{"id":3577,"date":"2010-04-01T00:25:45","date_gmt":"2010-03-31T22:25:45","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/joerglau\/?p=3577"},"modified":"2010-04-01T00:32:02","modified_gmt":"2010-03-31T22:32:02","slug":"traumt-ihr-turkisch-mit-sigmar-gabriel-im-moscheenland-ruhr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/joerglau\/2010\/04\/01\/traumt-ihr-turkisch-mit-sigmar-gabriel-im-moscheenland-ruhr_3577","title":{"rendered":"&#8222;Tr\u00e4umt ihr t\u00fcrkisch?&#8220; &#8211; mit Sigmar Gabriel im Moscheenland Ruhr"},"content":{"rendered":"<p><em>Die ausf\u00fchrliche Version meiner Reportage aus der aktuellen ZEIT:<\/em><\/p>\n<p>Die Fahne seht man schon von weitem. Mondsichel und Stern auf flammendem Rot. Vor der Buer Merkez Moschee an der Horststra\u00dfe in Gelsenkirchen steht \u00dcmit Cibir, eine verkehrt herum aufgesetzte Baseballm\u00fctze auf dem Kopf. Ein paar seiner Freunde hat er mitgebracht, auch sie tragen Hiphop-Klamotten und haben ihre Haare mit gro\u00dfen Mengen Gel zu gewagten Skuplturen aufget\u00fcrmt.<br \/>\nEine Weile haben sie schon ausgeharrt an diesem Freitagmittag. Sie warten auf Sigmar Gabriel, den SPD-Vorsitzenden und seinen Bus voller parteinaher Promis. Und nat\u00fcrlich auf die mitreisenden Kameras der Journalisten. Als die Expedition endlich versp\u00e4tet auftaucht, spannt \u00dcmit mit seinem Kumpel Mohammed zur Begr\u00fc\u00dfung die Fahne auf. In den Busfenstern prangen Plakate: \u201cWir zeigen den Rechten die Rote Karte! SPD.\u201d<br \/>\n\u00dcmit und sein Freund zeigen den Linken die Rote Fahne. Es ist freilich die t\u00fcrkische, und das schafft ein Kommunikationsproblem. Denn Sigmar Gabriel ist unterwegs um zu betonen, dass die t\u00fcrkischen Einwanderer und ihre Kinder \u201chier in NRW dazugeh\u00f6ren\u201d und \u201cdass wir nicht zulassen werden, dass diese Typen einen Keil zwischen uns treiben\u201d.<br \/>\n\u201cDiese Typen\u201d, das sind die rechtsextremistischen Hetzer von der Initiative \u201cpro NRW\u201d, die an diesem Wochenende \u00fcberall im Ruhrgebiet \u201cMahnwachen\u201d vor Moscheen abhalten und einen \u201cSternmarsch\u201d auf die neue Duisburger Moschee veranstalten, die gr\u00f6\u00dfte in Deutschland. Denen will man mit dieser Aktion die Show stehlen. Die Kameras sollen nicht nur die Krakehler zeigen, die ein Minarettverbot auch in Deutschland fordern und biedere Nachbarschaftsmoscheen wie diese hier als \u201cBrutst\u00e4tten des Terrorismus\u201d hinstellen. An deren Stelle soll Sigmar Gabriel zu sehen sein,  Gem\u00fctsmensch, Nachbar und Parteichef, der mit den Menschen ohne Furcht und Vorurteile redet, ein Mann, der durch seine schiere Pr\u00e4senz und Offenheit Zusammenhalt schafft. Ein guter Plan.<br \/>\nDoch so eine riesige t\u00fcrkische Fahne ist da nicht wirklich hilfreich. Sie macht das gew\u00fcnschte Bild kaputt. \u00dcmit und Mohammed wird das auch gleich deutlich werden.<br \/>\nGabriel hat kaum den Bus verlassen, da ist er schon federnden Schritts bei den Jungs: \u201cMerhaba. Warum steht ihr hier mit der t\u00fcrkischen Fahne? Seid ihr keine Deutschen? Geh\u00f6rt ihr hier nicht dazu?\u201d Damit haben sie nicht gerechnet. Verlegenes, sprachloses Grinsen unter der Basecap. \u201cIch bin gleich wieder da, will nur eben die Demonstranten da hinten begr\u00fc\u00dfen\u201d, versetzt Gabriel und l\u00e4\u00dft die beiden Verdutzten stehen. Er marschiert zu einer Gruppe von Jusos und Falken, die an der n\u00e4chsten Ecke lautstark gegen \u201cRechtsextremismus und Rassismus\u201d demonstrieren. Als er zum Eingang der Buer Merkez Moschee zur\u00fcckkehrt, leuchtet es ihm schon schwarzrotgold entgegen. \u00dcmit und sein Freund halten jetzt eine deutsche Fahne in den H\u00e4nden: \u201cWow. Ihr seid ja pfiffig. Da k\u00f6nnen wir ja noch was lernen. Kommt mit rein\u201d, sagt Gabriel im Vorbeigehen. Allgemeines Gel\u00e4chter, in das schlie\u00dflich auch \u00dcmit und Mohammed einstimmen.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/joerglau\/files\/2010\/04\/25.03.2010-10-45-50_0128_resize.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-3578\" title=\"25.03.2010 10-45-50_0128_resize\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/joerglau\/files\/2010\/04\/25.03.2010-10-45-50_0128_resize.jpg\" alt=\"\" width=\"420\" height=\"308\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/joerglau\/files\/2010\/04\/25.03.2010-10-45-50_0128_resize.jpg 420w, https:\/\/blog.zeit.de\/joerglau\/files\/2010\/04\/25.03.2010-10-45-50_0128_resize-300x220.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 420px) 100vw, 420px\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Gabriel mit seinem Tross in der Buer Merkez Moschee<\/em> Foto: JL<br \/>\nWenn der SPD-Chef dieser Tage ein \u201cZeichen gegen die Rechten\u201d setzt, indem er durch die Moscheen des Ruhrgebietes tourt, dann ist das nat\u00fcrlich auch Teil Wahlkampfes in Nordrhein-Westfalen \u2013 sechs Wochen vor dem Sonntag, an dem es der Spitzenkandidatin der SPD, hannelore Kraft, vielleicht sogar gelingen k\u00f6nnte, Schwarz-Gelb in D\u00fcsseldorf von der Macht zu vertreiben. Frau Kraft ist folgerichtig an mehreren Stationen der Reise ebenfalls dabei. Die Sozialdemokratie hat die Muslime nach Jahren ratlosen Schweigens wiederentdeckt. Integrationspolitik ist unterdessen Unionsterritorium geworden, im Bund durch Islamkonferenz und Integrationsgipfel, in NRW durch den umtriebigen Minister Laschet. Es geht also auch um die R\u00fcckeroberung eines Themas.<br \/>\nAber mit dem Zeichensetzen ist das nicht so einfach dieser Tage. Wo auch immer der Moscheentourist Gabriel hinkommt an diesem Freitag &#8211; immer ist einer schon da, den er nicht auf der Rechnung hatte. Ob in  in Oberhausen, M\u00fchlheim oder Essen-Katernberg: \u00dcberall muss Gabriel die \u00c4u\u00dferungen des t\u00fcrkischen Ministerpr\u00e4sidenten Tayyip Erdogan aus der ZEIT kommentieren, t\u00fcrkische Gymnasien seien ein Mittel gegen die Integrationsdefizite vieler junger T\u00fcrkischst\u00e4mmiger. Und nur wer seine Muttersprache beherrsche, k\u00f6nne auch Deutsch lernen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/joerglau\/files\/2010\/04\/25.03.2010-13-52-37_0144_resize.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-3579\" title=\"25.03.2010 13-52-37_0144_resize\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/joerglau\/files\/2010\/04\/25.03.2010-13-52-37_0144_resize.jpg\" alt=\"\" width=\"420\" height=\"283\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/joerglau\/files\/2010\/04\/25.03.2010-13-52-37_0144_resize.jpg 420w, https:\/\/blog.zeit.de\/joerglau\/files\/2010\/04\/25.03.2010-13-52-37_0144_resize-300x202.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 420px) 100vw, 420px\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>In M\u00fchlheim kommen Hannelore Kraft und Peter Maffay dazu (rechts mit Krawatte Vural \u00d6ger) <\/em> Foto: JL<\/p>\n<p>Kaum hat er am Morgen die Haci Bayram Moschee in Oberhausen betreten, geht es schon los. Es ist eine kleine, bescheidene Hinterhofmoschee, in die der Tross hier einf\u00e4llt. Die mit ornamentalen Kacheln verkleidete Gebetsnische mag in Richtung Mekka weisen, doch die Debatte hat sofort Ankara zum Ziel. Herr Yildirim, der Generalsekret\u00e4r desMoscheeverbandes Ditib &#8211; ein Ableger des Religionsministeriums der T\u00fcrkei \u2013 m\u00f6chte sich lieber nicht zu Erdogans Meinungen \u00e4u\u00dfern. \u201cWir geh\u00f6ren zu Deutschland, wir sch\u00e4tzen den Rechtsstaat\u201d &#8211; mehr ist dem Funktion\u00e4r nicht zu entlocken. Da k\u00f6nnen Gabriels mitreisende t\u00fcrkische Promis nicht mehr an sich halten. Die Schauspielerin Renan Demirkan sagt, ihr eigenes T\u00fcrkisch sei zwar \u201cnur radebrechend\u201d: \u201cSo what! Mein Deutsch ist gut, das war meinen Eltern wichtig, und darum habe ich es zu etwas gebracht. Ich will dass die Kinder diese Sprache lernen, damit sie sich sichtbar machen k\u00f6nnen und mitmachen k\u00f6nnen in dieser Gesellschaft, die ich so liebe.\u201d<!--more--><br \/>\nJawohl: Liebe. Sie hat wirklich von ihrer \u201cLiebe zu dieser Gesellschaft\u201d gesprochen. Hier an diesem Ort, der eigentlich der Gottesliebe geweiht ist. Der Reise-Unternehmer Vural \u00d6ger nickt und ergreift das Wort: \u201cWir wollen keine Diasporat\u00fcrken in der dritten und vierten Generation. Ankara soll sich hier gef\u00e4lligst nicht mehr einmischen. Wie lange soll das noch weitergehen? Bis zur 5. Generation? Das macht die Identit\u00e4tskrise der Menschen hier nur noch schlimmer, wenn sie als  Stimmvieh der t\u00fcrkische Politik behandelt werden. Es w\u00e4re  keine Schande, sondern ein Grund zum Stolz, wenn junge Leute hier besser Deutsch als T\u00fcrkisch k\u00f6nnten. Seid endlich Deutsche \u2013 mit einem gro\u00dfen t\u00fcrkischen Herzen!\u201d<br \/>\nMit einem solchen Ausbruch hatte niemand gerechnet. \u00d6ger macht deutlich, dass die Integration nicht nur von den Rechtsradikalen da draussen bedroht wird, sondern auch von einem t\u00fcrkischen Nationalismus, der von innen her eigene Barrieren aufbaut. Gabriel nimmt befriedigt zur Kenntnis, dass die Deutscht\u00fcrken selbst sich dagegen zu wehren beginnen.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/joerglau\/files\/2010\/04\/25.03.2010-14-38-11_0203_resize.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-3580\" title=\"25.03.2010 14-38-11_0203_resize\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/joerglau\/files\/2010\/04\/25.03.2010-14-38-11_0203_resize.jpg\" alt=\"\" width=\"420\" height=\"282\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/joerglau\/files\/2010\/04\/25.03.2010-14-38-11_0203_resize.jpg 420w, https:\/\/blog.zeit.de\/joerglau\/files\/2010\/04\/25.03.2010-14-38-11_0203_resize-300x201.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 420px) 100vw, 420px\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Kuppel des noch unfertigen Neubaus der M\u00fchlheimer Moschee\u00a0 Foto: JL<\/em><\/p>\n<p>Und so wird der Trip f\u00fcr ihn zu einer h\u00f6chst lehrreichen Reise in die Widerspr\u00fcche des Einwanderungslandes Deutschland, die l\u00e4ngst nicht mehr im Links-Rechts-Schema aufgehen. Und \u00fcbrigens auch nicht in dem alten Spiel Einwanderer gegen Alteingesessene, das die Rechtsextremisten gerne zu ihrem machen wollen. In Gelsenkirchen folgt dem schnellen Fahnenwechsel ein \u00fcberraschender Schagabtausch mit \u00dcmit und anderen jungen Leuten im Versammlungsraum der Moschee, bei s\u00fc\u00dfem Tee und Geb\u00e4ck.<br \/>\nWieder ist die von Erdogan befeuerte Bildungsdebatte der Katalysator. T\u00fcrkische Gymnasien werden von den T\u00fcrken einhellig abgelehnt. \u201cWir wollen, dass unsere Kinder gemeinsam mit Deutschen lernen\u201d, sagt eine Mutter. \u201cSegregation hilft niemandem, wir haben schon zuviel davon an ganz normalen Schulen, an denen unsere Kinder die Mehrheit sind.\u201d  Gabriel zeigt zwar Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, dass \u201can Schulen mit 80 bis 90 Prozent Migrantenquote kein ordentliches Deutsch gelernt werden kann\u201d &#8211; er sei ja \u201ceigentlich Deutschlehrer von Beruf, wie Sie wissen\u201d. Doch mit Erdogans Vorschlag k\u00f6nne man dieses Problems nicht Herr werden. Zustimmendes Murren allerseits.<br \/>\nDa platzt es aus Alev Aksu heraus, einer jungen Frau mit Beyonc\u00e9-Lockenkopf und Wangen-Piercing: \u201cSorry. Mir kann keiner erz\u00e4hlen, dass die schlechten Bildungserfolge daran liegen, dass achtzig Prozent T\u00fcrken in einer Klasse sind. Was spricht denn f\u00fcr ein Selbstbild aus so einer Aussage? Wenn wir zuviele auf einem Haufen sind, lernen wir nicht mehr? Es wird genug getan f\u00fcr die Bildung in diesem Land. Alle Chancen sind da. Aber wenn ich den Lehrer nicht respektiere und mich daneben benehme, kann es eben nichts werden. Setzt euch auf den Hintern und lernt!\u201d<br \/>\nJetzt ist Gabriel verdutzt und hat einen Moment den Faden verloren. Die Jungs schauen verlegen unter ihren Basecaps hervor. Der SPD-Vorsitzende macht Erfahrungen mit einer t\u00fcrkischen Sub\u00f6ffentlichkeit, die offener und h\u00e4rter diskutiert, als sich manche Deutsche trauen. Man war gekommen, um sich in guter alter Antifa-Tradition vor die Moscheen zu stellen. Die Muslime hier sind dankbar und sichtbar geschmeichelt. Doch sie steigen nicht auf einen Opferdiskurs ein.  Es gibt viel mehr Bereitschaft \u00fcber die eigene Verantwortung f\u00fcr Integration zu reden als vermutet \u2013 hier im gesch\u00fctzten Raum der Moscheen, in dem die ehemaligen G\u00e4ste nun die stolzen Gastgeber sind.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/joerglau\/files\/2010\/04\/25.03.2010-15-46-40_0212_resize.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-3581\" title=\"25.03.2010 15-46-40_0212_resize\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/joerglau\/files\/2010\/04\/25.03.2010-15-46-40_0212_resize.jpg\" alt=\"\" width=\"420\" height=\"303\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/joerglau\/files\/2010\/04\/25.03.2010-15-46-40_0212_resize.jpg 420w, https:\/\/blog.zeit.de\/joerglau\/files\/2010\/04\/25.03.2010-15-46-40_0212_resize-300x216.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 420px) 100vw, 420px\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Beim interreligi\u00f6sen Friedensgebet in Essen Katernberg\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Foto: JL<\/em><\/p>\n<p><em><br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>\u201cWas wollt Ihr werden? Was k\u00f6nnen wir f\u00fcr Euch tun?\u201d will Gabriel von \u00dcmit und seinen Freunden wissen. \u201cMir gehts gut\u201d, kontert der, \u201cich mache eine Ausbildung zum KfZ-Mechatroniker.\u201d Seine beiden Freunde stehen vor dem Abitur. Der eine will Wirtschaftssprachen studieren, der andere Maschinenbau. \u201cTr\u00e4umt ihr auf Deutsch oder T\u00fcrkisch?\u201d fragt Gabriel. \u201cBeides\u201d, antwortet \u00dcmit, dessen erstauntem Blick man anmerkt, dass ihn das wohl noch niemand gefragt hat: \u201cUnser Leben wird hier sein, in der T\u00fcrkei machen wir blo\u00df Urlaub.\u201d<br \/>\nUnd dann muss Gabriel auch schon weiter. Das t\u00fcrkische Deutschland wird von Politikern immer noch bereist wird als w\u00e4re es ein ferner Kontinent, den man nur unter Strapazen und aufwendigen Vorkehrungen besucht. Man braucht schon einen guten Grund, um sich das anzutun \u2013 eine rechtsradikale Gefahr etwa, oder Wahlkampf, oder gar beides. Erst wenn solche Reisen in den Alltag auch ohne Zwang und Kalk\u00fcl unternommen werden, kann ein echtes Gespr\u00e4ch zustande kommen. Immerhin, etwas hat begonnen.<br \/>\nAm Ende des Trips durch  das Moscheenland Ruhr steht ein interreligi\u00f6ses Friedensgebet in der Essener Fatih-Moschee. Nachdem Gabriel mit seinen G\u00e4sten vor dem Minbar, der Predigtkanzel, Platz genommen hat, sprechen Pastoren und Hodschas gemeinsame F\u00fcrbitten. Dann singt der Chor der St. Josefs-Gemeinde, lauter wei\u00dfhaarige Frauen und M\u00e4nner (\u201cGeh unter der Gnade\u201d). Und schlie\u00dflich l\u00e4\u00dft die S\u00e4ngerin Schirin Partowi, eine Meisterin der Bach-Kantate, ihre raumf\u00fcllende Stimme durch die pr\u00e4chtige Kuppel fliegen. Die K\u00fcnstlerin singt ein \u00f6kumenisches Gotteslob auf arabisch und englisch: \u201cOh Lord, the Light of my Life\u201d.  Partowi sch\u00fcttelt ihre beeindruckende Lockenm\u00e4hne, wenn sie pausiert. Eine iranisch-deutsche Frau ohne Kopftuch singt in der Moschee von Allah und vom christlichen Gott, als w\u00e4re die beiden gute Nachbarn. Und die Pastoren und Hodschas machen gute Miene dazu. Als alles vorbei ist, sagt sie: \u201cDas ist ein Riesenschritt, dass sie mich das hier haben machen lassen.\u201d<br \/>\nWie gro\u00df der Schritt ist, zeigt ein Blick auf die Empore. Da stehen die Frauen der hiesigen Gemeinde, allesamt bekopftucht und getrennt von den m\u00e4nnlichen Betern, die den Moscheeraum am Boden bev\u00f6lkern. Was sie wohl von Schirin Partowi denken? Und ob sie wohl nur t\u00fcrkisch tr\u00e4umen? Oder manchmal auch auf deutsch?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die ausf\u00fchrliche Version meiner Reportage aus der aktuellen ZEIT: Die Fahne seht man schon von weitem. Mondsichel und Stern auf flammendem Rot. 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