{"id":6893,"date":"2013-12-23T16:05:13","date_gmt":"2013-12-23T15:05:13","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/?p=6893"},"modified":"2013-12-24T09:47:46","modified_gmt":"2013-12-24T08:47:46","slug":"sein-und-zeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2013\/12\/23\/sein-und-zeit_6893","title":{"rendered":"Sein und Zeit"},"content":{"rendered":"<p>Zum Jahresausklang ein paar S\u00e4tze zu einem Thema, das mich schon in meiner ersten VWL-Vorlesung in Freiburg besch\u00e4ftigt hat: Die Rolle der Zeit in der \u00d6konomie. Es ist ein wichtiges Thema, denn in der Debatte \u00fcber die Staatsverschuldung wird zum Beispiel argumentiert, dass Schulden die kommenden Generationen belasten \u2013 also letztlich einer intertemporale Transaktion gleichkommen, in der sich die Gegenwart \u00fcber die Zukunft erhebt.<\/p>\n<p>Die Kritik an dieser These liegt nat\u00fcrlich auf der Hand und ist Lesern dieses Blogs bekannt: <!--more-->Es werden nicht nur Verbindlichkeiten \u00a0(die Schulden) sondern auch Forderungen (die den Schulden korrespondierenden Staatsanleihen) an die n\u00e4chste Generation weitergegeben. Und weil sich Forderungen und Verbindlichkeiten gegenseitig aufheben passiert netto \u00fcberhaupt nichts (ich abstrahiere jetzt von Verteilungsproblemen und Liquidit\u00e4tsbeschr\u00e4nkungen).<\/p>\n<p>In dem Thema steckt aber noch mehr. Wir neigen zu der Vorstellung, dass sich Ressourcen entlang der Zeitachse verschieben lassen. Nach dem Motto: Wer heute spart, kann morgen konsumieren. Wer im Alter nicht am Hungertuch nagen will, muss jetzt Geld zur\u00fccklegen. In einer gesamtwirtschaftlichen Betrachtungsweise gilt das alles aber nur noch mit Einschr\u00e4nkungen. Es gibt in der \u00d6konomie keine \u00a0Zeitachse im klassischen Sinn. Es gibt immer nur die jeweilige Periode. Zeit ist die Abfolge von unendlich vielen in sich abgeschlossenen Perioden. Das Produktionspotenzial bestimmt den maximalen G\u00fcteraussto\u00df in jeder Periode \u2013 und wenn alle Unternehmen eine Periode Pause machten, dann bedeutet das nicht, dass sie in der n\u00e4chsten Periode mehr herstellen k\u00f6nnen. Aus der Tatsache, dass Investitionen aus Ersparnissen finanziert werden m\u00fcssen, folgt nicht, dass automatisch mehr investiert wird, wenn mehr gespart wird. Das ist nur im Sonderfall vollst\u00e4ndiger ausgelasteter Kapazit\u00e4ten der Fall. Oder wie <a title=\"Artikel in New Republic\" href=\"http:\/\/www.newrepublic.com\/article\/115956\/alan-greenspans-map-and-territory-reviewed-robert-solow\" target=\"_blank\">Robert Solow<\/a> in seiner lesenswerten Rezension des uns\u00e4glichen Buchs von Alan Greenspan schreibt.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>The mere fact that Saving and Investment as measured are defined to be equal\u00a0does not mean that the amount of investment the economy does is limited by the amount of saving that is available. (&#8230;) \u00a0In better times, when the economy\u2019s capacity to produce is being fully utilized, then indeed it will be true that investment is limited by saving. In a fully employed economy, if businesses want to buy more plant and equipment, the production of other goods, primarily consumer goods, will have to fall in order to make room.\u00a0That is precisely to say that there will have to be more saving.<\/em><\/p>\n<p>W\u00e4hrend ein Individuum die Zeit als Parameter benutzen kann, gilt gesamtwirtschaftlich eine totale Pr\u00e4senz. Wir k\u00f6nnen die Zukunft nur beeinflussen, indem wir die Gegenwart beeinflussen (also zum Beispiel einen Kapitalstock aufbauen, mit dem sich in einem Jahr oder in zehn Jahren waren produzieren lassen). Das ist auch der tiefere Sinn der viel zu selten rezipierten Mackenroth-These.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>Nun gilt der einfache und klare Satz, da\u00df aller Sozialaufwand immer aus dem Volkseinkommen der laufenden Periode gedeckt werden mu\u00df. Es gibt gar keine andere Quelle und hat nie eine andere Quelle gegeben, aus der Sozialaufwand flie\u00dfen k\u00f6nnte, es gibt keine Ansammlung von Periode zu Periode, kein \u201aSparen\u2018 im privatwirtschaftlichen Sinne, es gibt einfach gar nichts anderes als das laufende Volkseinkommen als Quelle f\u00fcr den Sozialaufwand.<\/em><\/p>\n<p>Mit diesen besinnlichen Gedanken allen Lesern ein frohes Fest.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum Jahresausklang ein paar S\u00e4tze zu einem Thema, das mich schon in meiner ersten VWL-Vorlesung in Freiburg besch\u00e4ftigt hat: Die Rolle der Zeit in der \u00d6konomie. 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