{"id":4585,"date":"2012-04-04T17:36:15","date_gmt":"2012-04-04T15:36:15","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/?p=4585"},"modified":"2012-04-04T21:20:54","modified_gmt":"2012-04-04T19:20:54","slug":"bald-20-millionen-arbeitslose","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2012\/04\/04\/bald-20-millionen-arbeitslose_4585","title":{"rendered":"Bald 20 Millionen Arbeitslose"},"content":{"rendered":"<p>Der <a href=\"http:\/\/epp.eurostat.ec.europa.eu\/cache\/ITY_PUBLIC\/3-02042012-AP\/DE\/3-02042012-AP-DE.PDF\" target=\"_blank\">Anstieg der Arbeitslosigkeit<\/a> von 11,5 Millionen Personen zu Beginn der Finanzkrise auf jetzt \u00fcber 17 Millionen, also innerhalb von nur etwas mehr als vier Jahren, ist h\u00f6chst beunruhigend und wirft die Frage auf, f\u00fcr was denn die W\u00e4hrungsunion gut sein soll, hat sie doch in vielen Mitgliedsl\u00e4ndern mitten in der Krise Lohnk\u00fcrzungen und eine pro-zyklische Finanzpolitik erzwungen. Vor allem die Jugendlichen bleiben auf der Strecke. Das darf nicht so weitergehen, sonst gibt es ein Glaubw\u00fcrdigkeitsproblem, sonst wird aus der W\u00e4hrungsunion eine Arbeitslosenunion. Es w\u00e4re das Ende des Euro.<!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2012\/04\/Arbeitslosigkeit_in_der_EWU_1995-201202.gif\" alt=\"Grafik: Arbeitslosigkeit in der EWU 1995-201202\" title=\"Arbeitslosigkeit in der EWU 1995-201202\" width=\"482\" height=\"324\" class=\"size-full wp-image-4586\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2012\/04\/Arbeitslosigkeit_in_der_EWU_1995-201202.gif 482w, https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2012\/04\/Arbeitslosigkeit_in_der_EWU_1995-201202-300x201.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 482px) 100vw, 482px\" \/><\/p>\n<p>Die EU-Kommission sch\u00e4tzt, dass das reale Sozialprodukt des Euroraums in diesem Jahr im Durchschnitt um 0,3 Prozent unter dem Wert von 2011 liegen d\u00fcrfte. Auch in einer milden Rezession wie dieser nimmt in der Regel die Arbeitslosigkeit zu, weil die Unternehmen angesichts der mehr oder weniger unaufhaltsamen Produktivit\u00e4tsfortschritte mit einer kleineren Belegschaft auskommen. Solange die Outputl\u00fccke im Verlauf der Rezession gr\u00f6\u00dfer wird, wonach es f\u00fcr\u2019s Erste aussieht, gibt es kaum Hoffnung auf eine Trendumkehr am europ\u00e4ischen Arbeitsmarkt. Inzwischen ist nicht mehr auszuschlie\u00dfen, dass demn\u00e4chst 20 Millionen Arbeitspl\u00e4tze fehlen werden.<\/p>\n<p>Wir taxieren den Unterschied zwischen dem, was tats\u00e4chlich produziert wird, und dem, was bei Vollauslastung produziert werden k\u00f6nnte auf 9,8 Prozent. Unterstellt wird dabei, dass das Potenzialwachstum auch in den Jahren nach 2008 bei 1,9 Prozent lag, wie in dem Zyklus von 2001 bis 2008. Das liegt etwas unterhalb der Zuwachsrate, wie sie die EZB berechnet.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2012\/04\/BIP_Trend_EWU_1995-2012Q4.gif\" alt=\"Grafik: EWU BIP und Trend 1995-2012Q4\" title=\"EWU BIP und Trend 1995-2012Q4\" width=\"482\" height=\"310\" class=\"size-full wp-image-4587\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2012\/04\/BIP_Trend_EWU_1995-2012Q4.gif 482w, https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2012\/04\/BIP_Trend_EWU_1995-2012Q4-300x192.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 482px) 100vw, 482px\" \/><\/p>\n<p>\u00dcbrigens gibt es auch eine ziemlich gro\u00dfe globale Outputl\u00fccke (von 6,6 Prozent), die vor allem durch das schwache Wachstum in den Industriel\u00e4ndern verursacht wird. Mit tats\u00e4chlichen Wechselkursen gerechnet \u2013 statt mit Kaufkraftparit\u00e4ten \u2013 w\u00e4chst das potenzielle reale Sozialprodukt der Welt nach den Statistiken des Internationalen W\u00e4hrungsfonds mittelfristig mit einer Rate von 3,1 Prozent. Zurzeit nimmt das aktuelle reale BIP aber nur mit einer Jahresrate von rund 2,3 Prozent zu, so dass auch im Weltma\u00dfstab zunehmend Ressourcen brach liegen. Europas Wirtschaft kann nicht damit rechnen, dass von den Exporten starke Wachstumsimpulse ausgehen werden.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2012\/04\/BIP_Trend_Welt_1995-2012.gif\" alt=\"Grafik: Welt BIP und Trend 1995-2012\" title=\"Welt BIP und Trend 1995-2012\" width=\"484\" height=\"316\" class=\"size-full wp-image-4588\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2012\/04\/BIP_Trend_Welt_1995-2012.gif 484w, https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2012\/04\/BIP_Trend_Welt_1995-2012-300x195.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 484px) 100vw, 484px\" \/><\/p>\n<p>Zur\u00fcck zur W\u00e4hrungsunion: Es spricht Einiges daf\u00fcr, dass es sich bei dem steilen Anstieg der Arbeitslosigkeit vor allem auch um einen Strukturbruch handelt, nicht nur um ein konjunkturelles Ph\u00e4nomen. Der Bausektor und die Finanzwirtschaft, Branchen, die einst als besonders dynamisch galten, befinden sich in einer radikalen Schrumpfkur und setzen massiv Arbeitskr\u00e4fte frei. Durch den starken R\u00fcckgang der Realzinsen in den Jahren unmittelbar vor der Einf\u00fchrung des Euros und in den acht Jahren danach war es in den L\u00e4ndern, die bis dahin wegen ihrer schwachen W\u00e4hrungen an viel h\u00f6here Realzinsen gew\u00f6hnt waren, zu einer Explosion der Kredite an den privaten Sektor gekommen. Geld war in der sch\u00f6nen neuen Welt des Euro auf einmal zu sehr g\u00fcnstigen Konditionen zu haben.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2012\/04\/Realzinsen_1993-201202.gif\" alt=\"Grafik: Realzinsen 1993-201202\" title=\"Realzinsen 1993-201202\" width=\"482\" height=\"328\" class=\"size-full wp-image-4589\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2012\/04\/Realzinsen_1993-201202.gif 482w, https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2012\/04\/Realzinsen_1993-201202-300x204.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 482px) 100vw, 482px\" \/><\/p>\n<p>Es kam zu einem Kreditboom, zu einer starken Verschuldung der Haushalte, vor allem aber zu Immobilienblasen. Als die dann platzten, befanden sich pl\u00f6tzlich weite Teile der Bev\u00f6lkerung sowie sehr viele Banken finanziell unter Wasser. Sie hatten vorher naiverweise daran geglaubt, dass die Preise f\u00fcr H\u00e4user und Wohnungen immer nur steigen konnten und sich entsprechend verschuldet.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2012\/04\/Kredite_an_Private_Anstieg_1998-2008.gif\" alt=\"Grafik: Kreditexpansion an Private 1998-2008\" title=\"Kreditexpansion an Private 1998-2008\" width=\"482\" height=\"318\" class=\"size-full wp-image-4590\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2012\/04\/Kredite_an_Private_Anstieg_1998-2008.gif 482w, https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2012\/04\/Kredite_an_Private_Anstieg_1998-2008-300x197.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 482px) 100vw, 482px\" \/><\/p>\n<p>Die EZB hatte den Kreditboom hingenommen, weil die Inflationsraten nahe oder sogar unterhalb der selbstgesetzten Zielmarke lagen, es also aus ihrer engen Sicht keine Probleme gab. Auch die staatlichen Budgetdefizite bewegten sich bis zum Ausbruch der Krise im Rahmen des Normalen, waren jedenfalls keineswegs besorgniserregend.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2012\/04\/Oeffentl_Defizite_1995-2011.gif\" alt=\"Grafik: Budgetdefizite 1995-2011\" title=\"Budgetdefizite 1995-2011\" width=\"467\" height=\"302\" class=\"size-full wp-image-4591\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2012\/04\/Oeffentl_Defizite_1995-2011.gif 467w, https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2012\/04\/Oeffentl_Defizite_1995-2011-300x194.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 467px) 100vw, 467px\" \/><\/p>\n<p>Insgesamt gab es nichts im kollektiven Ged\u00e4chtnis der Notenbanker, was sie vor den Gefahren von Verm\u00f6genspreisblasen gewarnt h\u00e4tte. Sie waren in den siebziger und achtziger Jahren durch ihren Kampf gegen die Inflation konditioniert worden und hatten die M\u00f6glichkeit einer Liquidit\u00e4tsfalle verdr\u00e4ngt. Sie konnten sich nicht vorstellen, dass sich mit ihren Instrumenten eines Tages nichts mehr w\u00fcrde ausrichten lassen, oder dass nicht der Kampf gegen die Inflation, sondern der f\u00fcr die Stabilit\u00e4t des Finanzsystems oberste Priorit\u00e4t haben w\u00fcrde.    <\/p>\n<p>Bis zur Krise waren die Bauwirtschaft und die Banken die Boomsektoren schlechthin, nicht nur im Euroraum, sondern auch in den USA und in Gro\u00dfbritannien. Dort stiegen Einkommen und Besch\u00e4ftigung viele Jahre lang au\u00dferordentlich rasch. Als dann auf einmal die Wende kam, erwiesen sich die Qualifikationen, die f\u00fcr einen wirtschaftlichen Erfolg in diesen Branchen wichtig sind, als \u00fcberfl\u00fcssig. Die Sektoren waren insgesamt viel zu gro\u00df geworden und mussten schrumpfen.<\/p>\n<p>In Deutschland, wo es weder einen starken R\u00fcckgang der Realzinsen durch den Euro noch, nicht zuletzt aus diesem Grund, einen Immobilienboom gegeben hatte, kam es nicht zu einem solchen Strukturbruch. Die Arbeitslosigkeit war im Jahr 2009 nur kurz etwas angestiegen und sinkt seitdem wieder.<\/p>\n<p>Probleme gab es allerdings bei den deutschen Banken, die unter dem Druck ihrer Aktion\u00e4re und Vorst\u00e4nde auf Renditejagd waren. Weil das Renditeniveau der traditionellen Anlageklassen im Zuge der &#8222;Great Moderation&#8220; so stark gesunken war, verfielen sie den Sirenenkl\u00e4ngen der Investment Banken und Ratingagenturen und luden sich ihre Bilanzen \u2013 oder die ihrer &#8222;Special Purpose Vehicles&#8220; in Irland \u2013 mit angeblich soliden aber erstaunlicherweise \u00fcberdurchschnittlich gut verzinsten Immobilienpapieren voll, vorwiegend amerikanischen. Die Bankenaufseher hatten nichts weiter einzuwenden. Am Ende handelte es sich aber um die inzwischen ber\u00fchmten toxischen Aktiva, die so wertlos waren, dass die Rettung der strauchelnden Banken den deutschen Steuerzahler mehrere hundert Milliarden Euro kostete.<\/p>\n<p>Ein Nebenprodukt des kreditgetriebenen Booms in den heutigen Krisenl\u00e4ndern des Euroraums waren die starken Lohnsteigerungen, vor allem im Vergleich zu Deutschland. In ihrer Euphorie nahmen weder die Vertreter der Arbeitnehmer noch der Unternehmen wahr, dass sie in einem Festkurssystem rapide an Wettbewerbsf\u00e4higkeit einb\u00fc\u00dfen, wenn sich die anderen L\u00e4nder nicht an diesem Spiel beteiligen. Nur durch Produktivit\u00e4tsgewinne l\u00e4sst sich dieser Nachteil beseitigen, aber wie relevant sind Produktivit\u00e4tsfortschritte bei Baufirmen und Banken, wenn es um die Konkurrenz mit ausl\u00e4ndischen Anbietern geht?<\/p>\n<p>Dass wir es heute mit 17 Millionen Arbeitslosen zu tun haben, hat au\u00dfer mit der nach wie vor lahmenden Weltkonjunktur und der pro-zyklischen Finanzpolitik im Euroraum mit zwei Euro-spezifischen Ph\u00e4nomenen in den Krisenl\u00e4ndern zu tun: der unhaltbaren Expansion des Finanzsektors und der Bauwirtschaft einerseits sowie dem rapiden Anstieg der relativen Lohnst\u00fcckkosten andererseits.<\/p>\n<p>Um die Arbeitslosigkeit wieder zu vermindern, muss an allen Fronten etwas geschehen. Am besten w\u00e4re es nat\u00fcrlich, wenn es einen starken und nachhaltigen Aufschwung g\u00e4be. Daran ist aber nicht zu denken, solange die Rentenm\u00e4rkte eine Konsolidierung der Staatsfinanzen und damit immer neue Sparpakete erzwingen. Deutschland h\u00e4tte die Mittel, konjunkturell so viel zu bewegen, dass es auch den Nachbarl\u00e4ndern etwas nutzt. <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2012\/03\/06\/struktureller-haushaltsuberschuss-von-fast-4-prozent_4480\">Schlie\u00dflich gibt es nach meinen Berechnungen einen strukturellen staatlichen Haushalts\u00fcberschuss in der Gr\u00f6\u00dfenordnung von 3 bis 4 Prozent des BIP<\/a>. Leider bin ich da allein auf weiter Flur. Das Wort &#8222;Konjunkturstimulierung&#8220; steht bei uns ohnehin auf dem Index. Die Mehrheitsmeinung ist: Wenn wir hier Gas geben, lassen die anderen sofort in ihrem Bem\u00fchen nach, sich selbst aus dem Sumpf zu ziehen und zu gesunden. Immerhin zeigt sich die Bundesrepublik bei der Ausstattung des Europ\u00e4ischen Stabilit\u00e4tsmechanismus recht gro\u00dfz\u00fcgig und solidarisch. Dass das vorwiegend aus Eigeninteresse geschieht, sollte nicht st\u00f6ren.<\/p>\n<p>Es w\u00e4re w\u00fcnschenswert, wenn demn\u00e4chst einmal auch konzeptionell ein gr\u00f6\u00dferer Schritt in Richtung Fiskalunion unternommen w\u00fcrde \u2013 das k\u00f6nnte den Weg f\u00fcr eine expansivere gesamteurop\u00e4ische Finanzpolitik er\u00f6ffnen, die auch am Arbeitsmarkt Fr\u00fcchte tr\u00e4gt. Schlie\u00dflich bel\u00e4uft sich das konsolidierte Haushaltsdefizit der W\u00e4hrungsunion auf &#8222;nur&#8220; etwa 4 Prozent des BIP und bietet damit wesentlich mehr Spielraum als etwa die amerikanischen, britischen oder japanischen Staatsdefizite. Unter welchen Bedingungen k\u00f6nnten gemeinsame Eurobonds begeben werden? Wenn sich Italien, Spanien und die anderen zu Konditionen verschulden k\u00f6nnen, die nicht viel schlechter sind als die deutschen, lie\u00dfen sich notwendige, aber schmerzhafte Strukturreformen am Arbeitsmarkt und in der Finanzpolitik leichter verkaufen und durchsetzen als das bisher m\u00f6glich ist. Irgendwann wird es zu solchen Anleihen kommen, ich vermute aber, dass die Eurokrise zuvor noch einmal gef\u00e4hrlich eskalieren muss.<\/p>\n<p>Die Lohnrelationen d\u00fcrften angesichts der gro\u00dfen Unterschiede in den Arbeitslosenquoten innerhalb des Euroraums nur tendenziell wieder ins Lot gebracht werden \u2013 de facto kann es kaum funktionieren, oder es wird sehr lange dauern. Am besten w\u00e4re eine ordentliche Abwertung. Das ist aber keine Option mehr. In Deutschland lagen die tariflichen Stundenl\u00f6hne im Januar nur um ganze 0,9 Prozent \u00fcber ihrem Vorjahreswert. Wenn spanische oder italienische Unternehmen angesichts solcher Bescheidenheit und ihrer \u00fcber viele Jahre relativ stark gestiegenen Lohnst\u00fcckkosten ihre Wettbewerbsposition verbessern wollen, m\u00fcssen sie schon ihr Lohnniveau um 30 Prozent senken oder die Produktivit\u00e4t um so viel steigern. Wie soll das gehen?<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2012\/04\/Lohnstueckkosten_DE_FR_IT_ES_1995-2011Q4.gif\" alt=\"Grafik: Lohnstueckkosten DE FR IT ES 1995-2011Q4\" title=\"Lohnstueckkosten DE FR IT ES 1995-2011Q4\" width=\"482\" height=\"286\" class=\"size-full wp-image-4592\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2012\/04\/Lohnstueckkosten_DE_FR_IT_ES_1995-2011Q4.gif 482w, https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2012\/04\/Lohnstueckkosten_DE_FR_IT_ES_1995-2011Q4-300x178.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 482px) 100vw, 482px\" \/><\/p>\n<p>Ausgeschlossen ist ein solches Lohndumping allerdings keineswegs. Die baltischen L\u00e4nder haben es vorgemacht. Manchmal ist es besser, eine schlecht bezahlte Arbeit anzunehmen als gar kein Einkommen zu haben. Hartz IV f\u00fcr Spanien? Der andere Ansatz w\u00e4re, die Investitionen so zu steigern, dass es zu gro\u00dfen Produktivit\u00e4tsspr\u00fcngen kommt und es wieder attraktiv wird, neue Mitarbeiter einzustellen. Dazu k\u00f6nnen Unternehmen allerdings nicht gezwungen werden. Ohne massive staatliche Anreize wird es nicht gehen. Da aber die Staaten Eurolands Sparen zu ihrer Priorit\u00e4t gemacht haben, bleibt nichts Anderes \u00fcbrig, als die Struktur von Ausgaben und Einnahmen nachhaltig zugunsten der Investitionsf\u00f6rderung zu ver\u00e4ndern. Ein anderer Schwerpunkt sollte auf der beruflichen Wiedereingliederung der Arbeitslosen durch Fortbildung sowie der marktgerechteren Ausbildung der Jugendlichen liegen, Stichwort &#8222;duales Ausbildungssystem&#8220;.<\/p>\n<p>Wie es letztlich funktionieren wird, ist ungewiss. Der makropolitische Ausweg ist weitgehend versperrt \u2013 bis auf die extrem expansive Geldpolitik nat\u00fcrlich, aber da sind die Grenzen wohl inzwischen erreicht. Mikro\u00f6konomische Ma\u00dfnahmen sind hilfreich, brauchen aber ihre Zeit. Viele junge Leute werden inzwischen an Auswanderung denken, einen entscheidenden Beitrag zur Reduzierung der europ\u00e4ischen Arbeitslosigkeit darf man sich davon jedoch aus vielerlei Gr\u00fcnden nicht erwarten. Es gibt noch keine Vereinigten Staaten von Europa.<\/p>\n<p>Letztlich wird es in L\u00e4ndern wie Spanien, Portugal, Griechenland oder Irland zu einer Verminderung der Nominall\u00f6hne kommen. Die Arbeitslosen werden in ihren neuen Jobs zumindest anfangs weniger verdienen als in ihren alten. Dass die Arbeitslosigkeit auf Dauer beim jetzigen, oder m\u00f6glicherweise bei einem noch h\u00f6heren Niveau verharren kann, ohne dass es zu sozialen Umw\u00e4lzungen kommt, ist jedenfalls nicht zu erwarten. Der Handlungsdruck ist enorm.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Anstieg der Arbeitslosigkeit von 11,5 Millionen Personen zu Beginn der Finanzkrise auf jetzt \u00fcber 17 Millionen, also innerhalb von nur etwas mehr als vier Jahren, ist h\u00f6chst beunruhigend und wirft die Frage auf, f\u00fcr was denn die W\u00e4hrungsunion gut sein soll, hat sie doch in vielen Mitgliedsl\u00e4ndern mitten in der Krise Lohnk\u00fcrzungen und eine [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":61,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[],"class_list":["post-4585","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-konjunktur-und-wirtschaftspolitik"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v21.0 - https:\/\/yoast.com\/wordpress\/plugins\/seo\/ -->\n<title>Bald 20 Millionen Arbeitslose - Herdentrieb<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2012\/04\/04\/bald-20-millionen-arbeitslose_4585\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Bald 20 Millionen Arbeitslose - Herdentrieb\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Der Anstieg der Arbeitslosigkeit von 11,5 Millionen Personen zu Beginn der Finanzkrise auf jetzt \u00fcber 17 Millionen, also innerhalb von nur etwas mehr als vier Jahren, ist h\u00f6chst beunruhigend und wirft die Frage auf, f\u00fcr was denn die W\u00e4hrungsunion gut sein soll, hat sie doch in vielen Mitgliedsl\u00e4ndern mitten in der Krise Lohnk\u00fcrzungen und eine [&hellip;]\" \/>\n<meta property=\"og:url\" content=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2012\/04\/04\/bald-20-millionen-arbeitslose_4585\" \/>\n<meta property=\"og:site_name\" content=\"Herdentrieb\" \/>\n<meta property=\"article:published_time\" content=\"2012-04-04T15:36:15+00:00\" \/>\n<meta property=\"article:modified_time\" content=\"2012-04-04T19:20:54+00:00\" \/>\n<meta property=\"og:image\" content=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2012\/04\/Arbeitslosigkeit_in_der_EWU_1995-201202.gif\" \/>\n<meta name=\"author\" content=\"Dieter Wermuth\" \/>\n<meta name=\"twitter:card\" content=\"summary_large_image\" \/>\n<meta name=\"twitter:creator\" content=\"@zeitonline\" \/>\n<meta name=\"twitter:site\" content=\"@zeitonline\" \/>\n<meta name=\"twitter:label1\" content=\"Geschrieben von\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data1\" content=\"Dieter Wermuth\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:label2\" content=\"Gesch\u00e4tzte Lesezeit\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data2\" content=\"9\u00a0Minuten\" \/>\n<script type=\"application\/ld+json\" class=\"yoast-schema-graph\">{\"@context\":\"https:\/\/schema.org\",\"@graph\":[{\"@type\":\"WebPage\",\"@id\":\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2012\/04\/04\/bald-20-millionen-arbeitslose_4585\",\"url\":\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2012\/04\/04\/bald-20-millionen-arbeitslose_4585\",\"name\":\"Bald 20 Millionen Arbeitslose - Herdentrieb\",\"isPartOf\":{\"@id\":\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/#website\"},\"datePublished\":\"2012-04-04T15:36:15+00:00\",\"dateModified\":\"2012-04-04T19:20:54+00:00\",\"author\":{\"@id\":\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/#\/schema\/person\/cded255e8a7893fa16565de10e59b891\"},\"breadcrumb\":{\"@id\":\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2012\/04\/04\/bald-20-millionen-arbeitslose_4585#breadcrumb\"},\"inLanguage\":\"de\",\"potentialAction\":[{\"@type\":\"ReadAction\",\"target\":[\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2012\/04\/04\/bald-20-millionen-arbeitslose_4585\"]}]},{\"@type\":\"BreadcrumbList\",\"@id\":\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2012\/04\/04\/bald-20-millionen-arbeitslose_4585#breadcrumb\",\"itemListElement\":[{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":1,\"name\":\"Startseite\",\"item\":\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\"},{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":2,\"name\":\"Bald 20 Millionen Arbeitslose\"}]},{\"@type\":\"WebSite\",\"@id\":\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/#website\",\"url\":\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/\",\"name\":\"Herdentrieb\",\"description\":\"So funktioniert Kapitalismus. 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