{"id":5739,"date":"2013-02-21T18:43:54","date_gmt":"2013-02-21T17:43:54","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/?p=5739"},"modified":"2013-02-22T18:41:21","modified_gmt":"2013-02-22T17:41:21","slug":"eurolands-rezession-ist-nicht-gottgewollt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2013\/02\/21\/eurolands-rezession-ist-nicht-gottgewollt_5739","title":{"rendered":"Eurolands Rezession ist nicht gottgewollt"},"content":{"rendered":"<p>Es l\u00e4sst sich etwas dagegen unternehmen. Grunds\u00e4tzlich fehlt es n\u00e4mlich nicht an Mitteln \u2013 netto ist die W\u00e4hrungsunion ja nicht in Fremdw\u00e4hrung verschuldet und daher nicht durch ausl\u00e4ndische Gl\u00e4ubiger in ihrem Handlungsspielraum eingeschr\u00e4nkt. Was fehlt, ist der politische Wille, eine korrekte Analyse der Situation, der Mut zu ungew\u00f6hnlichen Ma\u00dfnahmen und nicht zuletzt das Bewusstsein, dass die L\u00e4nder des Euro-Raums mittlerweile eine Schicksalsgemeinschaft geworden sind.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nMan muss sich nur einmal vor Augen halten, wie gro\u00df der j\u00e4hrliche Verlust an potenziellem Wohlstand ist. Er entsteht dadurch, dass die Kapazit\u00e4ten am Arbeitsmarkt und in der Produktion nicht voll ausgelastet sind. Die erste der beiden folgenden Grafiken zeigt, wie weit das aktuelle Bruttoinlandsprodukt Eurolands unterhalb seiner Trendlinie liegt, die sich durch Extrapolation der durchschnittlichen Zuwachsraten im Zeitraum 2001 bis zum ersten Quartal 2008 ergibt \u2013 n\u00e4mlich von 1,9 Prozent j\u00e4hrlich. Die sogenannte Outputl\u00fccke betr\u00e4gt zurzeit rund 10 Prozent. Und das entspricht einer Unterauslastung von 950 Milliarden Euro.<\/p>\n<p>Da es auch in diesem Jahr zu einem R\u00fcckgang des realen Bruttosozialprodukts kommen d\u00fcrfte, nimmt der Verlust an potenziellem Output weiter zu und wird, wenn nichts geschieht, deutlich \u00fcber einer Billion Euro liegen \u2013 und das in einem einzigen Jahr! Angesichts solcher Betr\u00e4ge verblassen alle europ\u00e4ischen Rettungspakete, die bisher diskutiert und beschlossen wurden. Mit anderen Worten, es m\u00fcsste eigentlich m\u00f6glich sein, alle denkbaren Kosten, die bei der Stabilisierung der Banken und der Staatsfinanzen anfallen k\u00f6nnen, durch die Einkommen aus einer besseren Kapazit\u00e4tsauslastung abzudecken.<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_5740\" aria-describedby=\"caption-attachment-5740\" style=\"width: 485px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-5740\" alt=\"Grafik: Entwicklung des BIP im Euroland seit 2008Q1\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2013\/02\/BIP_im_Euroland_seit_2008Q1.gif\" width=\"485\" height=\"530\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-5740\" class=\"wp-caption-text\">Entwicklung des BIP im Euroland seit 2008Q1<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Die Sache ist nicht zuletzt deshalb dringend, weil der Produktionsapparat rasch veraltet, wenn nicht st\u00e4ndig neu investiert wird. Ohne Wachstum f\u00e4llt der notwendige Strukturwandel schwer \u2013 wohin mit den vielen Leuten, die in der Bauwirtschaft und im Finanzsektor freigesetzt wurden? Es ist ein Teufelskreis. Weil sie kein regul\u00e4res Einkommen haben, halten sie sich mit K\u00e4ufen zur\u00fcck, was wiederum die Rezession vertieft. Gegenma\u00dfnahmen sind auch deshalb dringend n\u00f6tig, weil Arbeitslose ihre beruflichen Qualifikationen verlieren, wenn sie l\u00e4nger ohne Job sind, was dann \u00fcber die Zeit den R\u00fcckgang der Arbeitslosigkeit unter sonst gleichen Bedingungen erschwert (das wird von Volkswirten &#8222;Hysteresis&#8220; genannt). Die n\u00e4chsten beiden Schaubilder zeigen, wie stark die Besch\u00e4ftigung und die Anzahl der Arbeitsstunden im Euroland und seinen vier gro\u00dfen L\u00e4ndern eingebrochen ist. In Spanien ist die Lage besonders dramatisch, ohne dass es Anzeichen f\u00fcr eine Wende gibt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-5741\" alt=\"Grafik: Entwicklung der Beschaeftigung in Euroland seit 2000\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2013\/02\/Beschaeftigung_Euroland_2000-2012.gif\" width=\"485\" height=\"290\" \/><\/p>\n<p><figure id=\"attachment_5742\" aria-describedby=\"caption-attachment-5742\" style=\"width: 485px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-5742\" alt=\"Grafik: Entwicklung der Beschaeftigung in DE, FR, IT und ES seit 2000\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2013\/02\/Beschaeftigung_DE_FR_IT_ES_2000-2012.gif\" width=\"485\" height=\"301\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-5742\" class=\"wp-caption-text\">Entwicklung der Beschaeftigung in Euroland seit 2000<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Bereits jetzt d\u00fcrfte das Potenzialwachstum um Einiges niedriger sein als in den zehn Jahren bis Anfang 2008. Es drohen japanische Verh\u00e4ltnisse: Dort hat sich das Potenzialwachstum seit den achtziger Jahren von rund vier Prozent auf inzwischen weniger als ein Prozent verlangsamt, weil es bis heute nicht gelungen ist, die Finanzkrise zu beenden: Inzwischen werden mickrige Wachstumsraten als normal angesehen.<\/p>\n<p>Warum kommt die Konjunktur Eurolands nicht ins Laufen? Die EZB erwartet laut ihrem <a href=\"http:\/\/www.bundesbank.de\/Redaktion\/DE\/Downloads\/Veroeffentlichungen\/EZB_Monatsberichte\/2012\/2012_12_ezb_mb.pdf#page=97\" target=\"_blank\">Dezemberbericht<\/a> f\u00fcr dieses Jahr einen R\u00fcckgang des realen BIP von 0,3 Prozent, und im &#8222;Aufschwungsjahr&#8220; 2014 eine positive Zuwachsrate von gerade einmal 1,2 Prozent. Immerhin sinkt angesichts solcher Werte die Inflation von zuletzt zwei Prozent im Vorjahresvergleich auf durchschnittlich 1,6 und 1,4 Prozent in diesem und im n\u00e4chsten Jahr. Nur f\u00fcr die Sparer ist das erfreulich, f\u00fcr Kreditnachfrage, Investitionen und die Schaffung von Arbeitspl\u00e4tzen w\u00e4re es besser, wenn mit steigenden Inflationsraten gerechnet werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Der Stab der EZB, von dem diese Prognosen stammen, geht dabei von den folgenden Annahmen aus:<\/p>\n<ul>\n<li>der 3-Monats-Euribor, der wichtigste Geldmarktsatz, wird bis auf Weiteres zwischen 0,2 und 0,3 Prozent verharren \u2013 er liegt heute bei 0,22 Prozent;<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>die durchschnittliche Rendite 10-j\u00e4hriger Staatsanleihen steigt minimal von 3,6 Prozent in diesem auf 4,0 Prozent im n\u00e4chsten Jahr (das entspricht den Markterwartungen von Ende November)<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>die Kreditzinsen f\u00fcr Haushalte und Unternehmen erreichen im Verlauf dieses Jahres ihren Tiefpunkt, steigen dann leicht<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>die Kreditvergabe belastet 2013 noch die Konjunktur, d\u00fcrfte aber ab 2014 neutral wirken<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>die Finanzmarktkrise eskaliert nicht weiter<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>in der Finanzpolitik halten sich die 17 Regierungen an ihre Pl\u00e4ne (verfolgen also eine restriktive Politik)<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>ein Fass Erd\u00f6l der Sorte Brent kostet in diesem Jahr durchschnittlich 105 Dollar, und 100,5 Dollar im n\u00e4chsten, bleibt demnach zwar hoch, sinkt aber deutlich<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>die anderen Rohstoffpreise sinken 2013 leicht, steigen dann 2014 wieder um 3,3 Prozent<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>der Euro kostet durchg\u00e4ngig 1,28 Dollar (das ist der Kurs von Ende November 2012)<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>der effektive (nominale) Wechselkurs des Euro bleibt unver\u00e4ndert, nachdem er 2012 um 5,5 Prozent gefallen war<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>das reale BIP im Rest der Welt nimmt kr\u00e4ftig zu: 2013 um 3,8 und 2014 um 4,5 Prozent<\/li>\n<\/ul>\n<p>Insgesamt ergibt das ein Bild de facto stagnierender, wenn nicht sogar r\u00fcckl\u00e4ufiger Inlandsnachfrage. Das ist nicht verwunderlich angesichts einer Arbeitslosenquote von fast 12 Prozent &#8211; Tendenz steigend -, \u00fcberschuldeter Haushalte in den L\u00e4ndern, in denen Immobilienblasen geplatzt sind, anhaltender Bilanzprobleme im Bankensektor und dem Bestreben der Regierungen, mitten in dieser tiefen Rezession ihre Budgetdefizite zu verringern. Alles, was an Dynamik zu erkennen ist, kommt von au\u00dfen. Gut, dass es die Schwellenl\u00e4nder gibt. Aus den obigen Annahmen errechnet sich zwangsl\u00e4ufig das folgende Tableau aus dem Monatsbericht vom vergangenen Dezember. Besonders beunruhigend, aber nicht \u00fcberraschend, ist der anhaltende R\u00fcckgang der Sachinvestitionen. Die EZB nimmt das alles auf fast fatalistische Weise hin.<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_5743\" aria-describedby=\"caption-attachment-5743\" style=\"width: 495px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-5743\" alt=\"Tabelle: ECB staff projections, Dec. 2012\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/files\/2013\/02\/ecbstaffprojections_201212_tabelle1_de.gif\" width=\"495\" height=\"295\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-5743\" class=\"wp-caption-text\">Quelle: ECB staff projections, Dec. 2012<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Damit das Wachstum wieder in Gang kommt, muss die Wirtschaftspolitik zum einen daf\u00fcr sorgen, dass der Bankensektor nachhaltig saniert wird, zum anderen muss die gro\u00dfe L\u00fccke zwischen aktueller Nachfrage und Produktionspotenzial soweit es geht geschlossen werden.<\/p>\n<p>Warum ist es so wichtig, dass die Banken wieder auf die Beine kommen? Die Aktivseiten ihrer Bilanzen sind voll von faulen Krediten und \u00fcberbewerteten Wertpapieren (das sind vor allem Hypotheken, Anleihen staatlicher Schuldner und Asset Backed Securities). Da diese Aktiva teilweise mit weit \u00fcberh\u00f6hten Ans\u00e4tzen in den B\u00fcchern stehen, besteht nach wie vor ein gewaltiger Abschreibungsbedarf. Die Nullzinspolitik der EZB ist nicht zuletzt darauf gerichtet, den Zinsertrag der Banken und damit deren Gewinne zu steigern. Das erh\u00f6ht ihren Spielraum f\u00fcr Abschreibungen. Es kann aber noch einige Jahre dauern &#8211; vielleicht sogar Jahrzehnte, wenn es so kommt wie in Japan &#8211; bis der Prozess abgeschlossen ist und alle Wertans\u00e4tze auf der Aktivseite den wahren Marktpreisen entsprechen. Im Verlauf dieses Prozesses haben die Banken kaum einen Anreiz, neue Kredite zu vergeben \u2013 sie scheuen neue Risiken.<\/p>\n<p>Der Knoten l\u00e4sst sich nur durchschlagen, indem die neue europ\u00e4ische Aufsichtsbeh\u00f6rde die Banken zwingt, ihre s\u00e4mtlichen Aktiva innerhalb k\u00fcrzester Zeit marktgerecht zu bewerten. Wer das finanziell nicht verkraftet und in Konkurs zu gehen droht, muss unter die Fittiche der noch zu etablierenden Sanierungs- und Abwicklungsbeh\u00f6rde der W\u00e4hrungsunion genommen werden. Das f\u00fchrt zu vor\u00fcbergehenden Verstaatlichungen und zwangsl\u00e4ufig auch zu einer weiteren Schrumpfkur des europ\u00e4ischen Bankensektors. Ich bin \u00fcberzeugt, dass es bei den Banken noch erhebliche Produktivit\u00e4tsreserven gibt, sodass deren Kunden nicht mit Nachteilen zu rechnen haben.<\/p>\n<p>Das Ganze ist sehr teuer. Ich denke, dass es um mindestens eine Billion Euro geht, also etwa 10 Prozent des gemeinsamen BIP. Die Operation m\u00fcsste de facto \u00fcber die Notenpresse der EZB laufen \u2013 deren Bilanz sich entsprechend verschlechtern w\u00fcrde. Der Steuerzahler w\u00e4re aber nicht unmittelbar betroffen. Niemand muss im \u00dcbrigen bef\u00fcrchten, dass die Inflation dadurch aus dem Ruder l\u00e4uft: Daf\u00fcr sind Arbeitslosenquoten und Outputl\u00fccken viel zu gro\u00df. Die \u00fcberlebenden Banken aber w\u00e4ren gesund und k\u00f6nnten sich unbelastet von Altlasten ihren eigentlichen Gesch\u00e4ften widmen \u2013 zwischen Sparern und Schuldnern zu vermitteln und Unternehmungen zu finanzieren, um so dazu beizutragen, dass wieder mehr investiert wird und neue Arbeitspl\u00e4tze geschaffen werden.<\/p>\n<p>Der andere wichtige Ansatzpunkt bei dem Projekt, die Wirtschaft nachhaltig anzukurbeln, ist die Nachfrage. Dabei geht es vor allem um die Finanzpolitik. Von der Lohnpolitik ist angesichts der Lage am Arbeitsmarkt nicht viel zu erwarten, obwohl es helfen w\u00fcrde, wenn fl\u00e4chendeckend ausk\u00f6mmliche Mindestl\u00f6hne eingef\u00fchrt w\u00fcrden \u2013 arme Leute haben meistens keine andere Wahl, als ihr gesamtes Einkommen f\u00fcr den Konsum auszugeben. In immer mehr <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/oekonomie\/nachrichten\/us-studie-die-wahrheit-ueber-mindestloehne-seite-all\/3752840-all.html\" target=\"_blank\">Studien<\/a> wird gezeigt, dass die positiven Effekte einer Lohnuntergrenze \u00fcberwiegen. Die Geldpolitik halte ich f\u00fcr mehr oder weniger ausgereizt: Negativzinsen w\u00e4ren nicht schlecht, sind aber tabu und daher kein Thema.<\/p>\n<p>In der Finanzpolitik gibt es dagegen gr\u00f6\u00dfere Spielr\u00e4ume als allgemein vermutet. Die gr\u00f6\u00dften existieren nat\u00fcrlich in Gl\u00e4ubigerl\u00e4ndern wie Deutschland, \u00d6sterreich, Finnland und den Niederlanden. Da in letzter Zeit so wenig investiert wurde, sind vor allem solche Ausgaben und Steueranreize angesagt, die die Zukunftsf\u00e4higkeit der Volkswirtschaft verbessern. Ich denke an die F\u00f6rderung von Kitas, Kinderg\u00e4rten, Schulen, Hochschulen, der dualen Ausbildung, an Forschung und Entwicklung oder die Energiewende, an Ausgaben f\u00fcr die Infrastruktur oder die Integration der Ausl\u00e4nder. Wenn wir die Grenzen offen halten und so von der internationalen Arbeitsteilung profitieren m\u00f6chten, muss der Strukturwandel aktiv vom Staat begleitet werden. Das tr\u00e4gt entscheidend dazu bei, dass auch k\u00fcnftig die Produkte und Dienstleistungen angeboten werden, f\u00fcr die es auf dem Weltmarkt einen Bedarf gibt.<\/p>\n<p>In den Krisenl\u00e4ndern der europ\u00e4ischen Peripherie muss der Strukturwandel noch dringender vorangetrieben werden. Es m\u00fcssen Alternativen zu den Aktivit\u00e4ten im Bau und in der Finanzwirtschaft entwickelt werden. Da die Zinsen, die diese L\u00e4nder heute zu zahlen haben, ihre Leistungskraft \u00fcbersteigen, muss die europ\u00e4ische Solidargemeinschaft daf\u00fcr sorgen, dass sie an billige Kredite kommen \u2013 und dass die Laufzeit der existierenden Schulden verl\u00e4ngert wird. Das kann und wird mit Auflagen einhergehen, die die Struktur ihrer Wirtschaft in vielerlei Hinsicht verbessern und daf\u00fcr sorgen, dass es so schnell nicht wieder zu faktischen Zahlungsausf\u00e4llen kommt. Stichworte sind hier: effizientere Steuersysteme, h\u00f6here Steuerquoten, flexiblere Arbeitsm\u00e4rkte, Privatisierungen, Abbau von Monopolen, vor allem bei den Dienstleistungen, Kampf gegen die Korruption und Steuerflucht, und was der guten Dinge mehr sind.<\/p>\n<p>Insgesamt pl\u00e4diere ich f\u00fcr eine expansivere Finanzpolitik. Obwohl sie verbunden sein sollte mit einer ehrgeizigen Strukturpolitik, wird es zun\u00e4chst zu steigenden Staatsschulden kommen. Das gilt sowohl f\u00fcr die Gl\u00e4ubiger- als auch f\u00fcr die Schuldnerl\u00e4nder. Es geht leider nicht anders, da der private Sektor in eine Art Todesstarre verfallen ist und Angst hat, Geld auszugeben. Ich bin mir sicher, dass das auf viele Jahre hinaus nicht zu deutlich steigenden Realzinsen f\u00fcr Regierungsanleihen f\u00fchrt. Da ist im \u00dcbrigen auch die EZB dagegen, die keine Anstalten macht, die kurzen Zinsen zu erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Die Beispiele Japans, der USA und Gro\u00dfbritanniens zeigen, dass sehr hohe Staatsschulden einhergehen k\u00f6nnen mit niedrigen und sogar sinkenden Realzinsen. Warum? Weil hohe Schulden ein Zeichen daf\u00fcr sind, dass der Staat mit seiner Nachfrage versucht, einen Teil der Outputl\u00fccke zu schlie\u00dfen. Die Schulden der Staaten sind nicht deshalb hoch, weil leichtfertig Geld zum Fenster hinausgeworfen wurde, sondern weil die Regierungen die Folgen der Exzesse im privaten Sektor kompensieren mussten &#8211; und noch m\u00fcssen. Wenn sich eines Tages neue Inflationsspiralen bilden sollten, muss nat\u00fcrlich gegengesteuert werden. Das ist aber f\u00fcr\u2018s erste kein Thema.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es l\u00e4sst sich etwas dagegen unternehmen. Grunds\u00e4tzlich fehlt es n\u00e4mlich nicht an Mitteln \u2013 netto ist die W\u00e4hrungsunion ja nicht in Fremdw\u00e4hrung verschuldet und daher nicht durch ausl\u00e4ndische Gl\u00e4ubiger in ihrem Handlungsspielraum eingeschr\u00e4nkt. 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