Neocons für Obama

Nur noch zwei Wochen vor der Wahl. Fast täglich kommen neue Konservative hinzu, die Barack Obama unterstützen. Gestern erst Colin Powell. Wenige Tage zuvor Christopher Buckley, der Sohn von William Buckley, dem Mit-Begründer der neokonservativen intellektuellen Bewegung. (Buckley wurde darauf von der National Review seine Kolumne entzogen, von der Zeitschrift, die sein Vater einst begründet hatte, um eine rechte intellektuelle Kultur aufzubauen. Mehr hier.)

Heute ist es Kenneth Adelman, ein weiteres Urgestein der neokonservativen Bewegung.
Adelman hat schon in den siebziger Jahren für Donald Rumsfeld gearbeitet, später war er ein Berater Ronald Reagans während dessen Verhandlungen mit Gorbatschow. Er hat den Irakkrieg enthusiatisch unterstützt, und ihn anfänglich als einen „Spaziergang“ gekennzeichnet.

Ken Adelman

Offenbar war das ein wenig übermütig, und so sah Adelman sich gedrängt, Ende 2006 mit seinem alten Freund Rumsfeld und sich selbst abzurechnen.
Und seine jetzige Unterstützung Barack Obamas steht offenbar in dieser Linie.

Das ist etwas Neues auf der politischen Szene Amerikas: reuige Neocons, die sich durch eine Unterstützung des angeblich am weitesten links stehenden Kandidaten seit Jahrzehnten rehabilitieren.

Die politische Reue als Wahlkampfmunition: Hier kommen die Obamacons!

Besonders interressant ist das vor dem Hintergrund, dass viele der ursprünglichen Neocons einmal reuige Linke waren – „mugged by reality“ (von der Wirklichkeit überfallen), wie Irving Kristol es nannte.

Jetzt findet das Gleiche wieder statt, nur mit anderer Richtung. Obama hat fast so viel Zulauf von der Rechten wie Reagan einst von der Linken.

Hier ist Adelmans Begründung im New Yorker:

Why so, since my views align a lot more with McCain’s than with Obama’s? And since I truly dread the notion of a Democratic president, Democratic House, and hugely Democratic Senate?

Primarily for two reasons, those of temperament and of judgment.

When the economic crisis broke, I found John McCain bouncing all over the place. In those first few crisis days, he was impetuous, inconsistent, and imprudent; ending up just plain weird. Having worked with Ronald Reagan for seven years, and been with him in his critical three summits with Gorbachev, I’ve concluded that that’s no way a president can act under pressure.

Second is judgment. The most important decision John McCain made in his long campaign was deciding on a running mate.

That decision showed appalling lack of judgment. Not only is Sarah Palin not close to being acceptable in high office—I would not have hired her for even a mid-level post in the arms-control agency. But that selection contradicted McCain’s main two, and best two, themes for his campaign—Country First, and experience counts. Neither can he credibly claim, post-Palin pick.

I sure hope Obama is more open, centrist, sensible—dare I say, Clintonesque—than his liberal record indicates, than his cooperation with Nancy Pelosi and Harry Reid portends. If not, I will be even more startled by my vote than I am now.

„Ideas have consequences“ – so lautete die Neocon-Warnung. Unter Bush haben die Neocons selber die Wahrheit ihrer Warnung zu spüren bekommen – und ziehen die Konsequenzen.