{"id":68,"date":"2006-08-18T10:40:26","date_gmt":"2006-08-18T09:40:26","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/?p=68"},"modified":"2006-08-18T10:40:26","modified_gmt":"2006-08-18T09:40:26","slug":"woher-das-wachstum-kommt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2006\/08\/18\/woher-das-wachstum-kommt_68","title":{"rendered":"Woher das Wachstum kommt"},"content":{"rendered":"<p>Drollig, wie die Untergangspropheten jetzt versuchen, Ihre in den vergangenen Jahren aufgestellten Thesen vom Niedergang der deutschen Wirtschaft zu retten. Denn das kr\u00e4ftige Wachstum will einfach nicht zu ihren Katastrophenszenarien passen, die nur mit Blut-Schwei\u00df-und-Tr\u00e4nen-Reformen eigentlich h\u00e4tten verhindert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ich habe in den vergangenen Tagen mit einigen aufgekl\u00e4rten Frankfurter Bankvolkswirten telefoniert. Alle frohlocken schon, mit welchen Kniffen, Tricks und Unversch\u00e4mtheiten uns die Fraktion der Verkrustungstheoretiker und Basar\u00f6konomen in den kommenden Wochen begl\u00fccken werden. Zwei platte Strategien seien schon mal skizziert:<br \/>\n<!--more--><br \/>\nDas Wachstum sei zu stark, die deutsche Wirtschaft \u00fcberhitze. Mehr als ein Prozent sei nicht drin, weshalb jetzt Ma\u00dfnahmen gegen ein Hei\u00dflaufen getroffen werden m\u00fcssten. Nein, kein Scherz. Zumindest das mit der \u00dcberhitzung (\u201eim roten Bereich\u201c) haben die Volkswirte der Dekabank geschlussfolgert. Diese Strategie wird scheitern, sie ist einfach zu borniert.<\/p>\n<p>Etwas geschickter stellen es jene wie Hans-Werner Sinn an, die jetzt von Konjunktur statt Wachstum sprechen und damit suggerieren, dass sie langfristig mit dem Niedergang Recht h\u00e4tten, aber die kurzfristige Konjunktur Deutschland besser aussehen l\u00e4sst. Dazu passen auch all jene Kommentare, die den Zenit im zweiten Quartal \u00fcberschritten sehen und f\u00fcr Anfang n\u00e4chsten Jahres Schlimmes bef\u00fcrchten. Das kr\u00e4ftige Wachstum ein Ausrutscher. Diese Fraktion muss man fragen, warum es bis 2006 gedauert hat, bis Deutschland endlich an der Weltkonjunktur partizipiert. Warum nicht schon 2004 und 2005 \u2013 Spitzenjahrg\u00e4nge der Weltkonjunktur? Diese Frage l\u00e4sst sich nicht mit dem verkrusteten Arbeitsmarkt und den nominal hohen L\u00f6hnen erkl\u00e4ren. Denn daran hat sich in den vergangenen Jahren nichts Wesentliches ge\u00e4ndert.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.ftd.de\/meinung\/leitartikel\/105646.html\">Last but not least im Wachstumszusammenhang ein gro\u00dfes Lob an die Volkswirte der Financial Times Deutschland (FTD). Thomas Fricke, Sebastian Dullien, Mark Schieritz und Christiane von Hardenberg haben \u00fcber Jahre hinweg dem deutschen Mainstream die Stirn geboten. Sinns-Thesen mutig zerfetzt und immer wieder einen neuen Dreh gefunden, warum das, was uns all die anderen Tageszeitungen serviert haben in puncto Niedergang der deutschen Wirtschaft nicht stimmen muss, dass man auch anders auf die Probleme schauen kann. <\/a><\/p>\n<p>Ich habe hier meinen Erkl\u00e4rungsversuch angeh\u00e4ngt, den treue HERDENTRIEB-Leser kennen m\u00f6gen. Es ist meine Story 2006, die ich im April f\u00fcr das Fachmagazin der Assetmanager &#8222;dpn&#8220; aufgeschrieben habe:<\/p>\n<p><strong>DEUTSCHLANDS WUNDERSAME WIEDERAUFERSTEHUNG<\/strong><\/p>\n<p>\u00dcberall regt es sich in diesem angeblich so stark verkrusteten Land. Was ist nur los mir Deutschland? Gro\u00dfe Koalition, kaum eindrucksvolle Strukturreformen und dennoch: Der Optimismus der Industrie, gemessen am ber\u00fchmten Ifo-Index, liegt auf Niveaus, die zuletzt 1991 erzielt worden sind. Die Investitionen ziehen wieder an, die Besch\u00e4ftigung nimmt wieder zu, obwohl die L\u00f6hne noch immer ganz weit \u00fcber denen in Osteuropa liegen, von China ganz zu schweigen. Und selbst die Baubranche meldet sich zur\u00fcck, obwohl das Land doch angesichts der demografischen Entwicklung angeblich keine Steinbauten mehr braucht.<\/p>\n<p>Was vor sechs Monaten noch als unvorstellbar galt, ein Wirtschaftswachstum von zwei Prozent und mehr, wird immer mehr zur Gewissheit. Niemand muss sich die Augen verwundert reiben oder mit offenem Mund staunen. Erst recht sollte sich niemand l\u00e4cherlich machen und versuchen, einen irgendwie gearteten Merkel-Faktor ausfindig machen zu wollen. Das ist Folklore.<\/p>\n<p><strong><em>Schneller Abschied vom Rheinischen Kapitalismus<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Der Schl\u00fcssel zum Verst\u00e4ndnis des Anpassungsprozesses der vergangenen Jahre sind die Finanzierungsbedingungen der deutschen Wirtschaft. Sie haben sich so grundlegend gewandelt, dass dieses Land ins Straucheln geraten ist. Innerhalb von f\u00fcnf Jahren hat sich das Land vom Rheinischen Kapitalismus verabschiedet und ist zu einem ganz normalen kapitalistischen Land mutiert. Ganz pl\u00f6tzlich war der billige Kredit verschwunden, ganz pl\u00f6tzlich reichte den Kapitalbesitzern eine traditionell geringere Eigenkapitalrendite als im Rest Europas nicht mehr. Diese Anpassungskrise hat das Land zum mehrj\u00e4hrigen Schlusslicht verdammt. Notgedrungen ging die Anpassung von dem einen institutionellen Rahmen zum anderen mit einer enormen Umverteilung zwischen den beiden Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital einher, die die Binnennachfrage gel\u00e4hmt und das Land vom Export abh\u00e4ngig gemacht hat. Doch inzwischen meldet sich die Binnennachfrage zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Parallel dazu scheint auch die Wiedervereinigung halbwegs verkraftet. Sie hat \u00fcber ein Jahrzehnt das Wachstum massiv gehemmt. Der durch die Wirtschaftspolitik des Altkanzlers Helmut Kohl k\u00fcnstlich aufgebl\u00e4hte Bausektor hat einen zehnj\u00e4hrigen Schrumpfungsprozess hinter sich mit Massenentlassungen von insgesamt rund 1.000.000 Menschen, mit einer geplatzten Immobilienblase und in letzter Konsequenz mit der Bankenkrise der Jahre 2002\/2003. Jetzt sieht es so aus, als sei das Schlimmste \u00fcberstanden. Der Bausektor d\u00fcrfte dieses Jahr erstmals keine Wachstumspunkte mehr kosten, der Immobilienmarkt scheint sich stabilisiert zu haben und die Banken machen wieder ordentliche Gewinne.<\/p>\n<p><strong><em>Strukturreformer aus gutem Grund sprachlos <\/em><\/strong><\/p>\n<p>Kurzum: Deutschland hat seine zwei schweren Schocks, Wiedervereinigung und Euro, \u00fcberstanden und es spricht nichts dagegen, dass es in diesem Land wieder aufw\u00e4rts gehen kann &#8211; und nicht nur f\u00fcr ein Jahr. Der Boden ist bereitet. Das hei\u00dft nat\u00fcrlich nicht, dass die deutsche Wirtschaft immun w\u00e4re gegen einen Dollarcrash, gegen eine weltweite Wachstumsabschw\u00e4chung oder \u00e4hnliches. Aber das zur Gewohnheit gewordene Starren auf den Arbeitsmarkt und seine vermeintlichen Verkrustungen bringt niemanden weiter. Der Arbeitsmarkt und der \u201eausufernde Sozialstaat\u201c waren nie das Hauptproblem der vergangenen Jahre. Es war der Kapitalmarkt und die daraus abgeleiteten Finanzierungsbedingungen. Doch so blicken die vielen Wirtschaftspropheten selten auf die Wirtschaft. Deshalb sind die Strukturreformer in letzter Zeit ob der Dynamik der Wirtschaft so sprachlos: Aus ihrer Sicht hat sich nichts Wesentliches an den Rahmenbedingungen ge\u00e4ndert.<\/p>\n<p><strong><em>Der Euro hat die Karten neu gemischt <\/em><\/strong><\/p>\n<p>Es war die Einf\u00fchrung des Euros Anfang 1999: Sie hat unbemerkt den Katalysator f\u00fcr die grundlegende Ver\u00e4nderung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gespielt. Zum einen verlor Deutschland mit der D-Mark die latente Aufwertungsspekulation. Diese \u00fcber Jahrzehnte berechtigte Spekulation hatte das deutsche Wirtschaftssystem lange Zeit gegen\u00fcber dem Rest der Welt abgeschottet.<\/p>\n<p>Denn die Renditeanforderungen an die hiesigen Unternehmen durften geringer sein. Die Aufwertung der D-Mark hatte aus Sicht der internationalen Anlegerschaft diesen Nachteil wettgemacht.<\/p>\n<p>Deutschland ist lange mit einer signifikant geringeren Eigenkapitalrendite ausgekommen als der Rest Eurolands. Wenn die Renditeanforderungen des Produktionsfaktors Kapital geringer sind, bedeutet das zwangsweise, dass mehr investiert wird und dass der Produktionsfaktor Arbeit mehr vom Kuchen abbekommen kann. Beides war lange Zeit in Deutschland der Fall.<\/p>\n<p>Nicht nur die Eigenkapitalrendite lag im D-Mark-Zeitalter niedriger als heute, auch die Kreditzinsen waren relativ zu den europ\u00e4ischen Nachbarl\u00e4ndern billiger. Das resultierte aus der Funktion, die die D-Mark im Europ\u00e4ischen W\u00e4hrungssystem inne hatte. Sie war die Leitw\u00e4hrung und konnte deshalb ihren W\u00e4hrungsraum mit den g\u00fcnstigsten Finanzierungsbedingungen versorgen. Durch die Einf\u00fchrung des Euros wurde dieser Vorteil nivelliert und pl\u00f6tzlich hatten die Unternehmen in Italien oder Spanien die selben niedrigen Finanzierungskosten. Hinzu kamen die Abschaffung der Gew\u00e4hrtr\u00e4gerhaftung f\u00fcr die \u00f6ffentlich-rechtlichen Institute und die ganze Umstellung der Kreditvergabe auf die Anforderungen von Basel II. Alles zusammen hat die Kreditanforderungen f\u00fcr die Unternehmen extrem erh\u00f6ht und zu dem schwachen Wachstum beigetragen.<\/p>\n<p><strong><em>Das Finanzierungssystem der Deutschland AG &#8230; <\/em><\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend die beiden eben beschriebenen Effekte noch relativ problemlos mit jedem Standardlehrbuch f\u00fcr Wirtschaft erkl\u00e4rbar sind, ist der dritte, wichtige Mechanismus nicht ganz so offensichtlich. Denn hierbei handelt es sich eher um Corporate Governance als um Volkswirtschaft. Der Rheinische Kapitalismus war ein Wirtschaftssystem, das auf den Bankkredit aufbaute und nicht auf den Kapitalmarkt. Bis zur Jahrtausendwende hatten Minderheitsaktion\u00e4re, Fondsgesellschaften und ausl\u00e4ndische Investoren nichts zu melden. Daf\u00fcr \u00fcbernahmen die Gro\u00dfbanken die Rolle des zentralen Koordinators. Sie finanzierten die Unternehmen mit Kredit, sie waren an den Industrieunternehmen beteiligt, sie sa\u00dfen in so gut wie jedem Aufsichtsrat und gaben dem Management die Richtung vor. Es war ein System, das auf die Kontrollen der Insider setzte. Im Aufsichtsrat sa\u00dfen alle Stakeholder, Gro\u00dfaktion\u00e4re, Banken, Gewerkschaften sowie wichtige Kunden und Lieferanten. Die Konflikte zwischen den Parteien wurden intern und im Kompromiss gel\u00f6st. Es war die ber\u00fchmte Deutschland AG, die das Land regierte.<\/p>\n<p><strong><em>&#8230; forderte nicht die h\u00f6chsten Eigenkapitalrenditen <\/em><\/strong><\/p>\n<p>Ein Finanzierungssystem, das auf den Bankkredit als wichtigstes Finanzierungsmedium setzt, produziert nicht auf Teufel komm raus hohe Eigenkapitalrenditen. Denn hohe Gewinne f\u00fcr die Aktion\u00e4re sind nicht in erster Linie im Interesse der Banken, denen es vor allem um die langfristige Bedienbarkeit der Kredite ging. Die Bilanzierungsregeln waren nat\u00fcrlich an den Interessen der Gl\u00e4ubiger, der neudeutsch Bondholder, ausgerichtet. Lieber Reserven bilden als Gewinne ausweisen. So konnten die Firmen in schlechten Jahren das Ergebnis gl\u00e4tten, blieben zahlungsf\u00e4hig \u2013 f\u00fcr den Zins- und Schuldendienst sowie die Dividende. Pl\u00f6tzliche Werkschlie\u00dfungen, Massenentlassungen, hektische Verk\u00e4ufe von einzelnen Beteiligungen waren unn\u00f6tig. Zum einen sorgte die konservative Bilanzierung daf\u00fcr, Liquidit\u00e4tskrisen gar nicht erst entstehen zu lassen, zum anderen gab es den Druck des Kapitalmarktes nicht, m\u00f6glichst rasch die versprochene Eigenkapitalrendite zu bescheren. Und vor feindlichen \u00dcbernahmen sch\u00fctzten die \u00dcberkreuzbeteiligungen.<\/p>\n<p><strong><em>Eichels Steuergeschenk brach die Schutzw\u00e4lle <\/em><\/strong><\/p>\n<p>Das \u00e4nderte sich peu \u00e0 peu seit Mitte der 90er Jahre. Die immer st\u00e4rker in deutschen Aktien investierten ausl\u00e4ndischen Investoren, Pensions- und Investmentfonds, verlangten eine h\u00f6here Publizit\u00e4t, einen besseren Schutz, eine andere Vertretung im Aufsichtsrat. Als einer der ersten Konzerne verzichtete die Deutsche Bank 1995 auf die deutschen Bilanzierungsvorschriften und nutzte die gesetzliche M\u00f6glichkeit, ihre Bilanz nach dem kapitalmarktorientierten Standard IAS zu erstellen. Und nat\u00fcrlich hielt die Shareholder-value-Philosophie viele Verlockungen bereit. Die Vorst\u00e4nde, die sich bislang immer um einen Kompromiss mit ihrem Aufsichtsrat bem\u00fchen mussten und international bescheiden verdienten, wollten auch endlich ihre Bez\u00fcge globalisieren. Was gab es da Eleganteres, als den Aktienkurs zum allein seligmachenden Ma\u00dfstab zu bestimmen, und damit nur noch die Interessen der Aktion\u00e4re zu bedienen? So f\u00fchrten zum Beispiel die Vorst\u00e4nde bei Deutscher Bank und Daimler Benz erstmals im Jahr 1996 Aktienoptionen ein. 1998 durften Unternehmen zum ersten Mal eigene Aktien zur\u00fcckkaufen und bekamen so die M\u00f6glichkeit zu schrumpfen. 2001 wurde das \u00dcbernahmegesetz verabschiedet, das klar regelt, wie in Deutschland ein b\u00f6rsennotiertes Unternehmen aufgekauft werden darf. Zur selben Zeit wurde die Stellung der Banken im deutschen Modell geschw\u00e4cht. Das Gesetz, das die Deutschland AG in die Aufl\u00f6sung schickte, war das Geschenk der Steuerfreiheit f\u00fcr Beteiligungsverk\u00e4ufe des Ex-Finanzministers Hans Eichel. Damit brachen die Schutzw\u00e4lle. Der anonyme Aktion\u00e4r hatte sich auch in Deutschland von der untersten Hierarchiestufe ganz nach oben gearbeitet.<\/p>\n<p><strong><em>Mit mehr Streiks w\u00e4re die Metamorphose perfekt <\/em><\/strong><\/p>\n<p>Das einzige, was zur Vollendung der Metamorphose fehlt, sind Streiks. Wenn in den Unternehmen nicht mehr die Insider das Sagen haben und nicht mehr alle widerstrebenden Interessen im Konsens gel\u00f6st werden k\u00f6nnen, muss jeder Stakeholder schauen, wo er bleibt. Deutschland galt immer als das Land in der kapitalistischen Welt, das den Arbeitskampf nicht kannte, zumindest fiel er nie ins Gewicht. Vier ganze Tage pro Jahr auf 1.000 Arbeitnehmer sind im Schnitt der vergangenen zehn Jahre f\u00fcr einen Streik draufgegangen. In Amerika sind es 44, in Irland 78 und in Frankreich fast 100. Wie es scheint, gleicht sich Deutschland nun auch in diesem Punkt der angels\u00e4chsischen Welt an.<\/p>\n<p>Wie die Aufreihung der kleinen Revolutionen f\u00fcr den Finanzmarkt Deutschland zeigt, war der Rheinische Kapitalismus schon vor der Euro-Einf\u00fchrung nicht richtig globalisierungstauglich. Aber erst der Euro hat den Systemwechsel hin zu einem Kapitalismus angels\u00e4chsischer Pr\u00e4gung erzwungen. Die Friktionen wurden nach dem TMT-Boom Ende 2001 deutlich sp\u00fcrbar. Was erstaunt und insofern gegen die These des verkrusteten Deutschlands spricht, ist die Geschwindigkeit, mit der sich das System von dem einen in den anderen Zustand gewandelt hat.<\/p>\n<p>Die Anpassung war scharf, aber erfolgte rasch. Die Investitionen brachen in den Jahren 2002 bis 2004 regelrecht ein, genau so wie die Lohnquote, also der Anteil des Bruttoinlandsprodukts, der dem Faktor Arbeit zusteht. Im Gegenzug kletterte die Gewinnquote auf den h\u00f6chsten Stand seit den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts und bescherte dem eingesetzten Kapital die international \u00fcbliche Rendite. Im Prinzip lief die Anpassung wie im Lehrbuch ab. Die starke Lohnzur\u00fcckhaltung hat auf der einen Seite den Konsum geschw\u00e4cht, auf der anderen Seite das Land zum Exportweltmeister gemacht. Die Lohnst\u00fcckkosten liegen heute um satte 8,7 Prozent unter dem langfristigen Durchschnitt seit 1975!<\/p>\n<p><strong><em>Drei Prozentpunkte tr\u00fcben die Aussicht nur ein bisschen <\/em><\/strong><\/p>\n<p>So stellt sich die deutsche Volkswirtschaft im Jahr 2006 runderneuert und hoch wettbewerbsf\u00e4hig dar. Alle Bremsen, die dem Land \u00fcber gut ein Jahrzehnt ein mickriges Wachstum beschert haben, sind gelockert: Auf der Finanzierungsseite tickt das System jetzt nach anderen Regeln, aber es tickt wieder. Auf der realwirtschaftlichen Seite lastet der Bau nicht mehr auf dem Wachstum und auch der Stellenabbau im Staatssektor, immerhin der zahlenm\u00e4\u00dfig zweitgr\u00f6\u00dfte nach dem Bau w\u00e4hrend der vergangenen zehn Jahre, scheint ausgestanden. Die einzige Gefahr, die Deutschland droht, kommt von der Mehrwertsteuererh\u00f6hung im n\u00e4chsten Jahr. Sie f\u00e4llt mit drei Prozentpunkten etwas happig aus und k\u00f6nnte noch einmal etwas Schwung rauben. Abgesehen davon wird Deutschland in den kommenden Monaten und Jahren noch f\u00fcr so manche positive Wachstums\u00fcberraschung gut sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Drollig, wie die Untergangspropheten jetzt versuchen, Ihre in den vergangenen Jahren aufgestellten Thesen vom Niedergang der deutschen Wirtschaft zu retten. 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