n, also der W\u00e4hler. Es ist ja keineswegs so, dass hohe Staatsschulden bei den B\u00fcrgern gut ankommen \u2013 und es gibt Beispiele f\u00fcr Konsolidierungsanstrengungen ohne den Druck der M\u00e4rkte. Aber die W\u00e4hler sind kurzsichtig und die Politiker Gauner, wird man an dieser Stelle einwerfen. Das mag sein, aber sind die Bondh\u00e4ndler viel besser?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich war am Donnerstag bei einem Briefing von Joachim Fels, Chefvolkswirt bei Morgan Stanley. Ich bin mit Fels nicht immer einer Meinung, er ist aber einer der wenigen Bank\u00f6konomen, die ich respektiere und sch\u00e4tze, weil er sich eine eigene und meistens gut fundierte Meinung erlaubt. 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